Das Darmstadtium

Ökologisch-effizientes Energiekonzept für ein Kongresszentrum

Ökologisch sinnvoll, energieeffizient und wirtschaftlich soll es sein, das Energie- und Heiz­konzept für den Neubau des Darmstädter Wissenschafts- und Kongresszentrums „darmstadtium“. Was sich wie die Quadratur des Kreises anhört, ist durchaus machbar: Das Kernstück bildet ein 640 kW-Holzhackschnitzelkessel, der Heizungswärme und Warmwasser bereitstellt und ausschließlich mit Holz aus heimischen Wäldern betrieben wird.

77 Mio. € investieren die Wissenschaftsstadt Darmstadt, das Land Hessen und die Technische Universität Darmstadt in den Bau des neuen Wissenschafts- und Kongresszentrums. Neben seiner Bedeutung als Vorzeigeobjekt in Sachen Energieeinsatz, besticht das darmstadtium mit einer Gesamtfläche von rund 18 000 m2 durch seine avantgardistische Architektur. Es soll zum erklärten Treffpunkt für Wissenschaft, Wirtschaft und Kultur inmitten der florierenden Rhein-Main-Neckar-Region avancieren.

Mit bis zu 1630 Sitzplätzen und einer Deckenhöhe von rund 12 m ist der Kongress-Saal bei Bedarf teilbar in zwei...

77 Mio. € investieren die Wissenschaftsstadt Darmstadt, das Land Hessen und die Technische Universität Darmstadt in den Bau des neuen Wissenschafts- und Kongresszentrums. Neben seiner Bedeutung als Vorzeigeobjekt in Sachen Energieeinsatz, besticht das darmstadtium mit einer Gesamtfläche von rund 18 000 m2 durch seine avantgardistische Architektur. Es soll zum erklärten Treffpunkt für Wissenschaft, Wirtschaft und Kultur inmitten der florierenden Rhein-Main-Neckar-Region avancieren.

Mit bis zu 1630 Sitzplätzen und einer Deckenhöhe von rund 12 m ist der Kongress-Saal bei Bedarf teilbar in zwei bzw. drei Säle. Hubpodien er­lauben jeweils eine Einrichtung des Saals/der Säle zum ansteigenden „Auditorium“ für Kongresse und Konzerte etc. oder zum waagerechten „Parkett“ z. B. für ein Gala-Diner oder auch für Messen. Je nach Saalkonfi­gu­ration wird die Empore übergangslos in das Auditorium mit einbezo­gen. Die Fläche der Bühne kann zwischen 87 und 160 m2 variiert werden.

Der Haupteingang und das anschließende Hauptfoyer liegen direkt gegenüber dem Residenzschloss. Die avantgardistische Atmosphäre des darmstadtium wird beim Betreten des Foyers unmittelbar spürbar: Ein monumentaler Glastrichter spannt sich über den großzügigen Foyer-Flächen bis hinauf zum Dach. Die so genannte Calla ist neben der integrierten historischen Stadtmauer einer der architektonischen Höhepunkte des Foyers.

Über das Foyer erschließen sich direkt die Konferenz- und Seminarräume. Eine großzügige Treppenanlage bzw. ein Lift verbinden das Foyer auch mit dem Ostteil des Kongresszentrums, in dem sich der Kongresssaal mit seinen Nebennutzflächen und -räumen befindet.

Der Restaurantbereich mit Bar und Bistro bietet für ca. 120 Personen Platz. Bis zu 150 Gästen erschließt sich auf der umlaufenden Dachterrasse ein herrlicher Blick auf das Residenzschloss und das Staatsarchiv.

 

Gebäudetechnik

Die HSE Technik GmbH & Co. KG hat bei diesem Bauvorhaben die Heizungs-, Kälte-, Lüftungs- und Sanitärtechnik sowie die Mess-, Steuer- und Regelungstechnik installiert. Als 100-prozentige Tochter der HEAG Südhessischen Energie AG (HSE), dem größten eigenständigen Energie- und Infrastrukturdienstleister im Rhein-Main-Neckar-Raum, agiert die HSE Technik als Spezialist für Planung, Bau, Betrieb und Instandhaltung von Netzen, technischen Anlagen und Gebäudetechnik.

