Legionellen haben keine Ferien

Automatisches Freispülen sichert Trinkwasserhygiene

Die Planung von Trinkwasseranlagen muss nach den Allgemein Anerkannten Regeln der Technik erfolgen. Doch gerade bei Sanierungsvorhaben in Bestandsbauten, wie z.B. Bildungseinrichtungen, ist das mit besonderen Herausforderungen verbunden. Denn neben normativen Vorgaben müssen Planer auch die gegebenen baulichen sowie technischen Aspekte berücksichtigen. Eine „intelligente“ Freispül-Automatik schafft Abhilfe und sichert verlässlich die Trinkwasserhygiene.

Deutschlandweit besuchen von der Grundschule bis zum Gymnasium 11 Mio. Schüler über 44.000 verschiedene Bildungseinrichtungen. Je nach Bauperiode weisen die Gebäude unterschiedliche Bausubstanzen auf, die im Zuge von Sanierungsmaßnahmen berücksichtigt werden müssen. Beispielsweise sind viele städtische Schulen aus der Gründerzeit massive Ziegelbauwerke und Teil der für diese Zeit typischen Blockrandbebauung, während Bildungseinrichtungen der 1960er und 1970er Jahre freistehend in Stahlbetonskelett- oder bereits in Fertigteilbauweise errichtet wurden. Auch die angewandten Raumkonzepte haben...

Deutschlandweit besuchen von der Grundschule bis zum Gymnasium 11 Mio. Schüler über 44.000 verschiedene Bildungseinrichtungen. Je nach Bauperiode weisen die Gebäude unterschiedliche Bausubstanzen auf, die im Zuge von Sanierungsmaßnahmen berücksichtigt werden müssen. Beispielsweise sind viele städtische Schulen aus der Gründerzeit massive Ziegelbauwerke und Teil der für diese Zeit typischen Blockrandbebauung, während Bildungseinrichtungen der 1960er und 1970er Jahre freistehend in Stahlbetonskelett- oder bereits in Fertigteilbauweise errichtet wurden. Auch die angewandten Raumkonzepte haben sich im Laufe der Zeit verändert. In der Bauperiode von 1954 bis 1960 wurden Schulen ebenerdig konzipiert. Die Bauten verfügen über einen zentralen Eingangsbereich, an den die Klassenzimmertrakte andocken.

In den 1970er Jahren setzte sich die sogenannte Hallenschule als Bauform durch. Die mehrstöckigen Gebäude sind kompakt und Klassenzimmer sowie die Verwaltung sind rund um eine zentrale Halle mit mittiger Treppe und umlaufenden Gängen angeordnet.

Schwierige Sanierung maroder Schulen

So unterschiedlich die Bauweisen und Raumkonzepte im Laufe der Zeit waren, haben sie doch eines gemein: In vielen deutschen Schulgebäuden besteht inzwischen ein erheblicher Modernisierungsbedarf. So schätzen die Kämmerer der deutschen Kommunen den aktuellen Investitionsbedarf in die deutsche Schulinfrastruktur auf rund 34 Mrd. €. Neben dem finanziellen existiert auch noch ein erheblicher planerischer, baulicher Aufwand, der mit der Modernisierung der Schulen einhergeht. So entstehen bei der Sanierung von Trinkwasserinstallationen im Bestand für Planer verschiedene Probleme und Aufwendungen, die im Neubau nicht oder nur in Teilen anzutreffen sind.

Anders als bei Neubauten hat der Fachplaner im Bestand nicht mehr die Möglichkeit, die baulichen Voraussetzungen für eine optimale Trinkwasserhygiene zu schaffen. Das schließt beispielsweise die Entfernung zwischen Steigleitungen und Entnahmestellen ein, was einen maßgeblichen Einfluss auf Anlagevolumen, Rohrweite und Ausstoßzeiten hat. Ebenso sind die Trinkwasserinstallationen in früher erbauten Schulgebäuden nach heutigen Erkenntnissen völlig überdimensioniert. Dass im Bestand mit der vorhandenen Bausubstanz gearbeitet werden muss, bringt somit verschiedene Herausforderungen mit sich. Dazu zählen u.a. nicht mehr gebräuchliche Baumethoden, aber auch bestehende Bauschäden, die mitunter erst im Zuge der Umsetzung ersichtlich werden.

