DGNB-„Sustainability Challenge“ 2020

Sonderpreis für studentisches Projekt

Ein Start-up, das nachhaltige Energiekonzepte für Quartiere entwickelt, ein Unternehmen mit einer All-in-one-Klimaleuchte und ein Forschungsprojekt, das auf zirkuläres Bauen setzt: Das sind die Sieger der diesjährigen Sustainability Challenge der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB). Sie wurden im Rahmen des DGNB-Tages der Nachhaltigkeit am 21. September 2020 in Stuttgart prämiert. In der Endausscheidung setzten sie sich in ihren Kategorien gegen jeweils zwei weitere Kandidaten durch. Das studentische Projekt re.create erhielt einen Sonderpreis.

Mehr als 80 Projekte und Unternehmen hatten sich in den drei Kategorien „Start-up“, „Innovation“ und „Forschung“ bei der DGNB Sustainability Challenge 2020 beworben. Nach einer Vorauswahl durch den Innovationsbeirat der DGNB traten die neun Finalisten in einem digitalen Live-Pitch gegeneinander an. Über eine daran angeschlossene Online-Abstimmung wurden die drei Gewinner bestimmt und im Rahmen des DGNB-Tages der Nachhaltigkeit mit 200 Besuchern vor Ort und per Livestream informierten weiteren Interessenten feierlich bekanntgegeben.

In der Kategorie „Start-up“ fiel die Wahl auf die Energie PLUS Concept GmbH aus Nürnberg. Ihr Thema ist die nachhaltige und energieeffiziente Versorgung von Quartieren mit Wärme und Kälte aus erneuerbaren Energiequellen. Das Unternehmen nutzt hierfür oberflächennahe Geothermie und ein kaltes Nahwärmenetz, das die Wohngebäude, Fabriken und Supermärkte des Quartiers miteinander verbindet und energetisch voneinander profitieren lässt. Durch diese Bündelung der Wärmeerzeugung und die serienmäßig einsetzbaren Wärmepumpen entsteht ein zukunftsfähiges Modell für die Versorgung von Siedlungen.

Mit einer sogenannten Klimaleuchte konnte interpanel aus Crossen in Thüringen in der Kategorie „Innovation“ den Sieg für sich ausmachen. Dabei handelt es sich um eine multifunktionale, modular vorgefertigte Deckeninstallation, die Beleuchtung, Heizung und taupunktunabhängige Kühlung miteinander vereint. Um Letzteres zu erreichen, hat das Unternehmen ein neuartiges Material entwickelt, das feuchte Luft von der Kühlfläche fernhält, ohne den Wärmetransport zu unterbinden. In Kombination mit einer hohen akustischen Absorption und einer circadianen LED-Beleuchtung deckt die Klimaleuchte die raumklimatischen Bedürfnisse effizient ab.

Das EU-geförderte Forschungsprojekt RE4, das in internationaler Zusammenarbeit von ZRS Architekten aus Berlin und zwölf europäischen Partnern entstand, ist der Gewinner in der Kategorie „Forschung“. Das Konzept zeigt, wie Gebäudeabfälle signifikant reduziert und Gebäudeteile im Kreislauf gehalten werden können. Hierfür wurde das Design für ein zirkuläres und energieeffizientes siebengeschossiges Wohngebäude entwickelt, das aus wiederverwendeten Bauteilen oder recycelten Materialien errichtet werden kann. Das Projekt erhöht die Recyclingquote auf 80 % und zeigt mittels Ökobilanz, dass negative Umweltwirkungen und CO2-Emissionen signifikant reduziert werden können – ein wichtiger Nachhaltigkeitsbeitrag im Sinne einer Kreislaufwirtschaft (Circular Economy).

„Unser Ziel mit der ,Sustainability Challenge‘ ist es, innovative Projekte und Unternehmen aus dem Bereich des nachhaltigen Bauens aufzuspüren und ihnen eine Bühne zu bieten, um ihre Lösungen einem breiteren Publikum zu präsentieren“, sagt Dr. Christine Lemaitre, Geschäftsführender Vorstand der DGNB. „Das ist uns auch in diesem Jahr wieder gelungen – mit drei spannenden und verdienten Gewinnern.“

Studentischer Sonderpreis

Erstmals vergeben wurde ein studentischer Sonderpreis. Diesen erhielt das Projekt re.create von zwölf Studenten der Technischen Universität München, der Ostbayerischen Technischen Hochschule sowie der International Real Estate Business School Regensburg. Mit ihrem Gebäudeentwurf entwickelten sie eine Vision für ein nachhaltiges, urbanes Leben, das einen sensiblen Umgang mit den Ressourcen voraussetzt (siehe Infokasten Seite 58 unten).

Weitere Finalisten

Die weiteren Finalisten in der Kategorie „Start-up“ waren Breeze Technologies aus Hamburg sowie das italienische Jungunternehmen Ricehouse.

In das Finale der Kategorie „Innovation“ hatten es die Kessel AG aus dem bayerischen Lenting und Minreo Flooring mit Sitz in Frankfurt geschafft. In der Kategorie „Forschung“ waren ein Projekt des Instituts für Tragwerksentwurf (ITE) der Technischen Universität Braunschweig sowie ein Forschungsvorhaben der Frankfurt University of Applied Sciences in Kooperation mit dem Umweltamt der Stadt Frankfurt in der Endauswahl.

Info

Das Projekt re.create

Das Projekt re.create entstand aus einer studentischen Zusammenarbeit von 12 Studierenden der Technischen Universität München, der Ostbayerischen Technischen Hochschule sowie der International Real Estate Business School Regensburg. Mithilfe der verschiedenen Hintergründe wurde ein Entwurf für ein Gebäude der Zukunft entwickelt. Genauer: eine Vision für nachhaltiges, urbanes Leben.

re.create ist eine Reaktion auf unsere heutige schnelllebige Lebensweise, dem daraus resultierenden übermäßigem Ressourcenverbrauch und der Überbelastung von Mensch und Natur. Der Ansatz von re.create setzt deshalb  einen langfristigen, schonenden und sensiblen Umgang mit den Ressourcen voraus, der Nachhaltigkeit auf allen Ebenen zulässt. Somit wurde ein Gebäude entworfen, das auf der sozialen Ebene unser körperliches, geistiges und soziales Wohlbefinden beeinflusst, auf der ökonomischen Ebene als Sinnbild des robusten Bauens lange Lebensdauern gewährleistet und auf der ökologischen Ebene durch den bewussten Einsatz von Wärme-, Energie- und Materialquellen einen positiven Fußabdruck schafft.

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