 

Wärmeerzeugung und Klimatechnik

Im Wissenschafts- und Kongresszentrum in Darmstadt ist für die Wärme­erzeugung ein Holzhackschnitzelkessel mit einer Heizleistung von 600 kW installiert. Dieser zeichnet sich durch einen hohen feuerungstechnischen Wirkungsgrad, schnelle Regelbarkeit und vor allem durch eine zuverlässige Unterschreitung der Emissionswerte aus.

Die Einbringung der Holzhackschnitzel in den Bunker wird über Bodentore realisiert.

Von dort aus werden die Holzhackschnitzel kontinuierlich über Kratzkettenförderer dem Hackschnitzelkessel zugeführt und das Wasser erhitzt. Das Heizwasser wird anschließend in drei Pufferspeichern mit je 5000 l Wasserinhalt zwischengespeichert, bevor es dann über einen Mehrschichtverteiler (Zortström-Verteiler) den einzelnen Verbrauchern, wie Heizung, Lüftung und Sanitär zugeführt wird. Durch diesen Verteiler kann auch Rücklaufwasser eines Hochtemperaturverbrauchers (z. B. RLT-Anlage) als Vorlaufwasser für einen Niedertemperaturverbraucher (z. B. Betonkernaktivierung) verwendet werden.

Der Kessel wird für die Grundlastabdeckung des Gebäudes genutzt. Bei Spitzenlast wird über eine Fernwärmeübergabestation zusätzlich Wärme zugeführt.

In Verbindung mit einer DEC-Anlage wird über die Holzhackschnitzelanlage nicht nur die Grundheizlast des gesamten Gebäudes getragen, sondern auch für die Klimatisierung der Räume gesorgt. DEC-Anlagen (Dessicant and Evaporative Cooling) kühlen und entfeuchten die Luft durch Nutzung eines Absorptionsprozesses. Dieser kommt im Vergleich zum herkömmlichen Kondensationsprozess ohne Einsatz einer Kältemaschine und Kältemittel aus.

Unter der Doppeltiefgarage befindet sich ein Erdkanal, über den die Außenluft angesaugt wird. Hier herrschen ganzjährig konstante Temperaturen. Durch diesen Kanal wird die Luft im Sommer von 32 auf 28 °C abgekühlt, im Winter von -12 auf 8 °C erwärmt.

 Regenwassernutzung

Während der Holzhackschnitzelkessel bei der Klimatisierung für die erforderliche Wärme sorgt, wird das zur Befeuchtung der Luft benötigte Wasser aus Niederschlagswasser gewonnen. Hierfür wird das anfallende Regenwasser in einer speziellen Glaskonstruktion, der so genannten „Calla“, im Lichthof des Gebäudes gesammelt und in einer Zisterne zwischengespeichert.

Das Regenwasser wird nicht nur für die Luftbefeuchtung, sondern auch für die Außenbewässerung und – nach entsprechender Aufbe­reitung – zur Versorgung der WC-Anlagen verwendet. Um im Gebäu­de weiteres Abwasser zu reduzieren, wird ein Gelbwasser-Sammelsystem eingesetzt, welches das Urinalwasser zu Düngezwecken auf­fängt. Somit werden nur maximal 10 % des ursprünglich angefalle­nen Niederschlagswassers in den Kanal geleitet.

 

Fazit

„Die Vorteile des Gesamtkonzeptes liegen auf der Hand“, ist sich Friedhelm Vianden, Geschäftsführer der ausführenden HSE Technik GmbH & Co. KG (www.hsetechnik.de), sicher. „Höhere Investitionskosten in den Bereichen Heizung-, Klima- und Sanitärtechnik amortisieren sich durch geringe Betriebskosten sehr schnell. Einsparungen ergeben sich auch im Wartungsbereich, etwa durch den Wegfall der Kältemaschinen zur Luftklimatisierung. Neben diesen wirtschaftlichen Aspekten gelingt uns durch die Nutzung nachwachsender Rohstoffe und durch die Verwertung des Regenwassers eine interdisziplinär umweltfreundliche Versorgung.“

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