Nachhaltigkeit – ein Planungsthema

Mit dem Thema „DGNB Zertifizierung“ gibt es eine neue Herausforderung im Planungsalltag der Ingenieure und Architekten. Das Thema, das Projektentwickler bereits für sich entdeckt haben und auch Investoren immer mehr interessiert, betrifft in wichtigem Maß auch die Technische Gebäu­deausrüstung. Dr. Christine Lemaitre, Geschäftsführerin der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen e.V. DGNB stellte sich den Fragen der TAB-Redaktion.

TAB: Frau Dr. Lemaitre, der Lebenszyklus eines Gebäudes erhält immer mehr Aufmerksamkeit. Welche Bedeutung ergibt sich dadurch für den Planungsprozess eines Gebäudes?

 

Dr. Christine Lemaitre: Der Planungsprozess steht bei Investoren und Bauherren traditionell im Fokus ihrer Aufmerksamkeit. Bereits im Vorfeld der Planung wird nicht nur über die baulichen Rahmenbedingungen, sondern auch über die Investitionen entschieden, die für die künftige Nutzung einer Immobilie und ihre Ertragsfähigkeit entscheidend sind. Der Bauherr trifft die Entscheidung zum nachhaltigen Bauen idealerweise zu einem frühen Zeitpunkt und gibt die Richtlinien für Planer und Architekten vor. Nachhaltiges Planen und Bauen bedeutet, dass die Planer nicht auf den kurzen Moment bis zur Fertigstellung und Einweihung eines Gebäudes hin arbeiten. Mit dem Zertifikat der DGNB lässt sich die Qualität eines Gebäudes – inklusive der ökonomischen Performance – über den kompletten Lebenszyklus ganzheitlich abbilden und darstellen.

 

TAB: Steigt mit dem Zertifikat der Einfluss der Projektentwickler auf den Planungsprozess eines Gebäudes?

Dr. Christine Lemaitre: Auf jeden Fall wird der Einfluss derjenigen steigen, die sich Kompetenz und Erfahrung in nachhaltiger Planung angeeignet haben. Das können Planer, Ingenieure, Archi­tekten oder Projektentwickler sein. Einfluss hat letztendlich der­jenige, der interdisziplinär arbeitet, sein fachliches Know-how nachweisbar darstellt und weiter entwickelt. Bauherren und Investoren denken um und werden ihre Entscheidungen künftig stärker an Nachhaltigkeitskriterien ausrichten. Unsere Generation muss nachhaltiges Planen und Bauen als gesellschaftliche Verpflichtung und zukunftssichernde Maßnahme verstehen.

 

TAB: Inwieweit wird die Zusammenarbeit von unterschiedlichen Personen, die an Bauprojekten be­teiligt sind, z. B. von Architekten und TGA-Ingenieuren, beeinflusst?

 

Dr. Christine Lemaitre: Die Zusam­menarbeit wird sicher deutlich enger und koordinierter. Die tech­nischen Parameter einer Pla­nung und insbesondere die ge­bäudetechnische Ausstattung werden künftig stärker auf­ein­ander abzustimmen sein. Nach­hal­tiges Planen und Bauen ist innovationsfreundlich. Fortschritt­liche technische Ansätze werden im Zuge einer Zertifizierung honoriert, bedingen aber auch eine frühe Zusammenarbeit zwischen den Fachplanern und den Architekten.

 

TAB: Müssen die Anlagen der tech­nischen Gebäudeausrüstung da nicht sogar zwangsläufig „kleiner und feiner“ werden?

 

Dr. Christine Lemaitre: In der Vergangenheit häufig unabhängig voneinander geplante Gewerke und technischen Ausstattungen sind künftig stärker aufeinander abzustimmen. An den Anlagen selbst wird sich sicherlich auch eine Menge verändern, um diesen neuen Anforderungen gerecht zu werden. Insbesondere die Anforderungen an die Steuerungstechnik erhöhen sich je nach Nutzungstyp und Zielsetzung.

 

TAB: Die hohe Effizienz der technischen Anlagen hat einen wichtigen Einfluss auf die Bewirtschaftung eines Gebäudes. Inwieweit spielen Funktionserhalt, Wartung und Instandhaltung bei der Vergabe des Gütesiegels eine Rolle?

 

Dr. Christine Lemaitre: Diese Aspekte des Betriebs werden bereits im Neubauzertifikat durch die Lebenszyklusbetrachtung und die vorausschauende Planung adressiert und bewertet. Wenn man bedenkt, dass ca. 70 % der Lebenszykluskosten durch den Bereich TGA verursacht werden, wird auch die Verantwortung deutlich mit diesen Themen sinnvoll umzugehen um über den gesamten Lebenszyklus eine optimale Performance zu erzielen. Wir sind momentan dabei das Zertifizierungssystem für Bestandsgebäude zu finalisieren, hierbei werden diese Aspekte sicherlich noch verstärkt herausgearbeitet.

 

TAB: In welcher Form wird eine Honorierung der Planungsleistungen und der Aufgaben bis zur Erstellung des DGNB-Zertifikates erfolgen? Spielt die HOAI dabei eine Rolle?

 

Dr. Christine Lemaitre: Momentan ist es nicht beabsichtigt das Thema der Auditorenleistung durch die HOAI abzubilden, hierfür variieren die erforderlichen bzw. angebotenen Leistungen zu stark. Generell ist dies jedoch ein sehr wichtiges Thema, dass bereits von unterschiedlichen Interessensgruppen wie zum Beispiel dem Ausschuss der Verbände und Kammern der Ingenieure und Architekten für die Honorarordnung e.V. (AHO) diskutiert wird. Die DGNB arbeitet hier mit, um das notwendige Hintergrundwissen zur Verfügung zu stellen.

 

TAB: Frau Dr. Lemaitre, vielen Dank für die Beantwortung der Fragen.

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