„The Change is On“

Die USA auf dem Weg zur Energieeffizienz

Am 17. Februar 2009 hat Präsident Barack Obama das größte Konjunkturprogramm in der Geschichte der USA unterschrieben, das mit einem Volumen von 787 Mrd. US-$ die US-Wirtschaft ankurbeln und auf eine solidere Grundlage stellen soll. Ein Teil des Geldes soll in Energieeffizienzmaßnahmen für Gebäude fließen. Die Entwicklungen, die sich bereits in den letzten Jahren angedeutet haben, werden konkret.

Der Konjunkturplan besteht zu rund zwei Dritteln aus Ausgaben unter anderem für Infrastrukturmaßnahmen, von denen sich Obama hauptsächlich eine Trendwende auf dem Arbeitsmarkt verspricht: Er hofft, dass dadurch innerhalb von zwei Jahren 3,5 Mio. Arbeitsplätze neu geschaffen oder gesichert werden können. Der Rest des Pakets sind Steuererleichterungen beispielsweise zum Anreiz für die Entwicklung erneuerbarer Energien. Über 10 % des Gesamtvolumens entfallen direkt auf Programme für Energieeffizienzmaßnahmen bei Gebäuden wie die Errichtung und Modernisierung von Regierungsgebäuden oder...

Der Konjunkturplan besteht zu rund zwei Dritteln aus Ausgaben unter anderem für Infrastrukturmaßnahmen, von denen sich Obama hauptsächlich eine Trendwende auf dem Arbeitsmarkt verspricht: Er hofft, dass dadurch innerhalb von zwei Jahren 3,5 Mio. Arbeitsplätze neu geschaffen oder gesichert werden können. Der Rest des Pakets sind Steuererleichterungen beispielsweise zum Anreiz für die Entwicklung erneuerbarer Energien. Über 10 % des Gesamtvolumens entfallen direkt auf Programme für Energieeffizienzmaßnahmen bei Gebäuden wie die Errichtung und Modernisierung von Regierungsgebäuden oder Schulsanierungen. 16,8 Mrd. US-$ aus dem Paket werden der dem Energieministerium unterstellten Behörde für Energieeffizienz und erneuerbare Energien (U.S. Department of Energy (DOE), Office of Energy Efficiency and Renewable Energy (EERE)) zur Verfügung gestellt, wovon rund 2,5 Mrd. US-$ für angewandte Forschung, Entwicklung und Demonstrationsvorhaben reserviert sind.

 

Die Regierung denkt um

Bereits im Dezember 2007 hat die damalige US-Regierung unter George Bush eine Energieeinspar-Verordnung verabschiedet, die im Bereich Energieeinsparung in Gebäuden und Industrie sehr anspruchsvolle Ziele formuliert hatte und z. B. das „Netto-Null-Energie-Haus“ bis zum Jahr 2030 als Standard für kommerziell genutzte Gebäude vorsieht.

Die neue Regierung unter Präsident Obama muss sich zwar erst noch in der Realität beweisen, hat aber bereits weitere anspruchsvolle Ziele formuliert. Die Idee, die USA unabhängig von Ölimporten zu machen, ist zwar nicht neu, durchaus aber die konkreten Vorgaben, diese Zielsetzung in erster Linie über Energieeffizienz und den Einsatz von erneuerbaren Energieträgern zu erreichen. Anstatt von der Erschließung neuer Förderfelder zu reden, wird jetzt die Richtung vorgegeben mehr Öl einzusparen, als derzeit aus dem Mittleren Osten und Venezuela zusammen importiert wird. Ein weiterer Plan sieht vor, bis 2012 mindestens 10 % der Stromerzeugung mit erneuerbaren Ressourcen, bis 2025 sogar 25 % zu erzeugen. Ein zusätzliches, umfassendenderes Programm soll die Treibhausgasemissionen bis 2050 um 80 % reduzieren.

