Wohin geht die Reise in der TGA-Branche?

Kommentar

Allen Leser*innen darf ich zunächst einmal ein gesundes und glückliches Jahr 2022 wünschen.

Neben den vielfältigen technischen Herausforderungen innerhalb der Branche der Technischen Gebäudeausrüstung (TGA-Branche), sowohl auf der Projekt- als auch auf der Komponentenseite, werden uns wirtschaftliche Themen und Personalaspekte zunehmend beschäftigen. Sie werden meiner Ansicht nach in einer derart hohen Geschwindigkeit und Komplexität auf uns zukommen, dass wir uns trotz – oder gerade wegen – der für die TGA-Branche gut verlaufenden Konjunktur sehr beeilen müssen, die gestellten Herausforderungen zügig anzugehen. Dazu zählen vor allem die Sicherung der Wertschöpfung und die Personalentwicklung. Oder anders gesagt: Wie verdienen wir zukünftig unser Geld und wie gehen wir mit der Entwicklung unserer Mitarbeiterstrukturen um?

Rechnungen für Ingenieur- und Logistikleistungen

Seit vielen Jahrzehnten sind wir gewöhnt, dass wir aus der Beaufschlagung von Materialien auf der einen Seite und der Berechnung von Lohnkosten-Verrechnungssätzen für deren Montage auf der anderen Seite unsere Marge erwirtschaften. Viel zu kurz kommen Leistungspositionen, mit denen wir unseren Kunden das gesamte Projektmanagement in Rechnung stellen, beispielsweise unsere Ingenieur- und Logistikleistungen. Die beiden zurückliegenden Pandemie-Jahre haben mit all ihren Herausforderungen und vor allem Kostensteigerungen in so gut wie jedem Bereich gezeigt, dass die Berechnung dieser Leistungen schnellstens Einzug ins Tagesgeschäft finden sollte. Eigentlich sind der Kreativität dazu kaum Grenzen gesetzt – aber zu sehr sind wir noch der historischen Preisfindung verfallen. Immer wieder sehen wir – sehr oft vom Kunden unverstanden – hohe Preisaufschläge für geliefertes und montiertes Material, mit denen dann diese Leistungen berechnet werden. Das führt sehr häufig zu Diskussionen. Auch sind die vielerorts herangezogenen Regeln für das Aufstellen von Leis-tungsverzeichnissen (ATV DIN 18 299 „Allgemeine Regelungen für Bauarbeiten jeder Art“ ff.) nicht hilfreich – auch hier gehören die Leistungspositionen aufgenommen.

Gleiches gilt für Wartungs-Dienstleistungen. Können wir weiterhin nur Wartungspreise für durchgeführte Vor-Ort-Services berechnen? Nehmen wir uns ein Beispiel an der Automobil-Industrie, die Mobilität verkauft durch turnusmäßige Gebühren? Werden auch wir die Verfügbarkeit der von uns eingebauten und betreuten Anlagen berechnen (Availability Fee) und uns damit zum Dienstleister für die Bereitstellung von Luft, Wasser, Wärme und Kälte im Gebäude entwickeln und etablieren? Arbeiten wir als Systempartner Wertschöpfungsstufen übergreifend zusammen oder überlassen wir anderen das Feld?

Gemeinsam Antworten finden

Auch die Personalfragen der Zukunft werden schnell zu entscheiden sein – die Zeit wird knapp. Brauchen wir branchenfremde Handwerker für unsere Baustellen? Müssen wir mehr für die Anwerbung und Ausbildung von Praktikern tun?

Wie Sie sehen, werden uns die Fragen in der TGA-Branche nicht ausgehen. Ich hoffe, wir bleiben die Antworten nicht schuldig. Wir im BTGA – Bundesindustrieverband Technische Gebäudeausrüstung und speziell in seinem Zentralen Wirtschaftsausschuss (ZWA) werden alles dafür tun, gemeinsam mit Ihnen die brennenden wirtschaftlichen Probleme aus diesen Bereichen zu bearbeiten.

In diesem Sinne wünsche ich ihnen ein gutes Jahr 2022 und viel Gesundheit und Lebensfreude!

Der Kommentar gibt die Meinung des Autors wieder.

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