Die Normenreihe EN 50600
Regel der Technik für RechenzentrenDie moderne Informationsgesellschaft stellt immer höhere Anforderungen an Rechenzentren. Diese wiederum müssen ständig steigende Anforderungen an Leistung, Verfügbarkeit und Sicherheit erfüllen. Die europäische Normierung reagiert darauf mit der neuen EN 50600-Normenreihe „Einrichtungen und Infrastrukturen von Rechenzentren“. Die seit 2012 sukzessive veröffentlichte Normenreihe schafft damit einen verlässlichen Rahmen für Planung, Gebäudekonstruktion, effiziente Energieversorgung, Klimatisierung, Sicherheitstechnik sowie Management und Betrieb. In Deutschland setzt die DIN EN 50600 die europäischen Vorgaben um und definiert sie als „Regel der Technik“.
Die EN 50600 hat einen einfachen und logischen Aufbau, was ihre Anwendung vereinfacht. Die Komponenten werden in der Reihenfolge der einzelnen Normenteile geplant und umgesetzt: Teil 1 trägt den Titel „Allgemeine Konzepte“. Darin geht es um die Analyse von Geschäftsrisiken und die Aufbereitung des Gesamtkonzepts im Zusammenhang mit der Verfügbarkeit, dem Schutz sowie der Energieeffizienz des Standorts.
Die folgenden Teile behandeln dann eingehend jeweils einzelne Komponenten und Bereiche:
Teil 2.1 Gebäudekonstruktion
Teil 2.2 Stromversorgung
Teil 2.3 Regelung der Umgebungsbedingungen
Teil 2.4 Infrastruktur der Telekommunikationsverkabelung
Teil 2.5 Sicherungssysteme
Teil 3.1 Informationen für das Management und den Betrieb
Teil 4.1 Übersicht und allgemeine Anforderungen an Kennzahlen (KPIs)
Teil 4.2 Power Usage Efficiency (PUE) – Energieverbrauch und -effizienz
Teil 4.3 Anteil erneuerbarer Energie (REF)
Teil 99.1 Laufende Optimierung mit bewährten Praktiken
Der erste Teil der EN 50600-1 enthält grundlegende Anforderungen und ist seit der Veröffentlichung im Jahr 2012 gültig. Die weiteren Normenteile über die Ausführung der Infrastrukturen sind seit ihrer Veröffentlichung 2013, 2014 bzw. 2015 gültig. Mit der Veröffentlichung der Teile 2.5 (Sicherheit) und 3.1 (Management und Betrieb) im Jahr 2016 kann die Normenreihe vollumfänglich genutzt werden. Bis voraussichtlich 2017 wird die Integration der Teile 4.1 (Kennzahlen), 4.2 (Energieeffizienz) und 4.3 (Anteil erneuerbarer Energie) folgen. Der Teil 99.1 wird jährlich aktualisiert. Bereits in der Bearbeitung sind Teil 99-2 (TR) „Ökologische Nachhaltigkeit“ sowie Teil 99-3 (TR) „Konformitätsbewertung“.
Tipps für Einführung und Umsetzung
Die Normenreihe ist als Leistungsvorgabe zu verstehen und lässt viel Raum für Innovation. Das „Was“ spielt damit in der Konzeptphase eine wesentliche Rolle. Hier geht es vor allem darum, die Hauptziele für Verfügbarkeit, Schutz und Energieeffizienz festzulegen. Bei der Verfügbarkeit gibt es vier Klassen, von der Stufe „1 = tief“ bis „4 = sehr hoch“. Sie beeinflussen Kriterien wie z. B. Energieverteilung, Kühlung, Telekommunikation und Verkabelung.
Für den Schutz des Rechenzentrums gibt es vier Schutzklassen für die Kriterien Zugangskontrolle und Brandschutz. Für die Energieeffizienz wählt man zwischen den Stufen 1 (einfache Informationen für das Rechenzentrum als Ganzes) und 3 (Ermittlung granularer Daten für Komponenten in Bereichen des Rechenzentrums). Steht das Konzept und ist der Ist-Zustand der bestehenden Infrastruktur erfasst, lässt sich der Aufwand für die Realisierung des Rechenzentrums abschätzen und man weiß, ob ein bereits dafür geplantes Budget ausreicht.
Konformität macht sich bezahlt
Im Zeichen zunehmender Digitalisierung und der Entwicklung hin zur Industrie 4.0 werden hochverfügbare und sichere Rechenzentren immer wichtiger. Eine ganzheitliche Konformität nach EN 50600 entspricht voll und ganz diesem Trend. Um diese festzustellen, wurde die Arbeit an einem zusätzlichen Teil 99-3 begonnen. Damit kann eine externe Fachperson, -firma oder -organisation bestätigen, dass Planung, Bau und/oder Betrieb konform mit EN 50600 sind.
In Deutschland, wo die europäische EN 50600-Normenreihe vom Deutschen Institut für Normung (DIN) und vom Verband der Elektrotechnik, Elektronik und Informationstechnik e.V. (VDE) als DIN EN 50600 eingeführt wurde, gilt diese als „Regel der Technik“. Obwohl nicht allgemein verbindlich, empfiehlt sich eine normenkonforme Ausführung damit dringend. Denn zum Beispiel bei Haftungsfragen oder bei gerichtlichen Auseinandersetzungen stärkt es die eigene Position erheblich, wenn anerkannte Grundsätze angewendet wurden.
Hinzu kommt, dass Normierungen für Rechenzentren nichts Neues sind. Es gibt bereits zahlreiche Richtlinien und Normen, insbesondere für elektrische Betriebsmittel oder Teilsysteme wie unterbrechungsfreie Stromversorgungen oder Brandmeldeanlagen. Teilweise umfassen sie auch die Energieeffizienz. So findet man in der EN 50600 auch viel Bekanntes, denn sie fasst viel Fachkompetenz bestehender EN-Normen zusammen. Zudem werden ISO/IEC-Normen für Energieeffizienz und den Anteil erneuerbarer Energien zusammen mit bestehenden Praktiken (EU Verhaltenskodex für Effizienz in Rechenzentren) inhaltlich integriert.
Fazit
Mit einer normgerecht aufgestellten Infrastruktur, wie sie die DIN EN 50600 beschreibt, gewinnen Unternehmen die Sicherheit, dass ihr Rechenzentrum sowohl bedarfsgerecht verfügbar und geschützt als auch energieeffizient ist. Und sie erkennen das Potential für Verbesserungen, damit sie das Vertrauen im Markt stärken und sich gegenüber Mitbewerbern abheben können. Somit ist jetzt der ideale Zeitpunkt, um die neue Norm umzusetzen.
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