Das Hofwiesenbad Gera

Erneuerung der Klimatechnik

Im Juni 2013 kämpfte eine ganze Region gegen das Hochwasser. Auch das renommierte Hofwiesenbad in Gera stand wortwörtlich kurz vor dem Untergang. Extreme Luftfeuchtigkeit gefährdete zunehmend die Gebäudesubstanz. Nur eine schnelle Wiederinbetriebnahme der Lüftungs- und Klimatechnik, die einen Luftvolumenstrom von 113 050 m³/h bewegt, konnte das Hofwiesenbad retten.

Mitten im Hofwiesenpark in Gera liegt eines der modernsten und größten Hallen­bäder in Thüringen – das Hofwiesenbad. Jedes Jahr kommen über 285 000 Besucher in die 1974 erbaute Schwimmstätte. Damals entwickelte sie sich schnell zu einer der bedeutenden Sportanlagen der DDR. Das 50-m-Schwimmbecken ist noch heute Austragungsort für nationale und internationale Wettkämpfe im Schwimmen, Wasserspringen und Wasserball. Auf der Tribüne finden über 300 Fans Platz.

Zu einer großen Sportanlage gehört ein passend großer Sportverein: Mit über 1000 Mitgliedern ist der Schwimmverein Gera e.V. nach eigenen...

Mitten im Hofwiesenpark in Gera liegt eines der modernsten und größten Hallen­bäder in Thüringen – das Hofwiesenbad. Jedes Jahr kommen über 285 000 Besucher in die 1974 erbaute Schwimmstätte. Damals entwickelte sie sich schnell zu einer der bedeutenden Sportanlagen der DDR. Das 50-m-Schwimmbecken ist noch heute Austragungsort für nationale und internationale Wettkämpfe im Schwimmen, Wasserspringen und Wasserball. Auf der Tribüne finden über 300 Fans Platz.

Zu einer großen Sportanlage gehört ein passend großer Sportverein: Mit über 1000 Mitgliedern ist der Schwimmverein Gera e.V. nach eigenen Angaben der größte seiner Art in Thüringen. Wei­tere 17 Vereine nutzen das Bad für weitere sportliche Aktivitäten.

Neben dem Wettkampfbecken und einem Sprungbecken gibt es, seit einer umfangreichen Sa­nierung 2001, ein Nicht­schwimmer- und ein Kin­der­becken. Eine 65 m lange Rut­sche, Wasserspeier und Mas­sa­ge­düsen locken längst neben Sport­lern auch Familien und Gäste auf der Suche nach Wellness und Erholung in die Halle.

Technik vor dem Hochwasser

Mit insgesamt fast 1500 m2 Wasserfläche stellt das Hofwiesenbad höchste Ansprüche an die Lüftungs- und Klimatechnik zur Regulation von Temperatur, Luftfeuchtigkeit und -qualität. Für einwandfreie Verhältnisse sorgen seit der Sanierung 2001 zehn Anlagen zur Schwimmhallenklimatisie­rung. Menerga konnte hierfür die komplette Bandbreite an benötigten Anlagen liefern und wurde damals mit dem Projekt beauftragt. Insgesamt wird im Hofwiesenbad ein Luft­vo­lu­men­strom von 113 050 m³/h bewegt.

Ein Bad geht baden

Da das Hofwiesenbad in direkter Nähe zur Weißen Elster liegt, war das Gebäude vom Hochwasser im Juni 2013 stark betroffen. Unaufhörliche Regenfälle verursachten katastrophale Schäden in Höhe von rund 450 Mio. €, allein in Thüringen. Das betraf auch den Hofwiesenpark: Das Wasser trat über die Ufer, die Trafostation vor dem Bad wurde überschwemmt, der Strom fiel aus. Eine Situation mit schwerwiegenden Folgen. Ohne Strom war es nicht möglich, einlaufendes Wasser abzupumpen. Die über­fluteten Kellerräume machten die gesamte Badtechnik funktions­unfähig. Filter, Motoren, Pumpen, Steuerungs-, Lüftungs- und Klima­anlagen erlitten technische Schäden.

Zielsetzung: Trocknen und Entfeuchten

Die Sanierungsmaßnahmen im Schwimmbad begannen direkt nach der Bestandsaufnahme im Juni 2013. 30 beteiligte Firmen arbeiteten in höchstmöglicher Geschwindigkeit, um das Bad zu erhalten und seinen vorherigen Zustand wieder herzustellen. Zügiges Trocknen und konstantes Entfeuchten waren die primä­ren Ziele. Unter Zuhilfenahme von Notstrom­aggregaten musste das zum Teil bis zu 2 m hoch stehende Wasser aus dem Keller abgepumpt werden. Anschließend sorgten über 50 Trockner für die Rettung der Gebäudesubstanz. Um die Klima- und Lüftungstechnik wieder in Betrieb nehmen zu können, musste zunächst die Niederspannungsanlage repariert werden. Entscheidend auch hierbei: die Geschwindigkeit. Denn eine zu lange fehlende Entfeuchtungsleistung im Bereich der Schwimm­hallen hätte in dieser Situation gefährliche Auswirkungen auf die Gebäudesubstanz haben können. Das Wasser aus den Becken abzusaugen, kam nicht in Frage. Die Fliesen stehen ständig unter einem hohen Wasserdruck. Würde dieser drastisch reduziert, so bestünde die Möglichkeit, dass die Fliesen von der Wand abfallen. Die Inbetriebnahme der Lüftungs- und Klimaanlage speziell für die Schwimmhallen (drei Anlagen „ThermoCond Typ 34“) galt somit als dringendstes Ziel der Sanierungsarbeiten.

