Heizungsanbindung in einer Kirche

Die Marienkirche befindet sich im Zentrum der Bundeshauptstadt am Fuße des Fernsehtur­mes in Berlin-Mitte. Sie ist die älteste noch sakral genutzte Kirche Ber­lins und wurde bereits 1292 neben der altstädtischen Nikolai­kirche erstmals urkundlich erwähnt.

Die Installation einer trägen nur bedingt regulierbaren Heizung, die um 1980 eingebaut wurde, führte auf Grund der schwankenden Feuchtigkeit zur Beschädigungen des wertvollen Kunstgutes.

Seit 2003 kämpfte die Gemeinde um Zuschüsse und Fördergelder, damit hier eine sensible Heizung eingebaut werden konnte. Die regelmäßig durchgeführten Feuchte­messungen signalisierten dringenden Handlungsbedarf. Das Architekturbüro Abri + Raabe (www.abriundraabe.de)er­stellte ein restauratorisches Kon­zept. „700 Jahre sind eine lange Zeit. Dies gilt für Gemeinden, aber auch für Gebäude“, so Lutz Baumann, dessen Ingenieurbüro Niehsen-Baumann (www.niehsen-baumann.de) aus Chemnitz in mehr als 70 Kirchen verantwortlich zeichnet. „In einem Ar­ti­kel der Wochenzeitung „Der Sonntag“ wurde von der Europäi­schen Vereinigung der Dombaumeister vor Billig-Sanierungen in Großkirchen gewarnt“, erinnert sich der Fachplaner. „Aus Geldmangel werden nicht selten die billigsten Angebote angenommen. Dabei besteht die Gefahr, dass die Arbeiten nicht mit der nötigen Fachkunde und der erforderlichen Zuverlässigkeit erfolgen. Dies kann zur Folge haben, dass das Kunstgut und die Bausubstanz nicht im nötigen Umfang gesichert werden können“, betont Lutz Baumann.

Im Frühjahr 2006 lagen die Unter­stützungszusagen von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, des Landesdenkmalamtes (ver­bun­den mit dem Städtebauli­chen Denkmalschutz) und des Bundesministeriums für Kultur vor. Auch der Kirchenkreis und das Kirchliche Bauamt stellten Fördergelder zur Verfügung. Mit dem Gemeindeanteil lagen gemäß Kostenschätzung die Mittel für den Einbau einer neuen Heizung und die Sanierung des Bodens im Frühjahr 2007 bereit.

Heizungsplanung mit ­Hindernissen

Restauratorische Untersuch­un­gen widerlegten die Möglichkeit mit dem Heizsystem in den Boden zu gehen, da sich überall Grüfte befinden. So standen für die Installation der Wärmequellen nur die vorhandenen Kanäle zur Verfügung.

Die Heizung sollte einfach handhabbar sein. Die relative Feuchte wird daher mit der Temperatur gesteuert.

Außer den vorhandenen Kanälen wurde noch eine Fußbodenheizung auf den Flächen der Seitenschiffe angedacht, hier befand sich früher das Gestühl. Als drittes Heizmedium wurden Bankheizkörper eingeplant. Es gibt keine Befeuchtungsgeräte im Kirchenraum, außer die auf der Orgelempore. Diese zwei Geräte dienen zur Befeuchtung der Luft vor dem wertvollen Orgel­prospekt. Auch musste auf der Orgelempore 1/3 des Bodens erneuert werden, um die Konvektoren einzubringen. Dabei konnte dieser auf sein ursprüngliches Niveau abgesenkt und die Brüstung mit ihren Bögen und Pässen wieder freigelegt werden. Es entstanden Kosten für die Tischlerarbeiten z. B. für den Umbau der Bänke und für die Einbringung der Bankheizkörper in die Fußstützen. Die Nebenfunktionen und Steuerungssysteme wurden im Keller untergebracht, der zusätzlich mit einer neuen Treppe und Brüstungsgeländern ausgestattet wurde.

Die Heizungsinstallation wurde mit Geberit Mapress C-Stahl (www.geberit.de) ausgeführt. Lutz Baumann, der zuständige Ingenieur, ist überzeugt von der Dauerhaftigkeit und Langlebigkeit von Stahlrohren: „Wir legen Wert auf Nachhaltigkeit zum Vorteil unserer Kunden.“ Das ist nicht der einzige Grund, der für Geberit Mapress C-Stahl sprach. Wichtig war auch der Brandschutz: In der Kirche durften die Rohre nur gepresst und nicht geschweißt werden.

Besonderheiten in der Ausführung

Nach Forderung der Fachingenieure musste der geöffnete Teil der vorhandenen Heizungsgitter in den Seitenschiffen, von ca. 130 m Länge, durch breitere ersetzt werden, da die geforderte Durchlässigkeit mit den alten nicht erreichbar war. Das hatte zur Folge, dass die geschlossenen Teile verschmälert und neue Auflager geschaffen werden mussten. Es entstanden neue breitere Eisengitter mit der entsprechenden Durchlässigkeit, gestalterisch an die alten angelehnt, doch eindeutig als neue Zutat erkennbar. Die historischen Gitter wurden an anderer Stelle im Schiff wieder verwendet und gegen defekte und unsachgemäße Nachgüsse ausgetauscht. Der südliche Eingangsbereich erhielt einen neuen Heizungskanal wo diese Gitter ebenfalls zum Einsatz kamen. Da die Kanäle baulich saniert und sämtliche Auflager der Gitter überarbeitet und mit Auflegegummis versehen wurden, hat sich die Geräuschbelästigung wesentlich verringert. Im Chor befinden sich keine Kanäle. Hier wurden die Heizkörper in den Fensternischen installiert. Mit Leinen bespannte Rahmen, die im Farbton der Wand gestrichen werden, verdecken diese und dienen gleichzeitig zur Aufnahme von Beleuchtungskörpern, die bei Bedarf zusätzlich genutzt werden können.

Weitere Besonderheiten in der Ausführung stellen die luftfeuchtigkeitsabhängige Regelung und die Aufschaltung der Anlage ins Internet dar. Damit kann von Chemnitz aus eine begleitende Anlagenüberwachung erfolgen. Vorrangiges Ziel dabei ist die Kontrolle der Ein­haltung der vorgegebenen raum­klimatischen Parameter. ­Nebeneffekt soll eine Senkung der Energiekosten sein.

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