BIM aus Herstellersicht

Internationaler Ansatz ist sinnvoll

Wer hat’s erfunden, das BIM? Die Schweizer? Nein, diesmal eher nicht. Wesentlich entscheidender ist ohnehin: Wo wird es aktuell am stärksten durchgesetzt? Das ist unbestritten in Großbritannien, einigen skandinavischen Ländern, in der Türkei und in den Niederlanden – BIM (Building Information Modeling). BIM gilt als eine der fundamentalsten Weichenstellungen für die Zukunft des nachhaltigen Planens und Bauens, der sich kein Hersteller der TGA-Branche entziehen kann.

Entsprechend wichtig ist die Frage: Wie kann man als Hersteller das Thema BIM frühzeitig so konkret und zugleich ergebnisoffen anpacken, dass alle potentiellen Chancen erhalten werden, die Entwicklungs- und Organisationskosten aber genauso wie die spätere Umsetzung trotzdem in handelbarem Rahmen bleiben? Gehen wir dieser Frage einmal nach.


Ein Rückblick

BIM ist nicht so neu, wie es in der aktuellen Diskussion den Eindruck erweckt. Software-getrieben wird der Gedanke eines ganzheitlichen Planungsansatzes bereits in der frühen Entwurfsphase schon seit einigen Jahren verfolgt (Bild 1). Die Idee...

Entsprechend wichtig ist die Frage: Wie kann man als Hersteller das Thema BIM frühzeitig so konkret und zugleich ergebnisoffen anpacken, dass alle potentiellen Chancen erhalten werden, die Entwicklungs- und Organisationskosten aber genauso wie die spätere Umsetzung trotzdem in handelbarem Rahmen bleiben? Gehen wir dieser Frage einmal nach.

Ein Rückblick

BIM ist nicht so neu, wie es in der aktuellen Diskussion den Eindruck erweckt. Software-getrieben wird der Gedanke eines ganzheitlichen Planungsansatzes bereits in der frühen Entwurfsphase schon seit einigen Jahren verfolgt (Bild 1). Die Idee dahinter ist bestechend: Der umfassende Planungsansatz verhindert Mehrarbeit und macht die Prozesse auf dem Bau weniger störanfällig, flexibler bei Änderungen und aufgrund ihrer durchgängigen Informationstiefe trotzdem sicherer.

Was bislang aber fehlte und heute immer noch in weiten Teilen fehlt, sind die Standards dahinter. Also sowohl die formale Beschreibung notwendiger Inhalte von Informationen als auch das abgestimmte offene Format, in dem diese Daten über alle Wertschöpfungsstufen eines Projektes hinweg übergeben werden (können).

Eine Herausforderung

Ein global tätiges Unternehmen, wie der Pumpenhersteller Wilo, muss solch eine Marktentwicklung aber dennoch möglichst frühzeitig detektieren, analysieren und zumindest perspektivisch besetzen. Denn gerade die jüngere technologische Vergangenheit hat gelehrt: Die Digitalisierung mit ihrem Potential der Daten­erfassung und -auswertung ist der maßgebliche Innovationstreiber. Wer sich davon abkoppelt, trennt sich von eben dieser Zukunft – insbesondere dann, wenn die Digitalisierung und die damit einhergehende Vernetzung ein Ende des Produktdenkens hin zu konsequent systemischen Ansätzen bedeutet (Bilder 2 und 3).

Bezogen auf das Unternehmen Wilo bedeutet das: Nicht mehr die Pumpe ist die Lösung der „Wassertransport-Aufgabe“, sondern die Integration dieser Pumpe in das Gesamtsystem Trinkwasseranlage (um im Beispiel zu bleiben) mit ihren später überwiegend von den Betriebsbedingungen determinierten, wechselnden Anforderungsprofilen. Der Ansatz geht also weit über die originäre Funktionalität hinaus, berücksichtigt stattdessen genauso Monitoring- und Komfortanforderungen, setzt Lebenszyklusbetrachtungen, energetische Bewertungen und Fragen der Betriebssicherheit oder der leichten Wartbarkeit voraus.

 

Die Realisierung

Um das leisten zu können, müssen Hersteller über alle Planungs- und Realisierungsstufen hinweg vor allem eines: Sie müssen von ihrem Produkt oder System in der für den jeweiligen Bearbeitungsstatus notwendigen Tiefe belastbare, aus Gründen des Datenvolumens jedoch möglichst konkret gefasste, also eingeschränkte Datenmodelle bereitstellen können. Aufgrund fehlender Standards ist die Aufbereitung dieser Daten aber nach wie vor relativ offen. Wilo setzt daher auf Spezialisten aus den einzelnen Ländern, in denen BIM schon eine nennenswerte Durchdringung hat, und versucht so, den kleinsten gemeinsamen Nenner zu finden.

Im „Wilo-CLAB“ entsteht als Ergebnis eine Bibliothek, die mittels Plug-In über Autodesk-„Revit“ als einem anerkannten Planungsstandard für Architekten, Gebäudetechniker und Tragwerksplaner auf „Revit“ (mit „Revit MEP“ für die Gebäudetechnik) einzahlt (Bild 4). Der Vorteil aus Wilo-Sicht: Das System ist offen und setzt keine AutoCAD-Kenntnisse oder zugehörige Plattformen voraus. Das lässt eine schnelle Marktdurchsetzung auch auf den Realisierungsstufen erwarten, für die speziell in der handwerklichen Umsetzung die rechnerbasierte Arbeit bisher nur von geringer Bedeutung ist – die aber in der Konsequenz der Wirkkette von entscheidender Bedeutung sind, weil sie die entscheidende Nahtstelle zwischen Planung und Betrieb darstellen.