Normen für die Trinkwasserhygiene

Ebenso berücksichtigt werden müssen gesetzliche Vorgaben und neue Normen, die mit den vorhandenen Gegebenheiten oft nicht vereinbar sind. Beispiele sind die in der DIN EN 806-3 festgelegten Vorgaben zur Dimensionierung von Trinkwasserinstallationen oder der in der VDI/DVGW 6023 geforderte vollständige Wasseraustausch in der Trinkwasserinstallation binnen max. 72 h. Nicht zuletzt sind in diesem Zusammenhang von den Planern auch die individuellen Anforderungen und Ansprüche der Bauherren oder Betreiber zu berücksichtigen. Neue oder sich verändernde pädagogische Konzepte wirken sich auf die Organisation und Gestaltung von Klassenräumen, Pausenflächen oder Freiräumen aus. All dies kann die Planung einer hygienisch einwandfreien Trinkwasserinstallation im Bestand erschweren.

Schulen als Brandherde im Trinkwasserbereich

Hinzu kommt, dass Schulbauten in Fragen der Trinkwasserhygiene zu den problematischeren Gebäudearten zählen. Sie neigen aufgrund von Nutzungsschwankungen oder zeitweise mangelnder Nutzung besonders stark zu einer Kontamination mit mikrobakteriellen Krankheitserregern wie z.B. Legionellen. So hat die Kreidetafel durch Whiteboard oder Beamer in immer mehr Klassenzimmern ausgedient. Da dementsprechend weniger Kreidestaub aus den Schwämmen gewaschen werden muss, bleibt der Waschtisch im Klassenzimmer häufiger unbenutzt. Ein weiteres Beispiel für mangelnden Wasserverbrauch ist der eingeschränkte Duschbedarf von Schülern und Lehrkräften nach dem Sportunterricht.

Die Gründe hierfür sind unterschiedlich. Zeitmangel zwischen den Schulstunden, heruntergekommene Sanitäranlagen oder der Hang zur Bequemlichkeit führen dazu, dass die vom Planer einst berechnete Dimensionierung der Trinkwasserinstallation nicht dem tatsächlichen Verbrauch entspricht. Im Zuge des regulären Schulbetriebs schwankt der Wasserverbrauch aufgrund des Faktors Mensch mitunter erheblich.

In der Ferienzeit kommt der Verbrauch aber fast vollständig zum Erliegen, wodurch das Wasser für Wochen oder mitunter Monate ungenutzt in den Leitungen steht. Während Schüler und Lehrer die Ferienzeit gerne mit Nichtstun verbringen, um sich vom turbulenten Schulalltag zu erholen, sind die im Wasser befindlichen Krankheitserreger höchst aktiv und vermehren sich rasant. Die Folge ist eine Gefährdung der menschlichen Gesundheit.

Risiken: Stagnation und Wassertemperatur

Laut Norm DIN EN 806-2 sind Trinkwasserinstallationen so zu planen, dass die Stagnation von Wasser unbedingt vermieden wird. Da die in alten Schulgebäuden verbauten Leitungen jedoch überdimensioniert sind, kommt es fast unweigerlich zu einem Stehen des Wassers.

Hierbei spielt auch die Temperatur des Trinkwassers eine wesentliche Rolle. Denn stagniert das Wasser, nähert sich seine Temperatur jenen kritischen Bereichen an, in denen sich Legionellen und andere mikrobakterielle Erreger besonders gut vermehren. Dies ist insbesondere bei Wassertemperaturen zwischen 25 und 45 °C der Fall, weshalb die DIN EN 806-2 fordert, dass Warmwasser im gesamten Zirkulationssystem eine Temperatur von mindesten 55 °C aufweisen muss. Ebenso ist Kaltwasser vor einer Erwärmung zu schützen, so dass es vorzugsweise eine Temperatur von 20 °C an keiner Stelle der Installation übersteigt.

Die Bauweise von Schulgebäuden kann die Vermeidung kritischer Temperaturbereiche beim Trinkwasser jedoch erheblich erschweren. Als problematisch erweist sich beispielsweise die gemeinsame Führung von Warm- und Kaltwasserleitungen im selben Schacht. Selbst bei bester Dämmung kommt es dort unweigerlich zu Wärmebrücken. Des Weiteren zeigen Untersuchungen, dass die ab den 1970er Jahren für die Errichtung verwendeten Trockenbauwände sehr gute Voraussetzungen für die Wärmeübertragung vom Warm- ins Kaltwasser bieten. Der Grund sind die in den Wänden zum Schallschutz eingesetzten Dämmstoffe, wie z.B. Steinwolle. Die von der Dämmung verursachten Hitzestaus lassen die Kaltwassertemperatur in kritische Bereiche ansteigen. Die effektivste Maßnahme, um die Wassertemperatur unter Kontrolle zu halten, stellt jedoch nur das regelmäßige Ausspülen der Wasserleitungen dar. So trägt das Nachströmen von frischem Wasser dazu bei, dass sich das Kaltwasser nicht auf kritische Temperaturen erwärmen kann.

