Version 2017 des DGNB-Systems

Nächster Schritt der Nachhaltigkeitszertifizierung

Die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen – DGNB e.V. hat die Version2017 ihres Zertifizierungssystems für Gebäude entwickelt. Diese ist für neun verschiedene Nutzungstypen anwendbar. In einem partizipativen Prozess wird diese in den kommenden Wochen gemeinsam mit DGNB-Mitgliedern, -Auditoren und -Consultants diskutiert, erprobt und weiter optimiert. Die aus der Kommentierungsphase resultierende Marktversion soll Ende 2017 fertiggestellt sein. Zu den größeren Änderungen zählen die Möglichkeit zur Übererfüllung von Kriterien mit direktem Bezug zur Circular Economy und zum Klimaschutz sowie die stärkere Gewichtung von Themen, die den Beitrag eines Gebäudes im städtebaulichen Kontext beleuchten.

Version 2017 des Zertifizierungssystems ist das Ergebnis einer intensiven Auseinandersetzung der DGNB mit den Erfahrungen der letzten Jahre sowie den Marktentwicklungen und -anforderungen rund um das Thema Nachhaltigkeit und der entsprechenden Zertifizierungen. Das System soll gleichsam als Motivation und Planungstool dienen, um nachweislich bessere Gebäude zu bauen und zu betreiben.

So hat die DGNB beispielsweise für einen bewussteren Umgang mit Ressourcen und zur Förderung von Materialkreisläufen für eine spätere Wieder- oder Weiterverwendung sogenannte Circular-Economy-Boni bei einer Vielzahl von Kriterien eingeführt. Diese wirken sich positiv auf das Zertifizierungsergebnis aus. Ähnliches gibt es zum Thema Klimaschutz mit den Agenda-2030-Boni für Projekte, die in besonderem Maße zur Umsetzung der Sustainable Development Goals (SDGs) der Vereinten Nationen beitragen. Um den Zusammenhang einer nachhaltigen Bauweise mit den SDGs herauszuarbeiten und transparent zu machen, wurden darüber hinaus sämtliche Kriterien auf deren Verlinkung zu den Zielen überprüft. Künftig erhält jedes Projekt, das eine DGNB-Zertifizierung erfolgreich abschließt, eine Aussage darüber, inwieweit es einen Beitrag zur Erreichung der SDGs geleistet hat.

Innovationsräume
Mit den Innovationsräumen hat die DGNB ein neues Instrument in die Kriterien integriert, das Planer motivieren soll, die bestmöglichen und für das Projekt sinnvollsten Lösungen zu verfolgen. Dies soll auch eine Planungskultur unterstützen, die auf einer aktiven Auseinandersetzung mit den Anforderungen der spezifischen Bauaufgabe fußt und zu einer Individualisierung von Projekten beiträgt. Stärker adressiert werden Themen, die den Beitrag eines Gebäudes im städtebaulichen Kontext betrachten. So wurden die vier Kriterien der Standortqualität nicht nur überarbeitet. In der Kommentierungsversion ist ebenfalls vorgesehen, dass diese ab sofort unmittelbar in das Zertifizierungsergebnis einfließen.

Kriterienkatalog
Neu hinzugekommen sind die Kriterien Nutzerkommunikation, FM-gerechte Planung sowie Biodiversität, die es bislang nur in der Quartierszertifizierung gab. Zahlreiche weitere Kriterien wurden methodisch überarbeitet und weiterentwickelt. Hierzu zählt beispielsweise die Ökobilanz, die aus bislang zwei separaten Kriterien zum Ressourcenverbrauch und den emissionsbedingten Umweltwirkungen in ein gemeinsames überführt wurde. Auch bei den Kriterien „Verantwortungsbewusste Ressourcengewinnung“, „Gebäudebezogene Kosten im Lebenszyklus“ und „Einsatz und Integration von Gebäudetechnik“ gibt es grundlegende Anpassungen.

Die vorgestellte Version des Kriterienkatalogs ist die Grundlage für eine umfassende Kommentierungsphase, die die DGNB bis Ende August 2017 durchläuft. An dieser können sich sämtliche DGNB-Auditoren und -Consultants sowie alle rund 1.200 Mitgliedsorganisationen des Vereins beteiligen. Im Zuge der Kommentierung gibt es u.a. zwei Feedback-Workshops in Stuttgart und Berlin. Bis Jahresende sollen die Anmerkungen bearbeitet und umgesetzt werden. Gleichzeitig wird das neue System an ersten Projekten erprobt.

Ein System für neun Gebäudenutzungen
Anwendbar sein wird Version 2017 zunächst für neun unterschiedliche Nutzungsprofile. So wird in der Marktversion in jedem der 37 Kriterien der jeweilige Gewichtungsfaktor für eine spezifische Gebäudenutzungsart aufgeführt. Kriterien, die für eine Nutzung nicht relevant sind, entfallen.

Klare Positionierung
Version 2017 des DGNB-Systems darf auch als klares Zeichen der Non-Profit-Organisation in der aktuellen Diskussion rund um Nachhaltigkeit und Klimaschutz verstanden werden. Vor dem Hintergrund der globalen Herausforderungen wie dem Klimawandel werden die Ernsthaftigkeit im Umgang mit den Themen der Nachhaltigkeit und insbesondere deren praktische Umsetzung an Wichtigkeit weiter zunehmen. Daher distanziert sich die DGNB mit der neuen Version der Nachhaltigkeitszertifizierung mehr denn je von den Anbietern von Green-Building-Ratingsystemen, die nicht auf den Prinzipien der Ganzheitlichkeit, Lebenszyklus- und Performanceorientierung beruhen.

Thematisch passende Artikel:

Ausgabe 2018-10 Spezifische Nutzungsprofile

DGNB flexibilisiert Zertifizierung

Um den spezifischen Eigenschaften einer bestimmten Gebäude­nutzung gerecht zu werden, gibt es bei der Zertifizierung der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) sogenannte...

mehr

DGNB-Zertifizierung

Förderfähig durch die KfW

Bereits zum 1. April 2016 wurde das Förderprodukt durch die KfW umfassend überarbeitet. So ist über die Bestandssanierung hinaus nun auch der Neubau förderfähig. Zudem werden neben Maßnahmen zur...

mehr
Ausgabe 2013-7-8 Schneller zur DGNB-Zertifizierung

Digitale Unterstützung durch Systemsoftware

Der Ablauf zur Zertifizierung von Gebäuden nach DGNB wird zu­künftig einfacher. Mit einer Systemsoftware stellt die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) ein Instrument bereit, mit...

mehr

DGNB-Vorzertifikat für Wohnimmobilien

Die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen DGNB hat auf der Gewerbeimmobilien­messe Expo Real in München erstmals ein Vorzertifikat in Gold für ein Wohngebäude verliehen: Das Haus B1 der...

mehr
Ausgabe 2011-04

Zertifizierung von Masterplänen

Viele Immobilien wie etwa Verbrauchermärkte werden baugleich an verschiedenen Standorten errichtet. Gleiches gilt für große Wohngebäude, Hotels und Fertighäuser. Aufgrund des starken Interesses...

mehr