Bild 1: Klassifizierung Luft-Sole Kollektoren hinsichtlich deren Aufbau.
Bild: Consolar
Neu am Markt sind seit ein paar Jahren sogenannte PVT Luft-Sole-Kollektoren, die als alleini-ge Wärmequelle von Wärmepumpen genutzt werden [1]. Damit sind bspw. im dicht bebauten städtischen Bereich Wärmepumpensysteme realisierbar, was bislang aus Platzgründen oder aufgrund von Schallemissionen (Luft-Wärmepumpe) kaum möglich war. Diese Systeme kön-nen zukünftig eine wichtige Säule bei der Dekarbonisierung von Städten bilden. Damit PVT Luft-Sole-Kollektoren als alleinige Wärmequelle eine Wärmepumpe versorgen können, nutzen sie nicht nur die vom PV-Modul nicht in elektrische Energie umgewandelte solare Strahlungs-energie, sondern entziehen zusätzlich auch der Luft Wärmeenergie. Hierfür benötigen Sie ei-nen leistungsfähigen Umgebungsluft-Wärmeübertrager, damit die Wärmeträgerflüssigkeit bei nicht vorhandener Solarstrahlung nahe an die Temperatur der Umgebungsluft aufgewärmt werden kann.
Für solche PVT Luft-Sole-Kollektoren mit hohem Wärmeübertragungsvermögen zur Luft wur-den im Projekt SolAirHX entsprechende Prüfnormen erarbeitet [2], da die für solarthermische und klassische PVT-Kollektoren geltenden mathematischen Beschreibungen und Prüfvorga-ben für diesen Kollektortyp nicht vollständig geeignet sind. Unabhängig von diesen Prüfverfah-ren haben PVT Luft-Sole-Kollektoren ihre Leistungsfähigkeit und Effizienz bereits in über 5.000 teilweise wissenschaftlich begleiteten Systemen unter Beweis gestellt, so dass sie eine erprob-te Technologie mit zunehmender Relevanz darstellen. PVT-Wärmepumpensysteme verbrau-chen bei korrekter Dimensionierung und Systemkonfiguration deutlich weniger Strom als Luft-Wärmepumpen [3]. In diesem Beitrag werden die Möglichkeiten und Grenzen von Wärme-pumpensystemen mit PVT Luft-Sole-Kollektoren sowie mit klassischen PVT-Kollektoren untersucht.
Bild 2: PVT-Kollektor mit flachem Rollbond-Wärmeübertrager auf der Rückseite.
Bild: Consolar
Klassifizierung PVT Luft-Sole-Kollektor mit neuer ISO-Norm
Zur Unterscheidung von u. a. PVT Luft-Sole-Kollektoren und klassischen PVT Kollektoren wurde in der ISO-Norm 9806:2025 folgende Definition aufgenommen:
Die Bezeichnung von Sonnenkollektoren bzw. Umgebungsluftwärmeübertragern bzw. Luft-Sole-Kollektoren, die sowohl die Solarstrahlung als auch die thermische Energie der Umge-bungsluft als Wärmequelle z. B. für Wärmepumpen nutzen und bei einer Windgeschwindigkeit von u = 1.5 m/s einen U-Wert ≥ 30 W/(m²K) aufweisen, sind:
Solarthermischer Luft-Sole-Kollektor (en. Solar thermal air-brine-collector)
PVT Luft-Sole-Kollektor (en: PVT air-brine-collector) - U = a1 + a3 u ≥ 30 W/(m2 K)
Die Kennwerte zur Berechnung des U-Werts müssen nach ISO 9806 bestimmt werden.
Bild 3: PVT Luft-Sole-Kollektor mit großflächigem Lamellen-Wärmeübertrager auf der Rückseite.
