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Grundfos – ein skandinavischer Pumpenspezialist mit Weltgeltung

2010 kann die Grundfos GmbH mit Sitz in Erkrath, die deutsche Tochter des dänischen Pumpenspezialisten, auf 50 erfolgreiche Jahre auf dem deutschen Markt zurückschauen. Doch der Blick des Managements geht weniger in die Vergangenheit. Vielmehr will das Unternehmen mit seinen Aktivitäten die Bedeutung von Pumpensystemen in einer gebäudetechnischen Installation unterstreichen. Geschäftsführer Ralf Brechmann stellte sich anlässlich des Firmenjubiläums den Fragen der TAB-Redaktion.

TAB: Herr Brechmann, Ihr Unternehmen ist einer der großen Pumpenspezialisten auf dem deutschen Markt und darf 2010 ein rundes Jubiläum feiern, zu dem unser Verlag Ihnen herzlich gratuliert. Zeigen Sie uns doch die wichtigsten Entwicklungsschritte der letzten Jahre auf.

 

Ralf Brechmann: In den 50 Jahren seit dem Aufbau von Grundfos Deutschland – übrigens der erste Produktionsstandort außerhalb Dänemarks nach Gründung des Unternehmens 1945 in Bjerringbro – haben wir einen weiten Weg zurückgelegt: Gestartet mit Heizungs- und Unterwasserpumpen, bieten wir unseren Kunden heute Systemlösungen für alle Gewerke der Gebäudetechnik und unterstützen unterschiedlichste Prozesse in der Industrietechnik. Hinzu kommen Angebote für kommunale Wasserversorger und Abwasserentsorger.

Zu den Meilensteinen bei Systemen für die Gebäudetechnik zählen unsere Heizungspumpe mit manuell einstellbarer, variabler Drehzahl im Jahr 1962 und 1991 die erste Heizungsumwälzpumpe mit integriertem Frequenzumformer. Diese Entwicklung führte 1993 schließlich zum MGE-Motor– noch heute ein wichtiges Alleinstellungsmerkmal für Grundfos, zeichnet sich diese Antriebstechnik aus eigener Produktion doch durch höchste Wirkungsgrade und die integrierte Regelungstechnik aus. Zu den Meilensteinen zähle ich auch die von Grundfos patentierte AutoAdapt-Regelung: Dieser „intelligente“ Anpassungsprozess erlaubt es der Pumpe, selbsttätig die Einstellung für den minimalen Energieverbrauch zu finden.

 

TAB: Und wo sehen Sie die großen Herausforderungen der nahen Zukunft?

 

Ralf Brechmann: Technisch gesehen sind das weitere Verbesserun­gen in der Energieeffizienz, im Design und der Bedienbarkeit, in der rege­lungstechnischen Einbindung in die Gebäudeleittechnik und in der Verfügbarkeit unserer Pumpensysteme. Die Immobilienwirtschaft achtet immer stärker auf die Betriebskosten der installierten Haustechnik. Dies nicht nur, weil es die Politik beispielsweise per Energieeinsparverordnung (EnEV) so vorschreibt, sondern auch, um für die Mieter attraktiv zu bleiben. Denn diese beziehen in ihre Entscheidungen heute selbstverständlich auch die Nebenkosten einer Wohnung, eines Büros oder eines Ladengeschäfts mit ein. En­ergieeffiziente und damit kostengünstige Gebäude werden in Zukunft also größere Marktchancen haben, weil sie besser vermietbar sind.

Und damit steht zukünftig für uns als Anbieter von Pumpentechnik die abgestimmte System- und Servicelösung mehr denn je im Mittelpunkt. Das Kooperationsabkommen mit den DB Services ist dafür ein wichtiges Beispiel. Dabei spielt unsere Service-Philosophie, die auf eine nachhaltige, langfristige Werterhaltung und Kostenkontrolle angelegt ist, eine zentrale Rolle. Und weil uns das Thema „Services“ so wichtig ist, lassen wir als erster Pumpenhersteller unsere autorisierten Service Partner und Industriepartner von einer unabhängigen Zertifizierungsgesellschaft regelmäßig prüfen.

 

TAB: Wie wichtig ist der TGA-Ingenieur für Ihr Unternehmen?

 

Ralf Brechmann: TGA-Ingenieure sind für uns im Bereich „Commercial Buildings“ eine zentrale Zielgruppe, sie entscheiden über die Auswahl, Auslegung und Einbindung von Pumpen. Das sind für uns also wichtige Kunden, die es unter wirtschaftlichen wie technischen Aspekten zu überzeugen gilt. Ich sehe den TGA-Ingenieur aber darüber hinaus auch als Innovations-Treiber für unser Unternehmen: Weil er das gesamte Projekt im Auge hat und unterschiedliche Gewerke in einen gemeinsamen Optimierungsprozess führt, konfrontiert er die Pumpenhersteller immer wieder mit technischen Herausforderungen. Das mag unserem Vertrieb im Einzelfall graue Haare kosten; das Überdenken und Lösen neuer Aufgabenstellungen bringt uns aber als Unternehmen voran. Beispielsweise können wir pfiffige Regelungslösungen für andere Branchen adaptieren.

