Mit Honeywell in der Autostadt Wolfsburg

IoT-Evolution in intelligenten Gebäuden

Wie digital müssen neue Gebäude werden? Und wie können Bestandsgebäude digitalisiert werden? Diesen und weiteren Fragen ging Honeywell Building Solutions (HBS) im November 2018 in der Autostadt Wolfsburg im Rahmen einer Planerveranstaltung nach. „Denn es ist Zeit, dass die Themen rund um Internet of Things (IoT) in der TGA-Branche Einzug halten“, verkündete Johann Bacik, Regional General Manager HBS Central Europe und brachte einen Vergleich, der sich als roter Faden durch die weitere Veranstaltung zog: Wenn für einen Gebäudebetrieb einschließlich Energie- und Betriebskosten ­
3 €/m2 bezahlt werden, muss man für die Miete 30 €/m2 und damit das 10-Fache veranschlagen, für den Mitarbeiter wiederum 300 €/m2 und damit letztlich das 100-Fache der Energie- und Betriebskosten. Lange genug habe man sich auf den ersten Teil, die Kosten für den Gebäude­betrieb konzentriert und dabei große Einsparungen erzielen können, so die bisherige Erkenntnis. Da im zweiten Sektor nur geringe Einsparpotentiale stecken, gehe es verstärkt darum, das dritte Thema, die Mitarbeiterzufriedenheit, stärker in den Blick zu nehmen und damit die Produktivität zu erhöhen. Das Thema Komfort bietet sich dabei als weitere Argumentation an.

Unter diesen Vorgaben nahmen die Referenten der Veranstaltung die Möglichkeiten von Gebäudeautomation, Vernetzung und Servicedienstleistungen in den Blick. Grundlage für die Automatisierung sind die im Gebäude­betrieb anfallenden Daten, die sich unter Gesichtspunkten wie Effizienz und Komfort, Umsatz und Kosten, Gebäude und Produktivität durch Fachkompetenz sowie Daten- und Cyber-Expertise auswerten lassen.

So berichtete Ralf Kösters, Head of Facility Management in der Autostadt, über die Herausforderungen beim Betrieb des 28 ha großen Themen- und Erlebnisparks. Neben den 20 Gebäuden der Autostadt müssen die Services rund um die Auslieferung von bis zu 500 Autos am Tag betreut werden. Das Aufgabenspektrum der Abteilung ist dementsprechend groß und reicht von der TGA mit über 200 RLT-Anlagen und 37.000 Datenpunkten im Bestand über das Management von Reinigung und Außenanlagenpflege bis hin zu Post, Energie und Umweltschutz. Um Besucher und Kunden nicht zu stören, müssen daher alle Arbeiten bei Nacht ausgeführt werden. Denn es bedarf einer ständigen Veränderung und Erneuerung der Anlagen, um die Autostadt auch in Zukunft für Besucher attraktiv zu gestalten. Ein Erfolgsfaktor stellt die Zusammenarbeit mit Rahmenvertragspartnern wie HBS dar, über die Effizienzpotentiale erschlossen werden können.

Prof. Rasso Steinmann aus München brachte in seiner anschaulichen Keynote nicht nur einstimmende Töne und Fakten zum Hauptthema IoT, sondern vermittelte auch wichtige Grundlagen. Er sprach sich dafür aus, darauf zu achten, welche Datenflüsse miteinander gekoppelt werden müssen und welche es auf keinen Fall sollten. Im Sinne der IT-Security, so ein eingängiges Beispiel, ist es z.B.wichtig, Patientendaten in Krankenhäusern nicht mit den E-Mail-Servern zu verbinden. So wurde die Kreisklinik Fürstenfeldbruch über diese Schwachstelle durch einen EDV-Totalausfall lahmgelegt. Als Ursache wird ein infizierter E-Mailanhang vermutet. Dabei sah sich das Klinikum in Sachen IT-Sicherheit gut aufgestellt, wie die Zeitung Merkur berichtete [1].