Die Technik dahinter

Wilo hält die BIM-fähige Biblio­thek dabei in einer eigenen Cloud vor. Das bietet mehr Datensicherheit und zugleich die Möglichkeit, den Datenbestand kontinuierlich direkt pflegen und aktualisieren zu können. Zudem sind die grafischen Daten so aufbereitet, dass sie zunächst einmal tatsächlich nur als „Modell“ wirken – das senkt die zu übertragenden bzw. zu verarbeiteten Datenvolumina (Bilder 5 und 6).

Wie weitgehend die Datentiefe letztlich sein wird, ist für Wilo dabei bislang offen. Die Unsicherheiten resultieren zum einen aus den unterschiedlichen BIM-Entwicklungsständen in den verschiedenen Ländern: Je stärker dieser Planungsprozess in die Projektarbeit implementiert ist, umso detailliertere Daten werden abgefordert. Auf der anderen Seite muss aber immer die Maxime der möglichst kleinen Dateigröße beachtet werden, um die Nutzungsfreundlichkeit und damit letztlich die Akzeptanz von BIM auch in den „BIM-planungstechnischen Schwellenländern“ zu fördern.

Der aktuelle Eindruck: Es gibt noch eine große Kluft zwischen der datenbasierten Idee bzw. dem entsprechenden Entwurf eines Projektes – und der stringenten Arbeit mit eben diesen Daten in der Realisierungsphase. Von der späteren Betriebs- oder sogar Rückbauphase sei an dieser Stelle noch gar nicht gesprochen.

 

Die Akzeptanz

Für mehr Akzeptanz zu sorgen, wird über die originären Datenstrukturen hinaus ein wesentlicher Bestandteil in der künftigen Entwicklungsarbeit rund um BIM sein. Dazu gehört unter anderem eine Antwort auf die zentrale Frage: Welchen Nutzen bieten die flexibel und dynamisch bereitgestellten Modelle konkret? Aus Pumpensicht: Gibt es beispielsweise eine automatische Selbstprüfung, wenn die Datensätze in die Detailplanung eingelesen sind? Wie einfach werden über die Datensätze Simulationen ermöglicht, um die technisch wie wirtschaftlich optimale Lösung für das jeweilige Projekt zu finden? Und letztlich: was von diesen Daten wird später wie „durchgereicht“ an das Facility Management, in die Betriebsphase? (Bild 7)

Die Fragen lassen sich ständig erweitern. Jede Frage hat dabei aber denselben Grundgehalt: Wie wird durch BIM für jeden Beteiligten auf den verschiedenen Realisierungsstufen die Arbeit einfacher? Und auch hier geht Wilo schrittweise vor, spricht aktuell z. B. mit den Entwicklern von Auslegungssoftware, um aus den eigenen Datenbeständen heraus künftig Plausibilitätsprüfungen und mehr anbieten zu können. Oder stimmt sich mit anderen Komponentenherstellern ab, um auf diese Weise einen möglichst reibungslosen Datenaustausch auf Gegenseitigkeit zu erzielen – der dann wiederum die Softwareentwicklung und -anwendung vereinfacht.

Das Feedback

Besonders wertvoll ist für Wilo daher das Feedback, das auf die einzelnen Entwicklungsschritte zu BIM aus dem Markt, von den Anwendern in den Planungsbüros, aber auch auf der Baustelle kommt. Ziel ist ein kontinuierlicher Verbesserungsloop, der aufgrund der internationalen Ausrichtung von Wilo schon heute in bemerkenswerter Intensität gespeist wird. Interessanterweise kommt dabei besonders viel positives Feedback von den Praktikern aus dem Handwerk. Die Möglichkeiten, aufgrund des integrierten Planungsansatzes und Building Information Modeling künftig sämtliche Pumpendaten mit den notwendigen Aggregat- und Leistungswerten allein schon über das Smartphone auslesen, verarbeiten und bei Bedarf mit dem Wilo-Servicecenter abgleichen zu können, hat für sie augenscheinlich einen besonderen Reiz. Wobei der Hintergrund nachvollziehbar ist: Hier entfaltet der schon angesprochene Kundennutzen des Datenmodells am direktesten seine Wirkung. Prozesse werden schlanker und zugleich sicherer, weil beispielsweise selbst banalste Übertragungsfehler (wie unter schlechten Lichtverhältnissen im Heizungskeller falsch ausgelesene Produktnummern o. Ä.) vermieden werden. Und im Falle des Komplettaustauschs einer Pumpe hat der Fachhandwerker genauso schnell die systemrelevanten Anlagendaten zur Verfügung, die ihm bei der möglicherweise notwendigen Neuauslegung des Pumpenersatzes helfen.

Fazit

Durch die internationalen Aktivitäten der Gruppe ist es Wilo möglich, die unterschiedlichen Entwicklungsstände von BIM beispielsweise in Großbritannien, den Niederlanden oder Skandinavien frühzeitig in die Entwicklung der eigenen BIM-Aktivitäten einfließen zu lassen. Dazu gehört u.a. der Aufbau einer mehrstufigen Produktdatenbank, aus der die Daten bedarfsgerecht in einer für den jeweiligen Bearbeitungsschritt hinreichenden Tiefe von den Anwendern gezogen werden können. Wilo präferiert dabei „Revit“ als offene Softwarelösung. Die Daten selbst werden in einer eigenen Cloud vorgehalten, um die notwendige Datensicherheit genauso wie die schnelle und permanente Aktualisierung gewährleisten zu können.

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