Das in den 1960er-Jahren errichtete Hallenbad zählt zu den wichtigen Infrastruktureinrichtungen der Stadt Bad Segeberg. Durchschnittlich besuchen täglich 290 Badegäste die Anlage, darunter auch Schulklassen und Vereine. Aufgrund des Gebäudealters und der hohen Nutzungsintensität bestand trotz regelmäßiger Bauunterhaltungsarbeiten ein erheblicher Sanierungsbedarf. Um den Bäderbetrieb langfristig zu sichern, beschloss die Stadtvertretung eine umfassende Erneuerung. Das Berliner Büro ava Anderhalten Architekten GmbH ging gemeinsam mit Wolff+Partner GmbH Beratende Ingenieure 2019 aus dem VgV-Verfahren hervor. Dazu standen die Leistungsphasen 1 bis 8 zum Auftrag an. Bund und Land unterstützten das Projekt über das Förderprogramm „Investitionspakt Soziale Integration im Quartier“.
Die Sanierungsarbeiten erfolgten von September 2021 bis Juni 2025. Vorausgegangen waren zwischen Dezember 2019 und Mai 2020 verschiedene Bestandsuntersuchungen. Dazu gehörten Schadstoffanalysen, Feuchtigkeitsmessungen sowie holztechnische und raumlufttechnische Untersuchungen.
Gebäudebestand als Planungsgrundlage
Das ursprüngliche Hallenbad entstand im westlichen Stadtgebiet nahe der B 206 und verfügte über ein 25-m-Becken. In den 1980er-Jahren wurde die Anlage um einen Gebäudeteil mit Nichtschwimmerbecken, Kinderbecken und Sauna ergänzt. Eine großflächige Teilsanierung im Jahr 2006 umfasste unter anderem die Glasfassaden, einzelne Nebenräume, den Eingangsbereich und Teile der Lüftungstechnik. Sowohl der zweigeschossige Hauptbau als auch der Erweiterungsbau wurden in Massivbauweise aus Beton und zweischaligem Mauerwerk errichtet. Die Untersuchungen vor Beginn der Sanierung ergaben, dass die Bestandskonstruktion weitgehend erhalten werden konnte. Notwendig waren lediglich punktuelle Eingriffe.
Neue Deckenaussparungen für vertikale Leitungsführungen entstanden durch Kernbohrungen. Nicht mehr benötigte Öffnungen wurden verschlossen. Im Kellergeschoss und im Bereich der Becken erfolgte eine Instandsetzung der Betonbauteile, Wände, Stützen, Deckenuntersichten und weiterer Teile der Rohbaukonstruktion. Beschädigte Betonflächen wurden saniert und reprofiliert. Vollständig zurückgebaut und neu aufgebaut wurde die Flachdachkonstruktion. Ihre statisch-konstruktive Auslegung ermöglicht künftig die Installation einer Photovoltaikanlage. Zusätzlich wurden sämtliche Fenster ausgetauscht und große Teile der vorhandenen Wärmedämmung ersetzt.
Erneuerung der Beckenbereiche
Der Zustand der Becken und der innenräumlichen Oberflächen erforderte einen vollständigen Rückbau der Badeplatte. Sport-, Kinder- und Nichtschwimmerbecken wurden anschließend in Beton und Keramik neu ausgeführt. Anforderungen an die Wettkampftauglichkeit des Sportbeckens bestanden nicht. An die Stelle der zuvor tiefliegenden Wiesbadener Rinne trat eine hochliegende Ausführung. Für große Teile der Boden-, Wand- und Deckenoberflächen kam Feinsteinzeug zum Einsatz.
Wärmeversorgung mit angepasster Verteilung
Zur Verbesserung der Energieeffizienz wurde die TGA nahezu vollständig erneuert. Erhalten blieben das Blockheizkraftwerk und der Gasbrennwertkessel, die beide aus dem Jahr 2015 stammen. Außerhalb der Heizzentrale entstand ein neues Wärmeverteilnetz, dessen Dimensionierung an die veränderten Leistungsbedarfe angepasst wurde. Die Beheizung des Gebäudes erfolgt überwiegend über die Lüftungsanlagen, unterstützt durch statische Heizflächen. Einzelne Räume erhielten neue Kompaktheizkörper. Im Schwimmbadbereich werden zudem die neu eingebauten Wärmebänke mit Heizwasser versorgt.
Drei Anlagen für die Luftaufbereitung
Im Zuge der Sanierung wurden die Luftaufbereitungsanlagen einschließlich der Luftverteilung erneuert und neu gegliedert. Drei zentrale Anlagen versorgen die unterschiedlichen Nutzungsbereiche. Ihre Auslegung erfolgte auf Grundlage der DIN 1946 und der VDI 2089. Auf dem Dach der Umkleide befinden sich zwei der neuen Anlagen, eine weitere wurde auf dem Dach des Kinderbeckens installiert. Die Anlage für die Doppelnutzung der Abluft der Umkleideräume ist im Untergeschoss im Beckenumgang des Schwimmerbeckens untergebracht. Luftaufbereitungsanlage 1 versorgt das Schwimmbad über Volumenstromregler und Lufterhitzer mit einem Zu- und Abluftvolumenstrom von 13.400 m³/h. Für das Lehrschwimm- und Kinderbecken stellt Anlage 2 jeweils 18.850 m³/h Zu- und Abluft bereit. Anlage 3 übernimmt mit 10.750 m³/h die Versorgung von Umkleiden, Duschen, WCs und Eingangsbereich. Auf die Duschen entfallen dabei 6.300 m³/h.
