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BTGA | Leitartikel | 27.03.2018

Kommentar

Facharbeitermangel einmal selbstkritisch gesehen

  • Michael Mahr, Vorsitzender des Zentralen Sozialpolitischen Ausschusses (ZSAP) des BTGA e.V.

Verbleiben wir erst einmal in den alten Ritualen und stöhnen über den Facharbeitermangel. Alle umliegenden Zuhörer nicken verständnisvoll und können ihrerseits einen Beitrag dazu liefern, wie viele Steine ihnen in den Weg gelegt werden, wenn es darum geht, genügend Facharbeiter aber auch Auszubildende auf die Baustelle zu ordern. Und jeder stimmt sofort mit ein: „Keiner will mehr die Arbeiten auf den Winterbaustellen verrichten.“ „Alle wollen heute Abitur machen.“ „Die können ja nur mit dem Handy umgehen.“ „Niemand will mehr auf Montage fahren.“

Der Beweis dieser Aussage wird durch den mangelhaften Erfolg einer Stellenanzeige dokumentiert. Dabei wurde sogar überregional annonciert. Und trotzdem gab es keinen nennenswerten Erfolg! Aber in guten wirtschaftlichen Zeiten sind die Aufträge da, die Arbeiten müssen ausgeführt werden.

Da hat sich in den letzten 40 Jahren einiges gewandelt: War es früher noch die große Kunst, Aufträge zu erlangen, so ist das heute nicht mehr so schwierig wie damals. Heute ist jedoch das Finden von genügend Fachpersonal die „neue große Hürde im Reitstadion“ – vor allem in unseren Gewerken „Heizung“, „Lüftung“, „Klima“, „Sanitär“ usw. Die Probleme fangen bei zu wenig Auszubildenden an und reichen bis hin zum fehlenden Projektingenieur. Den Artikel könnte ich an dieser Stelle beenden: Der Leser würde sich sofort wiederfinden und ins gleiche Horn stoßen. 

Wertsteigerung der TGA-Berufe

Wenn all das Vorhergesagte stimmt, dann fehlt aber ein wichtiger – ja selbstkritischer – Hinweis. Wenn unsere gemeinsame Branche in den vergangenen zehn Jahren etwas sehr Wertvolles vollbracht hat, dann ist es die deutliche „Wertsteigerung“ unserer Berufe. Früher noch der „Sub“ des Betonbauers mit einem Touch Abwasserrohr versehen, tristete er sein Dasein. Heute schauen wir auf das „bisschen Beton“ herab, weil unsere Gewerke eine ungeheure Aufwertung erfahren haben – nicht zuletzt auch durch die veränderte Energiesituation in Deutschland. Ja, wir gehören zu den wertvollsten Berufsgruppen! Wer hätte das jemals gedacht.

Vor demjenigen Spezialisten, der in der Versorgungstechnik arbeitet, ziehe ich den Hut – ganz selbstkritisch.

Nur eines haben wir offensichtlich noch nicht gelernt: Diese riesige Aufwertung stolz nach außen zu tragen. Wir müssen den jungen Menschen aufzeigen, mit welch hervorragenden Zukunftsaussichten sie helfen, bezahlbare Lebensqualität zu errichten – denn genau das ist es, was wir herstellen. Hier sind übrigens auch die Verbände gefragt.
Wenn wir Letzteres noch nicht verinnerlicht haben und dann in einem Teil unserer Unternehmen mehrfache Inhaberwechsel, Restrukturierungen, Fluktuationen mit arbeitsgerichtlichen Nachwirkungen, Teilschließungen etc. durchführen, dann lassen Sie mich die Dinge mit dem Begriff: „Eine Sau durch den Betrieb jagen!“ zusammenfassen.
Das Umfeld eines Unternehmens im Umkreis von 30 bis 50 km hat einen sehr genauen Riecher. Die Mitbewerber sind bekannt und auch die auftauchenden Probleme. Wenn hier auch nur einige Dinge zusammenkommen, dann empfinden wir dies als Facharbeitermangel. Facharbeitermangel? Ja, aber…

 

Der Kommentar gibt die Meinung des Autors wieder.

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  • Heft 05 / 2018

    Das „Zemos“ in Bochum – Ein Forschungsneubau als KfW-Effizienzhaus 70

    Im „Zentrum für molekulare Spektroskopie und Simulation solvenzgesteuerter Prozesse“, kurz „ZEMOS“, entstanden Labor- und Büroflächen. In den Obergeschossen liegen chemische und biologische Labore. Im Untergeschoss stehen physikalische Labore für hochsensible Mikroskope und Laser-Messtechniken zur Verfügung, die erschütterungsfrei gelagert und von elektromagnetischen Störeinflüssen abgeschottet sind. Außerdem wurde besonderer Wert auf die TGA gelegt und so ein Gebäude geschaffen, das einem KfW-Effizienzhaus 70 entspricht.

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    Foto: Krantz Aachen

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