Das Konjunkturprogramm zeigt bereits erste positive Auswirkungen. Öffentliche Institutionen wie Museen, Schulen und Universitäten holen Pläne für Modernisierungen oder Neubauprojekte aus der Schublade, die teilweise seit Jahren auf Eis lagen. Die größte Herausforderung dabei ist, das vorhandene zusätzliche Geld innerhalb kurzer Zeit sinnvoll zu nutzen, was aufgrund des Gesamtvolumens an Projekten und unterschiedlicher Größen relativ problematisch sein wird.

 

Die USA im internationalen Vergleich

In den USA sind Gebäude für rund 40 % des gesamten Primärenergieverbrauchs verantwortlich – eine Größenordnung, die auch für Deutschland bzw. Europa und die meisten Länder der Welt Gültigkeit hat. Insgesamt verbucht die USA mit knapp 5 % Anteil an der Weltbevölkerung 21,7 % des gesamten weltweiten Primärenergieverbauchs; Europa liegt mit seinen Verbrauchszahlen von 17,6 % der Primärenergie bei 8,2 % der Weltbevölkerung direkt dahinter. In China fällt der Anteil von 14,5 % der Primärenergie unter Berücksichtigung von 20,2 % Bevölkerungsanteil auf den ersten Blick nicht zu hoch aus. Bezieht man aber den dort weltweit höchsten Anstieg des Energieverbrauchs von jährlich über 5 % in die Betrachtung mit ein, stellt sich die Situation neu dar [1].

Bild 1 zeigt die detaillierte Aufgliederung des Primärenergieverbrauchs in den USA bezogen auf die einzelnen Verbrauchssektoren bei Wohn- und Nicht-Wohn-Gebäuden. Auffallend sind die überdurchschnitt­lich hohen Werte im Bereich Heizung bei Wohngebäuden und Beleuchtung im Nichtwohnbereich. In beiden Fällen hat es hier in den letzten Jahren viele Innovationen gegeben, die zu einer deutlichen Verbrauchsreduzierung führen können.

Die Energy Information Administration (EIA), eine Behörde des US Department of Energy (DOE) führt seit 1979 die Commercial Buildings Energy Consuption Survey (CBECS) durch und erhebt Informationen zu energiebezogenen Gebäudeeigenschaften und Energieverbräuchen in kommerziell genutzten Gebäuden in den USA. Die aktuellste Studie beinhaltet Daten von 2003; die Daten von 2007 werden derzeit ausgewertet und sollen in Kürze veröffentlicht werden. Seit der ersten Studie vor 30 Jahren lassen sich folgende Trends ablesen:

Die Anzahl der kommerziell genutzten Gebäude in den USA erhöhte sich von 3,8 Mio. auf rund 4,9 Mio. (29 %),

Die kommerziell genutzte Gebäudefläche wuchs von 4,7 Mrd. m2 (51 Mrd. ft2) auf 6,7 Mrd. m2 (72 Mrd. ft2) (41 %),

Der Gesamt-Energieverbrauch dieser Gebäude stieg von weniger als 1730 TWh (5900 Trillionen Btu =British Thermal Unit; 1 Btu = 1055 J) auf mehr als 1900 TWh (6500 Trillionen Btu) (10 %),

Der nahezu ausgeglichene Verbrauch von Strom und Gas (jeweils ca. 42 % bezogen auf den gesamten Endenergieverbrauch) hat sich derart verschoben, dass Strom auf rund 55 % angestiegen und Gas auf rund 32 % gesunken ist; der restliche Anteil wird von Fernwärme (ca. 10 %) und Öl (ca. 3 %) gedeckt.

Der rasante Anstieg des Stromverbrauchs macht sich speziell seit Beginn der 90er Jahre bemerkbar, dem Beginn des Computerzeitalters und der Digitalisierung des Alltags. 70 % des gesamten Stromverbrauchs der USA wird in Gebäuden verbucht; über 50 % der Stromerzeugung in den USA erfolgt in kohlebefeuerten Kraftwerken. Die Nutzung erneuerbarer Energiequellen liegt bei kommerziell genutzten Gebäuden derzeit noch bei weniger als 1 %.

