Ein Labor für Sanitärtechnik

Neuaufbau an der Hochschule München

Nachdem Prof. Dipl.-Ing. Martin Ehlers zum Wintersemester 2009/2010 an die Hochschule München für die Studienfächer Sanitärtechnik, Bautechnik, Wasserver- und Abwasserentsorgung berufen wurde, begann er mit seinem Team, das Labor für Sanitärtechnik, Wasserver- und Abwasserentsorgung sukzessive neu aufzubauen. Das Ergebnis kann sich sehen lassen.

I m neu aufgebauten Labor der Hochschule München werden die Themenbereiche Trinkwasserhygiene, Wasseraufbereitung und Abwasserentsorgung den Studierenden praxisnah vermittelt.

Der Abwasser­demon­stra­tionsstand

Im ersten Bauabschnitt wurde der Abwasserdemonstra­tionsstand, der sich über zwei Geschosse und zwei Installa­tionswände erstreckt, errichtet. Hier können im Rahmen des Anlagenpraktikums „Abwasserdemonstrationsstand“ unterschiedliche hydraulische Stressbelastungen bei den Einzelversuchsständen provoziert werden.

Die Aufgabe der Studierenden ist es, das sich einstellende Betriebsverhalten...

I m neu aufgebauten Labor der Hochschule München werden die Themenbereiche Trinkwasserhygiene, Wasseraufbereitung und Abwasserentsorgung den Studierenden praxisnah vermittelt.

Der Abwasser­-
demon­stra­tionsstand

Im ersten Bauabschnitt wurde der Abwasserdemonstra­tionsstand, der sich über zwei Geschosse und zwei Installa­tionswände erstreckt, errichtet. Hier können im Rahmen des Anlagenpraktikums „Abwasserdemonstrationsstand“ unterschiedliche hydraulische Stressbelastungen bei den Einzelversuchsständen provoziert werden.

Die Aufgabe der Studierenden ist es, das sich einstellende Betriebsverhalten zu analysieren, die installationstechnischen Fehlerquellen zu detektieren und bauliche Maßnahmen aufzuzeigen, damit sich ein bestimmungsgemäßes Betriebsverhalten einstellt. Im Erdgeschoss wird speziell auf das Thema „Schutz vor Rückstau“ eingegangen.

Neben den charakteristischen Einbaubedingungen und Funk­tionsweisen vorgenannter Siche­rungsmaßnahmen werden auch die im Zusammenhang stehenden Aspekte wie bauliche Integration sowie erforderliche Instandhaltungsmaßnahmen be­handelt.

Am Beispiel des hydraulischen Abschlusses werden im Obergeschoss an verschiede­nen Versuchsanordnungen die Effekte des Absaugens bzw. Herausdrückens der Sperrwasser­vorlage im Siphon dargestellt. Weiter wird auf das sich einstellende Betriebsverhalten von nicht fachgerecht verlegten Abwasserrohren bzw. hergestellten Anschlüssen eingegangen. Den Studierenden werden dabei die Begriffe wie „h/d“, „Lüftung von Abwasseranlagen“, „Fremd­ein­spülung“ bis hin zu „Sedimentation/Ablagerungen“ sowie „Selbstreinigungseffekt“ anschaulich demonstriert.

Neben gebräuchlichen Komponenten werden auch Sonderkomponenten wie das Betriebsverhalten eines Abflussverstärkers sowie von einem Sovent-Mischformstück gezeigt und deren Funktionsweisen vermittelt.

Die Anschaulichkeit wird bei dem Abwasserdemonstrationsstand dadurch gegeben, dass weitestgehend transparente Rohrleitungen eingesetzt sind. Neben der Freispiegelentwässerung wird auch die Druckströmung am Beispiel einer fiktiven Flachdachentwässerung dargestellt. Unterhalb der vorgenannten Versuchseinrichtungen können die Studierenden das sich einstellende Abflussverhalten in unterschiedlich großen Abwasserrohren bei verschiedenen Gefällen in Kombination mit entsprechenden Normschwemmkörpern analysieren.

Am „Fallleitungsstand“ wurden drei Fallleitungen aus unter­schiedlichen Rohrmaterialien installiert. Die Studierenden können hier die sich einstellenden Schallemissionen qualitativ und messtechnisch bewerten.

