Ein Musterbeispiel für Nachhaltigkeit

Effektives Haustechnikkonzept in 850 Filialen

Mit der Eröffnung einer neuen besonders nachhaltigen Filiale im bayerischen Schondorf im Dezember 2015 setzt die dm-drogerie markt GmbH einen Meilenstein in ihrer Strategie, Filialen umweltschonend und ohne fossile Brennstoffe zu betreiben. Neben der nachhaltigen Architektur und Bausubstanz ist das Herzstück der Filiale ein ökologisch sowie wirtschaftlich nachhaltiges Filial-Haustechnikkonzept, das dm gemeinsam mit Herstellern entwickelt und deutschlandweit bereits in 850 dm-Märkten umgesetzt hat. Auf diese Weise spart dm etwa 33 % CO2-Emissionen pro Jahr und Markt ein. Wie das Konzept funktioniert, zeigt das Beispiel in Schondorf.

Nachhaltigkeit im Dreiklang

Die neue dm-Markt-Filiale in Schondorf am Ammersee ist mit einer Gesamtnutzfläche von 830 m2 ein Musterbeispiel für Nachhaltigkeit. Der Entwurf stammt vom Architekturbüro Rossa + Partner Architekten. Die verantwortlichen Architekten Joachim Rossa und Michaela Boos verstehen das Thema Nachhaltigkeit als ganzheitlichen Aspekt und versuchten bei dem Gebäude einen Dreiklang aus Ökologie, Ökonomie und der oft vergessenen Soziokultur zu schaffen. „Ökologie zeigt sich unter anderem in der Wahl des überwiegend heimischen Baustoffes Holz, der Photovoltaikanlage auf dem...

Nachhaltigkeit im Dreiklang

Die neue dm-Markt-Filiale in Schondorf am Ammersee ist mit einer Gesamtnutzfläche von 830 m2 ein Musterbeispiel für Nachhaltigkeit. Der Entwurf stammt vom Architekturbüro Rossa + Partner Architekten. Die verantwortlichen Architekten Joachim Rossa und Michaela Boos verstehen das Thema Nachhaltigkeit als ganzheitlichen Aspekt und versuchten bei dem Gebäude einen Dreiklang aus Ökologie, Ökonomie und der oft vergessenen Soziokultur zu schaffen. „Ökologie zeigt sich unter anderem in der Wahl des überwiegend heimischen Baustoffes Holz, der Photovoltaikanlage auf dem Gründach oder der Klimatisierung und Heizung über eine Luftwärmepumpe. Ökonomie findet sich zum Beispiel in der Dauerhaftigkeit durch stützenfreie Räume für eine flexible Nachnutzung und der soziale Aspekt wird durch die lebendige und offene Architektur umgesetzt, um einen Begegnungs- sowie Kommunikationsraum zu schaffen“, so Michaela Boos. Die Fassade des Gebäudes besteht aus heimischem Lärchenholz, das durch seinen hohen Harzgehalt ohne chemischen Holzschutz auskommt. Die Glaselemente in der Fassade sind zu fast 100 % aus Altglas und werden dadurch wieder dem Wertstoffkreislauf zugeführt.

Ökologisch und wirtschaftlich nachhaltig

Das in Schondorf und in weiteren 849 dm-Märkten umgesetzte Haustechnikkonzept ist das Ergebnis einer engen Zusammenarbeit zwischen dm und seinen Partnern Daikin, Biddle und Hörburger AG. 2008 begann dm sein Filial-Haustechnikkonzept grundlegend und ganzheitlich zu überdenken. Motiv war herauszufinden, wo Energie eingespart werden kann und moderne Technik die Mitarbeiter in den dm-Märkten entlasten könnte. Das damalige Filialnetz war in der technischen Ausstattung extrem heterogen. Ein Ziel des Projekts war es daher, ein ökologisch und wirtschaftlich nachhaltiges Filial-Haustechnikkonzept zu entwickeln, das alle Aspekte ganzheitlich betrachtet und durch einen hohen Automatisierungs- und Standardisierungsgrad nahezu auf alle dm-Märkte übertragbar ist.

Heizen und Kühlen mit Wärmepumpe und Wärmerückgewinnung

Ein wichtiges Ergebnis der Bestandsaufnahme bei dm war, dass im Schnitt bis zu 90 % eines Jahres Klimatisierungsbedarf im Verkaufsbereich besteht, zeitgleich gibt es in Nebenräumen sowie beim Türluftschleier Heizbedarf. Überschusswärme aus der Klimatisierung ließ sich dabei nicht an anderer Stelle zur Deckung des Wärmebedarfs nutzen. Um dieses Potential ausschöpfen zu können, setzt dm auf die Luft-/Luft-Wärmepumpe „Daikin VRV“ mit Wärmerückgewinnung, die die Abwärme aus den Zonen mit Kühlbedarf in die mit Wärmebedarf verschiebt und auch für den Betrieb des Türluftschleiers von Biddle nutzt. Eine zusätzliche Heizung mit fossilen Brennstoffen wird damit nicht mehr benötigt.

