Fachkräftemangel in der Krise

Eigentlich klingt es paradox: In einer Zeit, in der zahlreiche Unternehmen ihre Kosten durch Stellenabbau zu senken versuchen, wird die Klage über den Mangel an Fachkräften nur we­nig leiser. Dies betrifft nicht zuletzt die Branche der Technischen Gebäudeausrüstung, in der qualifizierte Spezialisten seit jeher Mangelware sind.

Bundesweit fehlen aktuell rund 60 000 Fachkräfte in den so genannten MINT-Berufen (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik), so das Institut der Deutschen Wirtschaft in Köln. Diese Lücke betrifft sicher nicht nur die TGA. Dennoch gehört unsere Branche am...

Eigentlich klingt es paradox: In einer Zeit, in der zahlreiche Unternehmen ihre Kosten durch Stellenabbau zu senken versuchen, wird die Klage über den Mangel an Fachkräften nur we­nig leiser. Dies betrifft nicht zuletzt die Branche der Technischen Gebäudeausrüstung, in der qualifizierte Spezialisten seit jeher Mangelware sind.

Bundesweit fehlen aktuell rund 60 000 Fachkräfte in den so genannten MINT-Berufen (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik), so das Institut der Deutschen Wirtschaft in Köln. Diese Lücke betrifft sicher nicht nur die TGA. Dennoch gehört unsere Branche am ehesten zu den Leidtragenden dieser Erscheinung. Denn anders als andere technikorien­tierte Bran­chen leidet die Gebäudetechnik unter einem Imageproblem, das insbesondere ihre Nach­wuchssorgen erheblich beeinflusst.

Noch immer ist bei vielen Schulabgängern nicht die In­formation angekommen, dass die TGA hochmoderne Berufsfelder der Energie-, Umwelt- und Versorgungstechnik bietet. Stattdessen scheint bei vielen noch immer das alte Bild vom Klempnermeister vorzuherrschen, der mit einem Gesellen und zwei Lehrlingen im betagten Kleinlaster zur Baustelle fährt. So verwundert es nicht, dass Schulabgänger, die sich auf Ausbildungsplätze bewerben, weder die erforderliche Qualifikation noch die nötige Ausbil­dungsreife mitbringen, da eben doch mehr gefragt wird, als einen Lötkolben zu bedie­nen. Und viele naturwissenschaftlich interessierte und begabte Schüler mit Hochschul- oder Fachhoch­schul­reife entschei­den sich eher für ein Studium in vermeintlich attraktiveren In­ge­nieurfä­chern wie Informations­technik, Biotechnologie oder Chemie.

Dieser bekannte Nachwuchsmangel geht einher mit einer zunehmenden Überalterung in den Unternehmen. Auch das ist kein neues Phänomen, sondern bereits seit Jahren bekannt. Wie die Gesellschaft selbst, so benötigen auch Betriebe eine ausgewogene Altersstruktur, wenn ihre Belegschaft zukunftssicher sein soll. Die Erfahrung langjähriger Mitarbeiter ist unverzichtbar. Sie allein können aber kein Unter­nehmen auf Dauer erhalten, wenn niemand da ist, an den diese Erfahrung weitergegeben werden kann.

Ein Lösungsansatz klingt einfacher, als er in der Praxis umzusetzen ist: Es geht vor allem anderen darum, verstärkt qualifizierte Schulabgänger mit Abschlüssen ab der mittleren Reife aufwärts für die Gebäudetechnik zu gewinnen. Hierfür ist es wichtig, Schülern und Lehrern zu vermitteln, was die Technische Gebäudeausrüstung zu bieten hat.

Sowohl die Ausbildungs- als auch die Ingenieurberufe und nicht zuletzt die Weiterbildungsmöglichkeiten während des Berufslebens müssen als das dargestellt werden, was sie sind: Moderne technische Berufsbilder, die sich hinter Modeberufen nicht zu verstecken brauchen. Gerade in einer Zeit, in der alle Welt von Energieeffizienz und der Nutzung erneuerbarer Energien redet, steht die Gebäudetechnik an erster Stelle noch vor dem Verkehr. In dieser Bedeutung liegt das Potential, neue Fachkräfte für unsere Branche zu gewinnen.

Auch wenn die Krise derzeit noch die Köpfe be­herrscht, so ist es eine alte Weisheit, dass keine Krise endlos anhält. Es ist sicher nicht nur mit den optimistischen bis unrealistischen Versprechen des soeben beendeten Bundestagswahl­kampfes zu erklären, dass sich die Anzeichen dafür mehren, dass die Talsohle durchschrit­ten sein könnte. Wenn der Aufschwung kommt, stehen alle Akteure des Arbeitsmarktes vor der Herausforderung, eine große Zahl freier Stellen zu besetzen. Ansonsten wird der Auf­schwung seinen Schwung verlieren.

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