Trinkwasserinstallationen

In der Sanitärtechnik sind Trinkwasserinstallationen so zu errichten, dass die Trinkwasserhygiene zu jedem Zeitpunkt gewährleistet ist.

Im Rahmen des Praktikums „Trinkwasserhygiene“ wird auf die Ursachen in punkto Trinkwasserqualitätsbeeinträchtigung eingegangen und entsprechende Installationsmethoden und Maßnahmen aufgezeigt, um die Trinkwasserqualität im bestimmungsgemäßen Betrieb kontinuierlich sicherzustellen. Weitere Themenbereiche sind die Absicherung gegen Rückfließen von kontaminiertem Wasser, das Betriebsverhalten einer Druckerhöhungsanlage, die Messgenauigkeit von Wasserzähler und Druckschlag.

Hinter dem beschriebenen Hygienestand wurde eine Apparatur zur Veranschaulichung von Druckschlägen errichtet. Hier können die Studierenden mit entsprechender Messtechnik die sich einstellenden Druckstöße bei schnell und langsam schließenden Armaturen erfassen. Neben dem kaltwasserseitigen Trinkwasserhygienestand wurde auch ein Versuchsstand für unterschiedliche Zirkulationssysteme aufgebaut.

Es werden hier thematisch das Inlinersystem, die obere und untere Verteilung behandelt. Bei diesem Versuchsstand wird zu Beginn ein fiktives Wohngebäude in Form eines Strangschemas vorgegeben. Dieses Wohngebäude soll im Rahmen des Praktikums mit den drei vorbeschriebenen Zirkulationsanlagen betrieben werden.

Die Studierenden haben zunächst die Aufgabe für das vorge­ge­bene Wohngebäude die drei Zirkulationssysteme von den Rohr­querschnitten bis hin zum hydraulischen Abgleich mit einer Software zu projektieren. Anschließend soll dann an den unter­schiedlichen Zirkulationsventilen der hydraulische Abgleich vorgenommen werden.

Weiter sollen auch die sich einstellenden Temperaturen und Volumenströme der Anlage mit den aus der Software errechneten Ergebnissen verglichen werden. Ziel ist, den Studierenden Planungssicherheit für unterschiedliche Zirkulationssysteme zu vermitteln.

In Anbetracht der einzuhaltenden Warmwassertemperaturen bei entsprechender Wasserhärte wird auch das Problem der Kalkausfällung einschließlich der Auswirkungen auf das sich einstellende Betriebsverhalten diskutiert.

Neben den hydraulischen Funktionseigenschaften werden auch die energetischen Anforderungen für einen wirtschaftlichen Betrieb behandelt.

Wasserversorgung und -aufbereitung

In der Wasserversorgung hat je nach Qualität des gewonnenen Wassers die Wasseraufbereitung einen entsprechend hohen Stellenwert. Im Erdgeschoss wurde daher eine Schnellfilteranlage installiert.

Im Obergeschoss wird in einem Behälter Wasser „kontaminiert“. Dieses Wasser wird dann in einer mit Quarzsand und Aktivkohle gefüllten Filterkerze filtriert bis letztendlich die Trinkwasserqualität erreicht wird.

Nach einer theoretischen Einführung können dann die Studenten diese Versuchsanlage selbstständig bedienen.

Neben der Schnellfilteranlage existiert auch eine Membranfilteranlage. Die Studierenden können auch diese Anlage selbstständig betreiben und entsprechend verschmutztes Wasser wieder zu Trinkwasser aufbereiten.

Derzeit befindet sich der Versickerungsversuch noch im Aufbau. Im Praktikum sollen die Studierenden die Versickerungsfähigkeit eines Bodenmaterials messtechnisch und in Kombination mit dem bereits installierten Siebversuch analytisch aus der ermittelten Siebkennlinie ermitteln.

Sammlung von Exponaten

Zu den genannten Themenbereichen aus der Sanitärtechnik, Wasserver- und Abwasserentsorgung existiert jeweils eine sehr umfangreiche Sammlung unterschiedlichster Exponate wie verschiedene Rohrmaterialien einschließlich deren Verbindungsmöglichkeiten, Armaturen, zum Teil als Schnittmodelle, Vorwandinstallationssysteme, brand-, schall-, wärme- und feuchteschutztechnische Ein- und Anbauteile.

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