Heizungsverteiler im Kesselhaus

Hydraulische Entkopplung sichert Wärmeverteilung

Die NürnbergMesse ist in der TGA-Branche durch die Fachmessen IFH/Intherm und Chillventa ein Begriff. Die Heizwärme für die Messehallen und Kongresszentren kommt aus dem Kesselhaus, das unterhalb des Servicecenters am Eingang Mitte liegt. Für die Heizungsverteilung bedeutet dies, dass die Wärme über weite Strecken transportiert werden muss, um auch entfernt gelegene Hallenbereiche sicher beheizen zu können. Um alle Systemkreise mit den geforderten Massenströmen und Solltemperaturen zu versorgen, wurde großer Wert auf das System der Heizungsverteilung gelegt.

In den Hallen 7 bis 9 stellen die Heiztechnik-Hersteller während der Messe IFH-Intherm in Nürnberg ihre Produkte und Neuheiten aus. Während sich die Messebesucher in Halle 7A auf der Ostseite des Messegelän­des über Solarwärme- und Pelletsheiztechnik informieren, produzieren am anderen Ende unter dem Eingang Mitte fünf Großkessel die Heizwärme für die Messehallen und Verwaltungsgebäude. Von 550 kW bis 11,2 MW reicht die Bandbreite der Kesselleistungen. In der Summe sind es bei Volllast rund 26,5 MW Heizleis­tung, die zusammen mit der zu­sätzlichen Fernwärme vom Kessel­haus über Fernleitungen...
In den Hallen 7 bis 9 stellen die Heiztechnik-Hersteller während der Messe IFH-Intherm in Nürnberg ihre Produkte und Neuheiten aus. Während sich die Messebesucher in Halle 7A auf der Ostseite des Messegelän­des über Solarwärme- und Pelletsheiztechnik informieren, produzieren am anderen Ende unter dem Eingang Mitte fünf Großkessel die Heizwärme für die Messehallen und Verwaltungsgebäude. Von 550 kW bis 11,2 MW reicht die Bandbreite der Kesselleistungen. In der Summe sind es bei Volllast rund 26,5 MW Heizleis­tung, die zusammen mit der zu­sätzlichen Fernwärme vom Kessel­haus über Fernleitungen an die Lüftungszentralen auf dem Gelände zu verteilen sind. Dort wird in Kasten-Klimageräten die Zuluft mit der Wärme aus der Heiz­zentrale erwärmt und über Luftauslässe in die Messehallen geleitet. Da­mit die Heizwärme in dem weit verzweigten Verteilsystem auch noch an den hydraulisch un­güns­tigsten Punkten ankommt, wurden die Hauptverteilung und ein Teil der Unterverteilungen mit „Zortström“-Sammel- und Verteilsystemen aufgebaut.

Verteiler bildet hydraulischen Nullpunkt

Der Hauptverteiler im Kesselhaus der NürnbergMesse ist bisher das größte Exemplar dieses patentierten Sammel- und Verteilsystems dessen Hauptmerkmale drei Temperaturstufen und die hydraulische Entkopplung sind. Durch die zylinderförmige Bauweise wirkt der Verteiler gleichzeitig auch als Puffer und die hydraulische Weiche. Darüber hinaus ist es das Funktionsprinzip, als Anlagen-Nullpunkt auch bei wechselnden Lastsituationen für ausgeglichene Druckverhältnisse zu sorgen, ohne dass sich die angeschlossenen Heizkreise gegenseitig beeinflussen können.

An seinen Platz kam der „Zortström“ während der Messe-Sommerpause im Jahr 2003, nachdem ein Jahr zuvor im Kesselhaus die alten Dampfkessel durch moderne Gas-Brennwertkessel ersetzt worden waren. Aus hydraulischer Sicht war der Planungsansatz für den Neuaufbau der Verteilung, die Heizwasserströme der Kessel- und Abnehmerkreise voneinander zu entkoppeln. Das verantwortliche Planungsbüro hatte sich dabei auf Erfahrungen mit dem Einsatz des hydraulischen Nullpunktverteilers gestützt. „Die Vereinigung von Verteiler und hydraulischer Weiche ermöglicht eine sichere Strömungsentkopplung zwischen Wärmeerzeugung und Wärmeverteilung“, erklärt Fachplaner Dipl.-Ing. (FH) Georg Born vom Ingenieurbüro Ebert und Partner in Nürnberg.

