Zur Gefahr von Starkregenereignissen

Erinnerung an ein Wetterphänomen in Münster

Wenn kalte und warme Luftmasse aufeinanderprallt, entsteht ein Gewitter - kein ungewöhnliches Phänomen. Doch in extremen Fällen, wie am 28. Juli 2014, führt diese Konstellation zu urbanen Sturzfluten. Damals stießen wassergeladene Luftpakete direkt vor Münster auf eine Kaltfront. Solche regional auftretenden Wetterphänomene können immer wieder auftreten, sind aber nicht langfristig vorhersehbar.

Innerhalb von sieben Stunden prasselten gewaltige Regenmengen auf die Stadt nieder, insgesamt rund 300 mm Niederschlag. Oder anders ausgedrückt: 300 l/m2. Das sind fast 40 % des Jahresniederschlages von durchschnittlich 800 mm. „Theoretisch kann das immer wieder passieren", sagt Prof. Dr. Helmut Grüning vom Fachbereich Energie - Gebäude - Umwelt der FH Münster. Denn das Wetter sei eine hochkomplexe, chaotische Angelegenheit. „Langfristige Vorhersagen sind deshalb unmöglich", so der Hochschullehrer auf dem Steinfurter Campus. Dass es überhaupt zu solchem Starkregen komme, sei grundsätzlich ein natürliches Phänomen. „Doch aufgrund der globalen Erwärmung nimmt das Risiko extremer Wetterphänomene zu, sodass künftig häufiger mit heftigen Gewittern zu rechnen ist." Diese Wassermassen kann die Kanalisation nur begrenzt aufnehmen. „Die Kanäle sind für  Niederschlagsereignisse ausgelegt, die statistisch gesehen vielleicht alle zehn Jahre einmal auftreten." Kommt es zu selteneren Starkregenphänomenen, wie im letzten Jahr, können die Kanäle diesen Niederschlägen nicht mehr Herr werden. Das Wasser überflutet Straßen, läuft in Keller und Tiefgaragen. Außerdem kann es zu einem Rückstau in der Kanalisation kommen, so dass Abwässer zurück in die Häuser fließen.

Richtiges Verhalten bei Überflutung

Doch einfach größere Kanäle zu bauen, das sei aus wirtschaftlichen und technischen Gründen nur eingeschränkt umsetzbar und auch nicht unbedingt sinnvoll. Prof. Dr. Helmut Grüning erläutert: „Wir müssen die technischen Grenzen der Abflusskapazitäten einer Kanalisation akzeptieren. Stattdessen wird die private Vorsorge immer wichtiger." Rückstauverschlüsse, die bei Einstau in der Kanalisation den Rücklauf der Abwässer ins Haus verhindern, sind eine Grundvoraussetzung. Potentielle Bauherren sollten prüfen, ob ihr geplantes Eigenheim in einem Tiefpunkt und gar in der Nähe eines Gewässers liegt. Beides erhöhe das Risiko, dass Wasser über die Oberfläche eindringe. Sollte der Keller überfluten, dürfe dieser auf keinen Fall betreten werden, warnt der Experte. „Wenn die Stromzufuhr nicht unterbrochen ist, droht bei Kontakt mit dem Wasser ein Stromschlag." Betroffene sollen lieber die Feuerwehr rufen und erst nach Sicherung der Lage mit den Aufräumarbeiten beginnen. Und auch dabei ist der Hautkontakt mit dem Abwasser zu vermeiden.

Neue Konzepte gefragt

Derweil erarbeiten Planer der Stadt Münster Konzepte, wie extreme Regenmassen zukünftig besser beherrscht werden können. „Besonders das Abflussverhalten von Gewässern im besiedelten Bereich hat sehr hohe Bedeutung", sagt Gerhard Rüller vom Tiefbauamt der Stadt Münster. „Alle Maßnahmen werden dabei im Einklang mit dem städtischen Klimaanpassungskonzept entwickelt."  Darüber hinaus wurden Schwachpunkte bei den Straßenabläufen behoben und Informationskampagnen konzipiert, um die Bevölkerung noch besser zu sensibilisieren für die Gefahren sintflutartiger Regenfälle. Bei dem Rekordunwetter im letzten Jahr hatten zwei Menschen ihr Leben verloren.

Thematisch passende Artikel:

Ringvorlesung WasserWissen am 6. Juni 2018 an der FH Münster

Unbehandelte Abwässer belasten Gewässer

Die öffentliche Kanalisation im städtischen Raum wird zunehmend als Trennsystem ausgeführt: Der Regenwasserkanal nimmt die Oberflächenabflüsse auf und der Schmutzwasserkanal das häusliche oder...

mehr
Ausgabe 2019-12

Niederschläge simulieren

„Augmented Reality Sand Box“ an der FH Münster

Prof. Dr. Helmut Grüning hält seine Hand über eine hügelige Sandlandschaft, und plötzlich fließt Wasser die steilen Hänge hinab. Allerdings nicht real, sondern virtuell und daher kein...

mehr

Fachhochschule Münster begrüßt Studieninteressierte am 9. Mai 2014 in Steinfurt

Hochschulinformationstag bietet Einblicke in die Ingenieurtechnik

Studieninteressierte, die sich über ein ingenieurtechnisches Studium an der Fachhochschule Münster informieren möchten, haben dazu am 9. Mai 2014 Gelegenheit. Dann präsentiert Prof. Dr. Christof...

mehr

Fachtagungsreihe zur Regenwasserbewirtschaftung

Planerischer Umgang mit Starkregen

Mit einer Fachtagung an bundesweit sieben Standorten nehmen sich die Unternehmen Grundfos, Kronimus, Mall und Wavin des Themas Starkregen und den sich daraus ergebenden planerischen Konsequenzen an....

mehr
Ausgabe 2019-05 Nährstoffrecycling aus Urin

Trenn-WC

Das Wasserforschungsinstitut Eawag untersucht seit Mitte der 1990er Jahre mögliche Wege zur Verringerung der Verschmutzung durch Abwässer. Eine Lösung ist die Stoffstromtrennung, bei der das...

mehr