Klima/Lüftung | Unternehmen + Markt | 23.02.2012
Interview mit Holger Thiesen, Mitsubishi Electric
Neue Bereiche und Segmente entschlossen angehen
Getragen von seiner Klima- und Wärmepumpentechnik hat sich das Unternehmen Mitsubishi Electric im vergangenen Jahr weiter in der Branche etabliert. Wie sich die Strategie des Unternehmens künftig darstellen wird, was an Neuheiten zu erwarten ist, wie die kommende ErP den Markt prägen und das Thema Energieeffizienz immer weiter in den Fokus rückt – darüber sprach die tab-Redaktion mit Holger Thiesen, General Manager Mitsubishi Electric, Living Environment Systems.
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„Mittlerweile dominiert die Luft/Wasser-Wärmepumpe und erschließt Felder, in denen eine Erd-Wärmepumpe kein gangbarer Weg wäre.“
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„Generell befürworten wir die ErP, weil sie hilft transparent darzustellen, warum Qualitätsprodukte mit hoher Effizienz nun einmal kostenintensiver als Geräte aus dem Baumarkt sind.“
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„Das große Thema bei Luft-Wärmepumpen wird aus unserer Sicht die Geräuschemission sein. Das begrenzt derzeit noch die Einsatzorte und alle namhaften Hersteller arbeiten hier an Lösungen – auch für den Wohnungsbau.“
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„Mit einem deutlich vergrößerten Schulungsprogramm gehen wir das Thema Qualifizierung unserer Partner aktiv an. Die Nachfrage ist riesig.“
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„Vor zehn Jahren hätte noch niemand daran gedacht, seine Wohnung mit einem Klimagerät auch zu beheizen und nicht nur zu kühlen.“
tab: Herr Thiesen, können Sie bereits einen ersten Blick auf das abgelaufene Jahr 2011 werfen und erläutern, wie sich Mitsubishi Electric in diesem Jahr entwickelt hat?
Holger Thiesen: Gemeinsam mit der Branche der Klimatechnik hat sich auch die Division Living Environment Systems bei Mitsubishi Electric erfolgreich entwickelt. Das gilt nicht nur für Deutschland, sondern auch für die von uns aus Ratingen betreuten Märkte und Tochtergesellschaften in Benelux, Zentraleuropa und Russland. Gleichermaßen gilt die positive Entwicklung auch für alle Produktgruppen – sowohl im reinen Klimageschäft als auch unsere Wärmpumpen in der Heiztechnik. Überraschend haben sich auch die Klimageräte für den privaten Endkunden deutlich positiv entwickelt. Dieses Geschäft wird überwiegend von heißen Sommern getrieben. Vom reinen Verkauf her hatten wir einen sehr heißen Sommer. Wir beobachten den Trend, dass sich Privatkunden nach ihren ersten Erfahrungen mit Klimageräten aus dem Baumarkt professionelle Geräte wünschen und sich dann auch an die traditionell großen Hersteller wenden. Gleichzeitig haben Entwicklungen wie unser „MSZ-EF“, die auf den Wunsch einer gelungenen Optik im Privatsegment eingehen, einen deutlichen Anteil am Wachstum in diesem Segment.
tab: Wie stellte sich die Entwicklung in den anderen Produktbereichen dar?
Holger Thiesen: Auch hier können wir auf ein äußerst erfolgreiches Jahr zurückblicken. Letztendlich zahlt sich gerade im Bereich VRF die Entwicklung der Mitarbeiterkapazitäten aus. Hier haben wir insbesondere die Planungsunterstützung ausgebaut. Wir stellen aber darüber hinaus fest, dass in allen Bereichen wieder mehr auf Langlebigkeit, Zuverlässigkeit und Qualität geachtet wird. Von diesem Trend profitieren wir. Die Replace-Technology hat uns dabei zusätzliche Marktsegmente geöffnet. Dieser Austausch von Klimageräten mit den mittlerweile verbotenen Kältemitteln, die nur noch als Recycling-Ware verfügbar sind, wird erst jetzt für die Betreiber wirklich zu einem Thema und der Markt entwickelt sich mit deutlichem Wachstum.
tab: Wie soll diese Komplettierung im Wärmepumpenbereich aussehen?