Seit Einführung der neuen vierten Generation der VRV-Wärmepumpe mit Wärmerückgewinnung Ende 2014 wird diese auch in den aktuellen Projekten bei dm eingesetzt. Als 3-Leiter-System konzipiert, ist die „VRV IV Heat Recovery“ mit der innovativen VRT-Technologie (Variable Kältemitteltemperatur) ausgestattet, die zu einer optimierten Ganzjahreseffizienz führt. Die VRT-Technologie passt die Verdampfungs- beziehungsweise Verflüssigungstemperatur im laufenden Betrieb an den Heiz- und Kühlbedarf sowie die Außentemperatur an. Der Vorteil eines 3-Leiter-Systems ist, dass gleichzeitig geheizt und gekühlt werden kann. Da Gas und Flüssigkeit in zwei getrennten Leitungen strömen, kann Wärme unter Einsatz niedrigerer Kondensationstemperaturen zurückgewonnen werden, als dies bei einem 2-Leiter-System der Fall ist. Dadurch wird weniger Energie verbraucht und das System arbeitet insgesamt effizienter. Ein wesentliches Komfortmerkmal des 3-Leiter-Systems ist der unterbrechungsfreie Heizbetrieb während der Abtauphase.

Eine dezentrale Lüftungsanlage, die je nach Fililalstandort entweder von DencoHappel oder Robatherm stammt, dient dazu, den nötigen Frischluftanteil einzubringen, und ist daher deutlich kleiner als die zuvor eingesetzten zentralen Lüftungsanlagen. Die dezentrale Lüftungsanlage ist mit einem Rotationswärmetauscher ausgestattet, der eine Wärmerückgewinnung von über 80 % garantiert. In den zentralen Anlagen war nur ein Raumfühler vorhanden, heute kommen vier Raumfühler zum Einsatz, die es ermöglichen, die individuellen Zonen auf der Verkaufsfläche entsprechend zu konditionieren.

Klimageräte mit Selbstreinigungsfunktion

Ein wichtiger Aspekt bei der Energieeffizienz von Klimainnen­geräten ist der Verschmutzungsgrad der Filter. Gerade im hochfrequentierten Handel fällt viel Staub an, der von den Klimageräten aufgesogen wird. Um auszuschließen, dass der Energieverbrauch mit zunehmender Filterverschmutzung drastisch ansteigt, hat sich dm-drogerie markt für die selbstreinigende Blende von Daikin entschieden. Die Selbstreinigungsfunktion verhindert den üblichen Leistungsabfall gegen Ende des Wartungszyklus. Der Filter wird in einem regelmäßigen Zyklus automatisch gereinigt und der anfallende Staub in einem integrierten Behälter gesammelt. Damit wird eine gleichbleibend hohe Effizienz garantiert. Über das Gebäude-Management-System wird angezeigt, wenn der Staubsammler geleert werden muss. Die Leerung kann dann über einen handelsüblichen Staubsauger erfolgen.

Steuerung über webbasiertes Managementsystem

Weitere Einsparpotentiale wurden bei der manuellen Bedienung sowie der Wartung von Lüftung, Klimaanlage und Beleuchtung entdeckt. Um Fehler aufgrund manueller Bedienung und daraus resultierenden Mehrverbrauch zu verhindern, wurde eine Automatikregelung für den Türluftschleier entwickelt. Gleichzeitig automatisiert das Online-Energie-Management-System „ShopInsight“ der Hörburger AG alle haustechnischen Gewerke und Prozesse und wertet die Daten aus. Dies verhindert kontraproduktive Betriebszustände und schließt Fehlbedienungen aus, zugleich werden so Energieflüsse transparent gemacht.

Die Vorteile für dm sind eine Reduzierung der Energiekosten, die Vermeidung von Bedienungsfehlern, die Überwachung der Anlagentechnik per Ferndiagnose sowie ein umfassendes Störungs- und Alarmmanagement.

 

15 % Stromeinsparung mit LED-Konzept

Für die neu eröffnete Filiale in Schondorf wurde ein neues LED-Lichtkonzept im Verkaufsraum von der Firma KMLS GmbH in enger Zusammenarbeit mit dm entwickelt. Die LED-Leuchten haben eine Lebensdauer von rund zehn Jahren, bisher eingesetzte Leuchtmittel haben im Vergleich nur eine von etwa drei Jahren.

Das bedeutet mit den neuen Leuchten geringere Kosten in der Wartung, weniger Müll durch nicht so viele ausgefallene Leuchtmittel sowie weniger Transportenergie durch Wegfall der Wartung. Am Ende der Lebensdauer werden der LED-Treiber und -Chip erneuert und wie bisher auch weiter eingesetzt. Die Einsparung des Stromverbrauchs durch den Einsatz von LED wird bei etwa 15 % liegen. Durch eine zusätzliche Steuerung kann das Lichtniveau in verschiedenen vordefinierten Bereichen, im Außen- und Innenbereich dem Tagesverlauf beziehungsweise den äußeren Umgebungsbedingungen angepasst werden.

Durch die Dimmbarkeit der Leuchten kann zusätzlich Energie eingespart werden. Die LED-Leuchten haben eine wesentlich bessere sogenannte Farbwiedergabeeigenschaft als die bisher eingesetzten Leuchtmittel. Das ist insbesondere im Bereich der roten Farbe der Fall.

 

Erfolgsfaktoren für 850 Filialen

Der Erfolg des Filial-Haustechnikkonzepts bei dm-drogerie markt basiert auf der Kombination intelligenter Haustechnik-Komponenten mit einer übergeordneten, automatisierten Steuerung sowie der langjährigen, engen Zusammenarbeit aller beteiligten Firmen.

Und nicht zuletzt ist die Sensibilisierung der Mitarbeiter in den Filialen wichtig für die erfolgreiche Umsetzung. dm motiviert die Kollegen dafür mitzudenken und mitzuwirken, wenn es darum geht, Energie effizient einzusetzen. So erhalten die Mitarbeiter neben Berichten zum Energieverbrauch ihres Standorts regelmäßig Anregungen, wie sie im Filialalltag noch mehr Energie einsparen können.

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