TAB: Wie helfen Sie Planern dabei, Ihre Arbeit noch besser bewältigen zu können?

 

Ralf Brechmann: Die Herausforderung speziell für kleinere Büros liegt auf der Hand: Sie müssen nicht nur unterschiedliche Haustechnikgewerke beherrschen, sondern heute auch Fragen zur Energieeffizienz und zur Nachhaltigkeit schlüssig beantworten.

Wir unterstützen Planer auf Wunsch im Projekt selbst, geben konkret Hilfestellung bei der Pumpenauswahl und Pumpenauslegung. Zudem bieten wir vielfältige Weiterbildungsmöglichkeiten an. Neben traditionellen Seminaren in neun Schulungszentren offerieren wir mit der E-Learning-Plattform „Ecademy“ auch ein interaktives Training per Internet.

Und auf der Online-Plattform „Thinking Buildings Universe“ dreht sich alles um das „denkende Gebäude“, stehen die energieeffizienten Pumpen und Systeme, die MSR-Technik und die Automatisierungsangebote von Grundfos im Mittelpunkt. Es handelt sich um eine umfangreiche Informationsplattform, die als multifunktionales Web-Tool mit Videos, Fallstudien, Referenzen, Datenblättern, Nachrichten und mit einer schnellen Pumpenselektion zügig auf den Punkt kommt.

Stichwort Pumpenselektion: Unser Online-Katalog „WebCAPS“ bietet dem Planer praktische Hilfe in allen Fragen rund um Pumpen und Anlagen. Neben einem umfangreichen Katalog aller unserer Produkte und einem Dimensionierungsprogramm zur Bestimmung der für die spezifische Anwendung optimalen Baugröße einer Pumpe enthält dieses Programm noch eine ganze Reihe anderer nützlicher Funktionen: Kennlinien, Maßskizzen und Schaltpläne ebenso wie technische Daten und Ausschreibungstexte sowie CAD-Zeichnungen in 2D und 3D.

 

TAB: Wie sehen Sie die zukünftige Entwicklung Ihres Unternehmens und Ihren Kompetenzschwerpunkt Pumpentechnik?

 

Ralf Brechmann: Sicher werden wir nicht in erster Linie versuchen, die Heizungspumpe „Alpha2“ fürs Einfamilienhaus, die im Minimum nur mehr 5 W Leistung aufnimmt, zu verbessern. Sinnvoller wird es sein, auch den Energieverbrauch der größeren Pumpen weiter zu optimieren. Da vertraue ich ganz auf unser Forschungs- und Entwicklungszentrum in Bjerringbro – auf dem Gebiet der Pumpentechnologie ist es weltweit das größte. Rund 450 Wissenschaftler, Ingenieure und Techniker arbeiten an der Verbesserung bestehender und der Entwicklung neuer Produkte. Hier konzentrieren wir unser Know-how in der Material- und Elektronikforschung, in der Prozesstechnologie und im Maschinen- sowie Werkzeugbau. Zwischen 4 und 5 % des Umsatzes fließen Jahr für Jahr bei uns in die Forschung und Entwicklung.

Was ist entwicklungstechnisch zu erwarten? Pumpen werden – über alle Standardisierungsbemühungen hinaus – immer individueller auf den Einsatzfall hin spezifiziert. Das ist kein Widerspruch, die Lösung liegt in der weiteren Modularisierung von Bauteilen und anwendungsspezifisch programmierten Mikroprozessoren. Für OEM-Kunden entwickeln wir schon lange firmenspezifische Lösungen, beispielsweise für neue Heizkessel oder Fernwärme-Übergabestationen.

Auch das wird schon bald auch in der Gebäudetechnik zum Standard zählen: Eine immer smartere Störungsfrüherkennung erkennt sich anbahnende Störungen so früh, dass dem Betreiber ausreichend Zeit für angemessene Reaktionen bleibt.

Beim Kompetenzschwerpunkt Pumpentechnik wird es im Grundsatz bleiben – darüber hinaus bieten wir aber schon seit geraumer Zeit weitere Technologien rund um das Medium Wasser an, beispielsweise Desinfektionslösungen, Dosiersysteme, Rührwerke und Sensoren. Da bleibt genügend Spielraum für weiteres Wachstum!

 

TAB: Herr Brechmann, vielen Dank für das Gespräch. Ihrem Unternehmen wünschen wir weiterhin viel Erfolg.

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