Aufgaben der Gebäudediagnostik

Qualifizierte Sanierung eines denkmalgeschützten Altbaus

Der Kauf eines Altbaus und seine energetische Sanierung erinnern häufig an die Wundertüte aus der Kinderzeit: Die Gebäudehülle, die „Verpackung“ mag noch so attraktiv sein – der Inhalt ist immer für eine Überraschung gut. Eine minimalinvasive Gebäudediagnostik mit HD-Kamerasystem zeigt Schadstellen auf.

Der Käufer eines denkmalgeschützten Fachwerkhauses in Ostwestfalen ließ zu Beginn der Sanierungsarbeiten eine minimalinvasive Gebäudediagnostik durchführen, um vor bösen Überraschungen gefeit zu sein. Mit Hilfe des Videoinspektionssystems „VIS 700 HD“ von Wöhler entdeckte Energieberater Udo Kaiser, Paderborn, dabei ohne wesentliche Eingriffe in die Bausubstanz neben Leckagen in der Gebäudehülle u.a. diversen Schimmelbefall, Holzfäule an tragenden Balken und eine derart kreativ verlegte Rauchgasleitung, dass der – ebenfalls historische – Kachelofen zunächst einmal stillgelegt werden musste.

 

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Der Käufer eines denkmalgeschützten Fachwerkhauses in Ostwestfalen ließ zu Beginn der Sanierungsarbeiten eine minimalinvasive Gebäudediagnostik durchführen, um vor bösen Überraschungen gefeit zu sein. Mit Hilfe des Videoinspektionssystems „VIS 700 HD“ von Wöhler entdeckte Energieberater Udo Kaiser, Paderborn, dabei ohne wesentliche Eingriffe in die Bausubstanz neben Leckagen in der Gebäudehülle u.a. diversen Schimmelbefall, Holzfäule an tragenden Balken und eine derart kreativ verlegte Rauchgasleitung, dass der – ebenfalls historische – Kachelofen zunächst einmal stillgelegt werden musste.

 

Baumängel durch Sanierungsfehler

Das 1730 im Ortskern eines ostwestfälischen Dörfchens errichtete Fachwerkhaus mit rund 120 m2 Grundfläche ist stilprägend für das Ortsbild. Harmonisch fügt es sich eineinhalbgeschossig in die gewachsene Bebauung im Umfeld ein, die – typisch für solche Gemengelagen – an die Fachwerk-Historie anknüpfend das gesamte Spektrum der unterschiedlichen Architekturtrends speziell der vergangenen 50 Jahre wiederspiegelt. Umso höher sind die Bemühungen des Bauherrn einzuschätzen, das in seiner ursprünglichen Form noch weitestgehend erhaltene Gebäude behutsam zu restaurieren und wieder einer zeitgemäßen Wohnnutzung zuzuführen.

Unter dem Diktat des Denkmalschutzes bedeutet das aber auch, dass alle baulichen Veränderungen inklusive energetischer Verbesserungen prinzipiell nur im Inneren des Hauses vorgenommen werden dürfen; Fenster und Haustüren natürlich ausgenommen. Schadensanalytiker und Energieberater Udo Kaiser kennt die damit verbundene Problematik aus mehr als 35-jähriger Berufspraxis: „Eine von außen aufgetragene Dämmung ist zum einen gar nicht zulässig. Zum anderen würde sie die Bausubstanz aus Holzbalken-Tragwerk und Lehm-/Stroh-Ausfachung schädigen, weil der Luft- und Feuchtigkeitsaustausch dann nicht mehr funktioniert. Eine einfache Innendämmung mit Dampfsperre scheidet aber aus denselben Gründen aus. Leider wurde gerade das jedoch in den vergangenen Jahrzehnten auch in diesem Haus immer wieder gemacht. Das hat für beträchtliche Schäden gesorgt.“

Welche es im Einzelnen sind, zeigt die minimalinvasive Gebäudediagnostik mit dem hoch auflösenden Videoinspektionssystem deutlich: Hinter mit Folie abgedichteten Giebelöffnungen ist die Holzbeplankung vermodert; die Gipskartonplatten im Wohnraum ziert auf der Rückseite großflächig schwarzer Schimmel; und in der augenscheinlich von ambitionierten Heimwerkern vorgenommenen Dachsparrendämmung sieht es kaum anders aus. Kaiser: „Dieser Schadensbefall ist typisch. Die Wände müssen also alle geöffnet und die falsche Dämmung genauso wie nicht geeignete Baumaterialien komplett entfernt werden. Mit dem bloßen Auge lässt sich so etwas aber vorher nicht wirklich, vor allem aber nicht umfassend erkennen.“

Um die Schäden für den Bauherrn so gering wie möglich zu halten, setzt Kaiser daher schon seit einiger Zeit das Videoinspektionssystem von Wöhler ein: „Damit haben wir die Chance, über kleine Öffnung von wenigen Zentimetern Durchmesser in die Wände oder beispielsweise in den verkleideten Dachaufbau einzudringen. Der bewegliche Kamerakopf an der bis zu 30 m ausfahrbaren flexiblen Stange liefert uns dann die notwendigen Bilder direkt auf die Monitoreinheit oder per App auf das Handy.“ Dort können sie dann abgespeichert und kommentiert werden – ein entscheidendes Feature im anschließenden Gespräch mit dem Bauherrn, wie weit der Baukörper an dieser Stelle geöffnet und mit welchen Maßnahmen er dann idealerweise saniert wird.