Der Betreiber, die OTWA Ostthüringer Wasser und Abwasser GmbH, legte höchsten Wert darauf, dass die bewährte Technik von Menerga im Bad installiert bleibt. Vorgabe war, die gesamte Lüftungs- und Klimatechnik auf den vorherigen Zustand zu bringen, ohne neue Anlagen einzubauen. Nicht zuletzt wegen ihrer Größe, sollten die Anlagen im eingebauten Zustand saniert werden. Die Maße der Geräte wie eines „ThermoCond Typ 34“ sind gewichtige Gründe: Mit einer Länge von knapp 7 m, einer Breite von 2 m sowie einer Höhe von 3,5 m wäre ein Ausbau nicht ohne massive bauliche Maßnahmen möglich gewesen. Die Fachleute aus Mühlheim standen somit vor einer technischen und zeitlichen Herausforderung, jedoch keiner unlösbaren Aufgabe.

Sanierung in Rekordzeit

Die Geräte standen mindestens bis zur Hälfte, zum Teil sogar voll­ständig unter Wasser. Alle Komponenten, die unterhalb der Was­ser­linie lagen, wurden von den Technikern ausgetauscht und er­neuert. Das umfasste die komplette Sensorik und Aktorik, wie Fühler, Sensoren und Stellmotoren, die Verkabelung (elektrische Lei­tungen) und mechanische Bauteile wie beispielsweise Klappen, Filter, Tropfenabscheider und diverse Bleche. „Allein die Wiederbeschaffung der benötigten Anlagenteile dauerte zum Teil bis zu acht Wochen“, erklärt Dirk Auerbach, verantwortlicher Menerga Servicetechniker. „Wir haben die Sanierung Ende August begonnen und in drei Mo­naten abschließen können. Das ist rasant, wenn man bedenkt, dass in dieser Zeit bei allen zehn Geräten die mechanischen und elektrischen Komponenten ausgebaut, die Geräte grob gereinigt, die neuen Komponenten zunächst in die Technikzentralen geschafft und anschließend in die Geräte eingebaut, die Verkabe­lung und Verschlauchung innerhalb der Geräte erneuert sowie die im Werk gefertigten Schaltschränke angebaut wurden. Auch die notwendige Feinreinigung und Desinfektion nach dem Fogging-Verfahren, die Wieder-Inbetriebnahme und Abnahme durch den TÜV fallen noch in diese Zeitspanne“, berichtet er. Um diese Schritte durchführen zu können, mussten teilweise Einbauten im Gebäude, wie beispielsweise Geländer entfernt und später wieder einge­setzt werden.

Bei den kleineren Geräten war es erforderlich, diese aus der en­gen Technikzentrale zu entfer­nen, damit die notwendi­gen Sa­nie­rungs- und Trocknungs­ar­bei­ten an der Substanz des Ge­bäu­des und den Anlagen durch­ge­führt werden konnten.

Die PP-Plattenwärmeübertrager, die teilweise im brackigen Fluss­wasser standen, benötigten ei­ne intensive Reinigung, die ei­ne Spezialfirma übernahm. An­­schlie­ßend entnommene Ab­klatsch­proben belegten einen ein­wandfreien Zustand entsprechend der Hygienevorschrift VDI 6022.

Öffentliches Interesse brachte Zeitdruck

„Die Sanierung lag selbstverständ­lich im Fokus des öffentlichen Interesses der durch das Hochwasser gebeutelten Stadt Gera“, erklärt Gerald Fiß, Geschäftsführer der OTWA. „Neben den Schulen, die sonst ihre Schwimmstunden hier absolvierten, haben die Hochwasserschäden besonders den Schwimmverein Gera e.V. getroffen. Es fehlten nicht nur Trainings- und Wettkampfstage, sondern auch wichtige Einnahmequellen“, so Gerhard Fiß weiter.

Zum Glück konnte umgehend gehandelt werden. Zu Spitzenzeiten arbeiteten im Auftrag von Menerga elf Leute gleichzeitig an der Wiederinbetriebnahme der Lüftungs- und Klimaanlage, die im November 2013 erfolgte.

Ein perfektes Geschenk

Um den Gästen schnellstmöglich wieder Wellness bieten zu können, hat der TÜV bereits Ende Oktober 2013 die Sauna frei­gegeben. Während es in der Schwimmhalle noch viel zu tun gab, konnte in der Sauna bereits wieder entspannt werden. Nach gründlichen Reinigungs­arbeiten, an denen sich auch der Schwimmverein ehrenamtlich beteiligte, konnte der Betreiber pünktlich zum Heiligen Abend auch die Schwimmbad-Türen wieder für Besucher öffnen.


Konzept gegen Hochwasser

Für das Hofwiesenbad Gera war dies bereits die zweite auf Hochwasser zurückzuführende Sanierung. Bereits elf Jahre zuvor kämpften die Thüringer gegen die Auswirkungen einer Flut. Ein kostspieliges Unterfangen und ein Risiko, das standortbedingt bleiben wird. Um zukünftig eine erneute Schließung des Bades zu verhindern, wird seitens der Stadt Gera an Konzepten gearbeitet, wie im möglichen nächsten Hochwasserfall massive Schäden  verhindert werden können.

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