Center Parcs Resort im Sauerland. Um seine Nachhaltigkeitsmaßnahmen weiter auszubauen, hat der Park ein Energiecontrollingsystem installiert.
Bild: Center Parcs Europe
In Deutschland betreibt Center Parcs Europe, Tochtergesellschaft der Groupe Pierre & Vacances Center Parcs - Europas größtem Anbieter von Ferienwohnungen, sechs große Ferienparks mit Ferienhäusern, tropischen Wasserwelten und zahlreichen weiteren Attraktionen für einen erholsamen Urlaub in Verbindung mit der Natur. Dabei verfolgt Center Parcs Europe einen strikten Nachhaltigkeitsplan. Durch die „Human Nature-Verpflichtungen“ übersetzt Center Parcs seine Ambitionen in konkrete Ziele für Energie, Wasser, Abfall, Biodiversität, Gästebewusstsein und verantwortungsbewusste Betriebe.
Konkret sollen im Vergleich zu 2019 der Energieverbrauch der Parks um 15 % und der Wasserverbrauch um 16 % reduziert werden. Zudem sollen 100 % der Standorte mit ökologischem Strom versorgt, nach einem ökologischen Managementplan geführt und nach Green Key, ISO 14001 und ISO 50001 zertifiziert werden. Mit ISO 50001 werden energetische Prozesse bzw. Standards definiert, um den Verbrauch wertvoller Ressourcen zu minimieren. Green Key ist die wichtigste Zertifizierung für nachhaltigen Tourismus mit über 100 Kriterien wie die Einsparung von Gas, Wasser und Strom.
Zählerschrank mit 30 Zählern für die Messung der Abgänge der Niederspannungshauptverteilung (NSHV): Hier werden die einzelnen Stromabgänge an alle Unterverteiler und Hauptverbraucher des Parks erfasst.
Bild: ICM Technologies
Um diese Ziele im täglichen Betrieb umsetzbar zu machen, sind zuverlässige Daten unerlässlich. Das mehrjährige Programm zur Energieüberwachung und Digitalisierung bei Center Parcs ist daher eine wichtige Grundlage für die Energiewende. Daher hat Center Parcs Europe das Unternehmen ICM Technologies GmbH aus Hamburg mit dem Aufbau eines Energie-Controllingsystems im Park Hochsauerland beauftragt. Das Projekt ist ein Beispiel dafür, wie Nachhaltigkeitsziele auf Parkebene praktisch, messbar und operabel werden.
Regulatorische Vorgaben zur Energieeffizienz und Digitalisierung
Die Digitalisierungspflicht und Erhöhung der Energieeffizienz regelt auf europäischer Ebene die überarbeitete EU-Gebäuderichtlinie (EPBD) in Artikel 1 Absatz 1. Sie legt das Hauptziel fest, die Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden in der Union zu verbessern und die Treibhausgasemissionen zu verringern. In Deutschland sieht § 56 des Gebäudemodernisierungsgesetzes (GModG) die Pflicht zur Gebäudeautomation und -steuerung für Nichtwohngebäude mit einer Nennleistung der Heizungs- oder Klimaanlage von mehr als 70 kW vor. Zudem nennt das ESG (Environmental, Social, Governance) zahlreiche energetische Anforderungen. Hinsichtlich des ESG besteht die Ambition von Center Parcs Europe darin, direkt und indirekt verursachte CO2-Emissionen der Kategorien 1 und 2 bis zum Jahr 2030 zu halbieren und den Übergang zu erneuerbaren Energien zu beschleunigen, indem die Parks grüne Energie selbst erzeugen und die Energieeffizienz erhöhen.
Digitale Erfassung der Energieströme
Das zentrale Gateway bzw. der Datenlogger mit der Doppelfunktion: Hier laufen alle Energiedaten zusammen und werden zwischengespeichert. Gleichzeitig dient es als Gateway zur übergeordneten Datenbank und Visualisierung.
Bild: ICM Technologies
Bislang war der Energie- und Versorgungsverbrauch in vielen Parks insbesondere auf Gesamtstandortebene sichtbar. Das liefert ein nützliches Gesamtbild, aber nicht genug Details, um zu verstehen, welche Gebäude, Einrichtungen oder technische Anlagen für bestimmte Verbrauchsmuster verantwortlich sind. Das Energiecontrolling im Park Hochsauerland schließt diese Lücke durch die Installation und Integration einer detaillierten Untermessungsstruktur für Strom, Gas, Wasser und Wärme. Hiermit wird transparent, wo Ressourcen eingesetzt werden, wo Abweichungen auftreten und wo technische oder betriebliche Verbesserungen die größte Wirkung haben.
