Diverse (Akustik/Dämmung/Fördertechnik) | Fachartikel | 07.11.2017

Exklusiver Onlinebeitrag: Futuristische Deckenskulptur

Verborgene TGA im Szenelokal

Im Stuttgarter Szenelokal „H’ugo’s“ erwarten die Gäste nicht nur kulinarische Leckerbissen, sondern auch ein einzigartiges Ambiente, das vor allem durch ein besonders auffälliges Design-Highlight geprägt wird: Wie ein starker Ast eines Baumes überspannt eine Deckenskulptur den weitläufigen Gastraum, kleinere Zweige „sprießen“ in alle Richtungen und münden in stilisierten Blüten. Dass diese von Architekt Steffen Haas entworfene und entwickelte Skulptur nicht nur für eine spannende Raumdramaturgie sorgt, sondern durchaus funktional relevant ist, wird bei einer näheren Betrachtung deutlich.

  • Ein zunächst unscheinbares Ladenlokal in der Stuttgarter Innenstadt wurde zu einem Gastronomiebetrieb ausgebaut. Foto: Heinrich Schmid GmbH & Co. KG

  • Um die über den Gastronomieräumen liegende Büroetage vor Lärm aus Bar, Restaurant und Küche zu schützen, wurde eine schalldämmende und -entkoppelte Gipskartondecke mit zwei Lagen „Rigips Die Blaue“ und zusätzlicher Dämmauflage eingebaut. Foto: Heinrich Schmid GmbH & Co. KG

  • Die außergewöhnliche Deckengestaltung nimmt Form an: In einem ersten Schritt wurden die Umrisse der verästelten Skulptur im Maßstab eins zu eins geplottet, auf dem Boden ausgelegt und anschließend an der Decke eingemessen. Foto: Heinrich Schmid GmbH & Co. KG

  • Dann montierte das Ausbauteam entlang der Umrisse umlaufend 36/50-L-Winkel als Basis für alle weiteren Maßnahmen. Foto: Heinrich Schmid GmbH & Co. KG

  • Sie stellten gleichzeitig die Begrenzung für sämtliche Technikeinbauten dar, die von der Skulptur umschlossen werden sollten. Foto: Heinrich Schmid GmbH & Co. KG

  • Die Basis für die Deckenskulptur bildet eine mehrfach abgewinkelte, 50/4 mm starke Stahl-Hilfskonstruktion mit Schienenläufern und daran montierte Rigips CD-Profile als Grundgerüst. Foto: Heinrich Schmid GmbH & Co. KG

  • Wie ein großer Technikkanal nimmt sie alle notwendigen Leitungen und Medien im Inneren komplett auf. Foto: Heinrich Schmid GmbH & Co. KG

  • Die Idee dieses Konstruktionsaufbaus ist dem Flugzeugbau entliehen. Auch die unterschiedlich großen Deckenblüten am Endpunkt der einzelnen Äste wurden mithilfe einer Stahlkonstruktion und CD-Profilen so ausgebildet, dass sie ausreichend große Hohlräume für Sound- und Lichtanlagentechnik bieten. Foto: Heinrich Schmid GmbH & Co. KG

  • Verkleidet wurde die Tragkonstruktion mit individuell angepassten Formteilen aus „Rigips Bauplatten RB“ mit V-Fräsung. Rund 80 % der Formteile wurden vor Ort erstellt. Foto: Heinrich Schmid GmbH & Co. KG

  • Die Installation der gesamten Skulptur erfolgte in nur drei Wochen durch drei erfahrene Trockenbauprofis sowie zwei Spachtelprofis aus dem Team von Heinrich Schmid. Foto: Heinrich Schmid GmbH & Co. KG

  • Je nach Tageszeit oder passend zu einem Veranstaltungsmotto kann das Farbenspiel der LED-Lichtsysteme variiert werden, wodurch sich im gesamten Raum sehr unterschiedliche Stimmungsbilder schaffen lassen. Foto: Jose Arjona

  • Die Tiefe der Skulpturen-Äste und ihrer Sound-/Licht-Blüten variiert zwischen 170 mm und 1.100 mm, was die dreidimensionale Anmutung noch einmal verstärkt. Foto: Jose Arjona

