Desinfektion im Freizeitbad

Badespaß ohne Angst vor Legionellen

Instandsetzungsarbeiten an großen Schwimmbädern werden sinnvoller Weise immer häufiger mit der Sanierung der sanitären Installation verbunden. Im Fall des Freizeitbades „Am Stadtwald“ in Neumünster war noch ein zweiter Faktor entscheidend: Die Konzentration an gefährlichen Legionellen war auf Dauer zu hoch und konnte technisch nicht überzeugend gelöst werden. Deshalb entschieden sich die Stadtwerke für eine grundlegende und nachhaltige Sanierung der sanitären Anlagen. Die sanitären Einrichtungen sind nun mit einer computergesteuerten Spülautomatik ausgestattet, die für eine regelmäßige Desinfektion aller Duschanlagen sorgt.

Der Haustechniker des Freizeitbads „Am Stadtwald“ in Neumünster, Stephan Petersen erklärt: „Irgendwann waren die Möglichkeiten ausgeschöpft“ und beschreibt damit die unbefriedigende Situation, mit der sich die Stadtwerke und die Verantwortlichen der Gebäudetechnik auseinander setzen mussten. Es ging dabei um die – über einen längeren Zeitraum zu hohe – Legionellenkonzentration im Brauchwasser des Freizeitbades. Grund dafür waren lange Leitungsstrecken. Bei der alten Leitungsführung wurde das Wasser nach der Entnahme im Speicher sofort im Thermostat gemischt und gelangte von dort aus zu den...

Der Haustechniker des Freizeitbads „Am Stadtwald“ in Neumünster, Stephan Petersen erklärt: „Irgendwann waren die Möglichkeiten ausgeschöpft“ und beschreibt damit die unbefriedigende Situation, mit der sich die Stadtwerke und die Verantwortlichen der Gebäudetechnik auseinander setzen mussten. Es ging dabei um die – über einen längeren Zeitraum zu hohe – Legionellenkonzentration im Brauchwasser des Freizeitbades. Grund dafür waren lange Leitungsstrecken. Bei der alten Leitungsführung wurde das Wasser nach der Entnahme im Speicher sofort im Thermostat gemischt und gelangte von dort aus zu den einzelnen Entnahmeplätzen. Diese waren mit Selbstschlussarmaturen ausgestattet. Stagnierendes Wasser, die relativ langen Leitungsstrecken und vor allem die optimale Temperatur für das Legionellenwachstum, waren die Ursache dafür, dass sich die hohe Konzentration der Legionellen nur schwer in den Griff bekommen ließ.

Abhilfe schaffte eine thermische Desinfektion, die den technischen Bediensteten alle drei Wochen bevorstand. „Zunächst dachten wir, das machen wir ganz einfach, das ist gar kein Problem“, sagt Petersen. Allerdings war schon nach der ersten Desinfektionsmaßnahme klar, dass diese Arbeit weder für Beschäftigten auf Dauer machbar, noch ökonomisch wie auch ökologisch vertretbar war: Die Spülung erfolgte nach Schließung des Bades, und die Menge an Wasser war immens: 10 000 l Wasser wurden mit einer Temperatur von 70 °C durch die Leitungen geschickt, und jede Entnahmestelle musste manuell bedient werden. „Das war eine Höllenarbeit“, berichtet Petersen rückblickend, „Wir haben zum Teil die ganze Nacht durchgearbeitet.“

Die bereinigte Situation war dann allerdings nur für kurze Zeit zufriedenstellend. Die Intervalle für die Spülungen blieben, obwohl kurz nach der Spülung die Werte gut waren. „Wahrscheinlich gab es irgendwelche Schmierfilme, die sich in den Leitungen befanden oder stagnierendes Wasser in irgendwelchen Blindleitungen, die dann die Legionellenkonzentration wieder anwachsen ließ“, vermutet Petersen.

Lösung durch computergesteuerte Hygienespülung 

Eine Lösung musste her. Die wurde mit der Systemtechnik des Herstellers Rada (www.rada-armaturen.de) gefunden. Zudem wurde das System bautechnisch modifiziert: Dabei änderten die Installateure die Länge der Leitungsstrecken. Heißes Wasser gelangt im sanierten System nun bis kurz vor die Entnahmeplätze. Erst hier wird das Wasser im Zentralthermostat, der im Deckenbereich angebracht wurde, gemischt und den Entnahmeplätzen zugeführt. Die Leitungsstrecken mit der kritischen Temperatur, die für das Legionellenwachstum optimal ist, sind dadurch sehr kurz.

