Die Planken Lichtspiele Mannheim wurden umfassend modernisiert und mit hocheffizienten Lüftungsgeräten ausgestattet.
Bild: Airflow Lufttechnik
Die Planken Lichtspiele befinden sich in der Mannheimer Innenstadt und wurden nach der Übernahme des ehemaligen Cineplex-Kinos umfassend modernisiert. Neben der Erneuerung der Kinosäle und Aufenthaltsbereiche stand auch die technische Gebäudeausrüstung auf dem Prüfstand. Insbesondere die baulichen Rahmenbedingungen des Bestandsgebäudes sowie die Anforderungen an Brandschutz und Luftqualität erforderten ein passgenaues Lüftungskonzept.
Die Umsetzung der Lüftungstechnik erfolgte unter anspruchsvollen Bedingungen. Das Gebäude verfügt über keinerlei Installationsschächte, die Kinosäle waren kompakt geplant und boten nur begrenzten Raum für technische Infrastruktur. Eine zusätzliche Herausforderung stellte die Nutzung als Versammlungsstätte dar. Kinosäle erfordern aufgrund hoher Personendichten eine besonders präzise Luftführung und zuverlässige Luftqualitätsregelung. Gleichzeitig mussten brandschutztechnische Vorgaben berücksichtigt werden, insbesondere bei der Führung durch verschiedene Brandabschnitte und Fluchtwege. Die Lösung: Sämtliche Lüftungskanäle wurden über das Dach sowie entlang der Außenfassade geführt und von dort in die jeweiligen Nutzungsbereiche eingebracht. Zudem dienen sie im Brandfall als Entrauchungskanäle. Die Planung des Lüftungssystems erfolgte durch die IGV Ingenieure GmbH.
Dezentrales Konzept mit zentralen Lüftungsgeräten
Statt einer einzelnen zentralen Großanlage wurde in Mannheim bewusst ein dezentrales Versorgungskonzept gewählt. Jeder Kinosaal sowie die Foyerbereiche und Personalumkleiden verfügen über eigene Lüftungsgeräte und separate Lüftungskanäle. Das reduziert nicht nur die Komplexität des Kanalnetzes, sondern vereinfacht auch die Regelung. Auf zusätzliche Komponenten wie Volumenstromregler oder Nachheizregister kann so weitgehend verzichtet werden, da diese Funktionen bereits in den Geräten integriert sind. Jede Zone wird einzeln bedarfsgerecht betrieben. Das soll für stabile Raumklimabedingungen bei gleichzeitig hoher Energieeffizienz sorgen.
Die „DUPLEX Multi Eco-N“-Geräte sorgen in den einzelnen Kinobereichen für eine bedarfsgerechte Frischluftversorgung. Im Brandfall dient das Abluftkanalnetz gleichzeitig als Entrauchungssystem.
Bild: Airflow Lufttechnik
Zum Einsatz kommen mehrere Lüftungsgeräte der Serie „DUPLEX Multi Eco-N“ von Airflow, abgestimmt auf die jeweiligen Raumgrößen. Die wetterfesten, liegenden Modelle zur Außenaufstellung decken je nach Ausführung Luftvolumenströme von wenigen hundert bis über 10.000 m³/h ab und eignen sich damit für unterschiedlich große Nutzungsbereiche. Für das Kino wurden Ausführungen mit 1.550 bis 10.870 m³/h gewählt. Mit einem Wärmerückgewinnungsgrad von bis zu 93 % und integrierten Heiz- und Kühlregistern boten die Geräte optimale Voraussetzungen für den Betrieb in Kombination mit einer Wärmepumpe. Zusätzlich ermöglichte die kompakte Bauweise die Platzierung der insgesamt 10 Lüftungsgeräte sowie der Wärmepumpe auf dem Dach des Gebäudes, wo sie auf einer bauseitigen Stahl-Unterkonstruktion aufgestellt wurden. Dabei musste aufgrund des natürlichen Kältemittels Propan (R290) zusätzlich ein Mindestabstand eingehalten werden.
Komfort durch Druckbodenprinzip und bedarfsgerechte Temperierung
Die Luft wird über ein Druckbodensystem unterhalb der Sitzpodeste in die Säle geführt und an der Decke abgesaugt. Diese Auslegung sorgt für zugfreie Frischluft.