Bild: Consolar
Luft-Sole Kollektoren wurden im Rahmen des Projekts SolAirHX hinsichtlich ihres Aufbaus gemäß Bild 1 klassifiziert. Grundsätzlich können Luft-Sole Kollektoren in zwei Hauptkategorien unterteilt werden: Solarthermische Luft-Sole Kollektoren (ohne PV) und PVT Luft-Sole Kollektoren. Beide Formen von Luft Sole Kollektoren nehmen Wärme aus der Umgebung auf und erwärmen die im Inneren des Luft-Sole Kollektors strömende Sole. Eine zusätzliche Erwärmung erfolgt, wenn der eingesetzte Wärmeübertrager von der Sonne bestrahlt wird. Die erwärmte Sole dient als Wärmequelle für eine nachgeschaltete Wärmepumpe, die beispielsweise zu Heizzwecken in einem Wohngebäude verwendet werden kann.
Neben der Eignung als alleinige Wärmequelle einer Wärmepumpe zeichnen sich (PVT-) Luft-Sole-Kollektoren dadurch aus, dass sie auch zur Gebäudekühlung genutzt werden können: Die Rückkühlung, d. h. die Abgabe der Abwärme der Wärmepumpe erfolgt bei reinen PVT-Kollektoren über nächtliche Abstrahlung der Kollektoren, die allein aber nicht ausreichen wür¬de [4]. Bei PVT Luft-Sole-Kollektoren wird die Kühlabwärme zusätzlich v. a. über den Wärmeübertrager des Luft Sole Kollektors abgegeben und dies kann auch tagsüber geschehen [5].
Einfluss des Kollektoraufbaus auf Eignung von PVT Luft-Sole-Kollektoren als alleinige Quelle für Wärmepumpen
Bild 5: Solarthermischer Sole-Luft-Kollektor, links mit in Abstand montiertem PV-Laminat, rechts ohne PV-Laminat.
Bild: TBE
Das Wärmeübertragungsvermögen zur Luft wird durch den Wärmedurchgangswert (U-Wert) wesentlich beeinflusst. Es gilt für den übertragenen Wärmestrom Q ̇c zwischen der Umgebungsluft mit der Temperatur Tl und der Sole in den Fluidrohren mit der mittleren Temperatur Tc gilt:
Damit der Wärmestrom Q ̇c von der Umgebungsluft in Richtung Kollektor fließen kann, muss die Kollektortemperatur tiefer als die Lufttemperatur sein (Tc<TL). Abr ist hier die Bruttofläche des Kollektors, die dem technischen Datenblatt zu entnehmen ist. Der U-Wert berücksichtigt den konvektiven Wärmeübergang zwischen Sole und Wärmeübertragerinnenseite, die Wärmeleitung in den Wärmeübertragermaterialien und den konvektiven Wärmeübergang zwischen Wärmeübertrageraußenseite und Luft. Der Wärmeübergangskoeffizient zur Luft ist sehr gering, daher wird bei PVT Luft-Sole-Kollektoren oft die Außenfläche durch Rippen/Finnen vergrößert. Bei Eisbildung an der Wärmeübertragerstruktur tritt ein zusätzlicher Wärmeleitwiderstand auf, der i. d. R. den U-Wert vermindert. Wenn die Wärmepumpe bei stationärem Betrieb und ohne solare Einstrahlung dem Kollektor den Wärmestrom Q ̇c entzieht, stellt sich eine vom U-Wert abhängige mittlere Soletemperatur Tc ein,
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Geringe U-Werte, führen – wenn die Sonne nicht (ausreichend) scheint – zu großen Temperaturunterschieden zwischen PVT-Kollektor und Umgebungsluft. Bei Wetter mit feuchter Luft und Temperaturen etwas über dem Gefrierpunkt führt dieser Temperaturunterschied zu Kollektortemperaturen deutlich unter 0 und damit starker Vereisung, mit der Folge, dass der U-Wert durch die Eisbildung weiter sinkt. Die Wärmepumpe schaltet schließlich ab, wenn die Soletemperatur die minimale Eintrittstemperatur (oft -15 °C) unterschreitet.
