Luftfeuchtigkeit am Büroarbeitsplatz

Ergebnisse einer Fraunhofer-Studie

In einer zweijährigen Studie hat das Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO) die Bedeutung und Wirkung der Luftfeuchte am Büroarbeitsplatz untersucht. Die Ergebnisse zeigen, dass Büronutzer in Büroflächen mit und ohne Luft­befeuchtung unterschiedlich stark an Störungen und Symptomen trockener Luft leiden.

Das Raumklima zählt neben der Raumakustik und der Beleuchtung zu den Arbeitsumgebungsfaktoren, die einen direkten Einfluss auf Wohlbefinden, Leistungsfähigkeit und Gesundheit haben können. Das Raumklima wird dabei maßgeblich durch die relative Luftfeuchtigkeit und die Raumtemperatur bestimmt. Insbesondere die Luftfeuchtigkeit ist jedoch in den letzten Jahren kaum umfassend in der Praxis untersucht worden. Dabei haben sich sowohl Büronutzung, Gebäudetechnik und Befeuchtungsmöglichkeiten als auch die Ansprüche an Büroflächen in den vergangenen Jahren stark verändert. Experten sind sich einig,...
Das Raumklima zählt neben der Raumakustik und der Beleuchtung zu den Arbeitsumgebungsfaktoren, die einen direkten Einfluss auf Wohlbefinden, Leistungsfähigkeit und Gesundheit haben können. Das Raumklima wird dabei maßgeblich durch die relative Luftfeuchtigkeit und die Raumtemperatur bestimmt. Insbesondere die Luftfeuchtigkeit ist jedoch in den letzten Jahren kaum umfassend in der Praxis untersucht worden. Dabei haben sich sowohl Büronutzung, Gebäudetechnik und Befeuchtungsmöglichkeiten als auch die Ansprüche an Büroflächen in den vergangenen Jahren stark verändert. Experten sind sich einig, dass es in den nächsten Jahren eine rasante Entwicklung hin zu mehr Komfort in Büros geben wird: Fast drei Viertel der Experten ist sich sicher, dass bereits 2030 in nahezu jedem Büro eine optimale Luftfeuchte herrschen wird [1]. Schon jetzt empfindet ein Drittel der Büroarbeiter die Luftfeuchte am Arbeitsplatz als die größte Störquelle [2]. Trotzdem sind verbindliche, rechtliche Vorgaben oder Richtwerte zur Luftfeuchtigkeit in Bürogebäuden bislang nicht vorhanden. Im Rahmen des Verbundforschungsprojektes „Office 21“ untersuchte daher das Fraunhofer IAO in Stuttgart in Zusammenarbeit mit der Draabe Industrietechnik GmbH, welche Wirkungen die Luftfeuchte am Büroarbeitsplatz hat (Bild 1).

Erfrischendes Raumklima

Die Untersuchungen erfolgten im „Workspace Innovation Lab“ im Zentrum für virtuelles Engineering ZVE des Fraunhofer IAO und wurden zusätzlich durch eine internetbasierte Befragung gestützt. Auf einer geschlossenen Bürofläche wurden drei Direkt-Raumluftbefeuchter vom Typ Draabe-„NanoFog Evolution“ eingesetzt. Diese Fläche stellt mit einer konstanten relativen Luftfeuchte zwischen 39 und 42 % die Referenzfläche für die Untersuchung dar, die über insgesamt vier Untersuchungsperioden lief. Innerhalb dieser Perioden wurde die Direkt-Raumluftbefeuchtung im Untersuchungsraum jeweils für mehrere Wochen ein- und ausgeschaltet. Verglichen werden die Befragungsergebnisse Luftbefeuchtung „An“ und Luftbefeuchtung „Aus“ mit weiteren Bereichen im Gebäude ohne Luftbefeuchtung. Für die Bewertung der Arbeitsumgebung durch die Nutzer wird eine fünfstufige Skala verwendet, die von „vollkommene Zustimmung“ bis „völlige Ablehnung“ reicht. Zur Interpretation der Ergebnisse werden die Zustimmungsgrade „stimme vollkommen zu“ und „stimme eher zu“ zusammengefasst.

