Bühne frei für neue Normen

TGA-Planerseminar in Essen

Arbonia und Kermi luden im Oktober 2018 zu einem Planerseminar zu Heizung und Lüftung in das Colosseum Theater in Essen ein. Im Rampenlicht der Tagesveranstaltung standen mit der DIN EN 12831 und der DIN 1946-6 zwei Normen, die nach ihrer Überarbeitung kurz vor dem Weißdruck stehen. Für die Vorträge konnten mit Prof. Dr.-Ing. Bert Oschatz und Prof. Dr.-Ing. Thomas Hartmann zwei ausgewiesene Fachleute gewonnen werden.

Prof. Bert Oschatz stellte das Verfahren zur Berechnung der Normheizlast vor und begründete gleich zu Beginn die regelmäßig anstehenden Überarbeitungen der Normen: „Wenn sich Gebäude und Anlagen verändern, muss sich auch in den Berechnungsnormen eine Entwicklung vollziehen.“ Dass sich die Beheizung von Gebäuden verändert, ist an den aktuellen Verkaufszahlen im Neubau abzulesen. Dort setzt sich der Trend zum Einsatz von Gas-Brennwerttechnik, Elektro-Wärmepumpen und Fernwärme weiter fort. Es wird noch lange dauern, berücksichtigt man die Bestandsanlagen, bis sich eine Wende hin zu einer möglichst CO2-freien Wärmeversorgung abzeichnen wird.

Bis zum Erscheinen der finalen Fassung (voraussichtlich im Herbst 2019) empfiehlt der Normenausschuss, auf die aktuell verfügbaren Beiblätter mit Bezug auf die DIN EN 12831:2003-08 zurückzugreifen. Sonst könnte es bei einem möglichen Rechtsstreit dazu kommen, dass der Planer vor Gericht den Kürzeren zieht. Der Weißdruck solle daher abgewartet werden, wie es Prof. Bert Oschatz formulierte. Der nationale Anhang, so verdeut­lichte er, enthält Parameter und Faktoren, die von regionalen bzw. nationalen Gegebenheiten und Gewohnheiten, wie z.B. meteorologische Daten, übliche Rauminnentemperaturen, abhängig sind. Daher sei der nationale Anhang zwingend erforderlich, um eine sinnvolle Berechnung für den Standort Deutschland durchführen zu können. „Die Physik ändert sich zwar nicht, aber der Berechnungsgang, Formelzeichen und Begriffe haben sich im Laufe der Zeit verändert und wurden immer wieder angepasst“, unterstrich Prof. Bert Oschatz. Dabei sei die DIN EN 12831 ein vereinfachter Ansatz, der die Wärme(leistungs)bilanz im stationären Zustand ermittelt und zu einer vernünftig dimensionierten Heizungsanlage führt. Die Berechnung erfolgt ausgehend vom Raum aus über die Zone bis hin zum Gebäude. Als Neue­rungen im nationalen Anhang stehen künftig Klimadaten des Deutschen Wetterdienstes zur Verfügung.

Letztlich, so das Fazit von Prof. Bert Oschatz, werde es mit dem neuen nationalen Anhang im kleinen Leistungsbereich nur zu geringfügigen Abweichungen kommen. In größeren Anlagen könne es durchaus zu größeren Änderungen in den Ergebnissen kommen. Dies sei einer genaueren Berücksichtigung der Physik geschuldet.

Prof. Thomas Hartmann widmete sich dem vorliegenden Entwurf der DIN 1946-6 vom Januar 2018 und damit der Auslegung der Wohnungslüftungen im Neubau und bei einer Modernisierung. In zunehmend dichteren Gebäuden sei es immer schwieriger, einen Kompromiss zwischen zu viel und zu wenig lüften zu finden. Um den Aufwand bei der Planung nicht immer weiter zu erhöhen, sei das Ziel bei der Überarbeitung neben der Aktualisierung eine Vereinfachung gewesen. Zudem wurde die Norm neu strukturiert. Auch der Widerspruch zwischen der DIN 1946-6 und der VDI 6022 sei aufgelöst worden, betonte Prof. Thomas Hartmann. Grundlegendes Vorgehen entsprechend der Norm sei die Feststellung, ob ein Lüftungskonzept notwendig sei oder nicht. Entscheidendes Kriterium hierfür sei die Sicherstellung des Feuchteschutzes im Gebäude. Darauf aufbauend kommt es dann zu einer Systemempfehlung und der konkreten Auslegung einer Lüftungsanlage. 

Zum Abschluss des Planertages zeigten Dipl.-Ing. Wilhelm Zirbes und Dipl.-Ing. Andrés Castell-Codesal vom Veranstaltungspartner liNear wie eine softwaregestützte Heizlastberechnung und die Erstellung eines Lüftungskonzepts erfolgen kann.

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