Das ICM-Team hat die komplexen Anforderungen an die Messtechnik und Datenintegration durch ein modulares Messstellenkonzept gelöst. Das Projekt umfasst die gesamte Wertschöpfungskette vom Engineering über die Hardware-Lieferung bis zur schlüsselfertigen Montage und Inbetriebnahme der Feldgeräte und Datenlogger. Das implementierte System realisiert ein präzises Primär- und Submetering der Hauptenergieträger sowie der thermischen und elektrischen Großverbraucher (Gas, Wasser, Strom). Über eine automatisierte Zählerfernauslesung und kontinuierliches Anlagenmonitoring werden alle relevanten Medienströme digital abgebildet. Dieser digitale Zwilling der Versorgungsstruktur liefert die notwendige Datenbasis für valide Lastganganalysen und bildet das technische Fundament für die energetische Optimierung des Ferienparks.
Modulares Energiecontrolling
An dieser Stelle haben die Experten von ICM das Altgerät gegen einen neuen Großwasserzähler ausgetauscht.
Bild: ICM Technologies
Zur Implementierung des Energiecontrollings im Park Hochsauerland sind die Experten von ICM schrittweise vorgegangen:
1. Planung: Bestandsanalyse, Systemdesign, Konzeptionierung. Die Analyse des Zählerbestandes bildet die Basis für die Anforderung zur Neuausrüstung mit Messgeräten und Datenkommunikation. Zunächst haben die Experten im Park Hochsauerland die Bestandsanalyse der vorhandenen Zähler- und Systemtechnik über das digitale ICM-Messstellen-Management-Tool vorgenommen. Hierbei wurde die Struktur der Energieverteilung, Medien und Zähler erfasst und über eine softwaregestützte Zählerstammdatenbank die Topologie und der Standortplan der Zähler sowie Messstellenskizzen und genaue Fotodokumentationen erstellt. Dabei besteht die Herausforderung vor allem darin, zu selektieren, wo aus regulatorischer, wirtschaftlicher und energetischer Sicht die Installation einer Messstelle sinnvoll und notwendig ist. Anhand dieser Daten haben die Ingenieure von ICM das Messkonzept zur automatisierten Zählerdatenerfassung für das Energiecontrolling erstellt. Hierzu gehört auch die technische Ausgestaltung der Messkonzepte, sprich die Erstellung von Montageplänen für Messtellen oder Messstrecken, die neu installiert oder bestehende, die umgebaut werden müssen.
Installation der Aufrüstung und BUS-Anbindung, hier z. B. bei einer Umwälzpumpe (Typ „Magna3“ von Grundfos) für das Auslesen von Durchfluss, Temperatur und Wärmeleistung (aufgenommen während der Installation, daher ohne Abdeckung).
Bild: ICM Technologies
2. Lieferung: Mess- und Systemtechnik. ICM lieferte anschließend die konzeptionierten Zähler samt Zubehör in den Park. Dabei wurden die Hardwarekomponenten und Messstrecken fertig vorkonfektioniert und die Zählerschränke anschlussfertig ausgeliefert. ICM bediente die Feld- wie auch die Automationsebene mit Hardwarekomponenten. Auf der Feldebene wurden 51 Elektrozähler, 12 Warm- bzw. Kaltwasserzähler, 14 Wärmezähler sowie sieben Gaszähler geliefert und installiert. Für die Automationsebene waren ein Master Gateway M-Bus / Netzwerk sowie neun Sub-Gateways M-Bus / Netzwerk erforderlich. Das Master Gateway ist ein Datenlogger mit einer Doppelfunktion: Zum einen sammelt dieser Zählerdaten über M-Bus ein sowie über das Netzwerk die Zählerdaten der neun Sub-Gateways. Des Weiteren loggt er alle eigehenden Daten im Speicher, der als Sicherheitspuffer mit rund drei Monaten Speicherdauer dient. Zum anderen fungiert er als Gateway: Über das Netzwerk und eine sogenannte REST-API stellt das Gateway diese geloggten Daten dem Data-Lake von Center Parcs zur Verfügung.