Das Herz des eingebauten Systems ist aber die regelmäßige, computergesteuerte Hygienespülung. Damit werden insgesamt 102 Entnahmeplätze im gesamten Freizeitbad regelmäßig und ohne Aufwand mit heißem Wasser gespült. Aufgeteilt sind die Entnahmeplätze in zwei getrennte Systeme mit jeweils einer Rechnereinheit. Rechnereinheit 1 umfasst 54 Entnahmeplätze, die räumlich zusammen liegen. Dazu zählen Personalduschen und insgesamt 49 Hallenbadduschen. Fünf Zentralthermostate fassen – räumlich sinnvoll ausgelegt – die Entnahmeplätze zusammen. So werden die 16 Damen- und Herrenduschen zum Beispiel mit jeweils zwei Zentralthermostaten bedient. Die Rechnereinheit 2 fasst die Entnahmeplätze im Freibad und in den Vereinsduschen zusammen. Insgesamt 41 Entnahmeplätze werden von vier Zentralthermostaten bedient. Hier werden auch räumlich nebeneinander liegende Entnahmeplätze jeweils durch einen Zentralthermostat bedient. Zwei für zehn Damen- und Herrenduschen für das Vereinsheim und zwei für die jeweils zehn Freibadduschen für Damen und Herren.

Übersichtliche Darstellung am Bildschirm

Die gesamte Anlage ist mit der Gebäudeleittechnik vernetzt. Pro Rechnereinheit können so die Entnahmestellen übersichtlich auf einem Bildschirm im Technikraum des Freizeitbades angezeigt werden. Die Software „Rada M-Net“ ermöglicht es, alle Vorgänge (Wasserentnahme, Wassertemperatur, Spültemperatur) nachzuvollziehen und präzise Einstellungen vorzunehmen. „Die Bedienung des Programms ist einfach und eigentlich selbsterklärend“, erklärt Stefan Bosch, technischer Fachberater und Außendienstmitarbeiter bei Rada. Der Spezialist für das „M-Net-System“ reist durch die ganze Republik, um Anlagen in Betrieb zu nehmen und zu betreuen. Der Haustechniker Stephan Petersen hat von ihm eine genaue Einweisung in das System bekommen. So hat er ihm erklärt, dass sämtliche Funktionen, die das System bietet, am Rechner voreingestellt werden können; so auch die Intervalle für die Hygienespülung. Im Freizeitbad in Neumünster wird die Hygienespülung unterschiedlich oft gestartet: Die thermische Desinfektion erfolgt einmal pro Woche und die Hygienespülung alle drei Tage, falls die Dusche nicht benutzt wurde. „Wir müssen die Hygienewerte abwarten und dann die Intervalle gegebenenfalls korrigieren“, sagt Stefan Bosch, der die Anlage noch nicht vor allzu langer Zeit in Betrieb genommen hat.

Hygienespülung geschieht vollautomatisch

Bei der thermischen Desinfektion wird die Wassertemperatur auf bis zu 70 °C hochgefahren, um Erreger, allen voran die gefürchteten Legionellen, abzutöten. Der Spülvorgang ist indes immer auf dem Bildschirm nachvollziehbar.

Er wird protokolliert und kann so später immer wieder abgerufen werden. Im Protokoll, das fünf Jahre gespeichert wird, ist jede Temperatur und die Spülzeit angezeigt. Bei 70 °C rechnet der Vertreter von Rada mit einer Spüldauer von vier Minuten, bei niedrigeren Temperaturen ist die Zeit entsprechend länger. Auch optisch wird die Spülung am Bildschirm verdeutlicht: Nach Abschluss des Vorgangs ändert die Anzeige ihre Farbe. So kann der Zustand auf einen Blick schnell erfasst werden. „Der Hauptvorteil unserer Anlage und der Software ist tatsächlich die Protokollierung“, ist Stefan Bosch überzeugt. Viele Betreiber würden genau deshalb auf das System von Rada vertrauen.

Saubere Installation

Installiert wurde das System von der Tiedken Haustechnik aus Neumünster. Der Haustechniker im Freizeitbad, Stephan Petersen, zeigt sich zufrieden über die Zusammenarbeit und die Ausführung. „Alle Arbeiten wurden während des normalen Betriebes durchgeführt, das war auch eine logistische Herausforderung“, erinnert er sich. Für die Elektroinstallation behalf sich der Installateur eines technischen Kniffs. Die alten Selbstschluss-Duscharmaturen wurden ausgebaut, das Leerrohr von Drückerknopf bis zur Brause blieb aber in der Wand bestehen. Durch dieses Rohr konnte dann der Elektroinstallateur die Leitung der Opto-Elektronik zur Brause legen. „Damit musst nicht die gesamte Wand aufgemeißelt werden, sondern nur der Bereich des Brausekopfes“, erklärt Petersen. Die Wasserleitungen wurden von oben verlegt. Die gesamte Elektronik und die Thermostate liegen in der Decke. „Wir sind sehr zufrieden mit der Durchführung und mit dem Ergebnis“, so der Haustechnik-Verantwortliche. Nun kann man gelassen der nächsten Zeit entgegen sehen. Zehn Jahre nach der grundlegenden Sanierung ist das Freizeitbad für weitere Jahre gerüstet. Und ein Problem mit einer zu hohen Legionellenkonzentration wird es so schnell nicht mehr geben.

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