Zu „Klimakonzeptionen – Lufthygiene gegen Coronaviren“ tab 6/2020, Seite 14

Leserbrief

Sehr geehrter Herr Angermann,

es ist immer zu begrüßen, wenn sich Fachleute zusammenfinden, um ihre Erfahrungen auszutauschen, besonders wenn es sich um Experten aus unterschiedlichen Gebieten handelt. Schon das Erlernen der Fachsprache der anderen Disziplin bringt Gewinn.

Sie haben vollkommen recht, wenn Sie schreiben, dass über Viren im Allgemeinen, und das Coronavirus im Besonderen, noch nicht viel bekannt ist. Im Zusammenhang mit Infektionen spielt natürlich die Raumströmung und Luftqualität eine bedeutende Rolle, über die wir auch nicht viel, aber schon ein bisschen mehr wissen.

In dem Zusammenhang möchte ich mir erlauben, darauf hinzuweisen, dass man heute ganz sicher weiß, dass Luftwirbel nicht mit statischen Druckerhöhungen in der Größenordnung von 20 Pa beruhigt werden können, seien sie konstant oder schwankend. Der Umgebungsdruck liegt bei 100.000 Pa! Die Luftströme werden so nicht „zur Stille“ gebracht.

Prof. Dr.-Ing. Klaus Fitzner, Berlin

 

 

Sehr geehrter Herr Prof. Fitzner,

möglicherweise werden Sie erstaunt sein, wenn Sie Erkenntnisse aus der Praxis als aktuelle Einblicke in verwirklichte Projekte erhalten. Zunächst zur Theorie, die nur solange hält, bis eine neue sie widerlegt. Dies trifft nicht nur in der Medizin auf die von Ihnen mir bestätigten Wissenslücken zu. Diese Lücken verbergen im Zusammenhang mit scheinbar logischen Behauptungen nicht selten Irrtümer. Letztere, mit rea­listischen Annahmen unterlegt, erzeugen dann sogar folgenschwer – meist medienwirksam – sich weiter verbreitende Halbwahrheiten.

Als wohl einziger Befürworter der bayerischen Bauverwaltung für eine Prototypanlage der Überdrucklüftung im Lesesaal der Nationalbibliothek München konnte ich von Anfang an mit im Geschehen von Anlagenentwicklungen dabei sein. Ich lernte drei Patentinhaber für das Überdrucksystem kennen. Weitere Anlagen mit 15 bis 20 Pa Raumluftüberdruck folgten in der Landeshauptstadt München, so ein Großraumbüro auf der Nymphenburger Straße, das ich mit Fachleuten der Staatsregierung vor Ort besichtigte. Des Weiteren den Landtag–Senatorensaal, das Kulturzentrum am Gassteig (meine Beratung – Druckschalterdefekt beeinflusst die Tonqualität) u.a. Anlagen. Sie alle bewiesen, wie in den ARD-Studios in Wiesbaden (5 bis 6 Pa), die Wirksamkeit dieser Be- und Entlüftungsart. Eine Vielzahl von Videoaufzeichnungen mit Rauchgastests zeigten mir im Filmablauf stets die Effekte der sich einstellenden „Luftstille“.

Thilo Angermann

Hinweis

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