Interessant ist, dass der spezifische Endenergieverbrauch von 359 kWh/m2 (114 kBtu/ft2) in 1979 zwar auf rund 268 kWh/m2 (85 Btu/ft2) in 1986 gesunken und dann auf gleichbleibenden Niveau ist, aber in der Untersuchung von 2003 wieder leicht steigend bei 290 kWh/m2 (92 Btu/ft2) liegt. 

 

Energieeffizientes Bauen – Regionale und lokale Initiativen

Die Karte in Bild 2 zeigt den aktuellen Stand in welchen US Staaten Energieeffizienz-Standards für kommerziell genutzte Gebäude in Kraft sind, bzw. auf welchem Stand die Anforderungen sind. Speziell in der Mitte der USA gibt es viele Staaten, die entweder keine Regelungen haben oder aber sich auf über zehn Jahre alte Standards berufen.

Neben dieser erschreckenden Realität dürfen deshalb die regionalen Initiativen nicht übersehen werden, die bereits seit mehreren Jahren – sogar Jahrzehnten – ökologisches und energieeffizientes Bauen fördern. Es ist allgemein bekannt, dass hier der Staat Kalifornien eine Sonderstellung einnimmt und einen um rund 50 % geringeren Pro-Kopf-Energieverbauch aufweist als der US-Durchschnitt. Ein Ergebnis, das aus einer konsequenten Energiepolitik über mehrere Jahrzehnte resultiert.

San Francisco hat im August 2008 das derzeit strikteste Kommunalgesetz in den USA verabschiedet, das für alle Neubauten mit mehr als 500 m2 Geschossfläche oder mehr als 25 m Höhe und alle Renovierungsprojekte mit mehr als 2500 m2 gilt. Diese Projekte müssen ab sofort Grundanforderungen in Bezug auf ökologisches Bauen einhalten und ab 2012 zwingend mindestens 75 Punkte in einem GreenPoints-System oder eine vergleichbare LEED-Silber-Zertifizierung erreichen. Dieses Gesetz ist Teil eines umfangreicheren Programms, mit dem die Treibhausgasemissionen bis zum Jahr 2012 um 20 % gegenüber dem Niveau von 1990 gesenkt werden sollen – 2008 waren bereits über 5 % erreicht.

Eine weitere Gesetzesneuerung in San Francisco schreibt seit dem 1. Januar 2009 vor, dass alle Strom- und Gasversorger die Verbrauchsdaten von Nichtwohngebäuden, die von ihnen beliefert werden, aufzeichnen und in ein zentrales Energie-Management-System einstellen, das von der US-Umweltschutz-Behörde (US Environmental Protection Agency – EPA) verwaltet wird. Von Januar 2010 an kann dann jeder der ein Gebäude kaufen, finanzieren oder mieten möchte diese Energieverbrauchsdaten und Benchmarks anfordern und einsehen.

Eine ähnliche Situation stellt sich in Austin, Texas dar, wo die in den 70er Jahren aufgrund der damaligen Ölkrise initiierten Energiesparprogramme fortgeführt wurden. Eine anhaltende und kontinuierliche Entwicklung der Energiepolitik mit einem gesunden Gleichgewicht zwischen gesetzlichen Anforderungen, öffentlichen Förderprogrammen und steuerlichen Anreizen ist hier das Ergebnis.

Die Stadt hat für ihre Bewohner eine Vielzahl an Energieprogrammen wie Austin Energy Green Building™ oder das Power Saver™Program GreenChoice® ins Leben gerufen.

Die Stadt bietet so Firmen und Bewohnern mit Aufklärungskampagnen eine ganze Bandbreite an kostenlosen Beratungsserviceleistungen und subventioniert die Umsetzung von vorgeschlagenen Einsparmaßnahmen.

