Sichere Trinkwasserhygiene im ­Klinikbetrieb

Legionellen: Das Schwarzwaldklinik Reha-Zentrum setzt bei der Bekämpfung auf elektrochemisch erzeugtes Anolyte

Im Schwarzwaldklinik Reha-Zentrum Bad Krozingen sorgt eine Desinfektionslösung auf Basis elektrochemischer Aktivierung (ECA) für dauerhaft hygienisches Trinkwasser. Nach einem Legionellenbefund wurde die Technologie erfolgreich getestet und dauerhaft eingeführt. Neben der Hygiene profitiert die Klinik durch sinkende Wassertemperaturen auch von erheblichen Energieeinsparungen.

Das Schwarzwaldklinik Reha-Zentrum in Bad Krozingen gab es schon lange bevor das ZDF 1985 die Fernsehserie „Schwarzwaldklinik“ ins Programm nahm.
Bild: Reha-Zentrum Bad Krozingen

Das Schwarzwaldklinik Reha-Zentrum in Bad Krozingen gab es schon lange bevor das ZDF 1985 die Fernsehserie „Schwarzwaldklinik“ ins Programm nahm.
Bild: Reha-Zentrum Bad Krozingen
Die „Schwarzwaldklinik“ des Professor Brinkmann, wie sie sich in den 1980er-Jahren Fernsehleute ausgedacht haben, liegt eine halbe Autostunde nordöstlich von Bad Krozingen. Das Schwarzwaldklinik Reha-Zentrum in Bad Krozingen hingegen gibt es wirklich. Und es existiert schon seit 1976. Der heutige Klinik-Campus mit einer Fläche von 100.000 m² vergrößerte sich sukzessive. Heute bilden fünf Rehabilitationskliniken, ein Akutkrankenhaus und ein Pflegeheim ein diagnostisches und therapeutisches Zentrum mit Betten für rund 400 Patienten. Insgesamt arbeiten auf dem Campus rund 370 Beschäftigte. Seit dem Jahr 2012 ist Prof. Dr. Jörg-Rüdiger Blau verantwortlich als Verwaltungsdirektor und Geschäftsführer. Es lässt sich trefflich mit ihm über technische und biomedizinische Kybernetik sowie biomedizinische Technik und Bionik diskutieren – beides hat er studiert: Technik, Biologie und Medizin, zu einem Forschungsfeld zusammengefasst, inklusive Systemtechnik anstelle von herkömmlicher Medizintechnik.

Kybernetik als „Führungsprinzip“

Vielleicht braucht es in Bad Krozingen gerade einen Lebens­pragmatiker wie Prof. Blau, um einen Komplex mit einem so breiten Spektrum an Indikationen und Fachrichtungen zu steuern, die einzelnen Häuser plus der weitläufigen Anlage in Schuss zu halten, und am Jahresende einen Gewinn zu erwirtschaften. Jörg-Rüdiger Blau könnte, wie so viele andere, über die Schwächen des Gesundheitssystems klagen. Oder über den Personalmangel. Macht er aber nicht. Er sagt: „Unser Ziel muss sein – und jetzt kommt ein bisschen die Kybernetik ins Spiel – mit den Ressourcen, die wir zur Verfügung haben, ein Optimum zu erzeugen und nicht zu jammern. Sondern daran zu arbeiten, dass wir für unsere Patienten das Optimum aus den begrenzten Ressourcen herausholen.“

Legionellenfund als Auslöser

Ein Beispiel für überlegtes wie entschlossenes und konsequentes Handeln zeigt sich an einem Vorkommnis im Jahr 2022: Aus zwei über einen längeren Zeitraum leerstehenden Zimmern meldeten die Haustechniker der Klinikleitung eines Tages ein ernsthaftes Problem: Trinkwasser-Proben an den Waschbecken hatten eine erhöhte Verkeimung durch Legionellen ergeben. David Kramer ist Technischer Leiter am Reha-Zentrum und erinnert sich: „Wir haben getan, was sanitärtechnisch möglich und nach den allgemein anerkannten Regeln der Technik notwendig war: die Armaturen getauscht, auch die Eckventile ersetzt und über einen längeren Zeitraum sehr, sehr viel mit Frischwasser gespült. Aber das hat alles nicht geholfen, die Legionellen waren hartnäckig.“

