Adiabate Befeuchtung in Reinräumen
Hochdruckdüsensysteme in der Blutzentrale LinzAuf einer Fläche von 3500 m² betreibt das Oberösterreichische Rote Kreuz in der Blutzentrale Linz Reinräume in den Klassen A bis D. Hier werden aus offenen Materialien Stammzellen und Gewebe hergestellt. Da in diesen Räumen sehr eng begrenzte Klimadaten und eine Mindestluftfeuchte eingehalten werden müssen, wurden die bestehenden Dampfluft-Befeuchtungssysteme in der RLT-Zentrale auf Hochdruckdüsenlösungen umgerüstet.
Höchste Hygienestufe – GMP Annex 1 als Grundvoraussetzung
Die Luftqualität, die Temperatur und die Feuchte spielen in den 3500 m² großen Produktionsstätten der Blutzentrale Linz/Österreich eine wichtige Rolle. Aufgrund der hochsensiblen Tätigkeiten wird für diese Räume per Gesetz sowohl anlagenspezifisch als auch hygienisch der höchste Standard gefordert.
Beispielsweise dürfen Reinräume der Klasse B, die als Hintergrundumgebung der aseptischen Vorbereitungen für medizinische Geräte der Reinheitsklasse A dienen, im Ruhezustand maximal 29 Partikel der Größenordnung 5,0 µm auf 1 m³ aufweisen....
Höchste Hygienestufe – GMP Annex 1 als Grundvoraussetzung
Die Luftqualität, die Temperatur und die Feuchte spielen in den 3500 m² großen Produktionsstätten der Blutzentrale Linz/Österreich eine wichtige Rolle. Aufgrund der hochsensiblen Tätigkeiten wird für diese Räume per Gesetz sowohl anlagenspezifisch als auch hygienisch der höchste Standard gefordert.
Beispielsweise dürfen Reinräume der Klasse B, die als Hintergrundumgebung der aseptischen Vorbereitungen für medizinische Geräte der Reinheitsklasse A dienen, im Ruhezustand maximal 29 Partikel der Größenordnung 5,0 µm auf 1 m³ aufweisen. Zum Vergleich: In einem normalen Büro befinden sich durchschnittlich 100 000 Partikel der Größenordnung 5,0 µm auf 1 m³.
Bisher wurde bei der Blutzentrale Linz die Zuluft für die Reinräume mit elf isothermen Dampfluft-Befeuchtersystemen befeuchtet. Hierbei wurde eine relative Feuchte von 45 % erreicht. Eingebaut waren diese in acht RLT-Anlagen mit einer maximalen Luftmenge von 135 000 m³/h. Die maximale Leistung der elf Dampfluft-Befeuchtersysteme betrug 780kg/h. Diese Systeme haben sich aus verschiedenen Gründen – zum Beispiel wegen hoher Kosten, hoher Serviceaufwendungen und auch aus Hygieneaspekten – als nachteilig und unwirtschaftlich erwiesen. Die gesamten Energiekosten beliefen sich auf 430 000 € pro Jahr, wovon rund 224 000 € auf die Klimatisierung entfielen. Zusätzlich schlugen 7500 € für Serviceleistungen zu Buche. Aus diesen Gründen wurde eine Alternative zur bisherigen Dampfluftbefeuchtung gesucht.
Energie und Betriebskosten reduzieren
Ing. Ewald Cerny vom Ingenieurbüro EHL-Technik Krems/Österreich, das auf Elektro- und Haustechnik sowie Planung von Reinräumen im pharmazeutischen Bereich spezialisiert ist, wurde beauftragt, alternative Lösungen für den bislang unbefriedigenden Zustand der Klimatisierung und besonders der Luftbefeuchtung zu entwickeln. Dabei mussten besonders die engen rechtlichen Rahmenbedingungen der ÖNorm H 6020 „Lüftungstechnische Anlagen für medizinisch genutzte Räume – Projektierung, Errichtung, Betrieb, Instandhaltung, technische und hygienische Kontrollen“ (2007) eingehalten werden. Die ÖNorm H 6020 entspricht der deutschen DIN 6022, ist aber in Bezug auf Raumklima und Raumfeuchte eindeutiger formuliert und somit wesentlich strikter. Die ÖNorm H 6020 ließ bis zu ihrer Novellierung im Jahr 2007 für Anwendungen im Krankenhausbereich nur isotherme Befeuchtungssysteme zu. Mit der Neufassung der Norm wurde die Möglichkeit geschaffen, auch alternative Systeme zu verwenden, wenn deren mikrobiologisch-hygienisch unbedenkliche Gleichwertigkeit mit der Dampfluftbefeuchtung durch ein Gutachten nachgewiesen wird.