Die Eisbildung findet nicht nur auf den rückseitigen Wärmeübertragerflächen statt, sondern gleichzeitig auch auf der Vorderseite des PVT-Kollektors. Eine zweite Folge der Eisbildung ist daher der Rückgang des photovoltaischen Ertrags aufgrund erhöhter Reflexion. Dies ist ein gegenläufiger Effekt zu dem Bestreben, gerade im Winter, wenn der Strombedarf einer Wärmepumpe am größten ist, einen möglichst hohen Anteil über die lokale Stromproduktion zu decken. Neben der thermischen und elektrischen Leistungsreduktion durch Vereisung kann durch die Bildung von Eis an der Vorderseite die Anwendung eingeschränkt werden: aus kondensierender Luftfeuchtigkeit können sich Eisplatten bilden, die, wenn sie abrutschen, zu Personengefährdung führen können.
Einen starken Einfluss auf diesen Effekt hat der Kollektoraufbau: Wärmeübertragerflächen, die nicht flächig mit dem PV-Laminat verbunden sind, sondern sich in die dritte Dimension erstrecken sind wesentlich unanfälliger gegenüber vorderseitiger Vereisung. Derartige Konzepte verfügen entweder über eine reduzierte thermische Ankopplung des Wärmeübertragers an das PV-Modul oder einen vom PV-Modul getrennten Aufbau (vergleiche Klassifizierung oben).
Ein Beispiel für den ersten Fall ist der „SOLINK“ PVT-Wärmepumpenkollektor, bei dem das Wärmeübertragerrohr mit der tiefsten Temperatur nicht direkt auf dem PV-Laminat aufliegt, sondern über Lamellen damit verbunden ist (Bild 3). Ein Beispiel für einen thermisch und mechanisch getrennten Aufbau von Wärmeübertrager und PV-Modul ist der „AluKol“-Kollektor von Technische Bauteile Eberle GmbH (TBE), auf dem ein PV-Modul montiert werden kann (Bild 5).
Untersuchungen in Klimakammer
An der Hochschule Nordhausen wurde in einer vergleichenden Arbeit an mehreren PVT-Kollektoren untersucht, wie sich das Wachstum von Frost unter winterlichen Bedingungen auf die thermische Kollektorleistung auswirkt. Die von der Hochschule Nordhausen vorgenommenen Versuche ([6], [7]) fanden im Inneren einer Klimakammer statt, um konstante Umgebungsbedingungen hinsichtlich Lufttemperatur und Luftfeuchtigkeit zu erzielen. Es wurden drei unterschiedliche PVT-Kollektoren untersucht:
Bild: Consolar
Die Kollektoren wurden jeweils auf einem Rahmengestell in einer Neigung von 30° zur Horizontalen montiert, um die Montagesituation auf einem Schrägdach zu simulieren. Eine Auffangvorrichtung in 30 cm Abstand zum Kollektor lässt Kondensat sowie Schmelzwasser zur späteren Massebestimmung in einen Auffangbehälter abfließen. Für die Erfassung der Temperaturen wurden Standard-Widerstandsthermometer PT-100 verwendet (Position nach), für den Volumenstrom der Kollektorkreisflüssigkeit (Tyfocor LS) Mehrstrahl-Flügelradzähler. Die Messwertaufnahme (10-s-Einzelwerte) erfolgte über jeweils 24 Std. mit einem Digitalmultimeter.
Bei allen Testreihen wurde in der Klimakammer eine konstante Umgebungslufttemperatur (TL=7 °C) sowie eine gleichbleibende Luftfeuchte von φL=90 % realisiert. Um die Solltemperatur im gesamten Innenvolumen der Klimakammer gleichmäßig zu halten, wurde die Luft ständig bewegt. Aufgrund der so entstehenden Turbulenzen konnten keine Messungen der Luftgeschwindigkeiten in Kollektornähe durchgeführt werden. Die Entzugsleistung einer Wärmepumpe wurde mit Hilfe eines sehr präzisen Laborthermostaten simuliert. Dazu wurde angenommen, dass die Temperaturdifferenz zwischen Wärmequellenvorlauf und -rücklauf ΔTc=TCo-TCi immer konstant sei. Entsprechend gibt der Laborthermostat den untersuchten Kollektoren eine Eintrittstemperatur vor, die um ΔTc=4 K unterhalb der bei den aktuellen Bedingungen erzielten Austrittstemperatur liegt. Bei konstanter (elektrischer) Pumpenleistung steigt mit abnehmender Temperatur die Viskosität des Fluids, entsprechend sinkt der gemessene Volumenstrom und auch die Entzugsleistung.
