Eine denkmalgerechte Sanierung

Erneuerung der Gebäudetechnik im Dresdner Kulturpalast

Zwei Jahre lang wurde der Dresdner Kulturpalast von Grund auf modernisiert. Denn nachdem er nicht mehr an die vergangenen Jahrzehnte des glanzvollen Ruhms anknüpfen konnte, war eine Frischekur von innen nötig. Um den heutigen Anforderungen an Technik und Akustik gerecht werden zu können, musste die gesamte Innenstruktur des historischen Baus verändert werden. Zwei Teams der Wisag Industrie Service Gruppe mit insgesamt bis zu 85 Mitarbeitern gaben über fast zwei Jahre alles, um den Auftrag unter strengen Vorgaben zu erfüllen. Hand in Hand und Schritt für Schritt wurde aus dem Kulturhaus mit veralteter Technik und überholten Schutzmaßnahmen ein modernes Kulturzentrum für Künste und Wissen – mit seinem markanten Konzertsaal als Herzstück.

Zu seiner Einweihung im Jahr 1969 war der Dresdner Kulturpalast mit seiner rebellischen Architektur, die sich allen Bauvorgaben des Sozialismus widersetzte, der neuen Technik und Dimension ein sensationelles Novum – und ein politisches Zeichen gegen das DDR-Dogma. Knapp 20 Jahre nach seiner so gefeierten Eröffnung büßte das Kulturhaus jedoch rapide an Bedeutung auf dem internationalen Konzert- und Veranstaltungsmarkt ein. Der Grund: Während die Anforderungen an Raumakustik, Technik und Brandschutz stetig wuchsen, blieb der einst so moderne Bau in alten Kinderschuhen. 

Seit dem letzten Jahr ist...

Zu seiner Einweihung im Jahr 1969 war der Dresdner Kulturpalast mit seiner rebellischen Architektur, die sich allen Bauvorgaben des Sozialismus widersetzte, der neuen Technik und Dimension ein sensationelles Novum – und ein politisches Zeichen gegen das DDR-Dogma. Knapp 20 Jahre nach seiner so gefeierten Eröffnung büßte das Kulturhaus jedoch rapide an Bedeutung auf dem internationalen Konzert- und Veranstaltungsmarkt ein. Der Grund: Während die Anforderungen an Raumakustik, Technik und Brandschutz stetig wuchsen, blieb der einst so moderne Bau in alten Kinderschuhen. 

Seit dem letzten Jahr ist das veraltete Konzept Vergangenheit und das neue Innenleben zukunftsweisend. Nun trumpft der Kulturpalast als innovatives Kulturzentrum mit neuem Konzertsaal (21.500 m3 Raumvolumen, Platz für 1.800 Besucher und eine Bühne von 210 m2), einer neuen städtischen Zentralbibliothek und großzügig gestalteten Foyers auf. Bereits im Bereich der Bebauung im Neumarktareal – Quartier III und VIII sowie Hotel de Saxe – konnten die Wisag Gebäude- und Industrieservice sowie Wisag Elektrotechnik überzeugen. Ein weiteres Stückchen Neu- und Altmarktsanierung konnte durch den Kulturpalast hinzugewonnen werden.

Kernsanierung unter erschwerten Bedingungen

„Der Kulturpalast wurde ‚kernsaniert‘. Das heißt, dass alles bis auf die Außenhülle abgerissen und neu aufgebaut wurde. Hierbei hat sich die gesamte Innenstruktur verändert“, erklärt Axel Tesch, Vertriebsingenieur Anlagenbau Gebäudetechnik bei der Wisag Gebäude- und Industrieservice Mitteldeutschland GmbH & Co. KG in Dresden. Die hochkomplexe Baustelle stellte das gesamte Wisag-Team vor einige besondere Herausforderungen: beengte Platzverhältnisse, hohe Anforderungen an Schall- und Brandschutz sowie strenge Vorgaben zum Erhalt von denkmalgeschützten Bereichen. So mussten die Luftauslässe nach historischem Vorbild oder durch Integration in historische Elemente eingebracht werden. Zusätzlich wurden Deckensysteme und Beleuchtungselemente nachkonstruiert, um die strengen Denkmalschutzvorgaben zu erfüllen.