Holger Thiesen: Die Philosophie hinter Mitsubishi Electric ist es, Produkte möglichst nahe an den Märkten zu entwickeln und zu bauen, die sie auch benötigen. In der Klima-Branche existieren sicher Geräte, die weltweit mit den gleichen Standards benötigt werden. Bei Wärmepumpen sieht das anders aus. Im vergangenen Jahr haben wir deswegen eines unserer vier Werke in Schottland vollständig auf das Thema Wärmepumpe ausgerichtet. Dahinter steckte auch die Entscheidung, das Know-how und das Verständnis für den europäischen Markt von hier aus besser nutzen zu können.
tab: Welche Entwicklung erwarten Sie für 2012 – gerade angesichts der weltweiten Finanzkrise?
Holger Thiesen: Im Moment ist die Situation äußerst intransparent. Gleichzeitig sind wir mit globalen Entwicklungen konfrontiert, für die es keinerlei Erfahrungswerte aus der Vergangenheit gibt. Wir alle hängen derzeit an Entwicklungen wie dem Euro, Griechenland etc. Wir rechnen mit einer leichten Beruhigung der Märkte und damit des Wachstums. Legen wir die gängigen Konjunkturindikatoren aus dem Handwerk zugrunde, bewerten wir die Gesamtlage jedoch weiterhin positiv. Insofern gehen wir von einem leichten Wachstum aus.
Gerade für unsere Branche spielen da Themen wie der Austausch der R22-befüllten Altanlagen hinein, die auf alternative Kältemittel umgestellt werden müssen – und für die wir ja auch entsprechende Lösungen bieten.
tab: In relativ kurzer Zeit haben sich Luft/Wasser-Wärmepumpen den ersten Platz in der Absatzstatistik erkämpfen können. Wagen Sie eine Prognose, wie sich der Wärmepumpenmarkt in den kommenden Jahren entwickeln wird?
Thiesen: Luft/Wasser-Wärmepumpen sind bereits heute bei richtiger Auslegung von ihrer Effizienz her wettbewerbsfähig zu Erd-Wärmepumpen. Und die Branche arbeitet an einer weiteren Steigerung der Effizienz dieser Systeme.
tab: Werden sich künftig Kälte- und Wärmeerzeugung überhaupt noch trennen lassen? Wo sehen Sie als Mitsubishi Electric Ihre Kernkompetenzen?
Holger Thiesen: Wir sehen hier eine zunehmende Verschmelzung in Richtung eines Haustechnik-Gewerbes. Gerade hier muss bereits die Ausbildung der kommenden Generationen ansetzen.
tab: Sie hatten bereits die kommende ErP-Richtlinie angesprochen. Dieses Thema wird die gesamte Branche in den nächsten Jahren sicher intensiv beschäftigen. Wie bereiten Sie sich darauf vor?
Holger Thiesen: Generell befürworten wir die ErP, weil sie hilft, transparent darzustellen, warum Qualitätsprodukte mit hoher Effizienz nun einmal kostenintensiver als Geräte aus dem Baumarkt sind. Und das neue Energielabel wird deutlich kennzeichnen, dass sich Bestwerte ausschließlich mit Invertern erreichen lassen. Wir sehen das insgesamt als Riesenchance für die Branche und haben uns produktionstechnisch bereits darauf vorbereitet. Heute wird die Effizienz von Klimageräten nur auf einen einzigen Messpunkt bezogen. Die Optimierung nahezu jedes Gerätes auf einen Betriebspunkt ist relativ einfach. Mit der neuen ErP geht es um Betriebszustände in verschiedenen Leistungs- und Temperaturbereichen. Das lässt sich dann nicht mehr mit Ein-/Aus-Verdichtern darstellen, sondern nur noch mit Invertertechnologie. Dabei haben wir dem Wettbewerb eine lange Erfahrung voraus, auf die wir bauen können. Das wird sicher anlässlich der Chillventa im Herbst noch einmal im Fokus stehen.
tab: Abschließend die Frage, Herr Thiesen, was Sie in den kommenden Jahren an neuen Produkten und Lösungen bieten werden. Werden Sie sich hierbei weiter auf die derzeitigen Geschäftsfelder konzentrieren oder auch neue Gebiete erschließen?
Holger Thiesen: Wir werden uns in jedem Fall weiter innerhalb unseres Kerngeschäftes der Klima- und Lüftungs-, sowie Wärmepumpentechnik bewegen. Dann machen wir uns insbesondere auch Gedanken um die Kältemittelthematik, falls Kältemittel künftig noch kritischer betrachtet werden. Hier werden wir einen Ansatz bereits zur Chillventa in einer Studie vorstellen können.
tab: Herr Thiesen, vielen Dank für das Gespräch.







