Heizraum auf dem Dachboden

Wärmeerzeugung im preissensitiven Wohnungsbau

Ein freistehendes, schmuckes und relativ kleines Häuschen in der Vorstadt von Passau erwartet man bei dem Begriff „Preisgünstiger Wohnungsbau“ eher nicht. Aber genauso sieht das Haus der Wohnungs- und Grundstücksgesellschaft Passau (WGP) aus. Damit bricht es Erwartungen – und bietet seinen Bewohnern einiges, auch im Bereich der Wärmeversorgung.

Vier der sechs Wohnungen mit Wohnflächen zwischen 48 und 100 m2 im Neubauobjekt Vornholzsstraße 20 der WGP Passau sind barrierearm und seniorenfreundlich eingerichtet, zwei sind sogar rollstuhltauglich. Zu jeder Wohnung können die Mieter für ein geringes Entgelt einen Stellplatz dazu buchen. Das Haus wurde im Herbst 2017 bezugsfertiggestellt, im Jahr davor wurde die alte Bausubstanz von 1944 abgerissen, um neuen Wohnraum zu schaffen. Junkers Bosch kooperiert mit der Wohnungs- und Grundstücksgesellschaft, und das Objekt wurde in Zusammenarbeit mit dem Ingenieurbüro für Versorgungstechnik M&G...

Vier der sechs Wohnungen mit Wohnflächen zwischen 48 und 100 m2 im Neubauobjekt Vornholzsstraße 20 der WGP Passau sind barrierearm und seniorenfreundlich eingerichtet, zwei sind sogar rollstuhltauglich. Zu jeder Wohnung können die Mieter für ein geringes Entgelt einen Stellplatz dazu buchen. Das Haus wurde im Herbst 2017 bezugsfertiggestellt, im Jahr davor wurde die alte Bausubstanz von 1944 abgerissen, um neuen Wohnraum zu schaffen. Junkers Bosch kooperiert mit der Wohnungs- und Grundstücksgesellschaft, und das Objekt wurde in Zusammenarbeit mit dem Ingenieurbüro für Versorgungstechnik M&G Heizung und Sanitär GmbH Passau planerisch nach den Wünschen und Vorgaben der WGP umgesetzt.

Das Objekt in Passau unterstreicht den Anspruch von Junkers Bosch bezahlbares Wohnen mit gutem Kosten-Nutzungsverhältnis mit moderner Heiztechnik in Einklang zu bringen. Dieser Anspruch liegt u.a. in der Historie des Unternehmens begründet: Schon in den 1920er Jahren bauten die Junkers-Werke als einer der größten Arbeitgeber in Dessau in Kooperation mit den örtlichen „Siedlerbewegungen“ großflächige Arbeitersiedlungen. 

 

Vom Keller unters Dach

Drinnen angekommen im Neubau in Passau folgt die zweite Überraschung: Der Weg zur Heizanlage führt nicht nach unten in den Keller, sondern nach oben unter das Dach. Franz Bernhard, der das Objekt für Junkers Bosch im Außendienst betreut, erklärt: „Der ungewöhnliche Standort ist aus der Situation heraus entstanden: Wir haben hier keinen Kellerraum, unter dem Haus befindet sich ja die Tiefgarage mit den Stellplätzen.“

Von Nachteil ist der Standort auf dem Dachboden ganz und gar nicht: An die Heizanlage ist eine Solaranlage auf dem Dach angeschlossen. Durch den kurzen Weg vom Heizraum zur Solaranlage entsteht sogar ein kleiner Energiesparvorteil. Ebenfalls von Vorteil: Der Heizraum ist für die Mitarbeiter der WGP, die die Standardwartung übernehmen, und für alle weiteren Handwerker jederzeit leicht zugänglich. Verstecken muss sich die Heizanlage auch optisch gesehen nicht, schließlich sind Gas-Brennwerttherme, Frischwasserstation und die zwei Pufferspeicher ordentlich nebeneinander aufgereiht und über Rohre akkurat miteinander verbunden. Optisches und technisches Herzstück ist die schicke Gas-Brennwerttherme „Cerapur 9000i“ (Produktname inzwischen in „Condens 9000i“ geändert).

 

Zentrale Heiztechnik, die Energie spart

Neben der „Cerapur 9000i“ gehören zwei große bodenstehende Wärme-Pufferspeicher „Stora BS“, mit einem Fassungsvermögen von je 750 l, eine Frischwasserstation „TF 40-3“ und zehn Sonnenkollektoren auf dem Dach zur Heizungsanlage. Über jeden der beiden Pufferspeicher sind jeweils fünf Kollektoren angeschlossen. Die Wärmeübergabe zwischen Speicher und den Kollektoren auf dem Dach erfolgt über abgewinkelte Glattrohr-Wärmetauscher. An die Pufferspeicher sind die Gas-Brennwerttherme zur Heizunterstützung sowie die Frischwasserstation zur Warmwasserversorgung angebunden.

