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BTGA | Leitartikel | 18.09.2018

Kommentar

Alte Technik im neuen Kleid

  • Dipl.-Ing. (FH) Clemens Schickel, Technischer Referent des BTGA

  • Besichtigung der Absorptionskälte-anlage Typ „Hummel“ im Hannover Congress Centrum Foto: ja / BTGA e.V.

  • Absorptionskälteanlagen „Biene“ und „Hummel“ in der TU Berlin Foto: Schickel / BTGA e.V.

Es ist zwar trivial, trotzdem muss immer wieder darauf hingewiesen werden: Gebäude werden nicht für das Energiesparen, sondern für den Aufenthalt von Menschen geplant, errichtet und betrieben. Die Anforderungen der Nutzer an das Innenraumklima müssen an erster Stelle stehen. Dass dann die dazu erforderlichen Raumklimaparameter in einer möglichst energieeffizienten und die Umwelt wenig belastenden Art und Weise bereitgestellt werden, sollte sich von selbst verstehen.

Selbstverständlich ist die Erforschung und Entwicklung neuer, innovativer Technologien zum Konditionieren von Gebäuden unerlässlich. Jedoch bedarf es nicht immer gänzlich neuer Technologien, um den Nutzen der eingesetzten Energie zu steigern. Manch eine bewährte Technik kann zu erfreulich positiven Ergebnissen führen – wenn man sie neu denkt. Durch technische Weiterentwicklung und Erschließung neuer Aufgabenfelder werden so aus „alten Hüten“ zukunftsfähige Systeme entwickelt.

 

Kälte durch Wärme

Ein Beispiel dafür ist der Einsatz von Absorptionsanlagen für die Erzeugung von Wärme und Kälte zum Klimatisieren von Gebäuden. Gerade wurde ein Forschungsprojekt der TU Berlin zu diesem Thema erfolgreich beendet, in das der BTGA aktiv eingebunden war. In einem so genannten Feldtest wurden die zunächst technologisch optimierten Absorptionskältemaschinen „Biene“ und „Hummel“ in 15 real genutzten Anlagen eingesetzt. Damit konnte nachgewiesen werden, dass sowohl in bestehenden Gebäuden als auch bei neu errichteten Anlagen an viele Stellen Effizienzgewinne realisiert wurden. Die Absorptionsanlagen konnten aufgrund der kompakten Bauweise gut in bestehende Zentralen integriert werden und erwiesen sich im Dauerbetrieb als sehr zuverlässig.

Gerade die innovativen Regelkonzepte, bei denen nicht nur die Kaltwassertemperatur, sondern auch die Rücklauftemperatur des Austreibers als wesentliche Regelgröße angesetzt wurde, haben sich bewährt und bieten Potential für zukünftige, neue Einsatzfälle. In einer der Feldtestanlagen konnte in der Umkehr der Nutzung erfolgreich eine Wärmeversorgung im Winterbetrieb erreicht werden. Verlängerte Laufzeiten von BHKW-Anlagen, bessere Auslastung von Fernwärmenetzen im Sommerbetrieb oder die Nutzung von Abwärme aus anderen Prozessen wurden als zusätzliche positive Aspekte definiert und tragen zur Steigerung der Effizienz bei. Die Nutzung von Solarthermie zur Kälteerzeugung ist ein weiteres, bedeutendes Einsatzfeld – in unseren Breiten jedoch aufgrund der Dauer und der Intensität der Sonneneinstrahlung eher nachrangig zu sehen. Allerdings lassen sich solche Systeme in südlichen Ländern mit positiven ökologischen und ökonomischen Ergebnissen betreiben, was durchaus auch als Geschäftsfeld wahrgenommen werden kann. 

 

Freie Kühlung

Das größte Effizienzpotential liegt gerade bei sinkendem spezifischen Energiebedarf darin, einen unnötigen Energieeinsatz zu vermeiden. Daher sollten beispielsweise die Möglichkeiten einer freien Kühlung überprüft und sowohl bei der Planung als auch in der Betriebsphase die gewünschten Raumklimaparameter wie „Temperaturen“ oder „Feuchte“ hinterfragt werden. Erst an zweiter Stelle steht eine energieeffiziente maschinelle Erzeugung von Wärme oder Kälte. Dass zum Aufrechterhalten der Qualität der Prozesse eine regelmäßige Wartung der Anlagen und eine auf den Energieeinsatz fokussierte Inspektion erforderlich sind, versteht sich von selbst: egal, ob bei innovativer Neuentwicklung oder bei altbewährter, vielleicht auch energetisch optimierter Technik. 

 

Der Kommentar gibt die Meinung des Autors wieder.

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