Kommentar

Nachhaltigkeit in der Gebäudetechnik muss normal werden!

Vor nunmehr 30 Jahren wurde auf der UN-Konferenz (UNCED) in Rio de Janeiro die Agenda 21 beschlossen. Seither gelten die drei Säulen „Ökonomie“, „Ökologie“ und „Sozialverträglichkeit“ als Sinnbild für die Nachhaltigkeit.

Laut Umweltbundesamt gehört der Bausektor zu den ressourcenintensivsten Wirtschaftssektoren. Das macht eine ressourcenschonende und auf Nachhaltigkeit ausgerichtete Kreislaufwirtschaft und damit die Minimierung von Bau- und Abbruchmaterialien essenziell.

Nachhaltige Gebäude

Nach Angaben der EU-Kommission entfallen in der Europäischen Union rund 40 % des Energieverbrauchs auf den Bau und die Instandhaltung von Gebäuden, einschließlich Heizung, Klimaanlagen, Beleuchtung und elektrische Ausstattung. Bei der Bewertung der Nachhaltigkeit eines Gebäudes sollten grundsätzlich die drei Phasen „Bau“, „Betrieb“ und „Rückbau“ berücksichtigt werden. Bei einem Bestandsgebäude errechnet sich die Nachhaltigkeit nicht nur aus dem aktuellen Energiebedarf für den Betrieb, sondern es ist auch die bereits in den Mauern des Gebäudes gebundene Energie zu berücksichtigen, die so genannte graue Energie. Häufig überwiegt der Anteil an grauer Energie den Anteil der im Betrieb eines Gebäudes eingesetzten Energie.

Eine der Aufgaben von Planern ist es, entweder von einer sinnvollen Gebäudesanierung oder von einem energieeffizienten Neubau zu überzeugen. Schon bei der Materialauswahl sollte überlegt werden, was bei einer Umnutzung oder einem Rückbau des Gebäudes mit den Baustoffen geschieht. Empfiehlt sich die Nutzung von Baumodulen? Inwieweit können Recyclingmaterial, nachwachsende Rohstoffe und recyclingfähiges Baumaterial genutzt werden?

Gebäudetechnik im Fokus

Der Gebäudetechnik kommt dabei eine bedeutsame Rolle zu. Neben einer ressourcenschonenden Energieerzeugung und einer effizienten Energieverwendung soll sie auch das Wohlbefinden der Nutzer unterstützen. Der Schutz der Umwelt und der Ressourcen sowie die Effizienz der Anlagen und Systeme müssen bei der TGA-Planung von Anfang an berücksichtigt werden.

Viele Maßnahmen und Technologien können helfen, Rohstoffe zu schonen und den Energieverbrauch zu reduzieren. Die Nutzung von effizienten Systemen und Geräten zur Energieeinsparung sollte mittlerweile bei jeder Planung selbstverständlich sein. Smart-Building-Systeme und Gebäudeautomation managen den Energieverbrauch. Wärmepumpen und andere regenerative Energien wie Photovoltaik und Biomasse erleben derzeit schon einen Boom – hier ist bereits ein großer „Einsatzwille“ bei Planern und Bauherren vorhanden. Wassersparende Armaturen und die Nutzung von Regen- und Grauwasser sind weitere wirkungsvolle, einfach umzusetzende Maßnahmen.

Treibt nachhaltiges Bauen die Baukosten in die Höhe? Nein, ergibt die Auswertung der Baukosten von Gebäuden, die die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) erstellt hat. Der Krieg in der Ukraine und der damit verbundene Rohstoffmangel machen die Notwendigkeit von Nachhaltigkeit beim Bauen und in der Gebäudetechnik so bewusst und dringend wie noch nie. Es ist Zeit zu handeln. Nachhaltigkeit muss normal werden – nicht nur in der Gebäudetechnik. Dr.-Ing. Klaus Menge, Vorsitzender des Zentralen Technischen Ausschusses des BTGA
Bild: BTGA

Dr.-Ing. Klaus Menge, Vorsitzender des Zentralen Technischen Ausschusses des BTGA
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