Kommentar

Flüchtling ist kein Beruf

Unsere Branche hat ein Problem.

Es gelingt unseren Unternehmen immer weniger, junge Leute für den technischen Nachwuchs in den Betrieben zu gewinnen.

Die Mitgliedsunternehmen aus dem Bereich des technischen Anlagenbaus müssen hierbei mit Unternehmen konkurrieren, die Arbeitsplätze anbieten, die sich in vollklimatisierten Räumen befinden, die tägliche Rückkehr zur Freundin oder Ehefrau garantieren und sich im wesentlichen im Öffnen und Schließen von Dateien mit bunten Bildern erschöpfen.

Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in unserer Branche lassen es darüber hinaus nicht zu, im Konkurrenzkampf um junge Menschen eine überdurchschnittliche Vergütung anzubieten, um die technisch anspruchsvollen und interessanten Berufe in unseren Unternehmen auch finanziell so attraktiv zu gestalten, dass die oben angeführten Vorteile anderer Branchen ausgeglichen werden könnten.

Gelingt es uns nicht, genügend technischen Nachwuchs zu gewinnen, so werden unsere Unternehmen zu Dienstleis-tungs- und Projektmanagementfirmen ohne eigene Kapazität im Montagesektor werden. Die Mitglieder werden zunehmend abhängig von Nachunternehmern und Arbeitnehmerüberlassungsfirmen, da sie keinerlei eigene Möglichkeiten mehr haben werden, Anlagen selbst zu bauen.

Wozu die Abhängigkeit von Zulieferern führen kann, hat der Weltkonzern VW im Streit mit den Zulieferern aus dem Bereich Getriebe und Sitzbezüge in den letzten Monaten schmerzlich erfahren.

Aber auch Deutschland hat ein Problem.

Ein „Wir schaffen das“ in zwei Versionen, einmal im Herbst 2015 und dann im Sommer 2016, führte zu einem unkontrollierten Zuzug von gut einer Million fremder Menschen mit anderer Kultur und Religion. Diese Zahl wird sich auf drei bis fünf Millionen erhöhen, denn Fachleute gehen davon aus, dass jeder zu uns Geflüchtete im Wege des Familiennachzugs zwischen drei und fünf Personen nach Deutschland bringen wird.

Dieser unkontrollierte Zuzug fremder Menschen kostet Deutschland pro Jahr ca. 20 Mrd. €, die vom Steuerzahler erwirtschaftet werden müssen. Auf die Dauer wird der Abfluss dieser erheblichen Mittel aus unseren Sozialsystemen zuguns-ten von fremden Menschen, welche in diese Systeme nichts einbezahlt haben, nicht möglich sein, ohne dass das System in Deutschland zusammenbrechen wird. 

Angesichts maroder Straßen, Investitionsstau in Infrastruktur und Schulen und wegen Baufälligkeit geschlossener kommunaler Bäder wird dies neben den finanziellen Problemen auch zu einer Verdrängung der Willkommenskultur durch eine Abschreckungshaltung in der Bevölkerung führen.

Eine Lösung für beide Probleme kann nur die Integration der fremden Menschen in unsere Gesellschaft sein. Besonders wichtig ist es, die fremden Menschen in unser Arbeitsleben zu integrieren. Dies würde zum einen dazu führen, dass durch sozialversicherungspflichtige Arbeitsverhältnisse in die Sozialsysteme einbezahlt wird; zum anderen bietet dies die Chance, das Nachwuchsproblem in unseren Firmen zumindest zu lindern.

Die Versuche, fremde Menschen in den Mitgliedsunternehmen zu beschäftigen, gleichviel ob als Auszubildende oder als Arbeitskräfte, sind bislang fast alle gescheitert. Der Unterzeichner, der in der Integration fremder Menschen in unsere Unternehmen eine ganz wichtige Angelegenheit sieht, hat mit vielen Verbandsmitgliedern gesprochen und feststellen müssen, dass die Beschäftigung in unseren Unternehmen bislang aus mehreren Gründen nicht funktioniert hat.

Diese fremden Menschen verfügen in den meisten Fällen weder über ausreichende Deutschkenntnisse noch über die fachliche und handwerkliche Qualifikation, um in unseren Firmen beschäftigt zu werden. Können diese beiden Defizite noch durch intensive Schulungsmaßnahmen verbessert werden, so verhindern die Ablehnung der Gleichheit von Frau und Mann und die Notwendigkeit, täglich zu einem bestimmten Zeitpunkt die Arbeit aufzunehmen und acht Stunden kontinuierlich zu arbeiten, eine sinnvolle Beschäftigung der fremden Menschen in unseren Betrieben.

Verbunden ist dies damit, dass eine Enttäuschungshaltung sowohl in der Geschäftsführung als auch in den Belegschaften unserer Unternehmen entsteht, mit der Folge, dass nach mehreren erfolglosen Versuchen sowohl die Geschäftsführer als auch die Mitarbeiter es entschieden ablehnen, weitere Versuche der Integration der fremden Menschen durchzuführen.

Das Programm „Flüchtling ist kein Beruf.“

Anlässlich der Sitzung des Zentralen Berufsbildungsausschusses am 12. Mai 2016 in Dortmund war Frau Franziska Hartmann vom Verein Arrivo Berlin eingeladen. Sie stellte das Programm mit der Überschrift „Flüchtling ist kein Beruf.“ vor. Im Kern geht es bei diesem Programm darum, den fremden Menschen in einer Art Vorqualifikation Hilfe anzubieten, die genannten Probleme der Beschäftigung einer Lösung zuzuführen. Es werden die fremden Menschen sowohl handwerklich – hier im Bereich der Holzverarbeitung, da dies die einfachste Art der Werkstoffbearbeitung ist – qualifiziert, wobei darauf geachtet wird, dass die Teilnehmer jeden Tag pünktlich zur Arbeit erscheinen und einen ganzen Arbeitstag auch durchhalten. Darüber hinaus werden bewusst weibliche Mitarbeiter als Vorgesetzte herangezogen.

Der Vorsitzende des Zentralen Berufsbildungsausschusses, Dipl.-Ing. M.Eng. Andreas Neyen, erklärte im Anschluss an die Präsentation durch Frau Franziska Hartmann, dass dies als sogenanntes „Vorfiltersystem“ genau das ist, was notwendig erscheint, um Unternehmen zu überzeugen, fremde Menschen einzustellen.

Ein ähnliches Programm gibt es im Freistaat Bayern mit dem Titel „IdA – Integration durch Ausbildung und Arbeit“. Dieses Programm, das in Zusammenarbeit der bayerischen Staatsregierung mit der Agentur für Arbeit und der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft durchgeführt wird, bietet interessierten Unternehmen an, fremde Menschen mit Vorqualifikation in Praktika bzw. Berufsausbildungsverhältnisse zu vermitteln.

Gelingt es auf diese Weise, fremde Menschen in unsere Unternehmen zu integrieren, so hilft das unseren Mitgliedsunternehmen und auch Deutschland.

Der Kommentar gibt die Meinung des Autors wieder.

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