Bei der Frage nach der Empfindung der Luftfeuchte zeigt sich ein erwartungsgemäß großer Unterschied für die unterschiedlichen Szenarien (Bild 2): Bei aktiver Luftbefeuchtung stimmt keiner der Befragten zu, dass die Luftfeuchtigkeit häufig als zu niedrig empfunden wird. Sind die Luftbefeuchter hingegen nicht aktiv bzw. für alle Untersuchungsflächen ohne Luftbefeuchter, gibt es auf die Frage eine Zustimmung von jeweils 44 %. Die Differenz der relativen Luftfeuchte zur konstant befeuchteten Referenzfläche beträgt dort rund 16 %. Mit der Einbringung zusätzlicher Luftfeuchtigkeit durch das eingesetzte Direkt-Raumsystem werden sehr feine Aerosole (mikrokleine, schwebende Flüssigkeitstropfen) in die Luft gebracht, die sichtbar und, im unmittelbaren Umfeld der Befeuchter, auch spürbar sind. Diese Form der Luftbefeuchtung und die daraus resultierende durchschnittliche Erhöhung der relativen Luftfeuchte von 28,5 % auf 38,5 % bewirken bei den Büronutzern ein positives Empfinden: 54 % der Befragten beurteilen die Direkt-Raumluftbefeuchter als sehr erfrischend (Bild 3). Nur 33 % Zustimmung gibt es dafür, wenn die Direkt-Raumluftbefeuchtung nicht aktiv ist. Die empfundene Frische lässt sich jedoch nicht auf eine Reduzierung der Raumtemperatur zurückführen. In beiden untersuchten Szenarien lagen die Raumtemperaturen über die betrachteten 27 Wochen bei konstant durchschnittlich 22,5 °C.

 

Das trockene Auge

Da Bürotätigkeit heute immer auch Bildschirmarbeit beinhaltet, gilt die mögliche Belastung der Augen als eine wichtige Einflussgröße für die allgemeine Konzentrations- und Leistungsfähigkeit.

Im Rahmen der Untersuchung zielt daher eine Frage auf ein bekanntes Symptom, das mit dem von Augenärzten definierten Krankenbild des sogenannten „Trockenen Auges“ einhergeht: Der Tränenfilm hat die Aufgabe, die Augen­ober­fläche vor Reizungen und Infektionen der Bindehaut zu schützen. Die Dimension des Tränenfilms hängt dabei auch von der Luftfeuchte ab. Bei anhaltend trockener Raumluft kommt es zu einer verstärkten Verdunstung der Tränenflüssigkeit. Dies hat zur Folge, dass feine Luftpartikel und Stäube durch Risse des Tränenfilms in die Bindehaut eindringen können. Gesteigerte Lidschlagfrequenz, ein unangenehmes „Sandkorngefühl“, erhöhte Blendungsempfindlichkeit und Augenbrennen können Anzeichen für beginnende Augenentzündungen sein.

Bei der Befragung zum Symptom „Augenbrennen“ zeigen sich deutliche Unterschiede zwischen den Büroflächen mit und ohne Luftbefeuchtung: 41 % der Befragten in Büros ohne Luftbefeuchtung bestätigen, dass häufig die Augen bei der Arbeit brennen. Ist eine Luftbefeuchtung im Einsatz, reduzieren sich die Beschwerden um fast die Hälfte. Nur noch 23 % der befragten Büroarbeiter leiden dann häufig unter Augenbrennen (Bild 4).

 

Ausgetrocknete Schleimhäute

Die Schleimhäute des Atmungstraktes (Nase, Bronchien, Lunge) erfüllen eine wichtige Schutz- und Selbstreinigungsfunktion. Die Viskosität der Schleimhäute ist mit entscheidend dafür, wie schnell Erreger aus dem Körper heraustransportiert werden. Je schneller dies passiert, desto geringer ist das Risiko einer Erkrankung. Klinische Untersuchungen unterstützen die Aussage, dass die Luftfeuchte die Viskosität der Schleimhäute beeinflusst [3]: Je zähflüssiger die Schleimschicht ist, desto weniger wirkungsvoll ist die Selbstreinigung. Untersuchungen zeigen, dass für eine schnelle, effiziente Klärfunktion der Luftwege eine ausreichend hohe Luftfeuchtigkeit von mindestens 30 % nötig ist. Die schnellste Transportgeschwindigkeit wird bei einer relativen Luftfeuchte von 45 % erreicht. Unter 20 % blockiert die Selbstreinigungsfunktion vollständig. Vor diesem Hintergrund zielt die Frage darauf ab zu ermitteln, inwieweit ausgetrocknete Atemwege von den Befragten wahrgenommen werden können. Wie auch bei der Frage zum Augenbrennen zeigen sich hier unterschiedliche Zustimmungen in den Befragungsgruppen: 54 % der Mitarbeiter in Büros ohne Luftbefeuchtung stimmen der Aussage zu, dass sie häufig ausgetrocknete Atemwege bei der Arbeit haben. An Arbeitsplätzen mit Luftbefeuchtung reduzieren sich die Beschwerden über ausgetrocknete Atemwege um über ein Drittel auf 35 % (Bild 5).