Um eine Vergleichbarkeit der Messergebnisse zu erreichen, wurde als Abszisse die dem Testkollektor jeweils entnommene Wärmemenge berechnet:
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Aus der zeitabhängigen Entzugsleistung Q ̇_C (t) wurde auch der U-Wert nach folgender Gleichung bestimmt,
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Bild 7 zeigt für die 3 untersuchten Kollektoren den Verlauf des U-Wertes in Abhängigkeit von der entnommenen Wärmemenge, U=U(QEnt). Die Messungen endeten jeweils mit Erreichen der minimalen Thermostattemperatur von Tmin=-20°C. Deutlich sichtbar in Bild 7 ist, dass der Kollektor mit dem Rippenrohr-Wärmeübertrager (C22, SOLINK) im Vergleich mit den beiden anderen Kollektoren über einen mehr als doppelt so hohen U-Wert verfügt und damit bei gleicher Entzugsleistung der Wärmepumpe eine höhere Fluidtemperatur TC aufweist (Gleichung (2)).
Bild 7: Verlauf des U-Wertes bei Energieentnahme für die 3 untersuchten Kollektoren. Im Laufe der Zeit nimmt der U-Wert ab, weil mit zunehmender Viskosität der Sole der Thermostat die Leistung herunter regelt.
Bild: Consolar
Entsprechend kann der Kollektor C22 bis zum Abschalten der Wärmepumpe bei Erreichen der Minimaltemperatur auch eine erheblich größere Energiemenge QEnt bereitstellen.
Die folgenden Abbildungen zeigen die Kondensat- bzw. Eisbildung auf den Vorder-und Rückseiten der drei untersuchten Kollektoren (C22, C31 und C41) zum Start der Messungen sowie nach 2, 4 und 6 h Wärmeentzug.
Einfluss von Eis auf die Wärmeübertragung eines PVT Luft-Sole-Wärmeübertragers
Bei allen 3 untersuchten Kollektoren vermindert sich der U-Wert mit zunehmender Wärmeentnahme wegen des mit zunehmender Viskosität abnehmenden Volumenstroms und innerem Wärmedurchgangskoeffizienten (Bild 7). Die an der Hochschule Nordhausen durchgeführte physikalische Modellierung der Vorgänge bei dem Kollektor C22 (PVT Luft-Sole-Kollektor SOLINK) zeigt, dass die Reduktion des U-Werts primär durch den abnehmenden Sole-Durchfluss und innerem Wärmedurchgangskoeffizienten verursacht wird, und nicht durch Eisbildung [10]. Die Ursache hierfür ist, dass bei der großen Wärmeübertragungsfläche zur Luft der thermische Widerstand durch eine Eisschicht im Verhältnis zu den dominierenden Widerständen Luft-Wärmeübertrager bzw. Luft-Eis und Wärmeübertrager-Sole gering ist. Demensprechend sind bei einer Sole-Pumpe mit Regelung eines konstanten Massenstroms ein schwächerer Abfall der U-Werte zu erwarten.
Vergleich: Vereisungseffekte bei Luft-Wärmepumpen
Bild 8: PVT Luft-Sole-Kollektor (SOLINK, C22) zu Beginn, nach 2, 4 und 6 Stunden in der Klimakammer. Die PV-Oberfläche vereist bis dahin praktisch nicht. Eisbildung findet an den Außenkanten der Rippen statt, während der innere Bereich (auf den Fotos kaum sichtbar) eisfrei bleibt.