3. Projektabwicklung: Montage, Installation und Inbetriebnahme. Gemeinsam mit den zuständigen Gewerken wie Elektrotechnikern, Rohrleitungsbauern etc. haben die ICM-Experten anschließend das Zählersystem mit rund 100 Messpunkten installiert. Dabei erhielt das Montagepersonal direkt an den Messstellen alle relevanten Vorgaben und Installationshinweise zur Inbetriebnahme, was eine Standardisierung der Prozesse impliziert und damit die Qualität der Installation sicherstellt. Messstellen können dabei nach gesetzlichen, technischen und wirtschaftlichen Aspekten priorisiert werden, was eine gezielte Umsetzung von Energieeffizienz-, Monitoring- und Nachhaltigkeitsanforderungen ermöglicht. Bei Center Parcs lag die Priorisierung bei den wirtschaftlichen Aspekten.Da die Ferienparks von Center Parcs Europe eine zentrale Energiecontrollingsoftware nutzen und das Daten-Mapping die Zentrale selbst organisiert, liefert ICM bei diesem Projekt die Daten bis zum Data Lake, in dem Center Parcs seine Energiedaten sammelt, analysiert und über eine Cloud-Anwendung visualisiert.
Fazit
Das Energiecontrolling liefert Messdaten, die in Steuerungsinformationen umgewandelt werden. Durch die Verbindung von Messdaten mit dem Gebäudemanagementsystem, dem Energiemanagementsystem und der breiteren Dateninfrastruktur schafft sich Center Parcs ein digitales Rückgrat für Analyse, Benchmarking, Anomalieerkennung und gezielte Verbesserungsmaßnahmen. Das unterstützt mehr als nur technische Optimierung. So wird Nachhaltigkeit ganzheitlich strukturell gemanagt, im Einklang mit den Prinzipien von ISO 50001, ISO 14001 und Green Key.
Energieüberwachung schafft zudem die Möglichkeit für kontinuierliche Verbesserung. Messen ist die Basis für strukturelles Reduzieren. Durch transparente Konsumprofile kann Center Parcs Verluste früher erkennen, Investitionen objektiver priorisieren und nachweisen, ob umgesetzte Maßnahmen tatsächlich Ergebnisse bringen. Der Freizeitpark im Hochsauerland ist daher nicht nur ein lokales Transformationsprojekt, sondern auch ein Referenzmodell für das gesamte europäische Portfolio. Das Messkonzept, der Integrationsansatz und die daraus gewonnenen Erkenntnisse können in anderen Parks wiederverwendet werden, um eine konsistentere und besser skalierbare Steuerung der Energieeffizienz in den Center Parcs zu schaffen.
In diesem Sinne ist Energieüberwachung der praktische Treiber der Nachhaltigkeit. Sie verbindet die selbst gesetzten Ziele mit regulatorischen Verpflichtungen und der täglichen technischen Realität der Parks. Indem Center Parcs den Konsum sichtbar und umsetzbar macht, legt es die Grundlage für smarte Entscheidungen, einen geringeren Ressourcenverbrauch und eine energetische Transformation. Das Energiecontrollingsystem von ICM leistet damit einen entscheidenden Beitrag für das Erreichen der Nachhaltigkeitsziele von Center Parcs Europe.
tab fragt nach
Christoph Knaup, ICM Technologies
Bild: ICM Technologies
Christoph Knaup ist Experte für Energiecontrolling und die Installation digitaler Messsysteme bei ICM Technologies GmbH in Hamburg. Der Gebäude- und Energietechnikingenieur hat das Projekt Center Parcs Park Hochsauerland übergeordnet geleitet. ICM Technologies ist seit 1981 spezialisierter Lieferant und Dienstleister für Energie- und Durchflussmesstechnik. Das Portfolio des Unternehmens erstreckt sich von der Analyse des Zählerbestands und der Erstellung von Messkonzepten über die Lieferung, Montage und Inbetriebnahme bis hin zur Aufschaltung auf den Datenlogger. Die tab hat nach weiteren Projekten und den Erkenntnissen dazu nachgefragt.
tab: Herr Knaup, gibt es Folgeprojekte bei Center Parcs und wenn ja, was sind dazu die zentralen Erkenntnisse zur Optimierung?
Christoph Knaup: Ja. Wir haben kürzlich gleichermaßen im Center Parcs Park Bostalsee im Saarland das 14 Jahre alte Zählersystem umfassend modernisiert. Eine Besonderheit dieses Projekts ist der verstärkte Einsatz sogenannter Clamp-On-Messtechnik. Dabei werden die Messgeräte von außen auf der Rohrleitung angebracht und erfassen den Durchfluss mittels Ultraschalls. Der wesentliche Vorteil liegt darin, dass für die Installation nicht in die bestehende Hydraulik eingegriffen werden muss.