Bild: Airflow Lufttechnik
In den sieben Kinosälen kommt für ausreichend Luftwechsel ohne Luftzugerscheinungen ein spezielles Verteilungskonzept zum Einsatz. Die Zuluft wird über einen Druckboden unterhalb der Sitzpodeste eingebracht und strömt über Auslässe unter den Sitzen direkt in den Aufenthaltsbereich der Besucher. Die Abluft wird im Deckenbereich abgesaugt. Dadurch entsteht eine natürliche Luftströmung von unten nach oben, die optimal zur thermischen Auftriebsbewegung warmer Luft passt. Dieses Prinzip sorgt für eine gleichmäßige Luftverteilung bei sehr geringer Luftgeschwindigkeit im Aufenthaltsbereich. Indem die komplette Temperierung der Räume ausschließlich über die Lüftung erfolgt, kann auf andere Wärmeabgabesysteme verzichtet werden. Dies ist neben der Energieeffizienz besonders wegen der knappen Platzverhältnisse im Objekt von Vorteil.
Die Wärme- und Kältebereitstellung erfolgt mithilfe einer zentralen Luft/Wasser-Wärmepumpe in Vierleiter-Ausführung. Diese ist auf dem Dach jeweils mit den Heiz- und Kühlregistern der einzelnen Lüftungsgeräte verbunden. Mittels der Vierleiter-Ausführung ermöglicht die Pumpe gleichzeitiges Heizen und Kühlen in unterschiedlichen Bereichen. Das ist besonders in Übergangszeiten von Belang, wenn dicht besetzte Kinosäle auf der Südseite gekühlt werden, während auf der Nordseite eine Erwärmung der Raumluft notwendig ist.
Intelligente Steuerung und stabile Luftqualität
Die Regelung der Lüftungsgeräte erfolgt direkt über die integrierte Gerätesteuerung. Entscheidende Parameter sind CO₂-Konzentration und Temperatur. Die Luftmenge wird automatisch angepasst, sodass die Luftqualität konstant unter etwa 1.000 ppm bleibt. Gleichzeitig sorgen die integrierten Heiz- und Kühlregister für die bedarfsgerechte Temperierung der Räume. Reicht die Kühlleistung über die Zulufttemperatur allein nicht aus, wird die Luftmenge automatisch erhöht. Für eine hohe Luftqualität kommen zudem Filter der Klassen ePM10 50 % (vormals F7) in der Zuluft sowie ePM1 55 % (vormals M5) in der Abluft zum Einsatz.
Mittels Vierleiter-Wärmepumpe können unterschiedliche Gebäudebereiche gleichzeitig beheizt und gekühlt werden.
Bild: Airflow Lufttechnik
Über eine Web-App können Betreiber alle Geräte überwachen und steuern. Zusätzlich ermöglichen Zeitprogramme einen automatisierten Betrieb, etwa das frühzeitige Temperieren der Kinosäle vor Öffnung. Die Lüftung startet dabei bereits mehrere Stunden vor Vorstellungsbeginn, damit beim Einlass stabile Raumkonditionen herrschen. Laut Betreiber und Planern zeigt sich der Betrieb seit der Inbetriebnahme als äußerst stabil. Sowohl Temperatur als auch Luftqualität bewegen sich dauerhaft im gewünschten Bereich.
Lüftung und Entrauchung intelligent kombiniert
Eine besondere Lösung wurde auch für den Brandschutz umgesetzt. Gemäß Versammlungsstättenverordnung mussten sowohl die Kinosäle als auch die innenliegenden Foyerbereiche mechanisch entraucht werden. Dafür wurde das Abluftkanalnetz gleichzeitig als Entrauchungskanal ausgeführt. Im Normalbetrieb dient das System der Lüftung, im Brandfall übernehmen separate Entrauchungsventilatoren die Rauchgasabführung über das Dach.
Auf dem Dach des innerstädtischen Bestandsgebäudes wurden insgesamt zehn Airflow Lüftungsgeräte verbaut.
Bild: Airflow Lufttechnik
Die Entrauchung wurde für einen Luftvolumenstrom von 36 m³/h je Quadratmeter Grundfläche sowie einen Betrieb über 30 Minuten bei 300 °C Rauchgastemperatur ausgelegt. Gleichzeitig öffnen automatisch Jalousieklappen zur kontrollierten Außenluftnachströmung. Durch die Doppelnutzung des Kanalnetzes konnte der technische und räumliche Aufwand trotz hoher brandschutztechnischer Anforderungen deutlich reduziert werden.
Maßgeschneiderte Technik für komplexe Rahmenbedingungen
Die Planken Lichtspiele zeigen, wie sich anspruchsvolle Bestandsgebäude mit moderner Lüftungstechnik effizient ausstatten lassen. Die Kombination aus dezentralem Konzept, leistungsfähigen Lüftungsgeräten und intelligenter Regelung sorgt für ein stabiles Raumklima bei zugleich wirtschaftlichem Betrieb. Gleichzeitig konnten die engen baulichen Rahmenbedingungen eines innerstädtischen Bestandsobjekts ebenso berücksichtigt werden wie hohe Anforderungen an Brandschutz und Energieeffizienz.