Über acht Fernleitungsstrecken von jeweils bis zu 1 km Länge verteilen sich die Heizwasserströme zunächst an die weiteren Unterverteilungen. Eine Schemazeichnung an der Wand in einer der Unterstationen zeigt, dass die angeschlossenen Heizkreise über die dreistufigen „Zortström“-Verteiler mit unterschiedlichen Systemtemperaturen und Massenströmen versorgt werden. Auf den Einsatz zusätzlicher Regelungstechnik konnte durch die hydraulische Entkopplung und die Unterteilung in drei Temperaturstufen verzichtet werden.

Dritte Verteilerebene für die Brennwertnutzung

Zurück im Kesselhaus fällt zuerst auf, dass sämtliche Rohrleitungen größtenteils ohne Leitungskreuzungen auf den „Zortström“-Verteiler zulaufen. Ebenso wie an den Unterstationen kuppeln die Anbindestrecken dort in drei Ebenen an den zylinderförmigen Verteiler an. Der Grund für den dreistufigen Aufbau des Verteilers ist die Einbindung der Abgaswärmetauscher für die Gas-Brennwertkessel, die in dieser Größenordnung als externe Wärmetauscher ausgeführt sind: „In die mittlere Temperaturebene des Verteilers strömt die aus der Abgaskondensation gewonnene Wärme, die durch Brennwertnutzung gewonnen wird. Die Temperatur in der mittleren Temperaturebene liegt zwischen den Vorlauf- und Rücklauftemperaturen, die in der oberen und unteren Verteilerebene herrschen. So kann die durch Brennwertnutzung gewonnene Wärme direkt für die Versorgung von Niedertemperaturheizkreisen genutzt werden. Mit einem konventionellen zweistufigen Verteiler wäre eine sinnvolle Brennwertnutzung nicht realisierbar, weil der erwärmte Rücklauf vom Abgaswärmetauscher dann nur den Vorlauf herunterkühlen würde“, erklärt Thomas Mößner vom Team Bau und Technischer Betrieb der NürnbergMesse.


Tiefe Rücklauftemperaturen

Aus der Rücklaufebene des dreistufigen Verteilers erhalten die Abgaswärmetauscher stets die notwendigen tiefen Temperaturen, damit der im Abgas enthaltene Wasserdampf kondensieren kann. Die erzielten niedrigen Rücklauftemperaturen bewirken einen weiteren Einspareffekt: Zur Deckung der Wärmegrundlast bezieht die Messe vom Nürnberger Energieversorgungsunternehmen N-Ergie mit 3 MW Fernwärme-Heizleistung, die über drei Übergabestationen in die Vorlaufebene des Zortström eingespeist wird. Die Rücklauftemperaturen zu den Übergabestationen sind nach den bisherigen Erfahrungen um rund 10 bis 15 K niedriger, als dies bei einer zweistufigen Verteilung der Fall wäre. „Über den dreistufigen Verteiler wird erreicht, dass die zugekaufte Energie noch effizienter genutzt werden kann“, weiß Thomas Mößner. Neben den hydraulischen Eigenschaften war ein wesentlicher Grund für den Einsatz der „Zortström“-Technologie, dass es schlicht am nötigen Platz fehlte: Weder die Länge noch die Höhe des Kesselhauses hätten trotz stattlicher Maße für die Abmessungen eines konventionellen, balkenförmigen Verteilers samt Anbindung für die 22 Systemkreise mit Leitungsdimensionen von DN 65 bis DN 300 ausgereicht.

Offene Hallentore bei Nacht als besonderer Lastfall

Während der kälteren Jahreszeiten ist die Nacht vor Messebeginn die größte Herausforderung für die Anlagenhydraulik. Aussteller und Messebauer transportieren Standbauten und Exponate durch geöffnete Hallentore, mit der Folge rapide sinkender Innentemperaturen. Um 22 Uhr schließen die Tore; bis zum nächsten Morgen um 8:00 Uhr muss die Lufttemperatur in den Hallen bis auf 2 m Raumhöhe wieder auf 21 °C erwärmt werden.

Durch die hydraulische Entkopplung in den Haupt- und Unterverteilern werden die Heizkreise mit den geforderten Massenströmen versorgt, so dass auch über weite Strecken und an hydraulisch ungünstigen Punkten die Wärme an die jeweils richtige Stelle strömt. Über die GLT haben die Mitarbeiter der Betriebstechnik dabei die Kontrolle über die Betriebszustände im gesamten Heizsystem. In der GLT-Software ist ein Energiemanager integriert, der die einzelnen Wärmeerzeuger je nach Leistungsbedarf zu- oder abschaltet.