Diese Lösung basiert auf den Erfahrungen im Center Parcs Park Hochsauerland. Dort wurden noch Inline-Wärmemengenzähler in Rohrleitungen der Nennweite DN 125 installiert mit erheblichen Eingriffen in das bestehende Rohrnetz. Zudem schlossen vorhandene Absperrarmaturen im Bestand nicht mehr vollständig. Infolge mussten Netzabschnitte in der Nacht entleert werden, um die Installationen durchführen zu können. Daher wägen wir heute gemeinsam mit dem Kunden sehr genau ab, ob für die jeweilige Messstelle ein Inline-Zähler oder eine Clamp-On-Lösung die technisch und wirtschaftlich sinnvollere Variante ist. Besonders im Bestand kann Clamp-On-Messtechnik den Installationsaufwand und die betrieblichen Beeinträchtigungen deutlich reduzieren. In Verbindung mit zusätzlichen Temperaturfühlern und einem entsprechenden Rechenwerk kann ein Clamp-On-System als vollwertiger Wärme- oder Kältemengenzähler eingesetzt werden. Die Geräte werden vorkonfiguriert geliefert und lassen sich vergleichsweise schnell in Betrieb nehmen, da aufwendige Rohrleitungsarbeiten entfallen. Über gängige Kommunikationsschnittstellen wie M-Bus können die Messwerte anschließend in übergeordnete Energiecontrolling- und Energiemanagementsysteme integriert werden. Damit stehen sie unmittelbar für Monitoring, Analyse und weitere Optimierungsmaßnahmen zur Verfügung.
Die zentrale Erkenntnis ist für uns: Gerade bei Bestandsanlagen sollte man die Wahl der Messtechnik nicht isoliert betrachten. Entscheidend ist eine frühzeitige Bewertung der Einbausituation, der betrieblichen Auswirkungen und der späteren Datenintegration, um technisch robuste und zugleich wirtschaftliche Lösungen zu schaffen.
tab: Wie komplex ist das Installieren eines Monitoringsystems?
Christoph Knaup: Der Installation geht eine umfangreiche Planungsphase voraus, die maßgeblich für den späteren Projekterfolg ist. Dafür sind wir teilweise mehrere Tage vor Ort, begehen sämtliche bestehenden und geplanten Messstellen und erfassen die relevanten Gegebenheiten vollständig in einer digitalen Dokumentation. Auf dieser Basis entwickeln wir eine durchgängige Systemkonzeption, die mit dem Kunden abgestimmt und wirtschaftlich bewertet wird. Anschließend spezifizieren wir die einzusetzenden Messgeräte sowie erforderlichen Kommunikations- und Übertragungsstrecken. Gerade in Bestandsgebäuden und bestehenden technischen Infrastrukturen ist dies oft eine besondere Herausforderung. Die umfassende Dokumentation bildet zugleich die Grundlage für die konkrete Montageplanung, die Installation der Geräte und die anschließende Datenaufschaltung. Entscheidend dabei ist ein klar strukturierter Prozess, nur so lassen sich Schnittstellenprobleme vermeiden und eine technisch wie wirtschaftlich belastbare Gesamtlösung sicherstellen. Abseits von den technischen Aspekten der Messtechnikinstallation hilft uns die digitale Baudokumentation über ein Software-Tool, einen möglichst reibungslosen und transparenten Bauablauf sowie die Dokumentation mit Bildern und Checklisten zu gewährleisten. Alle Projektbeteiligten, vom Hauptprojektleiter bis zu den Monteuren, haben darüber stets die offenen Aufgaben und abgeschlossenen Leistungen im Blick.
tab: Welche Herausforderungen bestehen bei der Datenübergabe im Bereich des Energiecontrollings?
Christoph Knaup: Hier erleben wir in vielen Projekten immer wieder die unterschiedlichsten Komplikationen. Häufig entstehen an diesen Stellen Übergabepunkte zwischen verschiedenen Anbietern und damit eine komplexe Schnittstellenthematik. Nur wenige Unternehmen bieten die gesamte Kette als durchgängige und konsistente Lösung an.
Wichtig ist, die technischen Schnittstellen frühzeitig eindeutig zu definieren und anschließend auch praktisch zu testen, um einen verlässlichen und durchgängigen Datenfluss von der Ebene der Zähler und Gateways bis hin zur übergeordneten Energiecontrolling-Software oder Datenvisualisierung sicher zu stellen. Voraussetzung dafür ist eine konsistente Dokumentation sämtlicher Datenpunkte. Nur so kann dafür gesorgt werden, dass ein am Zähler oder Display erfasster Wert am Ende der gesamten Datenkette in der Visualisierung korrekt, nachvollziehbar und validiert dargestellt wird. Wir bei ICM haben uns darauf spezialisiert, diese komplexen Prozess- und Datenkette in unterschiedlichsten Kunden-, System- und Dienstleisterkonstellationen zuverlässig darzustellen.
