VDS-Mitgliederversammlung blickt auf 2012

Krisenstimmung bleibt ausgesperrt

Während sich hinter 2011 bereits ein von Zufriedenheit geprägter Haken machen lässt, hat der Blick auf 2012 derzeit mit einem akuten Weitsicht-Problem zu kämpfen. Die in ihren konkreten Auswirkungen noch völlig unklaren Turbulenzen an den Finanzmärkten sorgen jedenfalls für starke Unsicherheit. Trotzdem dürfte der Badkonjunktur kein Einbruch drohen, wie u. a. neue Studien signalisieren. So lautete der Tenor zur aktuellen und künftigen Geschäftsentwicklung im In- und Ausland, auf den sich die Mitgliederversammlung der Vereinigung Deutsche Sanitärwirtschaft (VDS) Mitte November 2011 verständigte. Überhaupt waren sich die Repräsentanten der drei Vertriebsstufen in praktisch allen Tagesordnungspunkten „sehr einig“, meldet die Dachorganisation. Ihre Arbeit konzentriert sich im kommenden Jahr danach z. B. auf fünf Themen- und Handlungsfelder. Damit verbunden sei ein „durchaus ehrgeiziges“ Aktivitätenpensum.

 

Auf Basis der im hessischen Eltville präsentierten jüngsten ifo-Schätzungen klettert der Umsatz der Sanitärwirtschaft 2011 um nominal 3,5 % auf 17,8 Mrd. € (2010: 17,2 Mrd. €). Während im Inland ein Plus von knapp 3 % auf 14,4 Mrd. € (nach 14,0 Mrd. €) zu erwarten sei, sollen die Verkaufserlöse im Ausland um etwa 6 % auf 3,4 Mrd. € (nach 3,2 Mrd. €) steigen. Insgesamt bleibe damit der Aufwärtstrend nach der schon im Vorjahr kräftigen Belebung stabil. Und: Treffe die Prognose des Münchener Institutes zu, könne die Branche 2012 mit einem weiteren Wachstum von ca.   3 % auf dann 18,3 Mrd. € rechnen. Eine Krisenstimmung breite sich daher (noch) nicht aus.

Brisante Entwicklung

 

Vertreter von Industrie, Fachgroßhandel und Fachhandwerk wiesen jedoch in der Diskussion auf die eingeschränkte Aussagefähigkeit der nominalen Bilanz hin. Bei realer und damit preisbereinigter Betrachtung fielen die Wachstumsraten erheblich geringer aus. Zum Teil werde aus dem Plus dann sogar ein Minus. Es sei deshalb davor zu warnen, die Zahlen falsch zu interpretieren.

 

Nach Auffassung von Andreas Dornbracht muss der dreistufige Vertriebsweg überzeugende konzeptionelle und strategische Antworten darauf finden, dass sich die „Spielregeln am Markt sukzessive verändern“. Wie der VDS-Vorsitzende in seinem Statement am Ende der laufenden dreijährigen Amtsperiode des von der Mitgliederversammlung später einstimmig wiedergewählten Vorstandes erklärte, stellt gerade die zunehmende Brisanz des Themas „Internetshops“ die Branche vor ihre bisher vielleicht größte Herausforderung. Das gelte weniger für die tatsächlichen Gefahren des Internets als Verkaufskanal, sondern primär für seine Bedeutung als Informationsschiene speziell im Sektor „Preisbildung“. Nachdem man mit Baumärkten inzwischen in einer „halbwegs friedlichen Koexistenz“ lebe, schaffe der Wettbewerb mit aggressiven Online-Anbietern neue Dimensionen.

 

Im Rahmen des Wandels vom Verkäufer- zum Käufermarkt gehe es um die entscheidende Frage, ob die Verbraucher noch bereit seien, das von der Branche gebotene Mehr an Leistungen, Service und Qualität zu honorieren. Das prinzipielle „Ja“ knüpfte Dornbracht aber an die Bedingung, von Defensive auf Offensive umzuschalten. Dazu genüge es nicht, sich um ein besseres Google-Ranking zu bemühen. Nötig seien außerdem eine umfassende virtuelle Mehrwert-Präsentation und eine nachhaltige Badspezialisten-Profilierung des Fachhandwerks. Eine für 2012 geplante eigene Veranstaltung soll sich mit konkreten Lösungsansätzen beschäftigen, erfuhren die Anwesenden.

 

Als einen Qualifizierungs-Meilenstein für die Branche bezeichnete Andreas Dornbracht den in Kürze erfolgenden Praxisstart der „Bad-Akademie“. Es sei gelungen, den nach einer langen Diskussions- und Planungsphase zuletzt „engen Umsetzungszeitplan“ einzuhalten. Nach Erarbeitung und Organisation der Lehrpläne bzw. -veranstaltungen feiere die produktneutrale und vertriebsstufenübergreifende Weiterbildungseinrichtung mit dem bereits ausgebuchten „Piloten“ im Februar 2012 ihre Premiere. Ihr primäres Ziel lasse sich gerade als Antwort auf die erheblich verschärfte Wettbewerbssituation in einem Kernsatz zusammenfassen: „Die Profi-Schiene bietet dem Kunden mit dem besten Personal den besten Weg zum besten Bad.“

 

Differenziertes Quintett

 

Abschließend ging Andreas Dornbracht auf weitere Themen ein. So bleibe der „Demografische Wandel“ ein wichtiger Bereich u. a. für den eingeleiteten Dialog mit Ministerien und Politikern. Grundsätzlich solle an der Struktur der VDS als „Verband der Verbände“ nichts geändert werden. Ungeachtet dessen seien einzelne Projektkooperationen mit interessierten Organisationen und Firmen im Prinzip möglich. Trotz der vielfältigen Aktivitäten könne der Dachverband mit seinen finanziell und personell begrenzten Ressourcen „nicht alle Wünsche erfüllen“.