  • Wie bei einem echten Baum verlaufen die Äste mutmaßlich willkürlich durch den Raum, sind unterschiedlich dick und hängen, mal hoch, mal nah über den Köpfen der Restaurantgäste. Foto: Jose Arjona

Das H’ugo’s an der Friedrichstraße im Herzen von Stuttgart ist sowohl Restaurant als auch Bar und Lounge – dafür sorgen die ausgezeichnete Küche auf der einen und ein versierter Barkeeper sowie die außergewöhnliche Raumgestaltung auf der anderen Seite. „Wie so oft in unserem Metier standen am Anfang kahle Räume: 420 m2 Fläche im Erdgeschoss, dazu noch einmal 100 m2 im Untergeschoss. Eine große Glasfassade, Wände aus Stahlbeton, die Decke aus Massivbeton“, erinnert sich Herbert Wanner, Standortleiter der Heinrich Schmid GmbH & Co. KG aus Pfullingen, die für den Trockenbau verantwortlich zeichnet.

 

Schallschutzdecke schützt Büroetage

Zu Beginn der Arbeiten war vor allem Schallschutz-Know-how gefragt, denn um die über den Gastronomieräumen liegende Büroetage vor Lärm aus Bar, Restaurant und Küche zu schützen, wurde eine leistungsstarke, schalldämmende Deckenkonstruktion benötigt. „Hierfür haben wir eine niveaugleiche Unterkonstruktion aus ,Rigips-CD‘-Profilen an Schwinghängern schallentkoppelt circa 100 mm tief abgehängt. Anschließend wurde eine 40 mm starke Mineralwolledämmung aufgelegt und die Unterkonstruktion dann zweilagig mit der Schallschutzplatte ,Rigips Die Blaue’ beplankt. Die umlaufenden Wandanschlüsse wurden ebenfalls schallentkoppelt ausgeführt. Zu beachten waren dabei diverse Ausklinkungen in der Beplankung etwa für Brandmeldeanlagen und einige Rohrführungen“, erläutert Herbert Wanner.

Anschließend wurden die Trockenbauwände inklusive diverser Aussparungen sowie einige freistehende Wandelemente errichtet und sämtlich zweilagig mit „Rigips Bauplatten RB“ beplankt. Die Wände zu den angrenzenden Mieteinheiten wurden als F 90-Doppelständer­wände mit 2 x 80 mm starker Dämmeinlage ausgeführt. Um einen bestmöglichen Schall- und Brandschutz zu gewährleisten wurde hier mit „Rigips Die Blaue RF“ beplankt, der für einen erhöhten Brandschutz faserarmierten Variante der Schallschutzplatte.

 

Versteckte Technik

Danach machte sich das Trockenbauerteam von Heinrich Schmid an die Arbeiten für die Deckenskulptur: „In einem ersten Schritt haben wir die Umrisse der verästelten Skulptur im Maßstab eins zu eins geplottet. Die fertigen Papierschablonen haben wir auf dem Boden ausgelegt, die Flächen an der Decke eingemessen und anschließend den Plott an die Decke getackert. Entlang seiner Umrisse montierte unser Team dann 35/50-L-Winkel als Basis für alle weiteren Maßnahmen. Sie gaben den Verlauf der Deckenskulptur vor und stellten gleichzeitig die Begrenzung sämtlicher darin befindlicher Technikeinbauten dar. Die Skulptur ist kein ,hohles’ Kunstwerk, sondern erfüllt viele wichtige Funktionen“, so Herbert Wanner.