Bild: Consolar
Im Unterschied zu PVT Luft-Sole-Kollektoren haben Luft-Wärmepumpen ein stark ausgeprägtes Vereisungsverhalten: Zum einen ist der Abstand der Wärmeübertrager-Lamellen wesentlich geringer, zum anderen wird durch den Ventilator permanent frische Luft mit der Feuchtigkeit gemäß der Wetterbedingungen geblasen. Bild 11 zeigt den Lamellen-Wärmeübertrager einer Luft-Wärmepumpe während des Enteisungsvorgangs [8]. In Fachforen [9] dokumentieren Nutzer bei kritischen Wetterbedingungen (feucht, knapp über dem Gefrierpunkt) Abtauvorgänge bis zu alle 30 bis 90 Min. Das Abtauen kostet Energie und unterbricht in dieser Zeit die Energiezufuhr der Wärmepumpe für die Heizung. Dies ist eine wesentliche Ursache für die i. d. R. geringeren Arbeitszahlen von Luft-Wärmepumpen im Vergleich zu mit PVT Luft-Sole-Kollektoren betriebenen Sole-Wärmepumpen.
Bei PVT Luft-Sole-Kollektoren mit Lamellen-Wärmeübertrager kondensiert und gefriert die Luftfeuchtigkeit am äußeren Bereich der Lamellen. Luft, die weiter nach innen dringt, ist dann trockener, so dass der Lamellenbereich in Richtung PV-Laminat immer weniger bis keinen Raureif mehr ansetzt. In der Praxis ist der Effekt auf die Wärmeübertragung so gering, dass bei Paralleldach-Montage im Gegensatz zu Luftwärmepumpen kein Enteisungsvorgang nötig ist, wie Untersuchungsergebnissen des IGTE bestätigen: Im Rahmen des von der DBU geförderten Projekts „SOLINK“ wurde ein PVT-Luft-Sole-Kollektorfeld mit 9 „SOLINK“-Kollektoren während 18 Monaten im Außentestfeld untersucht. Hier konnte keine signifikante Reduzierung des Wärmeübertragungsvermögens durch die Eisbildung am Wärmeübertrager beobachtet werden (Reduzierung < 5 %) [10].
Bild 9: PV-Seite des flachen PVT-Kollektors zu Beginn, nach 2, 4 und 6 Stunden in der Klimakammer. Bereits nach 2 Stunden ist die PV-Fläche von Eis bedeckt (oben). Der Wärmeübertrager (unten) ist aus einem Rohrmäander, das auf einem flachen Aluminium-Blech aufgeschweißt ist, aufgebaut. Auf der gesamten Oberfläche bildet sich Eis.
Bild: Consolar
Für Standard-PVT-Kollektoren wurde diese Untersuchung nicht durchgeführt. Der Einfluss der Vereisung auf den U-Wert und letztendlich den Jahresertrag hängt vom Aufbau des Wärmeübertrages ab und kann nicht generell angegeben werden. Für diese Effekte gibt es aktuell keine genormte Prüfmethode und die Abbildung in Simulationen ist nicht möglich.
Ein Systemvergleich
Für einen Vergleich von PVT-Wärmepumpensystemen wurden zunächst ohne Berücksichtigung der Vereisungseffekte mit Polysun Simulationen für Einfamilienhaus-Referenzbedingungen durchgeführt:
Jahreswärmebedarf Heizung: 7.500 kWh
Jahreswärmebedarf Warmwasser: 2.550 kWh
Standort Würzburg
Abschalten der Wärmepumpe bei Soleeintrittstemperatur -15 °C
In Bild 12 sind die erreichbaren Jahresarbeitszahlen (JAZ) dargestellt, die bei unterschiedlichen Kollektorflächen mit den beiden Kollektortypen jeweils erreicht werden. Die Jahresarbeitszahl nach VDI 4650-1 bezeichnet das Verhältnis der gelieferten Wärme zur Stromaufnahme von Wärmepumpe und Elektroheizstab.
Bild 10: PVT-Kollektors mit Extrusionsprofilen als Wärmeübertrager zu Beginn, nach 2, 4 und 6 Stunden in der Klimakammer. Bereits nach 2-4 Stunden ist die PV-Fläche von Eis bedeckt (oben). Nach 4 Stunden sind die Zwischenräume zwischen Rippen in dem Extrusionsprofil weitgehend durch Eis verschlossen.
