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Brandschutz | News | 28.04.2017

Brandschutz aus Erfahrung

Im Gespräch mit Detlef Täuber

  • Dipl.-Ing. Detlef Täuber, Leiter Vertrieb Haustechnik/Brandschutz, stellte sich den Fragen der tab-Redaktion. Foto: Deutsche Rockwool Mineralwoll GmbH & Co. OHG

  • Der vorbeugende Brandschutz ist eine komplexe Disziplin – gerade im Bereich der Haustechnik. Rockwool entwickelt und prüft seit 20 Jahren Brandschutzsysteme für unterschiedlichste Installationssituationen und warnt vor „Insellösungen“ einzelner Rohrhersteller. Foto: Deutsche Rockwool Mineralwoll GmbH & Co. OHG

  • „Heißes“ Thema Nullabstand: Rockwool hat seine „Conlit“-Systeme für das SHK- und das Elektrogewerk in sämtlich denkbaren Kombinationen gemeinsam prüfen lassen. Fotos: Deutsche Rockwool Mineralwoll GmbH & Co. OHG

Bei einem Brand können auch Leitungsanlagen, die durch Decken und Wände geführt werden, zur Brandausbreitung beitragen, wenn keine oder nur mangelhafte Maßnahmen dagegen getroffen wurden. Kein Wunder, dass sich der Blick derjenigen, die für den Vorbeugenden Brandschutz zuständig sind, seit einigen Jahren verstärkt auch auf die Haustechnik richtet. Ganz leicht zu bewerkstelligen ist die Ertüchtigung von Rohren und Kabeln allerdings nicht. Verarbeitungsfehler können fatale Folgen haben, wie die, dass die Abnahme einer Installation trotz Dämmung und Abschottung verweigert wird. Die Redaktion sprach mit Detlef Täuber, Leiter Vertrieb Haustechnik und Brandschutz bei Rockwool, über mögliche Ursachen dieser Entwicklung.

tab: Herr Täuber, das Unternehmen Rockwool engagiert sich seit Jahren für Systeme, mit denen die Anforderungen an den Brandschutz von Hausinstallationen sicher erfüllt werden können. Den „Conlit“-Brandschutzsystemen vertrauen viele Handwerker. Trotzdem haben Sie Sorge, dass sich das ändern könnte?

Detlef Täuber: Ja, weil es in jüngerer Vergangenheit immer öfter zu Verwechslungen kommt. Es werden Rockwool-Wärmedämmprodukte von einzelnen Rohrherstellern mit bestimmten Rohren in speziellen Dimensionen geprüft und als Brand­schutz­sys­tem angeboten. Das funktioniert auch. In der Regel allerdings nur mit Rohren dieses einen Herstellers in einem eingeschränkten Anwendungsbereich. Die Zahl dieser Kombinationen, die als Brandschutzsysteme bezeichnet werden, wächst. Die meisten sind aber eben nicht, wie die von Rockwool geprüften „Conlit“-Systeme, für alle Rohre und Dimensionen sicher. Das ist nicht immer einfach zu erkennen.

tab: Geprüft ist geprüft, oder?

Detelf Täuber: Jein. Geprüft werden immer bestimmte Szenarien, die im Prüfzeugnis umfangreich in Wort und Bild beschrieben werden. Da gilt eine Prüfung dann für ein bestimmtes Rohr mit bestimmten Rohrdurchmessern und für bestimmte Dämmstoffdicken. Vom Hersteller suggeriert wird aber ein universeller Einsatzbereich. Das ist für Planer und Ausführende gefährlich. Ein Beispiel: Wir sahen kürzlich eine Werbung, laut der unsere „Klimarock“-Matte neben anderen Dämmungen als vollkommen gleichwertige Brandschutzlösung in Kombination mit einem bestimmten nicht brennbaren Rohr angepriesen wurde. Richtig ist: „Klimarock“ brennt nicht. Falsch ist, dass „Klimarock“ in jedem Falle eine ausreichende brandschutztechnische Ertüchtigung einer Installation leistet. Schaut man genau in das Prüfzeugnis des Herstellers, so wird deutlich, dass die Kombination mit der „Klimarock“ nur dann als Brandschutzlösung taugt, wenn die Leitung über ihre gesamte Länge fugenfrei gedämmt wird und das auch nur bei wirklich sehr wenigen, kleinen Leitungsdimensionen. Kein Isolierer würde auf die Idee kommen, für solche Leitungsdimensionen eine Dämmmatte zu verwenden. Wie viele Menschen aber lesen das „Kleingedruckte“ in einem Prüfzeugnis? Das ist aber dringend zu empfehlen.

tab: Hauptsache gedämmt, gilt dann wohl nicht, oder?

Detelf Täuber: Nein. Es gibt einen Unterschied zwischen Dämmung und Brandschutz. Werden Rohrschalen, die eigentlich für die Wärmedämmung gedacht sind, für Brandschutzkonstruktionen eingesetzt, kann es z.B. notwendig werden, diese per Hand auf das Rohrmaß anzupassen. Wir haben uns nicht ohne Grund dazu entschlossen im „Conlit“-System Schalen für nahezu jede gängige Rohrdimension bereitzustellen – mit abgestimmten Innen- und Außendurchmessern. Schale aufsetzen, verschließen, fertig. So ist der Bauteilverschluss einfach und sicher herzustellen. Vielen Verarbeitern ist es gar nicht bewusst, dass bei den geprüften Systemen der Rohrhersteller eine fugenfreie Anpassung nötig sein kann. Eine Schlamperei kann hier fatale Folgen haben. 

tab: Was macht die in jüngerer Zeit vorgestellten Lösungen aus Ihrer Sicht so kompliziert?

