„Komplexe Aufgabengebiete
werden ganzheitlich vermittelt.“

Interview mit Dipl.-Ing. M.Eng. Andreas Neyen zur Aus- und Weiterbildungsoffensive des BTGA

Herr Neyen, der BTGA hat im September 2018 sein Zertifizierungsprogramm „Servicemonteur BTGA“ gestartet. Sie sind Vorsitzender des Zentralen Berufsbildungsausschusses des BTGA. Können Sie kurz erläutern, was ein „Servicemonteur BTGA“ ist und was Sie damit erreichen wollen?

Servicemonteure sind Generalisten, die während eines Reparatureinsatzes oft auf sich allein gestellt sind. Sie müssen deshalb methodisch und fachübergreifend denken und handeln können. Charakteristisch für Angehörige dieser Berufsgruppe ist, dass sie schnell Entscheidungen treffen können und Fehler systematisch suchen. Um Gesamtzusammenhänge zu verstehen, sind auch Fachkenntnisse aus anderen Gewerken unabdingbar – das gilt auch bei der Wartung und der Inspektion. Mit unserem Zertifizierungsprogramm „Servicemonteur BTGA“ wollen wir in Seminaren diese speziellen Fähigkeiten und Kenntnisse über die Besonderheiten einzelner Bauteile an realen Versuchsaufbauten vermitteln. Das gilt für die Besonderheiten sowohl altbewährter als auch innovativer Bauteile. Darüber hinaus werden dem zukünftigen „Servicemonteur BTGA“ der notwendige Anteil Theorie und die Kenntnisse gesetzlicher Anforderungen vermittelt. Diese befähigen ihn, die Fragen unserer Kunden kompetent zu beantworten. Der Begriff „Dienstleistungsmentalität“ wird dadurch zum positiven Erlebnis für unsere Kunden.

Das Zertifizierungsprogramm „Servicemonteur BTGA“ ist Bestandteil der Aus- und Weiterbildungsoffensive des BTGA. Das Zertifizierungsprogramm haben wir zunächst mit fünf Modulen gestartet und werden es bis September 2019 um zwei weitere Module zur Trinkwasser-Installation und zu Erneuerbaren Energien ergänzen. Als Kompetenzzentrum und Praxispartner konnten wir das ERFURT Bildungszentrum gewinnen.

Sie sagten, das Zertifizierungsprogramm sei im Rahmen der Aus- und Weiterbildungsoffensive des BTGA gestartet. Wird es weitere Programme dieser Initiative geben?

Die Aus- und Weiterbildungsoffensive des BTGA unterscheidet sich durch ihren ganzheitlichen Ansatz von den üblichen Qualifizierungsangeboten am Markt: Um die einzelnen Sachgebiete der Berufsgruppen in Zusammenhang zu bringen und damit das Aufgabenspektrum als Ganzes zu begreifen, wird hier das Tagesgeschäft in all seinen Facetten beleuchtet. Beispielsweise benötigen die mit bauleitenden Tätigkeiten betrauten Mitarbeiter neben ihrer technischen Fachkompetenz auch juristische und kaufmännische Kenntnisse sowie Methoden- und Führungskompetenz – und das in unterschiedlichen Ausprägungen. Diese Fähigkeiten sind unmittelbar mit der fachlichen Aufgabenstellung aus dem Werkvertrag verknüpft. In den einzelnen Seminaren soll dieses komplexe Aufgabengebiet ganzheitlich vermittelt werden. Daraus ergibt sich die Beantwortung der Frage: Wenn fachübergreifendes Wissen den Tätigkeitsschwerpunkt – also den eigentlichen Ausbildungsberuf – ergänzt, ist es immer sinnvoll, Zusammenhänge bewusst zu machen und den Horizont zu erweitern. So könnten beispielsweise „Digitalisierung 4.0 für den Anlagenmechaniker SHK“ oder „Building Information Modeling (BIM) für Technische Systemplaner“ weitere Programmbestandteile der Aus- und Weiterbildungsoffensive des BTGA werden. Konkret jedoch wollen wir im Herbst 2019 mit der Zertifizierung „Bauleitender Monteur BTGA“ starten und uns danach dem großen Bruder „BTGA Fachbauleiter TGA“ zuwenden. Auch hier wird der BTGA mit Kompetenzzentren kooperieren.

BTGA-Präsident Hermann Sperber hat bei der Festveranstaltung „120 Jahre BTGA“ in Berlin angekündigt, dass es in den kommenden Jahren eine Kernaufgabe des Verbandes sein wird, sich um die Entwicklung des Management-Nachwuchses zu kümmern. Was genau ist geplant?

Neben den Weiterbildungsangeboten im gewerblichen Bereich müssen wir uns auch um die Weiterbildung und Qualifikation der Führungskräfte bemühen. Gemeinsam mit der Frankfurt School of Finance and Management haben wir einen Studiengang entwickelt, der nach erfolgreichem Abschluss ein Zertifikat der Frankfurt School beinhaltet. Bei der Erarbeitung dieses Weiterbildungskonzeptes haben wir gemeinsam sehr viel Wert auf den Praxisbezug gelegt. Der Studiengang umfasst unter anderem BWL, Marketing und Vertrieb und Unternehmensführung sowie einen deutlichen Schwerpunkt auf „Projektmanagement“. Mit diesem einzigartigen Weiterbildungsangebot wollen wir die Führungskräfte-Kompetenz in den Unternehmen des industriell orientierten Anlagenbaus weiter festigen und ausbauen.

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