Theodor Drivas, Connected Services Sales Leader Germany bei Honeywell, bestätigte Fälle von Hackerangriffen auf Krankenhäuser. Zum Teil würden über 100 Angriffe pro Tag gemeldet. Dennoch sei es unumgänglich, Systeme zusammenzubringen, um die Effizienzpotentiale zu erschließen. „Daten sind der neue Rohstoff, aber die Erfahrung ist entscheidend“, so sein Fazit mit dem Blick darauf, dass die Kenntnisse notwendig seien, richtig und sorgfältig mit den Daten umzugehen und diese richtig auszuwerten. Hierfür bietet Honeywell mit den „Outcome Based Services“, kurz OBS, ein mächtiges Werkzeug an, um ergebnisorientierte Dienstleistungen anbieten zu können.

Konstantin Rogalas, Leiter des Bereichs Cyber Security bei Honeywell, startete seinen Vortrag mit der Aussage: „Wir sind lästig.“ Das sei aber wichtig. Da bei vielen Projekten notwendigerweise preissensible Angebote abgegeben werden, vernachlässige so mancher Auftraggeber das Thema Cyber Security. Das sind dann die Fälle, bei denen Konstantin Rogalas sowie sein Team lästig werden und auf Gefahren hinweisen müssen. Denn es dauert im Schnitt „266 Tage, bis man in der Automation einen Cyber-Angriff bemerkt“, so ein Beispiel aus der Praxis. Ein bedeutendes Einfallstor in die Systeme seien USB-Anschlüsse. Zur Abwendung unliebsamer Ereignisse in den eigenen Systemen hat Honeywell das „Secure Media Exchange“, kurz SMX, entwickelt. Mit dieser Schleuse können unliebsame Daten und Programme auf USB-Sticks verschlüsselt werden, so dass nur noch zu 100 % sichere USB-Sticks verwendet werden. Allerdings ist dafür der entsprechende personelle Aufwand zu berücksichtigen. Sicherheit ist immer auch eine Sache der Organisation, wie im Laufe des Tages immer wieder deutlich wurde.

Mit Werner Martens, Berater für Sicherheit und Kommunikation und Gebäudemanagementsysteme am Klinikum Bremen-Ost, kam wieder ein Mann aus der praktischen Anwendung zu Wort. Er machte deutlich, dass in einem Krankenhaus vor allem die Alarmierung wichtig sei. Mit einem integralen Ansatz sei es gelungen, die digitale Alarmierung und Alarmweiterleitung am Klinikum Bremen-Ost effizient zu gestalten, sodass der Alarm stets dorthin weitergeleitet wird, wo das entsprechende Personal sei, dass darüber informiert werden muss. 

Sebastian Hild, Digital Business Transformation, IoT, Microsoft, thematisierte smarte Clouds für smarte Gebäude. Im Jahr 2020 werden Gebäude rund 37,2 Zettabyte, also rund 1 Mrd. Terabyte, an Daten produzieren. Um diese Datenmengen auszuwerten, ist eine „Intelligenz“ in den Systemen notwendig. Diese Künstliche Intelligenz (KI) muss dazu in der Lage sein, schlussfolgern, verstehen und interagieren zu können. Hierzu bietet das Softwareunternehmen mit „Azure Digital Twins“ eine Cloudlösung zur Verschmelzung von physikalischer und digitaler Welt an.

In der den Tag abschließenden Diskussionsrunde, in der alle Redner sich noch einmal den Fragen des Publikums stellten, wurde herausgearbeitet, dass die Bedienerfreundlichkeit künftig weiter verbessert werden müsse. Menschen müssten jedes System intuitiv nutzen können. Doch nicht alles ist über Systeme lösbar. Kontinuität, Verlässlichkeit und Partnerschaft zwischen Anbieter und Kunden dürften nicht durch die Technologie abgelöst werden. Hier bleibt der direkte Kontakt zwischen den Menschen unverzichtbar. Die zahlreichen Gespräche in Wolfsburg zeigten deutlich, dass die Veranstaltung auch diesbezüglich ein voller Erfolg war.

Quelle

[1] http://t1p.de/xroc,
Abruf am 16. November 2018
x

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