Somit konnte der Einsatz eines energieeffizienten adiabaten Befeuchtungssystemes in Betracht gezogen werden. Daraufhin entwickelte das Ingenieurbüro EHL-Technik ein Wasseraufbereitungssystem (ohne chemische Zusätze), das zusammen mit dem Hochdruckdüsen-Befeuchtungssystem (HDS) der HygroMatik GmbH ein den Vorschriften und Normen entsprechendes Gesamtsystem bildet. Nach Abschluss einer 18-monatigenTestphase, die von Dr. Milo Halabi als gerichtlich zertifizierter Gutachter für Krankenhaushygiene begleitet wurde, konnten die oberösterreichischen Behörden von dem hohen hygienischen Standard der neuen adiabaten Befeuchtungssysteme überzeugt werden. Dabei wurde auch der in der ÖNorm H 6020 zitierte Punkt der Gleichwertigkeit zu isothermen Systemen attestiert.
Überzeugende Qualität
In der Testphase wurde über 18 Monate parallel ein zweites adiabates System eines anderen Herstellers im Vergleich zum HygroMatik-HDS-System getestet. Die Bewertungskriterien verglichen folgende Punkte der Systeme:
Die Ergebnisse belegten die Überlegenheit der HygroMatik-Lösung:
Zielerreichung und weitere Einsatzmöglichkeiten
Bis heute wurden in der Blutzentrale Linz alle elf bestehenden Dampfluftbefeuchter auf acht HygroMatik-HDS-Systeme umgerüstet. Die damit verbundenen Betriebskosteneinsparungen belaufen sich auf 86 331 €/a.
Zusätzlich wurden zwei weitere RLT-Anlagen mit HDS-Systemen ausgestattet, so dass jetzt mit einer Gesamtbefeuchtungsleistung von 1100 kg/h 158 000m³/h Zuluft befeuchtet werden.
Darüber hinaus erwägt die Blutzentrale die Abluftkühlung adiabat auszuführen. Ziel ist es, auch während der Sommermonate den adiabaten Kühleffekt voll auszunutzen, um den Energieverbrauch und die Betriebskosten weiter zu reduzieren.
Fazit
Das beschriebene Komplettsystem wurde erstmals mit einer behördlichen Genehmigung in Reinraumbereichen der Klassen A bis D eingesetzt und erlaubt damit auch die Verwendung im Krankenhaussegment. Durch die Koppelung der Systeme Wasseraufbereitung und Hochdruckdüsenbefeuchtung konnte eine Qualität erreicht werden, die einerseits den gesetzlichen Bestimmungen entspricht und andererseits im Rahmen von laufenden hygienischen Überprüfungen auch reproduktiv nachgewiesen werden konnte.
Jetzt Artikel freischalten:
tab DIGITAL
14 Tage kostenlos testen
2,49 € / Woche*
Fachwissen jederzeit und überall.
Greifen Sie auf exklusive PLUS-Artikel und das komplette Online-Archiv zu und lesen Sie tab bequem im E-Paper-Format. Das digitale Abo für alle, die flexibel bleiben möchten.
Ihre Vorteile:
- Exklusive tab-PLUS-Artikel
- 6 E-Paper für mobiles Lesen
- Online-Archivzugang
*129,48 € bei jährlicher Abrechnung inkl. MwSt.
tab KOMBI
4,99 € / Woche*
Das komplette tab-Erlebnis – digital & gedruckt.
Für alle, die Fachinformationen auf allen Kanälen nutzen möchten: Kombinieren Sie Print und Digital, profitieren Sie von unseren Fachforen und präsentieren Sie Ihr eigenes Projekt.
Ihre Vorteile:
- Exklusive tab-PLUS-Artikel
- 6 Print-Ausgaben pro Jahr
- E-Paper für mobiles lesen
- Teilnahme an einem Fachforum
- Online-Archivzugang
- Veröffentlichen eines Projekts
*259,48 € bei jährlicher Zahlung inkl. MwSt. & Versand