Bild: Consolar
Die Ergebnisse zeigen, dass mit dem Standard-PVT-Kollektor als einziger Wärmequelle die erreichbare Jahresarbeitszahl begrenzt sind: Auch wenn die Kollektorfläche weiter erhöht wird, steigen die Werte kaum mehr an. Die JAZ fällt ab einer Kollektorfläche unter 30…34 m2 ab, was an dem dann in größerem Maß benötigten Elektroheizstab liegt. Bei einer Fläche von 19 m2 (Flächenverhältnis von ca. 2,5 m2/kWth) beträgt der Stromverbrauch des Elektroheizstabs 15 % des gesamten Stromverbrauchs des Heizsystems.
Um die gleiche JAZ zu erreichen, wie beim Standard-PVT-Kollektor mit 34 m2 werden knapp 13 m2 PVT Luft-Sole-Kollektor benötigt. Für die gleiche JAZ, die der Standard-PVT-Kollektor bei 24 m2 erreicht, braucht der PVT Luft-Sole-Kollektor ca. 10 m2. Das heißt, dass bereits ohne Vereisungseffekte eine 2,4 bis 2,6-fache Standard-PVT-Kollektorfläche nötig ist, um die gleiche Effizienz zu erreichen.
Um gute Jahresarbeitszahlen auch bei realen Abweichungen von den Simulationsannahmen zu erreichen, würde eine typische Dimensionierungsvorgabe durch den Hersteller im Fall PVT Luft-Sole-Kollektor (SOLINK) bei 15-20 m2 liegen [11]. Das empfohlene Flächenverhältnis beträgt 2 - 2,4 m2/kWth, je nach Montageart.. Bei Standard-PVT-Kollektoren liegt das empfohlene Flächenverhältnis bei 4 m2/kWth [12]. Aufgrund des größeren Flächenbedarfs und der geringen praktischen Erfahrung mit Standard-PVT-Kollektoren als alleinige Wärmequelle einer Wärmepumpe wird dieser Kollektortyp meist mit einer zweiten Wärmequelle für die Wärmepumpe eingesetzt, d. h. mit Erdsonden, Erdreich-Wärmeübertragern oder auch großen Eisspeichern.
Bild 11: Luftwärmepumpe mit Vereisung: der Zwischenraum zwischen den Lamellen ist zu Beginn des Abtauvorgangs vollständig durch Eis verschlossen.
Bild: Consolar
Die zweite Möglichkeit für einen effizienten Systembetrieb ist die Kopplung mit einem zweiten Wärmeerzeuger, also der Hybrid- oder Bivalenzbetrieb z. B. mit einem Gaskessel. Wird weder das eine noch das andere vorgesehen, kann auch ein Elektroheizstab beim Abschalten der Wärmepumpe die Wärmebereitstellung übernehmen, was aber mit hohem Stromverbrauch im Winter und entsprechend hohen Kosten verbunden ist.
Der Vergleich von PVT Luft-Sole-Wärmepumpensystemen mit Luft-Wärmepumpen wurde im Rahmen dieses Projekts nicht durchgeführt. Frühere Untersuchungen [13] zeigen, dass auch die mit PVT Luft-Sole-Kollektoren betriebene Wärmepumpe – verglichen mit typischen LuftWärmepumpen – eine hohe Effizienz aufweist (Tabelle 3).
Zusammenfassung und Fazit
Bild 12: Jahresarbeitszahl in Abhängigkeit der Kollektorfläche für einen PVT Luft-Sole-Kollektor und einen flachen Standard-PVT-Kollektor, ohne Berücksichtigung von Vereisungseffekten. Oben aufgetragen ist das Flächenverhältnis von Brutto-Kollektorfläche zur Wärmepumpenleistung bei B0/W35.
Bild: Consolar
Die hier vorgestellten Untersuchungen zeigen, dass PVT Luft-Sole-Kollektoren aufgrund ihres geringen Flächenbedarfs, ihrer hohen Effizienz und Geräuschlosigkeit eine wichtige und erprobte Alternative zu den heute hauptsächlich üblichen Luft-Wärmepumpen darstellen.
