Eindrücke vom 12. dena-Kongress

Zukunftsthema „NeuKlimaLand“

Unter dem Motto „NeuKlimaLand“ fand der 12. dena-Kongress am 8. und 9. Novem­ber 2021 digital an den Bild­schirmen und live vor Ort in Berlin statt.

Rund 1.200 Teilnehmer tauschten sich darüber aus, welchen Beitrag Deutschland leisten kann. Das Motto war passend gewählt, denn es bedarf künftig gewaltiger Anstrengun­gen, um die Energieversorgung Deutschlands umzukrempeln und das Land in eine klimagerechte Zukunft zu führen. Passend war auch das Datum, denn parallel diskutierten Delegierte aus aller Welt auf der Weltklima­konferenz COP26 über die Klima­zukunft des Planeten Erde.

Deutschland als „NeuKlimaLand“

In mehreren Panels wurde der Umbau der Wirtschaft ebenso betrachtet wie die Einbindung der Bevölkerung beim klimagerechten Umbau des Landes, bei dem Wasserstoff neben dem Strom eine tragende Rolle einnehmen soll.

Dass Deutschland erhebliche Anstrengungen unternehmen muss, um beim Umbau der Ener­gie­versor­gung nicht in Rückstand zu geraten, wurde mit der Rede des kolumbianischen Energieministers Diego Mesa deutlich. Kolumbien verfüge, so der Minister, über ein exzellentes Potential zum Ausbau erneuerbarer Energien. Daher werde dort massiv in den Ausbau von Photo­voltaik, Off-Shore-Windanlagen und sogar ein erstes geothermi­sches Projekt investiert. Ziel Kolumbiens ist es, bis 2030 Wasserstoff als Exportgut bereitstellen zu können. Zugleich soll die eigene Energielücke im Land geschlossen werden und 100.000 weitere kolumbianische Haushalte bis 2022 an die elektrische Energieversorgung angeschlossen sein. Ehrgeizige Ziele!

Nun muss die künftige Regierung auch in Deutschland liefern. Ihr muss der Spagat gelingen, den Umbau zu einer CO2-neutralen Wirtschaft voranzubringen, ohne dass Unternehmen gezwungen werden, aus wirtschaftlichen Gründen ihre Produktion ins Ausland zu verlagern. Denn damit wäre nichts gewonnen! Dazu sagte etwa Dr. Martin Brudermüller, BASF, dass in den Ministerien künftig Klimaschutz und Industriepolitik gemeinsam gedacht werden müssten. Denn Wirtschaft, Klima und Energie würden untrennbar zusammengehören. Um hier schneller voran­zukommen, müssten die Schnittstellen bei Entscheidungen verringert werden. Ebenso müss­ten Entscheidungen im europäi­schen Konsens gefällt werden, wie ein weiterer Redner forderte.

Weit schwieriger greifbar war das Panel zum Thema „Klimawende ohne Bürger?“, bei dem deutlich wurde, dass nicht nur beschleunigte Entscheidungen in der Politik notwendig sind, sondern auch die Bürger stärker als bisher miteingebunden werden müssen. Der Sozio­loge Dr. Armin Nassahi, LudwigMaximilians-Universität München, mahnte, dass seit den 1980er Jahren bekannt sei, welche Schritte in Richtung Nachhaltig­keit notwendig seien. Dennoch sei bisher zu wenig passiert. Prof. Dr. Henrik Müller, Lehrstuhl Wirtschaftspolitischer Journalismus am Institut für Journalis­tik, Technische Universität Dort­mund, kritisierte, dass in der öffentlichen Debatte viel zu wenig über den nationalen Tellerrand und damit nach Europa und in die Welt geschaut werde.

Zukunft Wasserstoff?!

In eine ähnliche Richtung ging die Diskussion im Panel zum Thema Wasserstoff. So sagte Dr. Patrick Beaujean, Neuman & Esser Group: „Wir sind in einer ideologischen Diskussion gefangen, während der Markt weltweit einfach vorangeht.“ Während in Deutschland noch über die Farbe des Wasserstoffs (von grau – aus fossilen Brennstoffen – bis grün – aus CO2-freiem Strom) diskutiert werde, gehen andere Staaten mit Pilot­projekten voran, um im Verlauf des Aufbaus einer Wasserstoffinfrastruktur stetig CO2-neutraler zu werden. Auch hier sei es wichtig, über den natio­na­len Tellerrand zu schauen, um eineinhalb Jahre nach Verkündigung der nationalen Wasserstoffstrategie zügiger zur Umsetzung zu gelangen. Es müssten dabei auch die Fehler vermieden werden, die beim Projekt 2014 „Desertec“ zum Scheitern geführt haben, mahnte Prof. Dr. Martin Wietschel, Fraunhofer ISI. Dieses sah vor, Solarstrom aus den Wüsten Nordafrikas nach Europa zu liefern.

Letztlich, so wurde es deutlich, ist die Währung der Energiewende die zur Verfügung stehende Fläche und deren Nutzung. So dürfen Landwirtschaft und Flächen zur regenerativen Stromerzeugung nicht gegeneinander ausgespielt werden. Zudem müssen künftig weitaus mehr Flächen der Natur zurückerstattet werden, um natürliche CO2-Senken zu reaktivieren, wie etwa durch die Renaturierung der Moore. Hier zeichnen sich noch schwierige Diskussionen ab, die zu harten Kompromissen führen könnten.

Die dena-Leitstudie „Aufbruch Klimaneutralität“, die am zweiten Veranstaltungstag vorgestellt wurde, führt 84 zu bewältigende Aufgaben auf. Für den Gebäudesektor lautet die dringlichste, die Sanie­rungs­rate bis 2030 auf 1,9 % pro Jahr zu steigern und dieses Niveau mindestens bis 2045 zu halten. Die Energie- und Klimawende ist, wie der Untertitel der Studie deutlich macht, eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, der sich letztlich keiner entziehen darf.

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