Berechnung von Energieeinsparung durch Wohnungslüftung mit Wärmerückgewinnung gem. DIN V bzw. TS 18599
23.10.2026
Wie groß der Effekt sein kann, zeigt die Berechnung eines freistehenden Musterhauses.
Bild: VfW
Veraltete Standardwerte lassen Lüftungsanlagen mit Wärmerückgewinnung (WRG) in energetischen Berechnungen nahezu wirkungslos erscheinen. Das liegt an der alten Version der DIN V 18599, die z. Zt. in der Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) noch Anwendung findet – und dies bis zur Referenzierung der aktuellen DIN TS 18599 und ihrer Umsetzung in den Berechnungsprogrammen der Softwarehersteller.
Deshalb plädieren 8 Fachverbände (s. u.), die sich mit Wohnungslüftung beschäftigen, in Form einer Fachinformation für Handwerk und Fachplanung an die Anwendenden der Norm, sofern möglich, mit verbesserten Vergleichswerten, am besten aber mit den Herstellerrealwerten zu rechnen.
Die BEG WG fordert in der neuen Fassung für alle Effizienzhausklassen bis EH55 (BMWE - Richtlinien zur Bundesförderung für effiziente Gebäude):
BEG WG TMA 1: Der Bauherr ist bei der Entwicklung des energetischen Gesamtkonzepts zu den Effizienzgewinnen einer Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung zu beraten. Dabei ist eine Ausführungsvariante der Effizienzhausberechnung mit einer Lüftungsanlage mit Wärme-rückgewinnung für alle Nutzungseinheiten […] zu erstellen, und dem Bauherrn zu erläutern und zu übergeben.
Falsche Bilanzierung gefährdet sinnvolle Investitionen
Die derzeit übliche Berechnungspraxis hat nicht nur Auswirkungen auf Energieausweise und Effizienzhausklassen. Sie beeinflusst unmittelbar die Beratung von Bauherren, die Auswahl der Anlagentechnik und die Wirtschaftlichkeitsbewertung von Investitionen. Wird die Wärmerückgewinnung mit unrealistisch schlechten Kennwerten bilanziert, kann eine technisch und klimapolitisch sinnvolle Anlage bereits in der frühen Planungsphase ausscheiden. Eine sachgerechte Bilanzierung ist daher keine formale Detailfrage. Sie entscheidet mit darüber, ob Lüftungstechnik als zentraler Bestandteil energie-effizienter Gebäude erkannt und eingesetzt wird.
Verbesserte Kennwerte müssen zum Berechnungsstandard werden
Solange die neue DIN/TS 18599 noch nicht vollständig in den Berechnungsprogrammen umgesetzt ist, müssen nach Ansicht der Unterzeichner bei Lüftungsanlagen mit Wärme-rückgewinnung mindestens die verbesserten Kennwerte nach DIN V 18599-6 verwendet werden. Marktübliche Lüftungsanlagen gehen mit Herstellerkennwerten noch deutlich über diesen Standard hinaus.
Hintergrund
Eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung kann den Primärenergiebedarf eines Gebäudes erheblich reduzieren. In aktuellen Berechnungen wird dieser Vorteil noch nicht sichtbar. Ursache ist nicht die aktuelle Technik, sondern häufig die Verwendung veralteter Standardwerte.
Die BEG verweist derzeit noch auf die DIN V 18599:2018. Die im Oktober 2025 veröffentlichte DIN/TS 18599 bildet den heutigen technischen Stand besser ab, ist aber noch nicht als Berechnungsgrundlage in den BEG-Richtlinien verankert. Bis zu einer entsprechenden Anpassung und der anschließenden Umsetzung in den Berechnungsprogrammen bleibt deshalb die ältere Normfassung maßgeblich. Nach aktuellem Stand sollen dagegen im GModG ab 01.01.2027 beide Versionen parallel Anwendung finden.
Das hat erhebliche Folgen: Wird eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung lediglich mit den voreingestellten Standardkennwerten der DIN V 18599-6 berechnet, werden ein Wärmebereitstellungsgrad von nur 60 %, eine spezifische Ventilatorleistung von 0,55 W/(m³/h) und ein veralteter AC-Ventilatormotor angesetzt. Die energetische Wirkung einer heute marktüblichen Anlage wird dadurch massiv unterschätzt.
Ein Klick entscheidet im Musterhaus über EH 55 oder EH 40
Wie groß der Effekt sein kann, zeigt die Berechnung (s. Tabelle) eines freistehenden Musterhauses mit 191,3 m2 Nettogrundfläche, Luft/Wasser-Wärmepumpe, Fußbodenheizung und einem 300-l-Warmwasserspeicher. Ohne Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung liegt der Primärenergiebedarf in der Beispielrechnung bei 43,2 kWh/(m²·a). Das Gebäude erreicht den Standardeffizienzhaus 55.
Wird eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung lediglich mit den voreingestellten Standardwerten berechnet, sinkt der Primärenergiebedarf nur unwesentlich auf 42,4 kWh/(m²·a). Die rechnerische Einsparung beträgt damit lediglich 1,9 %. Das Gebäude bleibt ein Effizienzhaus 55. Für Bauherren und Planende entsteht so der falsche Eindruck, die Investition in Wärmerückgewinnung bringe energetisch kaum einen Vorteil.
Schon durch die Auswahl der verbesserten Kennwerte nach DIN V 18599-6 – 80 % Wärmebereitstellungsgrad, 0,35 W/(m³/h) Ventilatorleistung und DC-Motor – sinkt der berechnete Primärenergiebedarf dagegen auf 36,8 kWh/(m²·a). Das entspricht einer Reduzierung um 14,8 %. Im Musterhaus wird damit der Sprung vom Effizienzhaus 55 zum Effizienzhaus 40 erreicht.
Werden die tatsächlichen Herstellerkennwerte des vorgesehenen Geräts angesetzt – z. B. 91 % Wärmebereitstellungsgrad und 0,18 W/(m³/h) Ventilatorleistung – reduziert sich der Primärenergiebedarf bis auf 33,0 kWh/(m²·a). Gegenüber der Variante ohne Wärmerückgewinnung entspricht dies einer Verringerung um 23,6 %.
Die acht unterzeichnenden Verbände sind:
Bundesverband der Deutschen Heizungsindustrie e. V. (BdH), www.bdh-industrie.de
Deutsches Energieberater-Netzwerk (DEN) e. V., www.den-ev.de
Fachverband Gebäude-Klima e. V. (FGK), www.fgk.de
GIH Bundesverband e. V., www.gih.de
HEA - Fachgemeinschaft für effiziente Energieanwendung e. V., www.hea.de
VfW – Bundesverband für Wohnungslüftung e. V., www.wohnungslueftung-ev.de
Bundesverband des Schornsteinfegerhandwerks ZIV, www.schornsteinfeger.de
Zentralverband Deutscher Schornsteinfeger e. V., www.zds-schornsteinfeger.de