 

Wirtschaftlich und umfassend

Die Vorgehensweise spart aber nicht nur Kosten bei der Zustandserhebung des Altbaus. Für den Bauspezialisten Kaiser ist sie zugleich die unverzichtbare Basis für eine nachhaltig erfolgreiche Sanierung des Objektes generell, denn

- „durch die wirtschaftliche Bestandsaufnahme per Video ist, wie in diesem Fall, der Bauherr schneller bereit, den Baukörper in Gänze auf Schäden untersuchen zu lassen und nicht nur einige vermeintlich kritische Bereiche.
- Dank des kleinen Kamerakopfes kann über diese Form der Diagnostik beispielsweise auch in Vorwandkonstruktionen der Aufbau von Wänden etc. lückenlos dokumentiert werden.
- Und durch das Videosystem ist über den Einblick in die sonst kaum zugänglichen Konstruktionen des Objektes hinaus zugleich eine Analyse fast des gesamten Rohrleitungsnetzes möglich, inklusive Abgasführung und Ähnlichem.“


„In der Summe“, so Udo Kaiser, „ergibt sich daraus ein Gesamtbild, aus dem sich direkt sowohl der Umfang der notwendigen Sanierungsmaßnahmen als auch eine konzeptionelle Vorgehensweise ableiten lassen.“ 

Warum das für den Gebäudediagnostiker so wichtig ist, zeigt sich fast schon exemplarisch an dem Fachwerkhaus in Ostwestfalen. Nicht der tatsächlich teilweise marode Dachstuhl ist für Udo Kaiser hier beispielsweise der erste Schritt auf dem Weg zur Komplettsanierung, sondern zunächst einmal das Freilegen sämtlicher Außenwände: „In einigen Bereichen ist die alte Lehmausfachung noch sehr gut erhalten; das ist perfekt. Denn so wird die eindringende Feuchtigkeit vom Holz weggezogen, die tragenden Balken sind unversehrt. Bei irgendwann mit Ziegel und Mörtel ausgefüllten Gefachen hat das nicht funktioniert. Hier müssen wir also zunächst einmal Schadensbegrenzung betreiben.“

Spätestens dann kommt Udo Kaiser seine Berufserfahrung u.a. als Bauleiter und langjähriger Inhaber eines mittelständischen Baugeschäfts zugute. So weiß er u.a. um die Wechselwirkungen der verschiedenen Baustoffe – und empfiehlt dem Bauherrn hier z.B. den Einsatz von Lehmbaustoffen zur Innendämmung der Wände inklusive einer integrierten Flächenheizung: „Die kapillaren Werkstoffe sichern den notwendigen Feuchteaustausch, und die Wandheizung hält den Taupunkt so weit außen, dass kein Schimmel entstehen kann.“

Wie zielgerichtet ein solcher Wandaufbau nicht nur unter raumhygienischen, sondern auch unter energetischen Aspekten ist, verdeutlicht ein Blick auf den U-Wert. In seiner ursprünglichen Bauweise hat das Haus einen Wärmedurchgangskoeffizienten von etwa 1,7 W/m² K. Gängig sind bei Neubauten heute Werte von 0,24 W/m² K und besser. Mit der winddichten Erneuerung der alten Lehmausfachung und dem ergänzenden Lehminnenputz werden im Fachwerkhaus in Ostwestfalen künftig Werte von rund 0,7 W/m² K erreicht. Das entspricht in etwa einer (neuen) Außenwand aus 36,5 cm starken Mauerziegeln (ca. 0,8 W/m² K)) und liegt nur geringfügig über 17,5 cm Mauerziegelwerk mit 30 cm Wärmedämmverbundsystem aus PU (ca. 0,32 W/m K). „Für ein historisches Gebäude, dessen Fassade nicht verändert werden darf, ist das mehr als zufriedenstellend“, so Udo Kaiser.


Sogar Brandrisiken aufgedeckt

Dass die Video-Diagnostik neben der bauphysikalischen auch eine sicherheitstechnische Dimension haben kann, wurde im Rahmen der Begehung in Ostwestfalen ebenfalls deutlich. Nach der Bestandsaufnahme der Gebäudehülle und tragender Decken ließ Udo Kaiser noch im Hausflur eine ungewöhnliche Verblendung unter der Decke öffnen: „Hier zahlt sich dann Erfahrung aus, denn für die Verblendung gab es keinen ersichtlichen Grund – außer der Idee, dass sie möglicherweise das Abgasrohr vom Kachelofen im Nebenzimmer zum Kamin verdecken sollte“. Und so war es tatsächlich. Doch was sich nach dem Einführen des Kamerakopfes in die Verkleidung für ein Bild bot, war so erschreckend, dass Udo Kaiser den Kaminofen sofort stilllegen ließ: Die Abgasführung als solche war zwar noch intakt, die Abkofferung aber mit Dämmmaterial vollgestopft und die Vermörtelung der augenscheinlich seit Jahrzehnten nicht geöffneten Revisionsklappe so marode, dass höchste Brandgefahr bestand – vom unbemerkten Rauchgasaustritt in diesem zentralen Gebäudeteil gar nicht zu reden.

Udo Kaiser: „Und spätestens hier macht sich der Einsatz eines Videosystems zur minimalinvasiven Gebäudediagnostik endgültig bezahlt, denn bei solchen Mängeln geht es ja nicht nur um mögliche Sachschäden, sondern im wahrsten Sinne des Wortes um Leben und Tod.“

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