 

Stimmprobleme

Vor allem für Berufsgruppen, die viel sprechen müssen, ist durch den dauerhaften Gebrauch der Stimme das Risiko groß, an Stimmstörungen zu erkranken. Über 60 % der Callcenter-Mitarbeiter leiden beispielsweise häufig unter Stimmbelastungen. Häufige Symptome sind Trockenheit im Rachen und Kehlkopf, Schluckzwang, vermehrtes Räuspern und Heiserkeit. Die Stimmbildung erfolgt im Kehlkopf, in dem sich die durch eine Schleimhaut umgebenen Stimmlippen und Stimmbänder befinden. Es gilt als erwiesen, dass diese sensible Schleimhaut eine konstante Feuchtigkeit benötigt, um der Stimme ein gesundes Funktionieren und einen anstrengungsfreien Klang zu geben. Gemeinhin wird für Berufsgruppen mit hohem Sprechanteil eine Mindestluftfeuchte von 40 % empfohlen [4].

Die Umfrage zeigt eine deutliche Tendenz, dass bei geringer Luftfeuchtigkeit Stimmprobleme ansteigen können (Bild 6): In Arbeitsumgebungen ohne Luftbefeuchtung leidet knapp ein Drittel (29 %) häufig an Problemen mit der Stimme. Wird die Luft hingegen kontinuierlich befeuchtet, äußern nur noch 18 % Beschwerden über häufige Stimmprobleme.

 

Fazit

Die Fraunhofer-Studie zeigt, dass die Büroarbeiter in Flächen mit und ohne Luftbefeuchtung unterschiedlich stark an den beschriebenen Symptomen zu trockener Luft leiden. So bestätigt sich ein Einfluss der Luftfeuchte auf mögliche Augenreizungen, auf die Trockenheit der Schleimhäute und mögliche Stimmprobleme. Für alle abgefragten Symptome äußern die Befragten in Büros mit einer zusätzlichen Direkt-Raumluftbefeuchtung weniger Beschwerden. Die Luftfeuchtigkeit am Arbeitsplatz ist daher als ein Baustein zur Erhöhung des Wohlbefindens und zur möglichen Reduzierung von gesundheitlichen Belastungen zu bewerten.

Da das Arbeitsprofil im Büro heute zu großen Anteilen immer auch Bildschirm- und Sprechtätigkeit umfasst, ist gerade aus den verminderten Augen- und Stimmbelastungen ein positiver Einfluss abzuleiten. Die durch die Direkt-Raumluftbefeuchtung freigesetzten Aerosole binden zusätzlich Stäube und reduzieren die Verwirbelungsintensität von Feinpartikeln. Diese Luftreinigung hat einen zusätzlichen positiven Effekt auf die empfundene Frische des Raumklima und auf die Belastungen von Augen und Stimme.

Für alle untersuchten Symptome hält die Studie allerdings fest, dass die Luftfeuchtigkeit nur eine mögliche Einflussgröße darstellt. Andere Größen der Arbeitsumgebung und persönliche Faktoren spielen ebenfalls eine Rolle. Eine monokausale Ableitung von Ursachen- und Wirkungszusammenhängen ist daher nicht vertretbar. Als bestätigt gilt jedoch für das Fraunhofer IAO, dass der zusätzliche Einsatz von Luftbefeuchtungssystemen einen positiven Effekt auf die Beurteilung des Arbeitsplatzes hat und sich ebenso auf die Leistungsfähigkeit und Gesundheit der Büro­arbeiter auswirkt.


Literatur

[1] Fraunhofer IAO, Stuttgart: Delphi-Studie „Forecast 2025 – wie wir zukünftig arbeiten und leben“ (2012) [2] SBiB-Studie, Hochschule Luzern (2010) [3] Univ.-Prof. Dr. Guggenbichler (2007) [4] Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (2005)

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