Begehbarer Verteiler

Zwei Lüftungsanlagen sorgen dafür, dass die Großkessel die Verbrennungsluft nicht nur in der benötigten Menge, sondern auch vorgewärmt erhalten. Über Luftkanäle führen die Ventilatoren dem Kesselhaus bis zu 30 000 m³/h Verbrennungsluft zu, die bei kälteren Außentemperaturen auf 16 °C vorgeheizt wird.

„Bei -5 °C wäre sonst ein Großkessel im MW-Bereich schon nach der Vorbelüftung ausgekühlt“, sagt Thomas Mößner und ergänzt: „Für die nächste Anlagenerweiterung muss am „Zortström“ noch ein Stutzen versetzt werden.“ Um den Verteiler danach wieder aufzufüllen, werden rund 8 m3 aufbereitetes Heizwasser nötig sein.

Jetzt Artikel freischalten:

tab DIGITAL

14 Tage kostenlos testen

2,49 € / Woche*

Fachwissen jederzeit und überall.

Greifen Sie auf exklusive PLUS-Artikel und das komplette Online-Archiv zu und lesen Sie tab bequem im E-Paper-Format. Das digitale Abo für alle, die flexibel bleiben möchten.

Ihre Vorteile:

  • Exklusive tab-PLUS-Artikel
  • 6 E-Paper für mobiles Lesen
  • Online-Archivzugang

*129,48 € bei jährlicher Abrechnung inkl. MwSt.

Jetzt bestellen

tab KOMBI

4,99 € / Woche*

Das komplette tab-Erlebnis – digital & gedruckt.

Für alle, die Fachinformationen auf allen Kanälen nutzen möchten: Kombinieren Sie Print und Digital, profitieren Sie von unseren Fachforen und präsentieren Sie Ihr eigenes Projekt.

Ihre Vorteile:

  • Exklusive tab-PLUS-Artikel
  • 6 Print-Ausgaben pro Jahr
  • E-Paper für mobiles lesen
  • Teilnahme an einem Fachforum
  • Online-Archivzugang
  • Veröffentlichen eines Projekts

*259,48 € bei jährlicher Zahlung inkl. MwSt. & Versand

Jetzt bestellen

Thematisch passende Artikel:

Ausgabe 11/2010

Solares Energiemanagement über den Heizungsverteiler

Einbindung von Solarthermie in die Heizungshydraulik

Mehr als ein Drittel der neu installierten Heizungsanlagen wird mittlerweile mit Solarthermie kombiniert. Im Solar-Rekordjahr 2008 wurden auf deutschen Dächern 2,1 Mio. m2 Kollektorfläche...

mehr
Ausgabe 10/2015

Ein wohltemperiertes Möbelhaus

Wärmeverteilung im Einkaufszentrum

Heizen mit erneuerbaren Energien ist auch für große Gewerbeobjekte keine Ausnahme mehr – nur die Di­men­sionen machen den Unterschied. Das Möbelhaus Höffner in Hamburg-Eidelstedt wird mit...

mehr
Ausgabe 02/2015

Die Halle 3A in Nürnberg

Blickfang auf dem Messegelände

Zwischen der zentralen Einfahrt Mitte/West und der Zufahrt an der Großen Straße sticht die jüngste Visitenkarte der NürnbergMesse Besuchern ins Auge. Die 105 m lange und 85 m breite Halle 3A wurde...

mehr
Ausgabe 05/2014

Heizung und Kälte in Großgebäuden

Hydraulischer Nullpunkt in Verteilung sorgt für Dynamik

Das futuristische Gewerbeobjekt „The Squaire“ am Flughafen Frankfurt am Main, auf 86 Säulen und direkt auf dem Dach des ICE-Fernbahnhofes erbaut, erstreckt sich über eine Länge von 660 m und...

mehr
Ausgabe 06/2011

Hydraulischer Abgleich inklusive

Bedarfsgerechte Wärmeverteilung für Passivhaus-Schulgebäude

Die Richard-von-Weizsäcker-Schule in Öhringen ist in Deutschland das bislang größte in Passivhausbauweise erstellte Schulgebäude. Zwei der insgesamt drei Bauteile wurden in diesem Standard nach...

mehr