Mehrfachnutzung der Luft
Die Abluft aus den Umkleiden wird durch ein Umluftgerät im Technikkeller erfasst, nacherwärmt und anschließend als Zuluft für Duschen und WC-Räume genutzt. Abgeführt wird die Duschabluft über die auf dem Dach installierte Lüftungsanlage der Umkleiden. Durch diese Mehrfachnutzung der Luft sinkt der Energiebedarf; zugleich konnte die zentrale Lüftungsanlage kleiner dimensioniert werden. Außen- und Fortluft werden direkt an den Geräten auf dem Dach angesaugt beziehungsweise abgeführt. In der Halle des Lehrschwimmbeckens wurden außerdem die Anschlüsse der Fassadenlüftung erneuert.
Innerhalb der Badebereiche richtet sich die Luftleistung nach der Raumfeuchte. Bei geringerem Feuchteanfall reduziert die Regelung entsprechend den Luftvolumenstrom. Abluftfühler erfassen die Raumtemperaturen. Die übrigen Anlagen werden abhängig von Zeitprogramm und Luftfeuchte in Voll- oder Teillast betrieben und außerhalb der Nutzungszeiten abgeschaltet. Auch die Technikräume erhalten Zuluft aus der Umluftanlage der Duschen. Hierfür wird der Luftstrom vor dem Nacherhitzer abgezweigt, sodass keine zusätzliche Erwärmung erfolgt.
Wasseraufbereitung nach DIN 19643
Planung und Ausführung der Schwimmbadtechnik erfolgten nach DIN 19643. Für die Aufbereitung des Beckenwassers kommen Flockung, Mehrschichtfiltration und Chlorung zum Einsatz. Mess-, Anzeige- und Registrierungseinrichtungen überwachen den Redoxwert, den pH-Wert sowie die Konzentrationen des freien und gebundenen Chlors. Chlorzugabe und Chlordosierung laufen vollautomatisch. Als Desinfektionsmittel wird Chlorgas verwendet. Marmortürme und automatisch gesteuerte Dosierpumpen halten den pH-Wert konstant. Die Zugabe des Flockungsmittels übernehmen Dosierpumpen mit fest eingestellter Förderleistung.
Für das Lehrschwimmbecken konnte der vorhandene Drucksandfilter übernommen werden. Die übrigen Becken erhielten neue Niederdruckfilteranlagen. Da das Hallenbad auch als Ausbildungsbetrieb dient, lässt sich die Spülung des Drucksandfilters weiterhin manuell auslösen. Bei den Niederdruckfiltern erfolgt die Filterspülung vollautomatisch über die neue Mess-, Steuerungs- und Regelungstechnik.
Wärmerückgewinnung aus dem Spülwasser
Für die Filterspülung stehen ein Rückspülwasserspeicher und ein Rückspülabwasserspeicher zur Verfügung. Der Rückspülwasserspeicher ist in einen Kreislauf eingebunden, in dem das Wasser gechlort und entwärmt wird. Die dabei entzogene Wärme wird auf das Frischwasser der drei Beckenkreisläufe übertragen. Das anfallende Rückspülabwasser gelangt zunächst in den Rückspülabwasserbehälter. Nach einer Absetzzeit führt eine Pumpe das Wasser kontinuierlich dem Abwasserkanal zu.
Dezentrale Trinkwassererwärmung
Entwässerungsanlage und Trinkwasserverteilung wurden vollständig ersetzt. Die Warmwasserbereitung übernehmen dezentrale Frischwasserstationen nach dem Durchlaufprinzip. Ihre Positionierung im Gebäude orientiert sich an der Lage der jeweiligen Verbraucher. An den Stationen beträgt die Auslauftemperatur mindestens 65 °C. Mit dieser Temperatur wird auch das Trinkwassernetz beaufschlagt, sodass das Zirkulationswasser mit mindestens 55 °C zum Wärmeübertrager zurückkehrt. Auf eine zentrale Vormischung wurde aufgrund der damit verbundenen Verkeimungsgefahr verzichtet. Für eine thermische Desinfektion lässt sich die Anlage auf 75 °C aufheizen.
Gebäudeautomation führt die Anlagen zusammen
Eine neue Mess-, Steuerungs- und Regelungsanlage verknüpft die technische Ausstattung des Hallenbads. Betriebszustände und Anlagendaten können über die Gebäudeleittechnik sowie über Displays an den Schaltschränken überwacht werden. Damit bilden bedarfsgeregelte Lüftung, automatisierte Wasseraufbereitung, dezentrale Trinkwassererwärmung und die Rückgewinnung von Wärme aus dem Spülwasser die technischen Schwerpunkte der Sanierung.