Klassische PVT-Kollektoren als alleinige Wärmequelle einer Wärmepumpe benötigen für den gleichen Stromverbrauch deutlich größere Kollektorflächen. PVT Luft-Sole-Kollektoren sind als alleinige Wärmequelle von Sole-Wärmepumpen tausendfach erprobt und wissenschaftlich untersucht. Der Umstand, dass keine zweite Wärmequelle benötigt wird, führt zu wirtschaftlichen Lösungen. Sie sind oft im städtischen Bereich und der Sanierung aufgrund des begrenzten Platzes für das Kollektorfeld alternativlos.
Dank
Ein Teil der vorgestellten Untersuchungen wurde im Forschungsprojekt „Entwicklung eines Prüfverfahrens für Luft-Sole-Kollektoren als Wärmequelle für Wärmepumpen“, Akronym „SolAirHX“, aufgrund eines Beschlusses des deutschen Bundestages vom Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz über den Projektträger Jülich (PTJ) unter dem Förderkennzeichen 03TN0046 A gefördert, sowie durch die beteiligten Industriepartner finanziell und inhaltlich unterstützt. Die Autoren danken für die Unterstützung.
Literatur- / Quellenverzeichnis
[1] U. Leibfried, S. Fischer, S. Asenbeck: PVT-Wärmepumpensystem SOLINK – Systemvalidierung und zwei Jahre Praxiserfahrung, Symposium Thermische Solarenergie 2019, Bad Staffelstein
[2] SolAirHX: Entwicklung eines Prüfverfahrens für solarthermische Luft-Sole-Wärmeübertrager als Wärmequelle für Wärmepumpen, BMWK Förderkennzeichen 03TN0046
[3] Decarbonizing Heating Supply Systems in Existing Single-family Houses Through PVT - Heat Pump Systems, B. Chhugani, P. Pärisch, F. Giovannetti, EuroSun 2022
[4] Ralph Eismann et al., CoolShift Nächtliche Gebäudekühlung durch natürliche Konvektion und Strahlung mit zeitweiser Unterstützung durch Kältemaschine, Bundesamt für Energie BFE, Bern, 2023
[5] U. Leibfried, S. Fischer, S. Asenbeck, Kühlen mit PVT-Kollektoren und Wärmepumpe, Symposium Thermische Solarenergie 2020, Bad Staffelstein
[6] Büchi, Simon: Dokumentation der Vereisung von PVT-Kollektoren für den Betrieb mit einer Wärmepumpe. Bachelorarbeit. Hochschule Nordhausen, 2022
[7] Schabbach, T. Messtechnische Untersuchungen an PVT-Solekollektoren in der Klimakammer und Modellierung. Interner Untersuchungsbericht, Nordhausen, 2022
[8] https://www.youtube.com/watch?v=XDf-LBgiDEg
[9] https://www.haustechnikdialog.de/Forum/t/282093/Abtauzyklen-wieviele-habt-ihr-zur-Zeit-
[10] Schlussbericht zum Förderprojekt „Hocheffiziente, auf intelligenter Verknüpfung von PVT- und Wärmepumpentechnik basierende Wärmeversorgung für Gebäudebestand und Neubau, Phase 2: Entwicklung, Systemintegration, Erprobung und Optimierung der PVT-Wärmepumpen-Versorgungseinheit“, (Kurzbezeichnung SOLINK), 30.09.2020
[11] Consolar, https://www.consolar.de/de/fragen_und_antworten/ [Zugriff im April 2026]
[12] Sunmaxx PVT, „Referenzen“: https://sunmaxx-pvt.com/de/referenzen/. [Zugriff im März 2026].
[13] S. Asenbeck, U. Leibfried, H. Stork, S. Fischer: PVT-Wärmepumpen-System - Ein CO2-neutrales, wirtschaftliches Heizsystem für MFH, tab 10/2021, Gütersloh