Ein anderes Beispiel kommt aus Minnesota. Hier wurde ein Energiesparprogramm ins Leben gerufen, mit dem 10 % der Energiekosten der Regierungsgebäude eingespart werden sollten. Die Maßnahmen sind simpel: Die Angestellten verzichten auf ihre eigenen Heizgeräte und Ventilatoren und werden angehalten, das Licht auszuschalten, wenn es nicht benötigt wird. Die Effektbeleuchtung wird reduziert und Leuchtmittel generell gegen Stromsparleuchten ausgetauscht, ein Power Management schaltet Computer und Bürogeräte ab, wenn sie nicht in Betrieb sind, Absenktemperaturen wurden für die Nachtstunden und Wochenenden programmiert. Das Capitol in Minneapolis verbraucht durch diese Maßnahmen knapp 25 % weniger Energie. Im Minnesota History Center konnte der Energieverbrauch um über 20 % reduziert werden, nachdem ein Automationssystem installiert wurde.

Die Bundesfinanzbehörde (Internal Revenue Services – IRS) hat 2005 ein Steuerprogramm aufgelegt, das auf Bundesebene allen Steuerzahlern erlaubt, die Kosten für Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz in Nichtwohngebäuden geltend zu machen. Demnach können bis zu 19,37 US-$/m2 abgeschrieben werden, wenn das Gebäude mindestens 50 % Energieeinsparung aufweisen kann; es sind immerhin noch 6,45 US-$/m2, bei mindestens 16 % Einsparung. Bei Gebäuden, die der Regierung gehören, wie z. B. öffentliche Schulen, erlaubt die Finanzbehörde laut Erklärung vom 12. März 2008, dass der Steuerabzug von der Person bzw. Firma in Anspruch genommen werden kann, die im Wesentlichen für die Planung verantwortlich ist, wie beispielsweise dem Architekten, TGA-Planer, der ausführenden Firma oder dem Energieberater. Ein Anreiz der Umdenken forciert.

Weitere Erfolgsgeschichten können aus vielen Städten in den USA berichtet werden:

Portland, OR hat seinen ersten Maßnahmenplan zur Bekämpfung der Globalen Erwärmung 1993 ins Leben gerufen, der 2001 fortgeschrieben und verbessert wurde. Das Ziel: Treibhausgasemissionen bis 2010 um 10 % gegenüber dem Niveau von 1990 zu reduzieren. Der Erfolg: Die Pro-Kopf-Emissionen sind bereits um 17 % gesunken, der Energieverbrauch für Gebäude ist um 10 % zurückgegangen, und seit 1990 ist der öffentliche Nahverkehr um 75 % gewachsen.

Im Februar 2005 hat der Bürgermeister von Seattle, WA eine Klimaschutzinitiative ins Leben gerufen, die 1 1/2 Jahre später zu einem umfassenden Klimaschutzplan führte, mit dem Ziel gemäß dem Kyoto-Protokoll bis 2012 7 % der Treibhausgasemissionen zu reduzieren. Die Maßnahmen reichen von der Verbesserung des öffentlichen Nahverkehrsinfrastruktur und der für Fußgänger und Radfahrer, über die Modernisierung der kommunalen Energieversorger zu Treihausgas-neutralem Betrieb durch den Einsatz erneuerbarer Energien, bis hin zu strikteren energetischen Anforderungen für Wohn- und Nichtwohngebäude.

Der Pittsburgh, PA Klimaschutzplan wurde im Juni 2008 verabschiedet und hat zum Ziel die Treibhausgasemissionen bis 2023 um 20 % gegenüber dem Niveau von 2003 zu senken. Einige der Maßnahmen schreiben den LEED-Standard für alle kommunalen Neubauprojekte vor, fordern Energie-Audits für alle öffentlichen Gebäude und die Umsetzung der empfohlenen Maßnahmen oder beinhalten steuerliche Anreize für die Renovierung und energetische Sanierung von Bestandsgebäuden und den Einsatz von Solarenergie.

Am 19. September 2008 hat der Bürgermeister von Chicago, IL einen Klimaschutzplan bekannt gegeben, der mit 26 Maßnahmen die Treibhausgasemissionen der Stadt bis 2020 um 25 % gegenüber dem Niveau von 1990 reduzieren soll; bis 2050 soll es 80 % Reduzierung sein. Die Maßnahmen sind in fünf Kategorien eingeteilt, wobei die erste Kategorie auf die mehr als 23 000 Nichtwohngebäude und die über 1 Mio. Wohnungen und Wohngebäude abzielt, die für rund 70 % der Emissionen in Chicago verantwortlich sind. Kernpunkt der Maßnahmen ist die Verschärfung der energetischen Anforderungen an Gebäude und die umfassende energetische Sanierung von kommerziellen Gebäuden und Wohngebäuden.

