Die Fassade als Aushängeschild

Eine Komposition aus Schiebeläden und Photovoltaik-Panelen

Bei der Q-Cells AG ist die Fassade des Firmengebäudes Programm. Der weltgrößte Hersteller von Solarzellen hat Ende 2007 das erste von drei neuen Bürogebäuden im „Solar Valley“ in Bitterfeld bezogen. Weithin sichtbar ist die Fassade der Firmzentrale: Hochformatige Photovoltaikelemente im Wechsel mit beweglichen Schattenspendern aus Streckmetall. Der Eindruck von Transparenz, Offenheit und Flexibilität wird hier auf gelungene Weise mit innovativer Gebäudetechnologie verknüpft.

Eine „Denkfabrik“ wollten die Planer vom bhss Architekturbüro aus Leipzig für die Q-Cells AG in Bitterfeld bauen. Die Qualität des Büroneubaus solle sich messen lassen an der Entwicklungsfähigkeit und an der Wandlungsfähigkeit des noch jungen Unternehmens, so formulierten die Architekten ihre Zielgerade. Die Q-Cells AG gehört im Jahr neun nach ihrer Gründung zu den ertragreichsten der Republik. Und selbstverständlich spielt Photovoltaiktechnologie bei der Fassadengestaltung der insgesamt drei Gebäudeteile eine zentrale Rolle, klar auch, dass im neuen Unternehmensdomizil im Bitterfelder „Solar...

Eine „Denkfabrik“ wollten die Planer vom bhss Architekturbüro aus Leipzig für die Q-Cells AG in Bitterfeld bauen. Die Qualität des Büroneubaus solle sich messen lassen an der Entwicklungsfähigkeit und an der Wandlungsfähigkeit des noch jungen Unternehmens, so formulierten die Architekten ihre Zielgerade. Die Q-Cells AG gehört im Jahr neun nach ihrer Gründung zu den ertragreichsten der Republik. Und selbstverständlich spielt Photovoltaiktechnologie bei der Fassadengestaltung der insgesamt drei Gebäudeteile eine zentrale Rolle, klar auch, dass im neuen Unternehmensdomizil im Bitterfelder „Solar Valley“ bisher ungekannte Dimensionen realisiert wurden – getreu dem Q-Cells-Slogan „Unsere Energie ist unbegrenzt“.

Das erste von drei Gebäuden zeigt bereits, wie der gesamte Bürokomplex einmal aussehen wird. Hoch aufragend, kompakt und gleichzeitig ohne jede Schwere wirkt das neue Firmendomizil.

Die Fassade als Gestaltungselement

Blickfang ist eine doppelte Fassade, innen scheinen Glasflächen durch, außen umhüllt von einer Vielzahl einzelner hochgestellter rechteckiger Glas- und Blechelemente. Das Gestaltungsprinzip dieser Gebäudehülle, die beim Betrachter unweigerlich Neugier auf das Innenleben im Gebäude hervorruft, folgt einem Dreiklang: An zwei Gebäudeseiten folgen auf jeweils ein hochformatiges Photovoltaikelement (1400 mm breit, 2892 mm hoch) immer zwei bewegliche, gleichgroße und ebenfalls hochformatige Schiebeelemente aus Streckmetall. An der Ost- und an der Nordseite befinden sich statt der Photovoltaik-Bauteile Siebdruckgläser. 105 solcher feststehender Siebdruckgläser, 103 ebenfalls feststehender Photovoltaik-Module und 210 Schiebeelemente wurden hier zu einer bewegt gemusterten Komposition zusammengefügt.
Die eigentliche – gläserne – Gebäudefassade befindet sich hinter dieser Hülle, von der flexiblen „Außenhaut“ durch begehbare Balkone getrennt. Hier und da ragt das Gebäude bis an den Außenrand der Fassadenkontur vor, doch diese Vorsprünge werden durch die Sekundärfassade harmonisch aufgefangen; an manchen Stellen haben sich Streckblechläden vor sie geschoben.

PV-Anlage als Teil der Fassade

Colt International (www.coltinfo.de) steuerte bei der Fassadengestaltung die erforderliche Photovoltaik-Erfahrung bei.Die Photovoltaik-Module sind die größten, die in Deutschland bisher hergestellt wurden. Es handelt es sich um maßgerecht gefertigte Sicherheitsdoppelgläser (ESG/ESG-Verbund/ je 6 mm dick), zwischen denen eine 2 mm-EVA-Folie und polykristalline Solarzellen „eingebacken“ wurden. Für die Modulvorderseite wurde ein Extraweißglas eingesetzt. Jedes dieser „XXL-Module“ verfügt über 136 Solarzellen (156 mm x 156 mm), es wurden jeweils 17 Reihen mit je acht Solarzellen eingesetzt. Pro Modul beträgt die Leistung 475 Wp. Jedes Modul verfügt über drei Anschlussdosen mit By-pass-Dioden, die auf der Innenseite angeordnet sind. Aufgehängt wurden die Photovoltaikmodule wie auch die feststehenden Siebdruck-Glaselemente mit handelsüblichen Klemmhaltern. Die auf diese Weise generierte Stromkapazität beträgt insgesamt rund 48 kWp.

Anders als die fest montierten Photovoltaik- und Glaselemente sind die zweigeteilten Schiebeelemente dazwischen beweglich. Jeweils zwei werden mit einem 24 V-Motor angetrieben. Eine Steuerungsautomatik bewirkt, dass die Schiebeläden je nach Sonneneinstrahlung nebeneinander fahren und die Fassade auf diese Weise komplett abschirmen. Bei spärlichem Licht öffnen sie sich wieder – je zwei Läden schieben sich dabei mittels eines speziellen Mitnahmemechanismus hintereinander.

Steuerungsmöglichkeiten durch die Nutzer

Abweichend von dieser lichtgeführten Steuerungsautomatik hat jeder Gebäudenutzer die Möglichkeit über einen Taster die Elemente nach individuellem Geschmack zu öffnen oder zu schließen. Durch diese Kombi-Steuerung sind ein optimaler Sonnenschutz und eine flexible Innenraumklimatisierung gewährleistet. Ein allabendlicher Referenzlauf sorgt für eine regelmäßige Synchronisierung der Schiebeläden.

Die Läden selbst bestehen aus 2 mm starkem Streckmetall, dessen Reliefstruktur so geformt wurde, dass die Läden einen optimalen Verschattungseffekt haben. Die Bleche wurden auf Aluminiumrahmen aufgezogen. Die kompletten Schiebeläden (1350 mm breit, 3100 mm hoch inklusive Gleiter, Rollen und Führungsschienen) fahren oben und unten in speziellen Schienensimsen, die rund um das Gebäude geführt wurden. Sie fungieren zugleich als Deckenkopfverkleidungen und bilden einen markanten optischen Abschluss für jede Gebäudeetage.
Dank der guten Zusammenarbeit mit Generalplaner Hochtief konnte das gesamte Projekt innerhalb von knapp vier Monaten fertig gestellt werden. Im Bau befinden sich derzeit das zweite und dritte Gebäudemodul. Diese werden in einem dritten Bauschritt durch einen zusätzlichen Trakt mit dem ersten Modul verbunden. Für den Standort der Firmenzentrale, den MicroTechParc Wolfen bei Bitterfeld, der sich als mitteldeutsches Kompetenzzentrum im Hochtechnologiebereich der erneuerbaren Energien etablieren will, ist das Q-Cells-Ensemble ein herausragendes Beispiel für Innovationsgeist und moderne Gebäudetechnologie.

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