Gebäudehülle und -technik im Einklang
Wärmepumpe im Hybrid-SolarhausEin Gebäude ist als Gesamtkonstrukt zu verstehen, bei dem alle Komponenten optimal aufeinander abzustimmen sind. Bis ins letzte Detail umgesetzt hat diesen Grundsatz der „Solartekt“ Franz Marschall mit seinem Hybrid-Solarhaus. Neben einer ausgeklügelten Gebäudehülle stellt eine energetische Wärmepumpe das Herz des Hauses dar.
Idee und Technik aus Ostwestfalen-Lippe
Das Einfamilienhaus mit auffälliger Architektur wurde 2013 in Horn-Bad Meinberg im Kreis Lippe im Nordosten Nordrhein-Westfalens erbaut. Bauherr, Fachplaner und Architekt in „Personalunion“ ist Franz Marschall. Der Diplom-Wirtschaftsingenieur sammelte bereits 30 Jahre lang Erfahrung auf dem Gebiet der aktiven und passiven Solartechnik.
Das unterkellerte Gebäude verfügt über eine Wohnfläche von 168 m2 sowie einen 43 m2 großen Wintergarten, der durch seine besondere Architektur und Bauausführung einen wesentlichen Anteil am abgestimmten Gebäudekonzept...
Idee und Technik aus Ostwestfalen-Lippe
Das Einfamilienhaus mit auffälliger Architektur wurde 2013 in Horn-Bad Meinberg im Kreis Lippe im Nordosten Nordrhein-Westfalens erbaut. Bauherr, Fachplaner und Architekt in „Personalunion“ ist Franz Marschall. Der Diplom-Wirtschaftsingenieur sammelte bereits 30 Jahre lang Erfahrung auf dem Gebiet der aktiven und passiven Solartechnik.
Das unterkellerte Gebäude verfügt über eine Wohnfläche von 168 m2 sowie einen 43 m2 großen Wintergarten, der durch seine besondere Architektur und Bauausführung einen wesentlichen Anteil am abgestimmten Gebäudekonzept hat. Das Haus wurde in Holzständerbauweise errichtet und mit einer 40 cm starken Dämmung aus Mineralwolle versehen; die großzügigen Fensterfronten sind mit einer 3-fach-Verglasung ausgeführt. Das Gebäude entspricht dem Passivhausstandard.
Um das gesamte Gebäude auf wirtschaftlich und energetisch sinnvolle Weise individuell belüften zu können, kam eine dezentrale Wohnungslüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung zum Einsatz. Zur Wärme- und Stromversorgung tragen die Wärmepumpe, eine 11 kWp große Photovoltaikanlage auf dem optimal ausgerichteten Hausdach sowie – bei Bedarf – ein raumluftunabhängig arbeitender Kaminofen mit 8 kW Heizleistung bei. Die Wärmeübergabe erfolgt über eine Flächenheizung mit nur 12 mm Estrichüberdeckung.
Der Wintergarten fungiert in diesem Zusammenhang als Energiespeicher, in dem der Wärmegewinn im Wintergartenboden sowie durch massive Lehmwände an der Rückseite für die Nacht gespeichert wird. Hierfür wurden rund 5 t Lehm im Innenbereich des Hauses als Latentwärmespeicher verwendet, der Luftfeuchte in größeren Mengen aufnehmen kann. „Damit können wir 1800 kg Wasserdampf speichern. Die darin enthaltene Energie reicht aus, um 7500 l Wasser von 20 auf 40 °C zu erwärmen“, erklärt Franz Marschall den Nutzen. Da der Wintergarten über sieben große Dachflügel mit insgesamt 6 m2 großem Lüftungsquerschnitt verfügt, wirken die darüber liegenden Photovoltaikmodule als Hitzebeschleuniger. So kommt auch die immens hohe, natürliche Luftwechselrate zu Stande. „Hier kommt es viel weniger auf bautechnische, sondern auf thermodynamische Eigenschaften des Gebäudes an“, fasst Franz Marschall sein Planungskonzept zusammen.
Durch die passive Solarenergienutzung mit einer preiswerten Solarstromerzeugung und Wärmepumpe kann im Hybrid-Solarhaus auf eine teure Speichertechnik verzichtet werden. Nach Auffassung des Bauherrn wird doppelt so viel Energie erzeugt wie verbraucht. Der überschüssige Strom wird von den Marschalls derzeit noch ins öffentliche Stromnetz eingespeist, soll zukünftig aber die Elektroautos der Bewohner versorgen.
Einige Impulse zu Detaillösungen seines Hybrid-Solarhauses erhielt der „Solartekt“ Franz Marschall im Verband Energie Impuls OWL e.V., in dem etwa 100 Unternehmen und Ingenieure organisiert sind. Das Netzwerk setzt sich für die vermehrte Nutzung von Zukunftsenergien in Ostwestfalen-Lippe ein. Daher lag es nahe, dass ein wichtiger Teil der Haustechnik ebenfalls aus der Region stammt: Die eingesetzte Wärmepumpe stammt vom Systemhersteller Remko mit Sitz im lippischen Lage.
Art und Einbindung der Wärmepumpe
Zum Einsatz kam die Luft-/Wasser-Wärmepumpe „Smart-WP WKF-compact 85“. Sie steht in drei Leistungsgrößen zur Verfügung. Im Hause Marschall entschied man sich für das am geringsten dimensionierte Modell in Kompakt-Ausführung, das über einen 300 l fassenden, emaillierten Trinkwasserspeicher verfügt. Durch diese kompakte Bauweise wird keine große Stellfläche benötigt; ein kleiner Aufstellraum reicht aus.