Diese Liste könnte unendlich fortgesetzt werden und zeigt das wachsende Bewusstsein für den Klimaschutz und die Vielfalt der Maßnahmen. Energieeffiziente Gebäude bilden aber bei allen Programmen einen deutlichen Schwerpunkt.

 

GreenBuilding Zertifizierung – LEED im Jahr 2009

In den USA ist LEED das Maß der Dinge, wenn es um ökologisches Bauen geht. Auch wenn das vom U.S. Green Building Council (USGBC) entwickelte Leadership in Energy and Environmental Design (LEED) Bewertungssystem für umweltfreundliche Gebäude sicher nicht allumfassend oder gar perfekt ist, hat es seit der Veröffentlichung der ersten Version vor über zehn Jahren und dem ersten zertifizierten Gebäude im Jahr 2000 eine sehr positive Entwicklung in Gang gesetzt und das Bewusstsein für Nachhaltigkeit geschärft. Auch weltweit ist LEED das führende GreenBuilding-Zertifizierungssystem mit mehr als 20 000 Projektregistrierungen in 76 Ländern (siehe Bild 4).

Auf Basis der 15-jährigen Entwicklungsarbeit und Erfahrungen aus mehr als 2000 zertifizierten Projekten hat das USGBC erst kürzlich die komplett überarbeitete Version LEED 2009 herausgegeben. Seit Anfang 2009 werden alle neu registrierten Projekte nach dieser Version zertifiziert. Hauptaugenmerk der Überarbeitung war einerseits die Vereinheitlichung der Bewertungskriterien über die gesamte Palette der einzelnen Zertifizierungssysteme für neue Gebäude, Mieterausbau, Gebäudebestand, usw. Unterschiede zwischen gleichen Kriterien in verschiedenen Systemen wurden bereinigt und damit ein Art „Bookshelf“ erstellt, d.h. ein Kriterium hat jetzt in allen Zertifizierungssystemen den identischen Inhalt.

Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der höheren Gewichtung des Einflusses von Treibhausgasemissionen, die zu einer prozentualen Verschiebung in den Bewertungsfaktoren führte. Weiterhin wurde das Thema Wassereinsparung als Pflichtkriterium mit aufgenommen und insgesamt die Bewertung an aktuelle Normen und Standards angepasst, um der Weiterentwicklung des Stands der Technik Rechnung zu tragen. Das LEED-Zertifizierungssytem wird in Zukunft außerdem einem planmäßigen Revisionszyklus mit Aktualisierungen mindestens alle drei Jahre unterzogen.

Neben den bereits existierenden LEED-Systemen für Neubauten (LEED-NC), Mieterausbau (LEED-CI), Bestandsgebäude (LEED-EB), usw. werden nach und nach objektspezifische Systeme entwickelt, die besondere Anforderungen und individuelle Rahmenbedingungen unterschiedlicher Gebäudenutzungen berücksichtigen. So werden beispielsweise für Schulen Kriterien für die Raumakustik in die Bewertung mit aufgenommen und im Bereich Einzelhandel Effektbeleuchtung und Verkaufsmöbel berücksichtigt werden; weitere Systeme für Krankenhäuser und Pflegeanstalten sowie Laborgebäude sind derzeit in der Pilotphase.

Bisher variierte die maximal erreichbare Punktzahl in den jeweiligen Zertifizierungssystemen. LEED-NC vergab beispielsweise 69 und LEED-CI 57 Punkte. In LEED 2009 werden nun in allen Systemen auf Basis von insgesamt 100 Punkten und zusätzlich 10 möglichen Bonuspunkten für Regionale Schwerpunkte und Innovationen, folgende Zertifizierungsgrade vergeben:

80+ Platin

60 – 79 Gold

50 – 69  Silber

40 – 49 Zertifiziert

Eine Statistik aller bisher zertifizierten Projekte zeigt, dass lediglich 5 % die Schwelle zur Platin-Zertifizierung erreicht haben, der Großteil der Zertifizierungen verteilt sich relativ gleichmäßig auf Gold, Silber und Zertifiziert.

