Nullenergiehaus in Holzbauweise

Neues Dienstgebäude des Umweltbundesamts

Das Umweltbundesamt, kurz UBA, ist Deutschlands zentrale Umweltbehörde. Mit dem „Haus 2019“ hat es am Standort Berlin-Marienfelde ein Bürogebäude errichtet, das als erstes Null-energiehaus der Bundesrepublik Deutschland den europäischen Energiestandard 2019 erreichen wird und beispielhaft zeigt, das sich bei einer sorgfältigen Planung nachhaltige Lösungen finden, die sich nicht nur wirtschaftlich rechnen, sondern auch architektonisch attraktiv sind.

Europäischer Energie­standard von 2019

Die europäische Gebäudericht­linie setzt fest, dass alle Neubauten der öffentlichen Hand ab 2019 eine übers Jahr gerechnet ausgeglichene Energie­bilanz aufweisen müssen. „Weil der Gebäudebereich eine Schlüsselrolle beim Klima- und Ressour­censchutz spielt, haben wir gro­ßen Wert darauf gelegt, dass der Neubau in Marienfelde die schärferen Anforderungen der EU schon heute erfüllt“, berichtet Jochen Flasbarth, der Präsident des UBA. „Mit dem Bau und Betrieb des Bürogebäudes treten wir den Beweis an, dass nachhaltiges Bauen mit hohen ökologischen Standards auch in Bürogebäuden umgesetzt werden kann. Wir zeigen, dass sich energiesparendes und ressourcenschonendes Bauen mit einem hohen Komfort für die zukünftigen Nutzerinnen und Nutzer verbinden lässt.“

Am Standort Marienfelde werden 31 neue Büroarbeitsplätze und drei Besprechungsräume untergebracht. In Laboren werden UBA-Wissenschaftler zu allen Fragen rund um das Thema Wasser forschen. So werden Arbeitsplätze in Contai­nern ersetzt, die vor wenigen Jahren aufgrund steigernder Beschäftigung errichtet wurden. Gleichzeitig entstehen zusätzliche Arbeitsplätze. Auch die Infrastruktur für die Beschäftig­ten verbessert sich.

Die Planungsphase für das neue Nullenergiehaus begann im Jahr 2009, kurz darauf wurden erste Bauleistungen ausgeschrieben. Im November 2011 wurde der Grundstein gelegt und im Juni 2012 feierte das UBA Richtfest. Das Gebäude wurde im Sommer 2013 bezogen.

Der UBA-Neubau erfüllt nicht nur die hohen energetischen Anforderungen der EU, sondern ist auch in Bezug auf seine Ökologie vorbildlich. „Wir haben das Gebäude in Holzbauweise geplant und errichtet“, erläutert das Architekturbüro Braun-Kerbl-Löffler Architekten aus Berlin. „Der gesamte Rohbau ist inklusive Fassade aus dem nachwachsenden Rohstoff gefertigt. Darüber hinaus besteht die Wärmedämmung des barrierefreien Holztafelbaus aus Zellulosefasern, welche aus recycelten Altpapier gewonnen werden.“ Die Gebäudehülle des Neubaus wurde so dick gedämmt, dass der Heizenergiebedarf unter 15 kWh/(m2a) liegt – das ist nur etwa ein Viertel des Bedarfs eines vergleichbaren, konventionellen Neubaus.

Die gesamte Energie für den Betrieb des Hauses stammt aus regenerativen Energiequellen. Eine Photovoltaikanlage, die die gesamte Dachfläche einnimmt, liefert elektrischen Strom. Die Erzeugung von Kälte erfolgt über die direkte Entnahme von Brunnenwasser. Dabei wird das Wasser über eine Systemtrennung direkt und ohne Einsatz einer Wärmepumpe zum Kühlen verwendet. Die Abgabe der Kälte in den Räumen erfolgt über eine Kapillarrohrmatte. Zu Heizzwecken wird das Brunnenwasser über eine Wärmepumpe geführt, die Energie aus dem Wasser schöpft und an die Kapillarrohrmatte über den Sekundärkreis abgibt, so das für das Energiekonzept und die gesamte TGA verantwortliche Büro Schimmel – Beratende Ingenieure.

Wärme und Kälte über die Wand

In die Räume gelangt die Wärme beziehungsweise Kälte mithilfe der Joco-KlimaWand „KW-8ti“. Die Wahl des Büros Schimmel fiel auf diese trocken eingebaute Wandflächenheizung der Firma Joco Wärme in Form, weil sie zugleich energieeffizient und sehr leistungsstark ist: Da der Abstand der Heizrohre zueinander gering ist, strahlt binnen kurzer Zeit eine angenehme Wärme ab, ohne dass dabei die Oberfläche zu stark erhitzt. So reichen schon niedrige Systemtemperaturen aus, um die Räume auf behagliche Temperaturen zu bringen.