 

Elektrische Leitungen, Datentechnik, Sprinkler- und Lüftungsleitungen, Lichttechnik, Lautsprecher – sie alle sollten in der verästelten Deckenkonstruktion nahezu unsichtbar untergebracht werden. Ermöglicht wird dies durch eine mehrfach abgewinkelte Stahl-Hilfskonstruktion, die auf der Grundlage einer statischen Berechnung und mithilfe von 10 mm dicken Gewindestangen an der Betonmassivdecke befestigt wurde. Dafür wurden die Gewindestangen durch die Schallschutzdecke hindurchgeführt. Im nächsten Schritt installierte das Team umlaufend Schienenläufer, an denen die Trockenbauprofis dann „Rigips-CD“-Profile befestigten. „Diese Stahl-/Profil-Unterkonstruktion bildet eine Art großen Technikkanal, der die notwendigen Leitungen komplett aufnimmt. Die CD-Profile haben wir dann mit individuell angepassten Formteilen aus ,Rigips Bauplatten RB’ mit V-Fräsung einlagig beplankt. Wobei vergleichsweise wenig vorgefertigt wurde, circa 80 % der Formteile wurden vor Ort erstellt. Die Idee dieses Konstruktionsaufbaus haben wir ein wenig an den Flugzeugbau angelehnt. Das erkennt man besonders gut auch an den unterschiedlich großen ,Deckenblüten’ am Endpunkt der einzelnen Äste.“

 

Elegant verborgene Licht- und Soundtechnik

Auch diese Blüten wurden mithilfe einer Stahlkonstruktion und darauf montierten CD-Profilen so ausgebildet, dass ausreichend große Hohlräume entstanden, um die Sound- und Lichtanlagentechnik aufzunehmen. Letztere spielt auch eine entscheidende Rolle für die Ästhetik der fertig ausgebauten Räume: Je nach Tageszeit oder passend zu einem Veranstaltungsmotto kann das Farbenspiel der LED-Lichtsysteme variiert werden, wodurch sich im gesamten Raum sehr unterschiedliche Stimmungsbilder schaffen lassen. Die Tiefe und damit das Volumen der stilisierten Äste und der Sound-/Licht-Blüten variieren zwischen 170 mm und 1.100 mm, was die dreidimensionale Anmutung noch einmal verstärkt. Wie bei einem echten Baum verlaufen die Äste mutmaßlich willkürlich durch den Raum, sind unterschiedlich dick und hängen, mal weit, mal näher über den Köpfen der Restaurantgäste.

„Die Installation der gesamten Skulptur erfolgte in nur drei Wochen durch drei besonders erfahrene Mitglieder unseres Teams. Sobald ein Teilstück fertig war, haben zwei Mitarbeiter dieses mit Malervlies und in mehrfachen Spachtelgängen auf Q 4 gebracht. Da gerade das Licht- und Farbenspiel für das Ambiente in den Räumen eine wichtige Rolle spielt, durften die Oberflächen natürlich keinerlei Unebenheiten aufweisen“, so Herbert Wanner.

 

„Gestaltete Funktion“ überzeugt auch bei der International Trophy

Die qualitativ hochwertige Ausführung der Details und die gekonnte Umsetzung der architektonisch außergewöhnlichen Deckenskulptur zeugt – so die Meinung der Juroren der Rigips Trophy – von der langjährigen Erfahrung der Mitarbeiter der Heinrich Schmid GmbH & Co KG. Darüber hinaus zeige dieses Projekt auf besonders anschauliche Weise, wie der moderne Trockenbau die Integration notwendiger Technik quasi als „gestaltete Funktion“ unterstützen kann. Eine Jurybegründung und ein Lob, das auch auf internationaler Ebene Widerhall fand: Herbert Wanner und sein Team gingen nicht nur in Deutschland als Sieger aus der 10. Rigips Trophy hervor, sondern wurden kurze Zeit später auch zu den Gewinnern im Rahmen der 10. Saint-Gobain Gypsum International Trophy gekürt. Auf der feierlichen Galaveranstaltung in Prag wurde das Team mit der Siegtrophäe in der Wettbewerbskategorie „Einkaufsstätten/Gewerbebau“ ausgezeichnet.

Bautafel

Bauherr:                                H’ugo’s Stuttgart GmbH, Stuttgart

Planung:                               id_architektur  innenraumcorporate design, Stuttgart

Ausbaubetrieb:                    Heinrich Schmid GmbH & Co. KG, Pfullingen

Fachberater

Trockenbausysteme:          Dirk Bange, Saint-Gobain Rigips GmbH

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