Fachartikel gibt Impuls für neue Technologie

David Kramer, Technischer Leiter am Reha-Zentrum Bad Krozingen, inspiziert mit Innowatech-Vertriebsleiter Michael Knauf (rechts) die Trinkwasser-Desinfektionsanlage.
Bild: Innowatech

David Kramer, Technischer Leiter am Reha-Zentrum Bad Krozingen, inspiziert mit Innowatech-Vertriebsleiter Michael Knauf (rechts) die Trinkwasser-Desinfektionsanlage.
Bild: Innowatech
Kurz zuvor hatten die Techniker um David Kramer in einem Fachmagazin von einer anerkannten und in der Praxis vielfach bewährten Desinfektions-Technologie gelesen: ECA (Elektro-Chemisch-Aktivierung), auf Basis Membran-geteilter Elektrolyse, stellt ohne Gefahrstoffe, nur aus Wasser und Kochsalz, eine gering konzentrierte Natriumhypochlorit-Lösung her. Diese könne bei der Wasserdesinfektion deutlich bessere Ergebnisse erzielen als bislang verwendete Desinfektionsmittel. Mit dieser Methode vor Augen wurde das Unternehmen Innowatech beauftragt, das Anlagensystem mit dem Wirkstoff „Innowatech Anolyte“ zu installieren. Das Anolyte wird mittels Membranzellen-Elektrolyse in der „Aquadron“-Anlage aus Wasser, Kochsalz und Strom produziert. Der Erfolg des Anlagensystem konnte schnell erreicht werden. Dazu sagt David Kramer: „Das war schon eine Überraschung, dass wir das Problem in kurzer Zeit in den Griff bekommen haben und die Keimwerte auf null zurückgegangen sind.“

Externe Referenz bestätigt ­Wirksamkeit

Hilfreich, sagt Innowatech-Vertriebsleiter Michael Knauf, war die Referenz einer großen Seniorenresidenz in Freiburg, 20 Minuten von Bad Krozingen entfernt. „Auch in dieser Trinkwasserinstallation war die Beseitigung einer Legionellen-Kontamination durch die Innowatech-Anlagentechnik innerhalb sehr kurzer Zeit für die Verantwortlichen eine positive Überraschung“, so Knauf und weiter: „Dies ist nun rund zehn Jahre her. Seither herrscht dort Ruhe hinsichtlich der Trinkwasserqualität, es gab keinerlei Probleme mehr.“

Entscheidung nach erfolgreicher Testphase

Auch Prof. Blau ließ sich überzeugen, blieb aber vorsichtig. Die „Aquadron“-Anlage von Innowatech wurde angeschafft, zunächst nur als Miet-Anlage. Techniker Kramer konnte indessen Entwarnung geben. Die Testphase reichte von Mai bis Oktober. Prof. Blau: „Es gab keine Rückschläge mehr, der Legionellen-Befall hatte sich mit der Anschaffung erledigt.“ Nun war auch die Geschäftsführung überzeugt. Heute sorgen auf dem Gelände des Schwarzwaldklinik Reha-Zentrums in Bad Krozingen fünf „Aquadron“-Anlagen für die Absicherung der Trinkwasserhygiene. Allesamt gekauft, permanent in Betrieb und wenn erforderlich: die nächsten 15 bis 20 Jahre im Einsatz.

Das heißt: In den einzelnen Klinikbauten in Bad Krozingen wird der Trinkwarmwasser-Kreislauf kontinuierlich mit den von der ECA-Anlage vor Ort hergestellten Wirkstoff „Innowatech Anolyte“ desinfiziert: Die Dosierung erfolgt in den Trinkwarmwasser-Vorlauf, direkt nach Austritt aus dem Trinkwarmwasser-Bereiter (Speicher, Wärmetauscher etc.), somit werden sämtliche Rohrleitungen des Trinkwarmwassersystems bis hin zum Rücklauf in den Warmwasser-Bereiter bereits bei einer geringen Wirkstoffdosierung erreicht. Wie der Hersteller erklärt, wirke das Anolyte auch im Speicher noch ausreichend, um den Aufbau von Biofilmen im Warmwassersystem zu reduzieren.