In einer Studie hat das New Buildings Institute (NBI) die gemessenen Energieverbrauchswerte von insgesamt 121 Gebäuden in den USA, die als Neubau nach dem LEED-NC System zertifiziert wurden, ausgewertet und mit typischen Verbrauchswerten aus der CBECS-Datenbank des Department of Energy verglichen. Das Ergebnis zeigt, dass die LEED-Gebäude im Durchschnitt zwar die erwartete Einsparung von 25 bis 30 % erreichen, die individuellen Gebäude jedoch eine sehr große Streuung aufzeigen und teilweise deutlich über dem Durchschnittswert und auch über dem Planungswert liegen (siehe Bilder 5 und 6).


Richtung Null-Energie-Gebäude

Bis zum Jahr 2030 soll das Netto-Null-Energie-Gebäude Standard sein. Die geläufigste Definition dafür ist, dass Gebäude soviel Energie produzieren, wie sie verbrauchen. Das US Department of Energy hat im August 2008 eine Initiative gestartet, mit deren Hilfe solche Gebäude bis zum Jahr 2025 zur Marktreife entwickelt werden, die innovative Technologien zur Steigerung der Energieeffizienz verwenden und den verbleibenden Energiebedarf über erneuerbare Resourcen decken bzw. zumindest ausgleichen.

Im Oktober 2008 wurden die ersten Projekte gestartet. Das DOE fördert 21 Firmen mit insgesamt 15 Mio. US-$ für den Bau von Niedrigenergiegebäuden. Die Förderung dient dazu ein Team von Forschern und zusätzlichen Beratern in die Projekte zu integrieren. Die eigentlichen Planungs- und Baukosten werden von den Firmen getragen. Das Ziel ist in diesem ersten Schritt Gebäude zu errichten, die gegenüber den aktuellen Anforderungen nur die Hälfte an Energie verbrauchen.

Die Firmen, die eine Förderung im Rahmen dieses Programms erhalten, mussten sich außerdem dazu bereit erklären, ein bestehendes Gebäude energetisch mit der Zielsetzung 30 % energieeffizienter als der aktuell gültige Standard zu werden, zu sanieren.

Ende März fand in San Francisco die Net-Zero and Beyond-Konferenz statt, die den Erfahrungsaustausch und Diskussionen zwischen planenden Architekten und Ingenieuren, Bauherren und Investoren und Vertretern von Behörden anregen soll.

 

Fazit

Bei meinem ersten Artikel in der Reihe „Energieeffizientes und nachhaltiges Bauen in den USA“ Anfang 2007 [2] habe ich geschrieben „It’s all about money“ – steigende Energiepreise als Anreiz und Motivation für energieeffizientere Gebäude. Letztes Jahr wurde das durch den rasanten Anstieg der Energiepreise bekräftigt [3]. In diesem dritten Beitrag schließe ich mit der aktuellsten Entwicklung und Prognose der Öl- und Treibstoffpreise, die nach einem kontinuierlichen Anstieg über die letzten Jahre und einem Peak Mitte 2008 im Sturzflug auf ein Niveau von 2005 gefallen sind (Bild 7). Es bleibt zu hoffen, dass diese jüngste Entwicklung nicht den Schwung aus den angestoßenen Umdenkungsprozessen nimmt und die gestarteten Initiativen bereits genügend gefestigt sind.



Literatur
[1] Quelle: 2008 Buildings Energy Data Book
[2] Energieberatung in USA? – Ein Erfahrungsbericht, TAB 1/2007, Seite 28 bis 31
[3] Ökologisches und nachhaltiges Bauen – die USA holen auf, TAB 6/2008, Seite 44 bis 47

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