Foto: Consolar Solare Energiesysteme GmbH
Zwei Kollektoren heißen auf dem Datenblatt gleich, doch der Unterschied auf dem Dach ist gewaltig: Für dieselbe Jahresarbeitszahl braucht ein Standard-PVT-Kollektor 34 m² Dachfläche, der SOLINK PVT-Luft-Sole-Kollektor nur knapp 13 m².
Seit 2025 unterscheidet die ISO 9806 beide Bauarten als eigene Klassen, und das Kriterium ist messbar: ein Wärmedurchgangskoeffizient (U-Wert) von mindestens 30 W/(m²·K) bei 1,5 m/s Anströmgeschwindigkeit. Consolar hat mit dem IGTE (Universität Stuttgart) und der Hochschule Nordhausen untersucht, was verschiedene Bauarten im Winter leisten – in der Klimakammer, über 18 Monate im Außentestfeld und in der Systemsimulation.
Ein messbares Kriterium
Der U-Wert beschreibt, wie gut ein Kollektor Wärme mit der Umgebungsluft austauscht. Je höher er ist, desto näher folgt die Soletemperatur der Lufttemperatur – anders als in der Bauphysik ist ein hoher Wert erwünscht. Gemessen wurden: flache Unterseite rund 16 W/(m²·K), berippte Unterseite bis 27, Lamellen-Unterseite in Luft-Sole-Ausführung wie beim SOLINK 34 W/(m²·K). Nur die letzte Bauart überschreitet die Normschwelle und darf PVT-Luft-Sole-Kollektor heißen.
Der Grund ist geometrisch: Ein flächiger Wärmeübertrager überträgt Wärme gut zwischen Sole und PV-Laminat, nimmt aus der Luft aber nur entsprechend seiner Fläche Wärme auf. Erst die Lamellenstruktur des SOLINK vergrößert die luftdurchströmte Fläche auf bis zum Achtfachen der PV-Fläche. Damit wird die Luft zur eigentlichen Wärmequelle – auch nachts. Für die Planung entscheidet die Klasse damit, ob der Kollektor eine zweite Wärmequelle braucht.
Vereisung und Abtauzyklen
In der Klimakammer der Hochschule Nordhausen war die PV-Fläche des flachen Kollektors nach rund zwei Stunden geschlossen vereist. Das mindert den Stromertrag, und aus kondensierender Feuchte können sich Eisplatten bilden. Eis entsteht an jeder Wärmequelle, die der Luft Wärme entzieht – entscheidend ist die Auswirkung auf die Leistung. Im 18-monatigen Feldtest des IGTE mit SOLINK-Kollektoren lag die Minderung des Wärmeübertragungsvermögens durch Eisbildung unter 5 %. Die große Fläche wirkt als Reserve.
Der Unterschied zum Außengerät einer Luft-Wärmepumpe ist konstruktiv: Dort liegen die Lamellen 2 bis 4 mm auseinander, ein Ventilator schiebt permanent feuchte Luft nach. Bei feuchtem Frostwetter berichten Nutzer von Abtauvorgängen alle 30 bis 90 Minuten; jeder kostet Energie und unterbricht die Wärmelieferung, mit Folgen für die Jahresarbeitszahl. Der SOLINK arbeitet mit rund 10 mm Abstand und ohne Ventilator; bei Paralleldach-Montage ist kein Enteisungsvorgang nötig.
Flächenbedarf und Einsatzbereiche
Der Flächenvergleich oben stammt aus der Systemsimulation: bis zu 60 % weniger Fläche, gerechnet noch ohne Vereisungseffekte. Als Auslegungsrichtwert gelten 2 bis 2,4 m² je kW Heizleistung (B0W35). Wo PV, Lüftungszentralen und Aufbauten um Dachfläche konkurrieren, ist das der planungsrelevante Unterschied.
Klassische PVT-Kollektoren sind weiterhin sinnvoll, wenn eine zweite Quelle vorhanden ist, beispielsweise zur Regeneration von Erdsonden. Fehlt diese, füllen Luft-Sole-Kollektoren in der neuen Leistungsklasse diese Lücke. Dies betrifft Gebäude ohne Bohrgenehmigung für Geothermie, ohne Aufstellfläche für ein Außengerät oder mit Schallauflagen in der Nachbarschaft sowie verdichtete Stadtlagen und Sanierungen im Bestand.
Weitere Informationen: www.consolar.de und www.youtube.com