 

2012 stünden fünf konkrete Aufgaben- und Arbeitsfelder im Mittelpunkt. Laut Andreas Dornbracht sind das im Einzelnen:

- der erfolgreiche Start und die Positionierung der „Bad-Akademie“ (www.bad-akademie.de ),

- die deutliche Verbesserung des Branchen-Stellenwertes im Allgemeinen und die „Rückgewinnung“ der Hoheit in der Online-Kommunikation im Besonderen,

- die Preiskommunikation und ein gesteigertes Preisverständnis beim Verbraucher für das „Bad vom Profi“,

- die öffentliche Forcierung der gesundheitsfördernden Badaspekte,

- die aktive Weiterentwicklung der „ISH“ und der „Erlebniswelt Bad“ unter Wahrung des Charakters als Verbundmesse von Sanitär und Heizung.


Neues Fundament

Geschäftsführer Jens J. Wischmann informierte u. a. über aktuelle Marktforschungs-Resultate. In Summe dokumentieren sie nach seiner Meinung „günstige Rahmenbedingungen“ für die Branche. Sie seien per saldo eine Einladung zum ebenso konsequenten wie intelligenten „Ran an den Verbraucher“.

 Das bestätige etwa eine erste Analyse der im Herbst 2011 von der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) im VDS-Auftrag erhobenen Basisstudie „Das Bad in Deutschland“. Die letzte vergleichbare Untersuchung stamme aus 2006. Obwohl die Detailauswertung der für 36,5 Mio. deutsche Privathaushalte repräsentativen Befragung noch nicht abgeschlossen sei, ließen sich schon allgemeine Tendenzen erkennen. Dazu gehören laut Wischmann:

Die durchschnittliche Badgröße ist mit 7,8 m2 unverändert.

Bei den grundsätzlichen Badeinstellungen rangieren „uneingeschränkte Nutzbarkeit im Alter“ (81 %), „muss mich ganz und gar wohlfühlen“ (76 %) und „Ordnung durch Stauraum besonders wichtig“ (68 %) auf den Top-Plätzen. Die Bad-Zufriedenheit nahm im Vergleich zu 2006 insgesamt zu. Als wichtigsten „Frust-Faktor“ ermittelte die Studie das veraltete, renovierungsbedürftige Bad (57 %). Das „Wunsch“-Bad der Bundesbürger ist „pflegeleicht“ (96 %), „zweckmäßig funktional“ (90 %) und „altersgerecht“ (88 %).

Die aus Verbrauchersicht relevantesten Kriterien bei Informationssuche, Planung und Anschaffung sind „volle Berücksichtigung persönlicher Wünsche“ (69 %), Information und Beratung vom Fachhandwerker (66 %) und „verbindlicher Festpreis“ (60 %).

Die Sondererhebung zum Thema „Altersgerechte Bäder“ belege eindeutig das (reale) „Mega-Markt-Potenzial“ dieses Segmentes für die Branche. Die Profi-Schiene halte hier alle Trümpfe in der Hand. So spiele der Sanitär-Fachbetrieb bei der Informationssuche mit  74 % in einer „eigenen Kompetenzliga“. Weit abgeschlagen folgen „Beiträge in Zeitungen und Zeitschriften“ (34 %) und Architekten (28 %). Noch erheblich geringere Werte weise die Untersuchung für das Internet (20 %) und Baumärkte (13 %) aus.


Zwischen Kontinuität und Abschied

Die nächste VDS-Mitgliederversammlung findet am 6. November 2012 im Raum Köln statt. Im Plenum fehlen wird dann Franz Kook. Grund genug, den Ende 2011 aus Altersgründen ausscheidenden Duravit-Chef in Eltville offiziell zu verabschieden. Andreas Dornbracht würdigte die Branchenverdienste von Franz Kook, der von 1996 bis 2002 VDS-Vorsitzender war. Er habe maßgeblich zur Neupositionierung und Eigenständigkeit der Dachorganisation beigetragen. Mit seinem Namen sei z. B. das Beschreiten neuer Wege in der Öffentlichkeitsarbeit untrennbar verbunden. Dazu gehörten, betonte Andreas Dornbracht, die Verpflichtung der „Badbotschafterin“ Sandra Völker, die mediale Öffnung der „ISH“ in Richtung Endverbraucher und der „Tag des Bades“. Und: „Franz Kook verstand es immer, die manchmal divergierenden Interessen der Vertriebsstufen charmant und zielgerichtet zusammenzufassen und die Branche auf ihr gemeinsames Anliegen einzuschwören.“ Den Dank dafür gab es in Form eines persönlichen Geschenkes – anhaltenden Applaus natürlich inklusive.

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