„Baubegleitend haben wir gemeinsam die hohen Anforderungen an die denkmalgerechte Sanierung umgesetzt. Vor allem mussten wir auf die speziellen Schnittstellen zwischen Grundinstallationen und nutzerspezifischen Installationen, wie beispielsweise die Theaterinstallation, achten“, ergänzt Sebastian Sorek, Projektleiter der Wisag Elektrotechnik Mitteldeutschland GmbH & Co. KG. Vom Abruf über die Annahme und Zwischenlagerung bis hin zur Montage der rund 5.100 Sonderleuchten musste alles genauestens abgestimmt werden. Um das beste Ergebnis zu erzielen, hat die Wisag Elektrotechnik verschiedene Beleuchtungssteuerungen, wie KNX/DALI und DMX, sowie die Sicherheitsbeleuchtung miteinander verknüpft. „Dabei mussten wir zu jeder Zeit fünf Bereiche berücksichtigen: die Philharmonie, das Kabarett ,Herkuleskeule‘, die Zentralbibliothek, Foyers und Gastronomie“, sagt Sebastian Sorek.

Auch eine der vielschichtigeren Aufgaben konnte dank der spartenübergreifenden Zusammenarbeit der beiden Wisag-Schwestergesellschaften erfolgreich geschultert werden. Diese bestand in der Modernisierung des Brandschutzes und der logistischen Umsetzung. „Die Herausforderung lag vor allem in der zentralen Lage des Kulturpalasts. Auf der Rückseite grenzt er an die Frauenkirche und die Fußgängerzone“, betont Objektleiter Steffen Meyer, Kommunale Immobilien Dresden GmbH & Co. KG (KID) – Eigentümerin und Betreiberin des Kulturpalasts. „Somit war es eine ziemliche Meisterleistung unserer Mitarbeiter, die Materialanlieferung, gerade bei Großkomponenten wie Lüftungsgeräten, zu organisieren. Tieflader, Kran und Montagetrupp mussten punktgenau zur Verfügung stehen“, berichtet Axel Tesch.

Um die Lüftungsanlagen möglichst energiesparend betreiben zu können, wurden im Wannengeschoss zwei Außenluft-/Fortluft-WRG-Einheiten mit insgesamt 75.000 m³/h Luftleistung installiert. Hier wird der sommerlich abgekühlten und winterlich aufgeheizten Raumabluft die Energie entzogen. Über ein Rohrleitungssystem wird diese Energie zu den Außenlufteinheiten transportiert und die eintretende Außenluft erwärmt bzw. gekühlt. Um den Zuschauern sowie Künstlern eine gut temperierte Frischluft zur Verfügung zu stellen, wurden insgesamt fünf Lüftungsanlagen im Bereich Saal, Bühne und Nebenbühne installiert. Diese bringen die Zuluft über speziell designte Auslässe unter der Bestuhlung direkt zu jedem Theatergast. Insgesamt sind im Haus 19 Zentrale Lüftungsanlagen u.a. für die Herkuleskeule, Probenräume, Bibliothek, Foyer und Küche installiert. Zudem mussten einzelne Bereiche schalltechnisch entkoppelt werden. „Die Anforderungen an den Schallschutz lagen im Saal bei 22 bis 25 Dezibel, für Proberäume und Kleinbühnen bei 30. Diese wurden nachweislich erreicht“, sagt Steffen Meyer. Da alle Geräte, die den Saal, die Bühne und das Probezimmer versorgen, keine lüftungstechnischen Einbauteile wie Klappen oder Regler haben, mussten die Experten sehr genau auf deren Berechnung und Auslegung achten. „Alle Räume werden direkt über die Lüftungskanäle von den Zentralgeräten versorgt. Um die Vorgaben an Schall- und Brandschutz einzuhalten, sind alle Kanäle/Rohre mit dem Brandschutzdämmstoff Kalziumsilikat (umgangssprachlich „Promat“) ummantelt. Das einzige Einbauteil im Rohrsystem vor dem jeweiligen Raum ist der Schalldämpfer“, erläutert Axel Tesch. Bei der Auslegung war größte Sorgfalt notwendig. „Zu hohe Strömungsgeschwindigkeiten in den Rohren und Kanälen hätten zu Strömungsrauschen geführt, dies musste unbedingt vermieden werden“, betont Axel Tesch.

Funktionierende Zusammenarbeit

Neben den beiden Wisag-Schwestergesellschaften haben sich 70 weitere am Bau und an der Planung beteiligte Partner und Fremdfirmen des Großprojekts angenommen. „Zu Spitzenzeiten waren bis zu 50 Mitarbeiter der Wisag Elektrotechnik und 35 Mitarbeiter der Wisag Gebäude- und Industrieservice auf der Baustelle“, berichtet Axel Tesch. Das gute Miteinander bescherte gute Ergebnisse. „Das zuständige Ingenieurbüro hat sehr gute Zuarbeit in der Planung geleistet. Anhand dessen konnten wir unsere 3D-Montageplanung erstellen und die Montagearbeiten unter guten Voraussetzungen fortführen. Die Zusammenarbeit mit allen am Bau beteiligten Partnern und Firmen war nicht nur gut, sondern auch terminorientiert und konstruktiv“, sagt der Vertriebsingenieur zufrieden.

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