Die Heizleistung der Luft-/Wasser-Wärmepumpe liegt zwischen 1,1 und 9,3 kW; die Kühlleistung reicht von 1,6 bis 9,8 kW. Da die Wärmepumpe mit Inverter-Technologie ausgestattet ist, passt sich die Verdichterdrehzahl stufenlos exakt dem jeweils benötigten Kühl- bzw. Heizwärmebedarf an. Den COP gibt der Hersteller mit bis zu 4,78 an. Besonders relevant im vorgestellten Gebäude ist auch die maximale Leistungsaufnahme der Wärmepumpe, die sich hier auf 3,6 kW beläuft.
Die Kosten für die Installation werden durch den hohen Anteil an vormontierten Komponenten deutlich reduziert. Um Energieverluste weitestgehend zu minimieren, werden bei der „Smart-WP“ insgesamt 13 Formteile aus dem expandierten Schaumstoff EPP eingesetzt. Mit einer Dichte von 60 g/l bilden sie das Gehäuse der Wärmepumpe sowie des Trinkwasserspeichers. Neben den guten Dämmeigenschaften punktet EPP auch mit einem geringen Eigengewicht. Durch die Kombination mit Blech ergibt sich eine Oberfläche, die darüber hinaus stoß- sowie kratzunempfindlich ist.
Das auch vom Design her ansprechende Gerät fand bei den Marschalls in einem kleinen Haustechnikraum im Erdgeschoss seinen Platz. Von hier aus gelang problemlos die Anbindung an das Außengerät; die Wärmepumpe wird in Split-Ausführung betrieben. Dieses wurde an der Außenwand des Gebäudes positioniert, wo es aufgrund seiner geringen Abmessungen (800 mm Höhe, 880 mm Breite und 312 mm Tiefe) und seines niedrigen Schalldruckpegels von 38,5 dB(A) nicht stört. Die kompakte Bauweise resultiert daraus, dass lediglich Verdichter, Verdampfer und Expansionsventil untergebracht sind. Bei der Installation ist auf eine erhöhte Aufstellung zum Schutz vor Schnee oder sich ansammelndem Laub zu achten. Nur so ist ganzjährig ein freies Ansaugen und Ausblasen der Außenluft möglich.
Für die nahe Zukunft plant Franz Marschall, das Außengerät mit einem zusätzlichen Gehäuse zu versehen, um die Zuluft aus dem Keller ansaugen zu können. Dort soll die Wärme aus dem Wintergarten später einmal zwischengespeichert werden. Darüber hinaus lässt sich der Bauherr die Möglichkeit offen, im Nachtbetrieb sowie im Winter die Zuluft der Wärmepumpe über einen Luft-Erdwärmetauscher zu leiten. Im Sommer ist eine Vorkühlung der Zuluft zum Wintergarten über einen Wasserteich bzw. eine Regenwasserzisterne eingeplant. Die Wärmeübergabe erfolgt über die im gesamten Haus verlegte Fußbodenheizung, wobei sie maximal 3,6 kW Heizlast beiträgt; die Vorlauftemperatur der Wärmepumpe ist auf 23 °C festgelegt. Der weitere Wärmebedarf wird über die Wohnungslüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung gedeckt.
Regelung überwacht Funktion
Gesteuert wird die „Smart-WP“ über eine von Remko entwickelte Regelung, die u. a. auch die problemlose Anbindung der Photovoltaikanlage möglich machte. Darüber hinaus ist die Wärmepumpe durch die neue Regelungstechnik für den Einsatz im „Smart Grid“ konzipiert. Die Handhabung der Wärmepumpen-Steuerung ist einfach und intuitiv, da Softkeys und ein Drehknopf verwendet werden. Der aktuelle Status wird über eine zentrale Informationstaste ermittelt. Auf dem Basic-Screen können schnell die häufig genutzten Funktionen abgefragt werden, ebenso wie detaillierte Energiebilanzen, Diagramme und Animationen. Das Bedienteil der Regelung lässt sich auch als Fernbedienung nutzen.
Die Remko-„Smart-Control“ überwacht die Funktion der Wärmepumpe ständig. Der Ferneingriff „Smart Web“ ist über eine Schnittstelle möglich. Die Daten werden auf einem externen Datenspeicher gesichert, sodass sie bei Bedarf auf dem PC zur Verfügung stehen. Da „Smart-Control“ eine spezielle Software sowie einen „CheckServ“-Assistenten beinhaltet, werden die Servicetechniker bei Inbetriebnahme und Wartung der „Smart-WP“ zusätzlich unterstützt.
Erste Auswertungen
Der Primärenergiebedarf des Hybrid-Solarhauses von Franz Marschall beläuft sich auf –23 kWh/(m2a), berücksichtigt man bereits die Netzeinspeisung des Stromüberschusses. Dank der ausgeklügelten Haustechnik kann die Photovoltaikanlage mit einem Jahresertrag von 10.800 kWh das Gebäude zu 97 % mit Warmwasser, zu 77 % mit Haushaltsstrom und zu 61 % mit Heizwärme versorgen. So belaufen sich die gesamten Wohnnebenkosten für die Marschalls im Monat auf 24 € – Wasser, Abwasser, Müllabfuhr, Grundstücksabgaben, Stromein- und -verkauf bereits berücksichtigt. Tendenz fallend, sollte der „Solartekt“ seine weiteren Pläne verfolgen und den effizienten Betrieb der Wärmepumpe durch die genannten Maßnahmen weiter optimieren.
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