Deutscher Nachhaltigkeitspreis Architektur für Forschungshäuser „Einfach Bauen“

Projekt gibt wichtigen Impuls für Planungsbranche

Das Projekt „Einfach Bauen“ im bayerischen Bad Aibling wurde mit dem Deutschen Nachhaltigkeitspreis Architektur ausgezeichnet. Die Jury sieht darin einen wichtigen Impulsgeber für die Planungsbranche und die Bauindustrie mit dem Potenzial, eine neue Bauentwicklung auch im Zusammenhang mit der Kreislaufwirtschaft zu starten.

Die drei Forschungshäuser zeichnen sich u.a. durch einen vereinfachten Aufbau aus.
Foto: Sebastian Schels

Die drei Forschungshäuser zeichnen sich u.a. durch einen vereinfachten Aufbau aus.
Foto: Sebastian Schels

Im Rahmen des Projekts „Einfach Bauen“ wurden in Bad Aibling mithilfe der Bausubstanzen Leichtbeton, Massivholz und Mauerwerk drei identische Gebäude gebaut. Diese zeichnen sich durch eine gezielte Reduktion von Baumaterial und einen vereinfachten Aufbau aus – beides wichtige Schlüssel für kürzere Bauzeiten und geringere Baukosten. Ebenso konnte das Recyclingpotenzial durch den Verzicht auf Fremdmaterialien um ein Vielfaches gesteigert werden.

Langzeitprojekt soll wichtige Erkenntnisse liefern

Die jeweils einschichtige, monolithische Wandbauweise dämmt ausreichend, die angestrebte klimatische Trägheit wird über die große thermische Speichermasse erreicht. Um die Heiz- und Lüftungstechnik auf ein Minimum zu reduzieren, wurden sowohl Volumen als auch Anteil der Fensterflächen über mehr als 2.000 überprüfte Varianten optimiert. Darüber hinaus werden Konstruktion, Nutzerverhalten, Behaglichkeit und Raumklima über einen längeren Zeitraum hinweg vergleichend bewertet, dadurch wird das Projekt wissenschaftlich fundierte Erkenntnisse zu Einsparungen in der Gebäudetechnik liefern.

Abgesehen vom Einsatz ressourcenschonender Materialien liegen im Verzicht auf komplizierte Haustechnik und der Entwicklung neuer Konstruktionsweisen wichtige Hebel für eine CO2-neutrale Baubranche. Die Ergebnisse des Langzeitprojektes werden daher im Sinne des Wissenstransfers über eine Website kommuniziert, sodass dieses als Ausgangspunkt für eine neue und nachhaltige Bauentwicklung fungieren kann.

DGNB Präsident Prof. Amandus Samsøe Sattler; Anne Katrin Bohle, Staatssekretärin im Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat; Dr. Ernst Böhm, Gesellschafter der B&O-Gruppe; Tilmann Jarmer, Projektleiter bei Florian Nagler Architekten/TUM; Prof. Thomas Auer, Geschäftsführer bei Transsolar Klimaengineering/TUM
Foto: DGNB

DGNB Präsident Prof. Amandus Samsøe Sattler; Anne Katrin Bohle, Staatssekretärin im Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat; Dr. Ernst Böhm, Gesellschafter der B&O-Gruppe; Tilmann Jarmer, Projektleiter bei Florian Nagler Architekten/TUM; Prof. Thomas Auer, Geschäftsführer bei Transsolar Klimaengineering/TUM
Foto: DGNB

„Die Baubranche muss sich in Richtung Nachhaltigkeit wandeln. Das Projekt ‚Einfach Bauen' gibt hier im Sinne der Suffizienz einen wertvollen Impuls und zeigt auf vorbildliche Weise, wie wir in Zukunft bewusster bauen können“, erklärt DGNB Präsident und Juryvorsitzender Prof. Amandus Samsøe Sattler. „Durch die wissenschaftliche Begleitung und der für die Öffentlichkeit frei verfügbaren Dokumentation leistet das Projekt herausragende Pionierarbeit, die in der Planungs- und Baupraxis Spuren hinterlassen wird.“

Der Deutsche Nachhaltigkeitspreis Architektur wird seit neun Jahren von der DGNB und der Stiftung Deutscher Nachhaltigkeitspreis gemeinsam vergeben. Die Auszeichnung wird zudem unterstützt durch die Bundesarchitektenkammer, den Bund Deutscher Architekten, die Bundesstiftung Baukultur sowie Caparol. Die Preisverleihung fand Anfang Dezember im Rahmen des 14. Deutschen Nachhaltigkeitstages in Düsseldorf statt.

Die Beteiligten am Projekt „Einfach Bauen" im Überblick:

·  Bauherr: B&O Gruppe
·  Architekt: Florian Nagler Architekten
·  Begleitung: Forschungszentrum Einfach Bauen, TU München
·  Tragwerksplanung: merz kley partner
·  Energiekonzept: Transsolar KlimaEngineering
·  Bauphysik: Horstmann + Berger
·  Brandschutz: PHIplan

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