Gebäudeautomation/ MSR | Fachartikel | 30.09.2015

Gelebte Nachhaltigkeit bei Generali

Gutes Raumklima in allen Gebäudezonen

Deutlich zufriedenere Mitarbeiter, weniger Energiekosten und eine nachhaltige Reduzierung der CO2-Emissionen: Das ist das Fazit der Gebäudemanager der Generali Deutschland Services GmbH, nachdem sie eine simulationsbasierende Betriebssteuerung vor zwei Jahren am Sitz der Generali Deutschland Holding in Köln in Betrieb genommen haben. Aufbauend auf einer Meldung unter www.tab.de vertieft der Beitrag das Thema.

  • In der Kölner Zentrale der Generali in Deutschland orientiert sich die Gebäudeleittechnik an einem Computermodell. Foto: Generali Deutschland

  • Die Generali in Deutschland nutzt MeteoViva-„Climate“ als einen Baustein, um ihre Umweltbilanz zu verbessern. Foto: Generali Deutschland

  • Mit dem Cloud-Portal „Mein MeteoViva“ kann das Betriebspersonal jederzeit die Einhaltung der Klimaprofile aller Gebäudeabschnitte überprüfen.

  • Dr. Stefan Hardt, Geschäftsführer der MeteoViva GmbH, Aachen, stellte sich den Fragen der tab-Redaktion.

Nur 300 m Luftlinie vom Kölner Dom entfernt – mitten im Bankenviertel – liegt das Dominium. Hier befindet sich die Konzernzentrale der Generali in Deutschland. Der repräsentative Neubau, in dem rund 600 Angestellte arbeiten, ist im Hinblick auf die Klimasteuerung kein einfaches Gebäude: Es besteht aus fünf eigenständigen Gebäudeteilen, in den die Planer auch ein unter Denkmalschutz stehendes früheres Bankgebäude sowie eine historische Sandsteinfassade einbezogen haben. Die Anzahl der Geschosse variiert zwischen sechs, sieben und neun Etagen plus Dachausbau. Im Erdgeschoss, in dem Büros und Sonderflächen wie die Räume einer Privatbank und die Betriebskantine untergebracht sind, beträgt die Regelgeschosshöhe 4,25 m. In den Obergeschossen, die ausschließlich als Büro­räume genutzt werden, sind es 3,45 m. Dieser Mix spiegelte sich auch in den Klimazonen wider: Beinahe 100 Zonen wies das Dominium in der vorhandenen Gebäudeautomation auf. Trotz der umfassenden HLK-Technik gab es häufig Beschwerden der Mitarbeiter über das Raumklima, vor allem während der Jahreszeitenübergänge.
Aufgabe von MeteoViva war es, mit seiner simulationsbasierten Betriebssteuerung „MeteoViva Climate“ für eine ganzjährig angenehme Raumtemperatur in allen Gebäudebereichen zu sorgen und zugleich die Energiekosten zu senken. Die Besonderheit dieser Softwareanwendung ist, dass sie mithilfe von Simulationen den Be­darf des Gebäudes an Wärme, Kälte und Luft ermittelt, statt auf Ist-Zustände der Immobilie zu reagieren. Damit setzt die Tech­nologie an den Ursachen und nicht an den Symptomen an und ver­hindert, dass der Betrieb des Gebäudes ständig den Einflüssen von Wetter und Nutzung hinterherläuft. Sie antizipiert diese und kann daher den Anlageneinsatz vorausschauend optimieren.
Als die MeteoViva-Ingenieure ihr System 2013 an die bestehende Gebäudeleittechnik des Dominiums anschlossen, reduzierten sie die bestehenden Klimazonen auf 32. Es ging darum detailliert, aber nicht zu detailliert zu steuern. Viel genauer als zuvor wurden dagegen die Daten, die nun in die Klimasteuerung einfließen. Vor der Installation analysierten die MeteoViva-Ingenieure das Gebäude und die darin verbauten Materialien auf Basis von Konstruktionszeichnungen. Neben den äußeren Bauelementen und der Ausrichtung des Gebäudes zur Sonne schauten sie sich Decken, Fußböden und Lichttechnik der Immobilie an. Auch die Betriebszeiten und die Verteilung der Mitarbeiter im Gebäude sowie gebäudestandortbezogene Wetterdaten spielten bei der Erstellung eines auf die Immobilie zugeschnittenen Berechnungsmodells eine wichtige Rolle.
Zum Messen und Einwirken auf die vorhandene HLK-Technik benötigt das MeteoViva-Modell vorab definierte Datenpunkte und eine digitale Schnittstelle zur Gebäudeleittechnik. Die Berechnung der Steuerdaten erfolgt in einem externen Rechenzentrum. Über eine besonders geschützte Internetverbindung werden diese dann an die Gebäudeleittechnik gesendet. Mit dem Portal „Mein MeteoViva“ kann das Betriebspersonal jederzeit die Einhaltung der Raumtemperaturen überprüfen und für jeden Gebäudeabschnitt die minimal und maximal gewünschte Raumtemperatur wochen- und tageweise per Mausklick einstellen. Das Portal gibt zugleich Auskunft, ob Sensoren und Anlagentechnik richtig arbeiten. Die zuständigen Facility-Management-Mitarbeiter sind so viel schneller als früher in der Lage, Schwachstellen, wie etwa defekte Pumpen oder Kühlkreis-Mischer (Ventile), zu erkennen und zu beheben.