Detlef Täuber: Kurz gesagt: die Ausnahmen und Einschränkungen in den Prüfzeugnissen. Je universeller ein System verwendet werden kann, desto sicherer. Und natürlich die Art der Verarbeitung. Je höher die Anforderung an die Verarbeitung vor Ort, desto höher das Risiko fürs Handwerk. Es macht manchmal den Eindruck, dass sich die Rohrhersteller darin zu überbieten versuchen, möglichst hochwertige Rohre zu verkaufen, indem sie deren Kombination mit möglichst preisgünstigen nicht brennbaren Dämmungen als Brandschutzlösung deklarieren. Wie eingeschränkt eine Lösung einsetzbar ist, erkennt man leider nur im „Kleingedruckten“. 

tab: Warum halten Sie die neu vorgestellten Lösungen nicht für praxistauglich?

Detlef Täuber: Weil die Prüfungen eines Rohrherstellers nur nachweisen, dass eine Installation mit ganz bestimmten Rohren und mit ganz bestimmten Rohrdimensionen den Ansprüchen der Brandschützer entspricht. Schreibt ein Planer ein bestimmtes Rohrleitungssystem aus, kann er bei öffentlichen Ausschreibungen aber nicht damit rechnen, dass auch dieses System eingesetzt wird. Wird nun ein gleichwertiges Rohr eines anderen Herstellers verwendet, muss erneut geprüft werden, welche Brand­schutz­sys­teme für dieses Rohr vorliegen. Was für den einen Hersteller geprüft wurde, gilt nicht „auto­matisch“ als geprüft für alle vergleichbaren Rohre. Noch unübersichtlicher wird es, wenn verschiedene Rohrleitungen, z.B. Kaltwasserleitungen und Heizungsrohre, von unterschiedlichen Monteuren nebeneinander eingebaut werden. Hinzu kommt: Im Schacht arbeiten verschiedene Gewerke und jedes muss brandschutztechnisch ertüchtigen. Rockwool schließt immer alle relevanten Rohrhersteller in die Prüfungen mit ein und prüft gewerkeübergreifend, denn unsere Kernkompetenz ist der Brandschutz, nicht die Rohr- und nicht die Kabelherstellung.

tab: In aller Munde ist ja vor allem das Thema des Nullabstandes ...

Detlef Täuber: Ja, und da wird es dann richtig „heiß“ im doppelten Sinne des Wortes. Wir haben aus gutem Grund „Conlit“-Systeme für das SHK- und das Elektrogewerk in sämtlich denkbaren Kombinationen gemeinsam prüfen lassen. Wasser und Strom werden nun mal heute meist über die gleichen Schächte geführt. Rohr-, Elektro- und Lüftungsleitungen stehen brandschutztechnisch betrachtet in Wechselwirkung. Wissen Sie, was geschieht, wenn ein Gutachter beim Blick in den Schacht deutlich erkennt, dass unterschiedliche Brandschutzsysteme bei den verschiedenen Leitungen eingesetzt wurden? Er verlangt vom Handwerk, dass dieses ihm dezidiert nachweist, dass genau die in diesem Schacht vorzufindende Kombination den geforderten Brandschutz bietet. Spätestens dann klingelt bei unseren Anwendungstechnikern das Telefon.

tab: Aber dann sollte doch ein Blick in die Brandschutzdokumentation des Verarbeiters alle Fragen beantworten.

Detlef Täuber: In der Praxis folgt eine detaillierte Prüfung der eingebauten Rohrsysteme und der vorliegenden Prüfzeugnisse – ein Verfahren, das Zeit in Anspruch nimmt und nicht immer glücklich endet. Denn die Erfahrung lehrt, dass eine Vielfalt bei Brandschutzsystemen zu Verarbeitungsfehlern führen kann und am Schluss eine Abnahme erschwert. Seien Sie sicher: Rockwool würde nicht seit zwanzig Jahren kontinuierlich unterschiedlichste Installationssituationen, wie sie sich in Schächten finden, prüfen und die „Con­lit“-Systeme einerseits erweitern und andererseits vereinfachen, wenn es dafür keinen Grund gäbe. Es tut uns in jedem Einzelfall sehr leid, wenn nach verweigerter Abnahme Handwerker bei uns um Hilfe bitten, die wir nicht leisten können, weil das verarbeitete System nicht von uns geprüft und von anderen irreführend als immer sicher beworben wurde. 

tab: Wenn Sie dürften, was würden Sie dem Markt zurufen?

Detlef Täuber: Schuster bleib bei deinen Leisten! Wir haben in Deutschland viel erreicht für den Vorbeugenden Brandschutz, weil es Spezialisten für dieses Thema aufseiten der Industrie und auf Ausführungsseite gibt. Der Verarbeiter kann nicht profitieren, wenn man für Unsicherheit sorgt, indem man weitere Brandschutzsysteme in den Markt wirft, die eben nur Insellösungen sind und die nur bei 100-prozentiger Konzentration auf einen Rohrhersteller funktionieren. Hier sorgt der scharfe Wettbewerb zwischen den Rohrherstellern für eine gefährliche Verwässerung des Themas Brandschutz und für Verunsicherung bei Planern und Ausführenden. Brandschutz ist nicht die Kernkompetenz eines Rohrherstellers. Das erkennt der Spezialist nur zu deutlich, wenn er sich die Prüfzeugnisse zur Hand nimmt und die Werbung der Hersteller sieht. Hier werden wirklich Äpfel mit Birnen verglichen. 

tab: Herr Täuber, vielen Dank für die klaren Worte.

Detlef Täuber warnt vor Insellösungen in der Haustechnik.

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    Foto: Krantz Aachen

  • Heft 07 - 08 / 2018

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    Foto: Schwarz Architekten Zürich

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