Die Gas-Brennwerttherme tritt nur dann in Aktion, wenn der Solarertrag der zehn Kollektoren auf dem Dach nicht mehr zur Deckung des Wärmebedarfs ausreicht. Sowohl die Gas-Brennwerttherme als auch die Kollektoren speisen in diesem bivalenten System in die Pufferspeicher ein, die Solarthermieanlage wird dabei über die hydraulische Regelung bevorzugt angesteuert. Weil die flachen Sonnenkollektoren der Bauart „FKC-2“ mit ihrer Bruttofläche von 2,37 m2 die Sonnenenergie ausgesprochen effizient in Wärme umwandeln, wird die Gas-Brennwerttherme hauptsächlich in der dunklen Jahreszeit hinzugeschaltet und im Sommer nur selten genutzt.

Pufferspeicher, Solaranlage und Gastherme ergeben ein zuverlässig zusammenspielendes System zur hybriden Wärmegewinnung. Über diese Wärmezentrale werden so alle sechs Wohnungen mit Warmwasser und Wärme versorgt. Dabei wird das Wasser in den Pufferspeichern mit der Energie, die die Sonnenkollektoren liefern, aufgeheizt. Das warme Wasser fließt anschließend über das Rohrsystem zur zentralen Regelstation und von dort in die Heizkreise, die die Wohnungen mit der Energie für die Fußbodenheizungen versorgen. Angeschlossen ist außerdem ein Mischventil zur Heizungsunterstützung, das die überschüssige Wärme der Pufferspeicher in das Heizungssystem einspeist. Für den Einbau der Fußbodenheizung entschied sich die WGP Passau nicht nur aus Gründen der Behaglichkeit, sondern auch aus Gründen der Wirtschaftlichkeit. Moderne Fußbodenheizungen benötigen eine wesentlich niedrigere Vorlauftemperatur als es die Verwendung von Heizkörpern erfordern würde – so können die Wohnungen viel wertvolle Energie sparen.

In der mit an die Anlage angeschlossenen Frischwasserstation mit einer Zapfleistung von bis zu 40 l/min befindet sich der Wärmetauscher, der das Trinkwasser auf die gewünschte Temperatur erwärmt. Um den Warmwasserkomfort der Anlage zu erhöhen, ist zudem die Frischwasserstation mit einem Zirkulationsstrang ausgestattet. Das Trinkwasser aus der Frischwasserstation kann somit bedarfsgerecht und punktgenau erwärmt werden. Da das Wasser aus der Frischwasserstation ständig zirkuliert und sich nicht mit dem stehenden Heizwasser der Pufferspeicher vermischt, reduziert sich das Risiko einer Legionellenbildung deutlich.

 

Herausfordernde Montage, optimale Sonnenausbeute

Mit der angeschlossenen Solaranlage erfüllt das Objekt der WGP Passau die Vorschriften der EnEV 2014, die bei Neubauten einen Anteil von mindestens 15 % an erneuerbarer Energiegewinnung vorschreibt. Heizungsinstallateure wählen hier meistens zwischen Solarenergie, Biomasse oder Wärmepumpen aus – in Passau gaben das steile Schrägdach nach Süden und der vorhandene Platz für die Pufferspeicher im Heizraum den Ausschlag für die Solaranlage. Die Planer der Wohnungs- und Grundstücksgesellschaft begleiteten die energiesparenden Heizmaßnahmen beim Neubau mit dem Einbau gut isolierter Türen und Fenster und dick wärmegedämmten Wänden. Werner Fesl, Bauleiter des örtlichen Sanitär und Heizungsbetriebs Hoffmann GmbH, übernahm im Sommer 2017 die Installation der Anlage und begleitete auch die Montage der Solaranlage. Sein Kollege Christian Straßer erklärt: „Die Solarpanels anzubringen war gar nicht so einfach, denn das steile und glatte Dach hat uns die Montage ziemlich erschwert.“ Bauleiter Fesl sorgte in Abstimmung mit den anderen Gewerken für alle notwendigen Sicherheitsvorkehrungen. Für die Montage hob ein Kran im August 2017 die Kollektoren einzeln in die richtige Position. Die Heizanlage wurde anschließend im September installiert.

Der Aufwand hat sich gelohnt: Durch den sehr steilen Neigungswinkel von rund 45° – üblich sind 30° – ist das nach Süden ausgerichtete Steildach mit seinen zehn Kollektoren optimal für die Heizungsunterstützung mit Solarenergie geeignet. Seit September 2017 freuen sich die Bewohner der Vornholzstraße 20 an ihren bezahlbaren und gut beheizten Mietwohnungen. Franz Bernhard von Junkers Bosch sowie Bernhard Berglehner von der Wohnungs- und Grundstücksgesellschaft Passau, freuen sich ebenfalls – an ihrem gemeinsamen Referenzobjekt, das zeigt, wie modern, energieeffizient und ansehnlich bewusst preisgünstiger Wohnungsbau sein kann.

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