„Des Weiteren geben die dünnen Trockenbauplatten aus Gipsfaser, in denen die Heizrohre integriert sind, die Wärme gut ab“, erläutert Axel Huck, Vertriebsleiter bei Joco. „Der dünne Aufbau stellt sicher, dass die Wärme schnell in den Raum gelangt und die Temperaturen direkt behaglich werden – das senkt den Energieverbrauch zusätzlich.“

In den Sommermonaten profitieren die Mitarbeiter des Umweltbundesamtes darüber hinaus davon, dass die KlimaWand nicht nur heizen, sondern auch kühlen kann. Rinnt kaltes Wasser durch die Heizschlangen, strahlt die Wand eine angenehme Kühle aus, die für sehr gute Arbeitsbedingungen sorgt, selbst wenn es draußen extrem heiß ist.

„Auch weil die KlimaWand ,KW-8ti‘ trocken eingebaut wird, fiel die Wahl auf sie“, heißt es bei Braun-Kerbl-Löffler Architekten. „Wegen der Holzbauweise war uns sehr wichtig, keine zusätzliche Feuchtigkeit in das Gebäude einzutragen. Feuchte hätte dem hölzernen Rohbau schaden können. Außerdem mussten wir mit dem Produkt keine lange Trockenzeit einkalkulieren.“ Die KlimaWand ist binnen kurzer Zeit einsatzbereit und lässt sich sofort überstreichen oder tapezieren.

Michael Neumann, Geschäftsführer von Neumann Haustechnik aus Leegebruch, bestätigt, dass die Installation der KlimaWand „KW-8ti“ unproblematisch war: „Weil die wärmeleitenden Polybutenrohre bereits im Joco-Werk in die Platten integriert wurden, mussten wir die Heizprofile nur noch auf der bauseitigen Unterkonstruktion anschrauben.“ Der Kontakt zu Frank Schütze, dem zuständigen Außendienstmitarbeiter von Joco, bestehe schon länger, so dass auch hier alles zur Zufriedenheit verlief.

Die Entwicklung, Planung und Dimensionierung der Anlage wurden durch das Berliner Planungsbüro Schimmel – Beratende Ingenieure durchgeführt. „In jedem Raum lassen sich Lüftung, Wärme- oder Kälteversorgung und Beleuchtung individuell steuern“, beschreibt der Projektleiter des Büros, Oliver Nienaber. „Das verbessert die hervorragende Energiebilanz des Neubaus.“ Alle Büro- und Besprechungsräume in „Haus 2019“ wurden mit der Flächenheizung ausgestattet – insgesamt wurden über 600 Platten verarbeitet.

Interdisziplinäre Zusammenarbeit

Im Betrieb erfüllt das neue UBA-Gebäude in Berlin-Marienfelde nicht nur die baulichen und energetischen Standards der EU, sondern folgt auch dem Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen für Bundesgebäude (BNB).

„Nach Abschluss des Zertifizierungsverfahrens wird das ,Haus 2019‘ vermutlich den höchsten Standard in Gold erreichen“, betont man bei Braun-Kerbl-Löffler Architekten. Die Zertifizierung in Silber ist zum jetzigen Zeitpunkt sicher.

Klaus Fudickar, Abteilungsleiter im Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung, hebt das interdisziplinäre Projektteam aus Architekten, Landschaftsplanern, Bauphysikern, Haus- und Energietechnikern, Bauforschern sowie Tragwerksplanern hervor: „Alle gemeinsam realisieren für das UBA ein ökologisch optimiertes Nullenergiehaus in Holzbauweise, bei dem ener­ge­ti­sche Konzepte und die Nutzung erneuerbarer Energien in die gestalterische Lösung mit einfließen. So werden baukultureller Anspruch und energetische Anforderungen im wahrsten Sinne des Wortes unter einem Dach vereint.“

Erstes Nullenergiehaus

des Bundes

Das UBA als Bauherrin ist mehr als stolz, mit dem ersten Null­ener­gie­haus des Bundes Vorreiter zu sein: „Im Hinblick auf die bauliche Qualität und den technischen Standard zeigen wir hier das Bauen der Zukunft,“ so Vizepräsident Dr. Thomas Holzmann. „Die Errichtung von Gebäuden solcher Qualität ist ein wesentlicher Teil der notwendigen Energiewende.“

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