Eigene Betriebswasserversorgung für Schulgemeinschaft
Betriebskosten sparen, Umwelt schonen, den natürlichen Wasserkreislauf unterstützen – das ist Eigennutz und Idealismus zugleich. Föhrenbühl – Heim, Schule und Wohnort von ca. 130 Kindern und Jugendlichen hat den Umgang mit Wasser neu definiert. Die Neu- und Umbaumaßnahmen dort verändern bisherige Gewohnheiten im Umgang mit dem Wasser.
Föhrenbühl (www.foehrenbuehl.de) ist Teil der internationalen Camphill-Bewegung und betreut seit über 40 Jahren Menschen mit Behinderung. Die Pädagogik von Karl König und Rudolf Steiner ist der fachliche Hintergrund. Steiners naturwissenschaftliche Anschauung, Anfang des 20. Jahrhunderts formuliert, bestimmt den nachhaltigen Umgang der Föhrenbühler Gärtnerei mit Flora, Fauna und Boden. Das Gemüse, vor allem für den Eigenbedarf angebaut, entspricht den strengen Vorgaben des Demeter-Qualitätssiegels.
Im Juli 2004 fiel der Startschuss für ein umfangreiches Bauprogramm. Gefördert mit Bundesmitteln...
Föhrenbühl (www.foehrenbuehl.de) ist Teil der internationalen Camphill-Bewegung und betreut seit über 40 Jahren Menschen mit Behinderung. Die Pädagogik von Karl König und Rudolf Steiner ist der fachliche Hintergrund. Steiners naturwissenschaftliche Anschauung, Anfang des 20. Jahrhunderts formuliert, bestimmt den nachhaltigen Umgang der Föhrenbühler Gärtnerei mit Flora, Fauna und Boden. Das Gemüse, vor allem für den Eigenbedarf angebaut, entspricht den strengen Vorgaben des Demeter-Qualitätssiegels.
Im Juli 2004 fiel der Startschuss für ein umfangreiches Bauprogramm. Gefördert mit Bundesmitteln aus dem Investitionsprogramm „Zukunft, Bildung und Betreuung“, mit Landesmitteln durch das Oberschulamt sowie Eigenmitteln kann Föhrenbühl Werkstätten erweitern und neuen Wohnraum schaffen. Geplant sind vier Wohnbauten mit insgesamt 18 Wohneinheiten, die alle nach dem KfW 40-Energiespar-Standard gebaut werden. Die Hälfte davon, der 1. Bauabschnitt, ist fertig. Im September 2006 wurde zusätzlich der Umbau mit Erweiterung des Werkstufengebäudes eingeweiht. Dessen Fläche und der umbaute Raum wurden dabei fast verdoppelt. Die nächsten Häuser folgen nach und nach.
Einsatz von Betriebswasser
Architekt Dieter Haarnagell hat die ersten Gebäude fertig gestellt, in denen Betriebswasser statt Trinkwasser für Waschmaschine, WC und Gartenbewässerung eingesetzt wird. „Wir sammeln Hangwasser in einer Zisterne. Regenwasser von den Dachflächen versickern wir auf unserem Gelände oder führen es in den Feuerlöschteich, aus dessen Überlauf die Gärtnerei ihre Zisterne füllt“, erklärt er und betont, ein behutsamer Umgang mit Energie und Wasser gehöre schon immer zum Selbstverständnis der Einrichtung.
Eine Zisterne für die gesamte Baumaßnahme wurde vorweg erstellt. Sie sammelt das kontinuierlich anfallende Hangwasser. So spart Föhrenbühl ca. 50 % des Trinkwassers in den angeschlossenen Häusern. „Wir haben aus der Not eine Tugend gemacht“, erklärt Dieter Haarnagell. „Der Baugrund in dieser Hanglage liegt wie eine puddingartige Masse auf dem schiefen Molassefels. Dazwischen sind schon immer Quellen gewesen. Bei jedem Eingriff in den Hang müssen wir vorab das Wasser ableiten, sonst rutscht der Boden ab!“ Dieses Wasser kann ohne Aufbereitung direkt für Garten, WC und Waschmaschine genutzt werden.
Gerd Berger, Hausmeister der Einrichtung, gießt auch die Pflanztröge im Inneren des Werkstattgebäudes damit. Er ist überzeugt, dass die Pflanzen das Rohwasser besser vertragen als das mit Chlor versetzte Trinkwasser. „Außerdem kann auf Energie für die Aufbereitung und den langen Transport im öffentlichen Leitungsnetz verzichtet werden – unser Beitrag zum Klimaschutz.“
Ausbau der Betriebswassernutzung
Gerd Berger lobt das stufenweise erweiterbare Prinzip der Betriebswassernutzung, für die die Wisy AG (www.wisy.de) verantwortlich ist. Jedes neue Haus bekommt eine eigene Versorgungsstation im Kellergeschoss frei aufgestellt. Darin befinden sich die Pumpentechnik sowie ein Vorratsbehälter. Dieser deckt etwa den Bedarf eines halben Tages ab. Durch Wasserstandssonden, automatisch gesteuert, folgt Nachschub aus der zentralen Zisterne. Jedes Haus hat seine eigene Verbindungsleitung zur Zisterne und dort seine eigene Unterwasserpumpe. Sollte die Zisterne ausnahmsweise nicht genügend Hangwasser bieten, schaltet im jeweiligen Haus automatisch die Trinkwasser-Notversorgung ein. Sie ist ein vorgefertigter Bestandteil der Versorgungsstation. Dessen Hersteller hat die Verbindung zum Trinkwassernetz normgerecht eingebaut. Planer, Bauleiter und Installateur profitieren davon – sie werden durch die anschlussfertige Betriebswassertechnik davor geschützt, beim so genannten „Freien Auslauf“, der laut Trinkwasserverordnung und DIN 1989-1 zum Schutz des Trinkwassernetzes zwingend gefordert ist, einen Fehler zu begehen. Für die ebenfalls vorgeschriebene Kennzeichnung der Leitungen und Entnahmestellen „Kein Trinkwasser“ liefert der Anlagenhersteller ein Aufkleber- und Schilder-Set auf Anfrage.
Wird weniger Betriebswasser aus der Zisterne entnommen, als
dieser zufließt, so mündet der Überlauf in den Wiesenbach, der seit
jeher von den Quellen Föhrenbühls gespeist wird. Das Regenwasser von den Dach- und Wegflächen versickert in flachen Mulden zwischen Bebauung und Gärtnerei. Es wird also, wie vor der Bebauung, zur
Verdunstung und Versickerung dem bewachsenen Boden zur Verfügung gestellt. Langfristig hilft dies, das Grundwasser anzureichern.
Peter Dempfle, Geschäftsführer in Föhrenbühl, freut sich über die in den letzten zehn Jahren veränderten Bau- und Wassergesetze. „Heute rennen wir bei den Genehmigungsbehörden offene Türen mit unserer Vorstellung einer für Wasser, Luft und Boden nachhaltigen Bauweise ein.“ Fast ein Drittel der gesamten Dachfläche des Werkstattgebäudes wurde im Zuge der Erweiterung begrünt. „Wir wollen unsere Bauwerke optimal in die Landschaft integrieren – sowohl optisch als auch im Sinne der Luftqualität, des Temperaturausgleichs und des natürlichen Wasserhaushalts. Dass wir dies noch ergänzen durch die moderne Haustechnik der Betriebswassernutzung und natürlich auch durch unser tägliches bewusstes Verhalten, das sind wir den uns nachfolgenden Generationen schuldig“, fasst Dempfle die Haltung der Bauherrschaft zusammen.
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