Mehr Not- als tatsächliche Lösung: manuelle Spülpläne

Der regelmäßige Wasseraustausch kann auf zwei Arten erfolgen. Eine Möglichkeit zur Vermeidung von Stagnation besteht in der Ausführung manueller Spülpläne. Der Schulwart, eine Reinigungskraft oder sonstige hygieneverantwortliche Personen im Schulbereich sorgen dabei von Hand für einen regelmäßigen Wasseraustausch an allen Wasserabgabestellen. Diese Methode der Sicherstellung der Trinkwasserhygiene ist jedoch aus mehrerlei Hinsicht problematisch. Zunächst wächst mit der Anzahl der vorhandenen Wasserabgabestellen der zeitliche und logistische Aufwand, der mit einer manuellen Bedienung der Armaturen einhergeht und an anderer Stelle sinnvoller eingesetzt werden kann. Darüber hinaus hat die von Hand spülende Person in der Regel keinen Kenntnisstand zum tatsächlich stattgefundenen Wasserverbrauch. Somit kann es an einer regelmäßig genutzten Abgabestelle zu einem unnötigen Verwurf von Wasser kommen, was sich entsprechend negativ auf Wasserverbrauch und -kosten niederschlägt. Hinzu kommt noch ein weiterer entscheidender Nachteil manueller Spülpläne: Die Hygieneproblematik bleibt weiter bestehen, wenn Wasserentnahmestellen für eine zu kurze Zeit oder gar nicht gespült werden. Da nicht nur Schüler und Lehrer, sondern auch Hausmeister & Co. ihre verdienten Ferien genießen wollen, scheint ein hygienegerechter Betrieb zur Ferienzeit mit dem vorhandenen Personal unvereinbar. Aber auch krankheitsbedingt kann die für das Spülen verantwortliche Person ihrer Aufgabe nicht immer nachkommen und stagnierendes Wasser verbleibt in den Leitungen.

Freispül-Automatik sichert die Trinkwasserhygiene

In der Praxis zeigt sich, dass nur elektronische Armaturen, die das Wasser automatisch bis zum Punkt der Entnahmestelle ausspülen, eine wirkungsvolle Lösung darstellen, um die Trinkwasserhygiene sicherzustellen. Die elektronischen Armaturen von WimTec etwa werden allen hygienischen Ansprüchen gerecht und stellen aufgrund „intelligenter“ Freispül-Automatik „HyPlus“ vom öffentlichen und gewerblichen Bereich über das Gesundheitswesen bis hin zum Privatbad die Trinkwasserhygiene in sanitären Anlagen verlässlich sicher.

Darüber hinaus ermöglichen sie einen wirtschaftlichen Betrieb. Durch eine Abschaltautomatik fließt Wasser nur dann, wenn es benötigt wird. Das reduziert den Wasser- und Energieverbrauch. „HyPlus“ setzt zum Freispülen der Leitungen zudem nur so viel Wasser ein wie nötig. Dies geschieht bedarfsgerecht, so dass die Armaturen nur bei unzureichender Nutzung gespült werden. Je nach Armatur und Durchfluss ist eine maximale Spülleistung von bis zu 2.592 l/d möglich, wodurch auch früher eingebaute, aber für heutige Verhältnisse oftmals überdimensionierte Leitungen verlässlich ausgespült werden. Die Elektronik kann zudem in wenigen Schritten an die Örtlichkeiten angepasst werden. So sind das Spülintervall und die Mindestspüldauer jeder Armatur individuell an die gegebenen Hygieneanforderungen abstimmbar. Somit können Planer durch den Einsatz „intelligenter“ Armaturen das Gesundheitsrisiko für Lehrkräfte und Schüler erheblich senken.

Gesamtkonzept für den Bestand

Ob Dusche, Waschtisch, Schulküche, WC oder Urinal – das „HyPlus“-Gesamtkonzept zur Sicherstellung der Trinkwasserhygiene umfasst alle Wasserabgabestellen. Ein weiterer Vorteil ist die unkomplizierte Sanierung. Der optionale Batteriebetrieb erlaubt eine schnelle und wirtschaftliche Nachrüstung. Die Armaturen werden in wenigen Handgriffen auf bestehende Wasseranschlüsse montiert – ganz ohne Stemmarbeiten und Neuverfliesung.

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