Logistikzuschläge – keine gute Idee
In den vergangenen Wochen haben einige Großhändler angekündigt, ihren Kunden in unterschiedlicher Ausgestaltung zusätzliche Frachtkostenzuschläge zu berechnen. Als Grund hierfür werden gestiegene Energie- und Treibstoffkosten angeführt. Zum großen Teil sind diese Ankündigungen auch in unterschiedlichen Ausprägungen – teils als Pauschalbetrag je Lieferschein, teils als Pauschale je Anlieferung, in anderen Fällen als Prozentanteil des Rechnungsbetrages – in die Tat umgesetzt worden.
Die Vorgehensweise des Großhandels ist jedoch nur schwer nachzuvollziehen. Einerseits sind im Verlauf dieses Jahres...
In den vergangenen Wochen haben einige Großhändler angekündigt, ihren Kunden in unterschiedlicher Ausgestaltung zusätzliche Frachtkostenzuschläge zu berechnen. Als Grund hierfür werden gestiegene Energie- und Treibstoffkosten angeführt. Zum großen Teil sind diese Ankündigungen auch in unterschiedlichen Ausprägungen – teils als Pauschalbetrag je Lieferschein, teils als Pauschale je Anlieferung, in anderen Fällen als Prozentanteil des Rechnungsbetrages – in die Tat umgesetzt worden.
Die Vorgehensweise des Großhandels ist jedoch nur schwer nachzuvollziehen. Einerseits sind im Verlauf dieses Jahres die Rohölpreise nahezu um die Hälfte gesunken, jüngst bis auf ein Niveau von vor zwei Jahren. Auch wenn dieser Preisrückgang sich nicht im Verhältnis 1:1 an den Tankstellen widerspiegelt, ist Treibstoff dennoch deutlich billiger als noch vor wenigen Monaten. Gestiegene Treibstoffpreise dürften damit kaum ein ausreichender Grund für zusätzliche Logistikzuschläge sein. Und wenn dieser Grund dennoch angeführt wird, macht dies den Vorstoß des Großhandels nicht glaubhafter.
Andererseits zählen die geltend gemachten Transportkosten ohne Zweifel zu den Gemeinkosten. Und diese haben nach betriebswirtschaftlichen Grundsätzen in die Preisgestaltung einzufließen. Die Belieferung seiner Kunden ist Bestandteil des Kerngeschäftes des Großhandels. Wenn der Großhandel mit höheren Kosten zu kämpfen hat, ist es eine Frage der Preiskalkulation, diese Kosten aufzufangen. Zusätzlich in Rechnung gestellte Logistikkosten können die anlagenbauenden Unternehmen nicht weitergeben. Zudem stellt die buchhalterische Behandlung dieser zusätzlichen Rechnungspositionen einen erheblichen Mehraufwand dar.
Es wird wohl kaum die Absicht der Großhändler sein, ihre Kunden auf breiter Front derart zu verärgern. Den guten Beziehungen zwischen den Marktbeteiligten dient dies sicher nicht. Der Unmut der TGA-Branche jedenfalls wächst. Großhändler, die Transportzuschläge berechnen, sehen sich zunehmendem Widerstand aus den Reihen der Abnehmer ausgesetzt.
Nicht zuletzt deshalb scheint erfreulicherweise der Großhandel langsam ein Einsehen zu haben. Viele Händler springen auf den Zug gar nicht erst auf, andere schon wieder ab. Erste Erfahrungen zeigen hier, dass hier nicht nur der Umsatz des einzelnen Kunden entscheidet: Auch standhaftes Streichen des berechneten Zuschlags aus der Rechnung sowie der dezente Hinweis, dass man auch ohne Schwierigkeiten anderswo die Ware beziehen kann, führen offenbar oft genug zum Erfolg. Auf nicht mehr allzu lange Sicht könnten Transportkostenzuschläge damit schon wieder der Vergangenheit angehören.
Das böse Gefühl bleibt, dass das zeitliche Zusammentreffen der Einführung des Logistikzuschlags einiger Händler vielleicht nicht zufällig sein könnte. Sicherlich wird niemand leichtfertig eine Absprache hinter dieser Gleichzeitigkeit vermuten wollen. Es ist auch nur schwer vorstellbar, dass namhafte Großhändler sich bewusst der Gefahr einer kartellrechtlichen Überprüfung aussetzen.
Denn nicht zuletzt aufgrund einiger spektakulärer Verfahren der letzten Zeit sollte es eigentlich hinreichend bekannt sein, dass das Bundeskartellamt hart gegen kartellrechtswidrige Abspachen vorgeht und hohe Bußgelder drohen.
Aber vielleicht war ja alles nicht so gemeint. Dann bleibt nur die Frage nach dem Sinn einer solchen Aktion, die am Ende wohl ausgehen wird wie das Hornberger Schießen.
Jetzt Artikel freischalten:
tab DIGITAL
14 Tage kostenlos testen
2,49 € / Woche*
Fachwissen jederzeit und überall.
Greifen Sie auf exklusive PLUS-Artikel und das komplette Online-Archiv zu und lesen Sie tab bequem im E-Paper-Format. Das digitale Abo für alle, die flexibel bleiben möchten.
Ihre Vorteile:
- Exklusive tab-PLUS-Artikel
- 6 E-Paper für mobiles Lesen
- Online-Archivzugang
*129,48 € bei jährlicher Abrechnung inkl. MwSt.
tab KOMBI
4,99 € / Woche*
Das komplette tab-Erlebnis – digital & gedruckt.
Für alle, die Fachinformationen auf allen Kanälen nutzen möchten: Kombinieren Sie Print und Digital, profitieren Sie von unseren Fachforen und präsentieren Sie Ihr eigenes Projekt.
Ihre Vorteile:
- Exklusive tab-PLUS-Artikel
- 6 Print-Ausgaben pro Jahr
- E-Paper für mobiles lesen
- Teilnahme an einem Fachforum
- Online-Archivzugang
- Veröffentlichen eines Projekts
*259,48 € bei jährlicher Zahlung inkl. MwSt. & Versand