Überwachung und Steuerung mit Multi-Mess-Center

Die Trinkwasser-Behandlung wird in Bad Krozingen permanent mit dem eigens dafür von Innowatech entwickelten „Multi-Mess-Center“ (MMC) überwacht. Das MMC misst alle relevanten Daten wie Wirkstoffkonzentration, Leitfähigkeit und Temperatur, sowie die Wasserverbrauchs- und eingesetzte Wirkstoffmenge. Bei der Warmwasserbehandlung übernimmt es auch eine gegebenenfalls notwendige Nachdosierung von Anolyte bei erhöhtem Zehrungsverhalten in den Warmwasserleitungen. Dazu betont Innowatech: „Durch die automatisierte und permanente Überwachung ist gewährleistet, dass alle Vorgaben der Trinkwasserverordnung, die allgemein anerkannten Regeln der Technik (a.a.R.d.T.) und auch das Minimierungsgebot zu jeder Zeit eingehalten werden. Das Wirkungsspektrum von Anolyte ist sehr breit. Bakterien, Viren, Hefen und Pilze jeglicher Art, seien es Coliforme, E.Coli, Salmonellen, Listerien oder eben Legionellen und Pseudomonaden, werden abgetötet.“ Darüber hinaus sorge die pH-Neutralität für eine hohe Materialverträglichkeit. Durch einen geringen Salzbedarf und geringen Stromverbrauch liegen die Betriebskosten laut Hersteller bei ca. 5 € pro 1.000 l. Diese Menge reiche für die Behandlung von etwa 2.000 m³ Trinkwasser. Die „Aquadron“-Anlagen werden direkt am Ort, an dem das Desinfektionsmittel benötigt wird, an eine Trinkwasserleitung angeschlossen und produzieren vollautomatisch zuerst die leichte Salzlösung und aus dieser das Anolyte. Als Salz kommen Salztabletten in Lebensmittelqualität zum Einsatz, wie sie auch bei der Trinkwasser-Enthärtung mittels Ionenaustauschverfahren Verwendung finden.

Korrosionsschutz durch Phosphatdosierung

In der Orthopädie-Rehaklinik hat Innowatech neben einer „Aquadron“-Anlage mit MMC zur Trinkwarmwasser-Desinfektion auch eine Phosphat-Dosierstation installiert. Trinkwasser-Phosphatierung kann immer dann helfen, wenn ein metallisches Rohrleitungssystem geschädigt und korrodiert ist. Phosphat sorgt für eine Patina-Bildung auf den Rohroberflächen und kann so das Leitungssystem stabilisieren und Rohrbrüche, sowie die Bildung von braunem Rostwasser vermeiden. Die verwendeten reinen oder mit Silikat gemischten Phosphate werden laut Innowatech dabei in so geringen Mengen eingesetzt, dass sie in keiner Weise die Bekömmlichkeit und den Geschmack des Trinkwassers beeinträchtigen.

Temperaturabsenkung ermöglicht Energieeinsparung

Die ECA-Technologie wirkt laut des Herstellers so zuverlässig, dass eine Heißwasserdesinfektion mit Permanent-Temperaturen von 60 °C und höher nicht mehr notwendig ist. David Kramer: „Wir haben dann angefangen, die Wassertemperatur kontinuierlich abzusenken. Das geht nicht von heute auf morgen – es braucht eine langsame, das Material schonende Absenkung über Wochen und Monate hinweg.“ Warum ist das so? Kramer: „Durch die Rohre ist 40 Jahre lang Wasser mit einer Temperatur von mindestens 60 °C geflossen. Wenn ich mit einem Schlag auf 45 °C runterdrehe, kann es sein, dass sich das Rohr zusammenzieht und an den Lötstellen das Wasser austritt.“ Fazit: „Durch die Temperatur-Absenkung hat das Unternehmen 1.017.442 kWh eingespart, das macht für uns umgerechnet etwa 90.000 € aus“, erklärt Prof. Blau abschließend.

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