90 % weniger Beschwerden

Im ersten Betriebsjahr haben sich die laufenden Kosten für Heizung, Klima und Lüftung für das Dominium-Gebäude klimabereinigt um 26 % reduziert. Das entspricht einer Einsparung von etwa 49.000 €. Die Verantwortlichen bei der Generali Deutschland Services GmbH gehen nun davon aus, dass die Zeitspanne, innerhalb der sich die Kosten für die Installation amortisieren, bei nur 1,7 Jahren liegt. Darüber hinaus sind die Mitarbeiterbeschwerden wegen zu kalter oder zu warmer Raumtemperaturen nach der Umstellung auf „MeteoViva Climate“, die hausintern nicht angekündigt wurden, um 90 % zurückgegangen. Dem Objektmanager und dem vor Ort arbeitenden Facility-Management-Team erleichtert das die Arbeit deutlich. Hinzu kommt: „Die intelligente Betriebssteuerung der Heizungs- und Klimatechnik in unseren Gebäuden leistet einen aktiven Beitrag, die CO2-Emissionsbilanz der Generali in Deutschland zu optimieren,“ sagt Christina Hohn vom zentralen Gebäudemanagement der Generali Deutschland Services GmbH. Bislang reduzierten sich die Werte jährlich um 38 %.

Info

Eckdaten

Gebäude: Generali Deutschland Holding, Konzernzentrale, Köln

Fläche: 24.600 m2

Technik: Fernwärmeanschluss, Lüftungstechnik (zentral und dezentral, teilweise mit adiabater Kühlung), 4 Heizkreise, 57 Kühlkreise (Kühldecken, BKT), 32 Zonen, 419 Datenpunkte

Einsparung: Heizung, Klima und Lüftungskosten 26 % (klimabereinigt)

Amortisation: 1,7 Jahre

Kurzinterview

tab: Herr Hardt, zahlreiche Unternehmen arbeiten bereits mit der MeteoViva-Technologie, darunter Großunternehmen wie Daimler, BMW und die Deutsche Post. Wie setzen Sie sich gegenüber den etablierten Energieeffizienzmaßnahmen durch?

Dr. Stefan Hardt: Mit unser datenbasierten Lösung „Climate“ gehen wir einen komplett neuen Weg und bieten gegenüber der klassischen energetischen Sanierung (Austausch von Komponenten und zusätzliche Dämmung) eine Alternative mit hochattraktiven Amortisationszeiten. Um unsere Kunden zu überzeugen, müssen wir derzeit aber häufig noch eingefahrene Denkmuster aufbrechen. Viele Interessenten wollen noch immer anfassbare Technik sehen. Sie glauben nicht, dass sich der Einsatz von „Climate“, also eines Computermodells, innerhalb kürzester Zeit rechnet. Aus diesem Grund geben wir eine Einspargarantie in Form einer Versicherungspolice ab. Sollte die garantierte Energieeinsparung nicht erreicht werden, erhält der Kunde eine Ausgleichszahlung von der Versicherung. Wir hatten allerdings bislang keinen Versicherungsfall.

tab: Welche konkreten Vorteile hat der Gebäudemanager? Bringen Sie die Verantwortlichen nicht in Erklärungsnot, wenn Sie bislang unausgeschöpfte Potentiale heben?

Dr. Stefan Hardt: Bislang war das in dem Ausmaß gar nicht möglich. Unsere Technologie ist einzig und allein darauf ausgerichtet, die Potentiale in der vorhandenen HLK-Infrastruktur zu heben. Dazu bedienen wir uns eines gebäudespezifischen Simulationsmodells, in dem wir alle Faktoren, die das Raumklima jetzt und künftig beeinflussen, berücksichtigen und intelligent miteinander vernetzen. Das ermöglicht eine völlig neue Qualität der Anlagensteuerung und ein Einsparpotential, welches nur mit einer vorausschauenden Steuerung erschlossen werden kann.

Die Gebäudemanager erkennen, dass wir ihre Arbeit deutlich erleichtern. Nicht nur die Mitarbeiterbeschwerden wegen zu kalter und zu warmer Raumtemperaturen sind rückläufig, sie können technische Schwachstellen im System selbst und schneller erkennen und beheben. Die Anwendung „Mein MeteoViva 2.0“ ermöglicht es, den Betrieb eines Gebäudes und auch eines ganzen Immobilienportfolios über eine gemeinsame Oberfläche zentral zu steuern.

tab: Für welche Gebäudetypen eignet sich-„Climate“?

Dr. Stefan Hardt: „Climate“ kann seine Stärken besonders bei neuen Gebäuden mit komplexer Anlagentechnik wie moderne Bürotower ausspielen, aber auch bei älteren Immobilien, die über viel Speichermasse verfügen. Eine vorhandene Gebäudeleittechnik beschleunigt die Installation. Sie ist aber keine Voraussetzung für den Einsatz von „Climate“.

tab: Herr Dr. Hardt, vielen Dank für die interessanten Antworten.

Autor:

Katja Korehnke

Freie Autorin, 10115 Berlin

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    (Foto: Birco)

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